Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 10 › Seite 79
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-01-05, Seite 79
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der Einfalt und Lauterkeit, zu der Treue und
Umſicht, mit welcher die Väter der Reformation
das güldene Erz der Wahrheit, die uns frei
macht, wenn wir ſie erkennen, aus der vollen
Schatzkammer der Schrift genommen, und in
ſeinem reinen ungetrübten Glanz dargelegt haben.
Um nur eine Lehre anzuführen, über die in un⸗
ſern Tagen ſo viel geredet und geſchrieben wird,
die Lehre von der Kirche meine ich — können wir
mit den ſchmalkaldiſchen Artikeln rühmen: „es
„weiß nun Gott lob ein Kind von ſieben Jahren,
„was die Kirche ſei? nämlich die heiligen Glau⸗
„bigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme
„hbören; denn alſo beten die Kinder: ich glaube
„LEine, heilige chriſtliche Kirche. Dieſe Heiligkeit
„beſteht nicht in Chorhemden, Platten, langen
„Röcken und andern Ceremonien, über die heilige
„Schrift erdichtet, ſondern im Wort Gottes
„und rechten Glauben.“ Iſts genug, daß man
die unſelige Kirchmacherei dieſes Landes ver⸗
abſcheut, da man je 8 10 Gemeinden mit einem
Kirchhalter verſorgt, Kirchen baut, das Ganze
durch eine Synode in einen Geſchäftsgang bringt
und das Predigerhandwerk zunftmäßig und mit
möglichſtem Gewinn für den Beutel betreibt?
Fehlen nicht auch die gröblich, die zwar von der
Kirche als von einem Organismus reden, aber
darunter keineswegs den Leib verſtehen, daran
Chriſtus das Haupt iſt, und wir, die Glieder,
untereinander Handreichung thun nach dem Maaß
der Gaben, ſondern irgend eine Verfaſſung mit
einem Haupt, das nicht Chriſtus iſt? Die nicht
in dem Einen Geiſt, in dem Einen Glauben, in
der Einen Taufe, in dem Einen HERRR die
Einheit der Kirche ſehen, ſondern in einem mo⸗
narchiſchen Kirchenſtaat, in der Einheit eines
menſchlichen Baugerüſtes, das der Kirche erſt
aufhelfen ſoll, die durch treues Feſthalten am
lauteren Bekenntniß und durch dem gemäße
Lehre und Praxis eingeengt und in ihrem
Siegeslaufe aufgehalten werde? Als ob nicht
gerade das ihr Siegeslauf wäre, wenn das Wort
läuft und wächſ't! —
Und ſo könnten wir leider noch lange fort⸗
fahren; doch iſt das Geſagte wohl ſchon genug,
um männiglich darzuthun, daß wahrlich dasje⸗
nige, was der Lutheraner je und je gewollt, noch
heute zu Tage ernſtlich Noth thut, mehr Noth als
ein erbauendes Blatt fürs Volk, mehr ſelbſt als
eine gelehrte theologiſche Zeitſchrift. Darum
bleibe der Lutheraner, was er iſt. Der HERR
aber, der barmherzige Gott, ſegne ſein Wirken,
wie ER bisher ſichtlich gethan hat. A. C.
*
-
*
(Eingeſandt von P. Johannes.)
Ein Zeugniß für die Anmeldung vor der Feier
des heiligen Abendmahls, aus dem Sermon
M. Veit Dietrich's vom hochwürdigen
Sacrament.
Ein jeder treue und gewiſſenhafte Prediger wird
bei Einführung dieſer Sitte immer über zwei
große Mißſtände zu klagen haben: erſtlich wird
er wahrnehmen, daß die meiſten unſerer deut⸗
ſchen Einwanderer im alten Vaterlande faſt aller
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Seelſorge ermangelt haben, daß ihnen dieſelbe
daher jetzt fremd und nach allen Seiten läſtig
erſcheint; zum andern wird ihm auch hiebei Haß
und Verleumdung allerlei Hinderniſſe in den
Weg legen. Beiden Mißſtänden kann hoffentlich
durch das Zeugniß eines Glaubens⸗ und Zeit⸗
genoſſen Luthers begegnet werden. Unſre luthe⸗
riſchen Glaubensbrüder werden daraus ſehen,
daß wir ihnen nichts Neues aufdringen wollen,
wenn wir fordern, daß jeder, der zum heiligen
Abendmahl gehen will, ſich vorher bei ſeinem
Seelſorger perſönlich anmelde. Unſern Wider⸗
ſachern wird es aber nur Ehre machen, wenn ſie
mit ruhiger Ueberlegung die Rede eines ſo be⸗
währten Theologen anhören und darnach der
guten Sache beipflichten, oder doch wenigſtens
aufhören zu läſtern. Nun wollen wir unſern
Veit Dietrich ſelbſt hören. Er ſchreibt:
„Und um eben dieſer Urſache willen, daß ein
jeder ſich recht prüfe und würdig zum Abendmahl
gehen möge, und es ſich nicht zum Gericht em⸗
pfange, ſollen alle treuen und fleißigen Pfarr⸗
herren und Seelſorger ihre Pfarrkinder zum hoch⸗
würdigen Sacrament nicht laſſen, ſie haben ſich
denn zuvor angemeldet. Nicht darum, daß
man ſie wollte zu der päbſtlichen Beichte anhalten,
an der nie etwas Gutes geweſen iſt, noch dabei
herauskommen wird, ſondern allein, damit erſt⸗
lich deſſen beſſere Ordnung gehalten, und die
Diener des Altars wiſſen mögen, wie viel Brod
und Wein ſie vorſetzen ſollen, darnach auch damit
ein jeder nach ſeinem Glauben und Verſtändniß
gefragt werde, ob er auch wiſſe, was er da thue?
auf daß er, wo daran Mangel wäre, gründlich
möge unterrichtet werden.
Denn ſo der Pfarrherr oder Kirchendiener die
Anzahl nicht weiß, kann die Unordnung ſich zu⸗
tragen, daß zu wenig Brod oder Wein vorgeſetzt
wird. Daraus kann noch andere Unordnung
und wohl auch Aergerniß entſtehen, welches auf
dieſe Weiſe verhütet werden kann, wenn die
Leute dazu gewöhnt werden, daß ſie
ſich zuvor perſönlich anmelden. Denn
es ſoll in der Kirche alles fein ordentlich zugehen,
und zur Beſſerung dienen.
Aber dieſes Aergerniß iſt weit größer und ge⸗
fährlicher, wenn der Pfarrherr Leute zum Abend⸗
mahl gehen läßt, die entweder keinen Verſtand
davon haben, oder ſonſt nicht wiſſen, was Chri⸗
ſten zu wiſſen zuſteht. Da iſt Sünde auf beiden
Seiten. Der Kirchendiener verſündiget ſich, daß
er ſolche hinzuläßt; und ſie verſündigen ſich auch.
daß ſie hinzugehen und doch keinen Verſtand
davon haben. Solcher Sünde iſt nicht
zu begegnen, es halte denn der Kir⸗
chendiener dieſe Ordnung, daß. er Nie⸗
mand hinzulaſſe, der ſich nicht ange⸗
meldet und Rechenſchaft von ſeinem
Glauben gegeben habe.
Solcher Unterricht iſt allerwege in der Kirche
geweſen, und durch den Katechismus geſchehen,
bis der Pabſt die Beichte dafür aufgebracht und
den Katechismus gar hat fallen laſſen. Wir
aber ſollen nicht allein brechen, ſondern auch wie⸗
der bauen. Das Böſe ſollen wir abſchaffen, und
das Gute anrichten. Und wird kein Chriſt ſein,
der, wenn er dieſe Urſache recht bedenkt, ſich über
das Anmelden beſchweren wird, weil es den
Leuten zu ihrer Seelen Seligkeit dient, daß ſie im
Glauben wohl unterrichtet werden, und eine große
gräuliche Sünde verhütet wird, die ohne Zweifel
auch allgemeine Landesſtrafen mit ſich bringt.
Denn gedenke du ſelbſt, was dies Abendmahl ſei,
und wer es angerichtet habe? Wenn es ſchlecht
Brod und Wein wäre, wie die Schwärmer dafür
halten, möchte die Sünde gering zu achten ſein.
Aber es iſt da der Leib und das Blut Chriſti.
Nun befiehlt Chriſtus, wir ſollen da eſſen Seinen
Leib und trinken Sein Blut, und Sein dabei
gedenken.
Aber da läuft das grobe Geſinde mit Haufen
hin, mehr aus Gewohnheit, als aus Verſtand
und Andacht, und geſchieht alſo durch den Unfleiß
der Kirchendiener und die Leichtfertigkeit der rohen
Chriſten, daß man die Perlen Säuen und Hun⸗
den vorſchüttet, und bleibt nicht allein das Ge⸗
dächtniß des Todes Chriſti bei ſolchen Leuten da⸗
hinten, ſondern man unehrt auch den Leib und
das Blut Chriſti und verſündiget ſich daran.
Solcher Sünde ſoll ein jeder Pfarrherr und
Seelſorger mit höchſtem Fleiße wehren, und das
Seine thun, daß er Niemand hinzulaſſe,
er habe ſich denn angemeldet, und
wiſſe, daß es an chriſtlichem Verſtand
und Wandel nicht fehle. Denn darauf ſoll
ein jeder Seelſorger auch ſehen, daß er die, welche
in öffentlichen Aergerniſſen leben, und mit beſon⸗
deren Sünden beſchweret ſind, nicht hinzu laſſe,
ſie erzeigen ſich denn alſo, daß ſie ſich beſſern und
davon ablaſſen wollen. Das ſei kurz und auf's
einfältigſte von der Vorbereitung geſagt. Es liegt
aber alles mit einander daran, daß das Herz
rechtſchaffen ſei.“
Hierauf gibt nun M. Veit Dietrich eine ge⸗
meine Form, wie man die Leute, die zum Sacra⸗
ment gehen wollen, erforſchen und unterrichten
ſoll, davon wir auch einige Worte mittheilen
möchten. „Vor allen Dingen“, ſpricht er dort,
„wie oben gemeldet, ſollen die Kirchendiener for⸗
ſchen, ob auch die, welche zum Sacrament gehen
wollen, genugſamen Verſtand chriſtlicher Lehre,
und ſonderlich des heiligen Sacraments haben?
Nun ſtehet aber die chriſtliche Lehre in ſechs
Hauptſtücken, die man nennt die zehn Gebote, den
Glauben, das Vaterunſer, die Einſetzung der
Taufe, der Schlüſſel und des Abendmahls.
Solche Hauptſtücke ſoll ein jeder Chriſt fein aus⸗
wendig von Wort zu Wort kennen, und einen
ziemlichen Verſtand davon haben, oder ſoll zum
Sacrament nicht zugelaſſen werden.
Derhalben ſoll ein jeder Pfarrherr neben ande⸗
ren Predigten den Katechismus beſonders fleißig
treiben, und dem Volke wohl einprägen, und
ſich nicht beſchweren, die, ſo das Sacra⸗
ment empfangen wollen, erſtlich dieſer
Stücke halb zu prüfen, und zu erfor⸗
ſchen, ob ſie es können oder nicht. Die
es nicht können, ſoll er nicht zulaſſen, bis ſie es
lernen. Die Andern aber ſoll er auf's erſte ernſt⸗
lich vermahnen, daß ſie wohl Acht auf ſich haben
und dies Abendmahl nicht unwürdig, noch ihnen
zum Gericht empfahen. Denn Gott will ſolche
Sünde nicht ungeſtraft hingehen laſſen, wie St.
Paulus von den Corinthern ſagt, daß viele an
dieſem Sacrament ſich verſündigt und Gott ver⸗
urſacht haben, ſie mit Krankheit und mit dem
Tode zu ſtrafen.
Wiewohl es nicht fehlen wird, ein jeder Pfarr⸗
herr wird unter ſeinem Häuflein viele finden, die
einen Unterricht vom Glauben und vom Sacra⸗
ment haben, deßhalb auch weder Fragens noch
Unterrichtens bedürfen: ſo ſoll doch Nie⸗
mand ſo unbeſcheiden ſein, der ſich
nicht um der Ordnung willen, die
man in ſolchen Sachen halten muß,
ſeinem Pfarrherrn anzeigen wollte.
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