# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S71 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 1593 wurde ihr das Urtheil geſprochen, welches dahin lautete, daß ſie auf einem Schaffot vor dem Rathhauſe zu Valencin ihre Bibel eigenhändig verbrennen, ſie ſelbſt hernach an einem Pfahle er⸗ würgt, ihr Leichnam aber aufs Galgenfeld außer⸗ halb der Stadt unbeerdigt hingeworfen werden ſolle. Als ſie das Schaffot erſtiegen, betete ſie laut vernehmlich mit großer Andacht das Vater Unſer und als ſie ihre Bibel verbrennen ſahe, rief ſie mit heller Stimme: „Ihr Leute verbrennet das heilige Wort Gottes, welches Ihr zuvor für gut und heilig erklärt habt.“ Drauf, als ſie noch ein Mal laut und inbrünſtig das Vater Unſer ge⸗ ſprochen, ward ſie erwürgt, und hat auch nach ihrem Tode — ſo erzählt die alte Chronik — ihre Farbe im Angeſicht ſo wenig als ihren Glauben im Herzen verändert. Lehre b1 Beiſpiel. Ein Bauer erzählte von von ſeiner Belehrung alſo. „Eines Tages hörte ich meine beiden Jungen ſich ſchelten und dabei ſchrecklich auf einander fluchen. Ich nehme die Buben — von 12 und 14 Jahren — beiſeits, ſtelle ihnen die große Sünde des Fluchens vor und gebe ihnen dazu einen tüchtigen Denk⸗ zettel auf den Rücken. Die Jungen verkriechen ſich nun auf den Stall, um ihren Schmerz ge⸗ meinſchaftlich auszuweinen. Ich ſchleiche ſtill nach. Da höre ich. Der Kleine ſagt zu dem Großen: „Fritz, dat is unrecht, dat üs de Va⸗ der darum ſchleit, und hei fluchet ſül⸗ ben“, (das iſt Unrecht, daß uns der Vater darum ſchlägt, und er fluchet ſelbſt.) — Ich be⸗ ſann mich. Ja, die Jungen hatten Recht. Ich ſchämte mich, ſchämte mich vor meinen Kindern! Und ich bekehrte mich.“ (Aus: Grobe, Werth und Weiſe der chriſtl. Kinderzucht.) 2— Schreiben des Prufeſſor Harleß an die in dieſem Jahre zu Gnadenberg in Schleſien verſammelt geweſenen aus der Union zurückkehrenden luthe⸗ riſchen Prediger.) In Chriſto geliebte Herren und Brüder! Es iſt mir von mehreren Amtsbrüdern Ihres Landes geſchrieben worden, daß am 17ten Juli in Gna⸗ denberg viele Geiſtliche zuſammentreten würden, die Angelegenheiten der deutſchen lutheriſchen Kirche zu berathen. Ich brauche nicht zu ſagen, mit welcher Bewegung des Herzens ich davon gehört habe. Denn deſſen bin ich gewiß: wenn es dem HErrn gefällt, noch einmal unter dem deuiſchen Volke zu bauen, ſtatt es mit dem Hammer wohl⸗ verdienten Gerichts zu zerſcheitern, ſo wird aus dem Schutt der zerfreſſenen Staatskirchen ſich die einige deutſche Kirche der Bekenner erheben, der Bekenner, die unter dem Banner ihrer Väter ſtrei⸗ ten und kämpfen und denen Gott auch wohl ein neues Lied wird zur Verherrlichung Seines Na⸗ mens in den Mund geben. Dennoch habe ich ſchon jetzt eine Sorge, und dieſe Sorge treibt mich zu ſchreiben und ich hoffe, die Brüder werden dies *) Es iſt dies der bereits Seite 47 dieſes Jahrgangs erwähnte Brief. 71 mein unberufenes Wort mit meiner Sorge ent⸗ ſchuldigen. Sie gründet ſich aber auf Thatſachen. Und da will ich nur das Eine anführen, was be⸗ kannt iſt, die Art nämlich, wie man in Pommern jetzt anhebt an den Neubau der lutheriſchen Kirche Hand anzulegen und thut, als wären die, welche um des Bekenntniſſes willen früher ausgetreten ſind und gelitten haben, gar nicht vorhanden. So wenigſtens hat es den Anſchein und ſo lautet die Klage. Wenn dem ſo wäre, wahrlich! das wäre übel gethan. Wer jetzt bauen will, der muß vor Allem gelernt haben, nicht nur vergeben und ver⸗ geſſen, ſondern an die eigene Bruſt zu ſchlagen und Buße zu thun. Und wem das Herz ſchwillt bei dem Gedanken an eine freie deutſche lutheriſche Kirche, der muß auch vor dem Kleinſten ſich hüten, was etwa zu dem Aergerniß führen könnte, da man dem armen und verführten Volke, das man ſammeln will, zuletzt nichts bietet, als zwei luthe⸗ riſche Kirchen in Einem Lande. Daher bitte ich Euch, geliebte Brüder! um des HErrn willen, Ihr wollet Hand anlegen, daß dies anders und beſſer werde. Wenn Euch nicht Alles gut dünkt, was Ihr etwa an den bereits zuſammengetretenen Gliedern der lutheriſchen Kirche in Eurem Lande bemerkt, ſo wollet Erſtens bedenken, wie es dann habe kommen können und ſollen, wo man Jahre lang nichts gewußt hat, als zu verfolgen und zu zertreten, und dann fügt das Zweite hinzu und reicht denen, mit welchen Ihr eins ſeid im Be⸗ kenntniß, die Hand und verſtändigt Euch mit ihnen und bittet, man möge gemeinſam berathen, wie denn etwa ein großer Neubau mit vereinten Kräften erwachſen möge. Geſchieht das nicht, iſt in Preußen keine Einigung auf Grund des Be⸗ fenntniſſes zu erzielen, ſo haben wir nicht blos eine preußiſche, ſondern eine deutſche Spaltung des Lutherthums fertig. Denn obwohl die Lutheraner in Baiern, Sachſen, Hannover, Holſtein ꝛc. bis jetzt noch nicht zum Handeln kommen konnten und durften, ſo werde ich doch wohl nicht ohne Grund verſichern, daß, wenn für dieſe Lande die Stunde kömmt, die treuen Glieder der Kirche, welche ſich um das Bekenntniß ſammeln, die Sache der rück⸗ getretenen Lutheraner Preußens als eine Sache des eigenen Hauſes anſehen werden, wie ſie ſie längſt als Brüder begrüßt haben. Möglich, daß viele Mißſtimmungen und Schwierigkeiten auszugleichen ſind. Aber nur Geduld und brüderliches Entgegenkommen! Und wenn zwei Brüder mit einander uneins ſind und nicht zurecht kbommen, ſo haben ſie ja wohl noch einen dritten gemeinſamen Freund, daß er die Sache ins Gleiche bringt. Ich wollte, mir gäbe Gott dazu Geſchick und Befugniß. Aber das, was ich kann, wollte ich wenigſtens thun: bitten und dringend bitten, daß die verſammelten Brü⸗ der dieſer Wunde mit allem Anliegen und Gebet eingedenk ſein möchten, wenn da oder dort ver⸗ ſucht werden ſollte, die Wunde aufzureißen, ſtatt zu ſehen, ob nicht Heilung möglich und Her⸗ ſtellung eines geſunden Leibes denkbar ſei. Ver⸗ gebt mir das Schreiben. Es iſt etwas Elendes um ein eckiges, kaltes, kahles, geſchriebenes Wort. Hätte ich gekonnt, ich wäre als ein Unberufener gekommen und hätte mündlich Auge in Auge ge⸗ beten. Iſt aber all mein Thun überflüſſig und die Verſammlung hat dieſer meiner Bitte gar nicht bedurſt, ſo ſchicke man mich mit der Lection nach Hauſe: die Schleſier fänden ſchon ohne mich das Rechte, und ich will Gott auf den Knieen dafür danken. Der HErr JEſus Chriſtus ſei mit Euch und ſtärke Euch in dieſer furchtbar ernſten Zeit und verherrliche an Euch Seinen heiligen Namen. Eine feſte Burg iſt unſer Gott. Ihm ſei die Ehre jetzt und immerdar. Amen. In Iĩm der Eurige ö A. Harleß. Oregon. Die Deutſche Tribüne von St. Louis meldet unter dem 5. December d. J. Folgendes: „In Oregon wurde die Armee um 300 Mann ver⸗ ſtärkt; die Indianer hatten ſich nach den Gebirgen zurückgezogen. Sie waren indeſſen Willens, Frieden zu ſchließen, aber die Weißen wollten ſich auf keine Bedingungen einlaſſen, wenn nicht zuvor die Mörder des Dr. Whitman und ſeiner Familie ausgeliefert würden. Dies verweigern die In⸗ dianer, weil ja auch von ihrem Stamme bereits eine Anzahl getödtet worden, und dieſes ein ge⸗ nügendes Equivalent (Vergeltung) ſei.“ So ſcheinen die Indianer bereits gedemüthigt zu ſein. Möge der Kampf gegen ſie bald beendet ſein, damit unter ihnen, ſo Gott will, das Werk des Friedens, nämlich die Predigt von Chriſto, demnächſt beginnen könne. Fick. Vergleichung der beiden göttlichen Werke, der Schöpfung und der Erlöſung. Im erſten Werke gab Gott mir mich, im zweiten ſich; und da er mir ſich gab, ſchenkte er mir mich wieder. Bernhardus. Gleichwie im Reiche der Gnade keine Sünde ſo groß iſt, die nicht vergeben werde, alſo iſt außer der Gnade kein Werk ſo gut, kein Leben ſo heilig, das nicht verdammlich ſei. Luther VI. 2609. 4* Paul Gerhard. Zu Brandenburg einſt waltet Der Kurfürſt weit und breit; Doch neue Lehre ſpaltet Des Glaubens Einigkeit. Es ſteuern wohl Geſetze Verbotenem Geſchwäße, Wie das Edikt es nennt; Doch wird es ihm gelingen, Den freien Geiſt zu zwingen Des Sängers, der die Furcht nicht kennt? Er ſtand an heil'ger Stätte, Der Kirche heller Stern, Durch Lehren und Gebete Verkündigend den HErrn: „Und laß dir nimmer grauen, Mußt droben dem verkrauen, Deß Name Zebaoth! Und ob des Himmels Schranken Und alle Feſten wanken, Ein' feſte Burg iſt unſer Gott!“ Der Kurfürſt aber ſandte, Da kam der fromme Mannz Des Fürſten Auge brannte, Und zürnend hob er an: „Wer nur den eignen Grillen, Nicht des Geſetzes Willen 3⁴ foigen, weiſe fand, Der hat — es ſei geſprochen! — Hat Ehr' und Amt verbrochen, Und meidet fortan Stadt und Land *