# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S67 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) vie ſie Kirchen ſind, ſo ſind ſie auch Apoſtel, Evan⸗ geliſten und Propheten, das iſt, ſie ſind des Teufels Apoſtel, Evangeliſten und Propheten. Denn die rechten Apoſtel, Evangeliſten und Propheten pre⸗ digen Gottes Wort, und nicht wider Gottes Wort. Haben nun die Apoſtel, Evangeliſten und Pro⸗ pheten aufgehöret, ſo müſſen andre an ihre Statt lommen ſein, und noch kommen bis zu Ende der Welt. Denn die Kirche ſoll nicht aufhören, bis an der Welt Ende; darum müſſen Apoſtel, Evan⸗ geliſten, Propheten bleiben, ſie heißen auch wie ſie vpollen oder können, die Gottes Wort und Werk treiben. Denn der Pabſt mit den Seinen, ſo Gottes Wort verfolgen und⸗Doch ſelbſt bekennen, es ſei wahr, die müſſen ſehr ſchlechte Apoſtel, Evangeliſten und Propheten ſein, wie der Teufel nit ſeinen Engeln. Aber wie komm ich doch auf das ſchändliche, unfläthige Volk des Pabſtes; laß ſie fahren abermal, und heiße ſie nicht wieder kommen, oder ꝛc. Gleichwie droben geſagt von den andern vier Stücken des großen göttlichen Heiligthums, da⸗ durch die heilige Kirche wird geheiliget, daß du nicht ſollt achten, wer und wie die ſind, von denen man ſolches empfähet: ſo ſollſt du auch hierin nichts fragen, wer und wie der iſt, der es dir gibt oder das Amt hat. Denn es iſt alles gegeben, nicht dem, der's hat, ſondern dem, der's durch ſein Amt kriegen ſoll, ohn daß er's auch kann mit dir kriegen, wo er will. Laß ihn ſein, was er will und wie er kann, weil er im Amt iſt, und vom Haufen geduldet wird, ſo laß du es auch gehen, ſeine Perſon macht dir Gottes Wort und Sacra⸗ ment weder ärger noch beſſer. Denn es iſt nicht ſein, was er redet oder thut, ſondern Chriſtus, dein HErr, und der Heilige Geiſt redet und thut alles, ſo fern er bleibet in der rechten Weiſe zu lehren und zu thun; ohn daß die Kirche öffent⸗ liche Laſter nicht leiden ſoll noch leiden kann. Aber du allein ſei zufrieden und laß gehen, weil du einzelner nicht ſein kannſt der ganze Haufe oder das chriſtliche heilige Volk. Aber an den Pabſt mußt du dich nicht kehren. Der verbeut, daß kein Ehemann könne zu ſolchem Amt berufen werden, ſondern ſollen allzumal keuſche Jungfrauen ſein, nach der neſtorianiſchen Conſe⸗ quenz, das iſt viel, alle Geiſtliche ſollen keuſch ſein, aber ſie ſelbſt mögen wohl unkeuſch ſein. herein, und ich wollte dich nicht mehr haben. Wohlan, ſo ſei mir übel und unwohlkommen, ich will dich auf lutheriſch empfahen. Der Pabſt verdammt das eheliche Leben der Biſchöfe oder Pfarrherrn, das iſt nun offenbar ge⸗ nug. Daran hat er nicht genug, verdammt noch viel härter die Digamiam, und daß ich's ja klär⸗ lich ſage, macht er viererlei Digamos, wo nicht fünferlei. Ich will jetzt Digamum heißen zwei⸗ weibig, der zweimal freiet, oder eines andern Witt— we nimmt. Der erſt Zweiweibige iſt, der zwo Jungfrauen nacheinander zur Ehe nimmt, der andere, ſo eine Wittfrau nimmt, der dritte, ſo eine Braut nimmt, vom todten Bräutigam Jungfrau gelaſſen, der vierte kömmt ja ſchändlich dazu. daß er muß auch ein zweiweibiger Mann heißen Siehe du, noch kömmſt du mir mit dem Pabſt 6⁷ darum, daß er unwiſſend, unwillens eine Jung⸗ frau nimmt und hernach ſie nicht rein noch Jung⸗ frau findet; aber kurzum, er muß bei dem Pabſt ein Zweiweibiger ſein, vielmehr denn der Dritte, der die Braut Jungfrau genommen hat. Dieſe Alle ſtinken und riechen übel im geiſtlichen Recht, dürfen nicht predigen, taufen, Sacrament reichen oder einiges Amt der Kirchen üben, wenn ſie gleich heiliger wären, denn St. Johannes, und ihre Weiber heiliger denn Gottes Mutter. So treff⸗ lich heilig iſt der Pabſt in ſeinen Decreten. Aber wenn einer hätte hundert Jungfrauen ge⸗ ſchwächt, hundert ehrliche Wittfrauen geſchändet, und noch hundert Huren hinter dem Rücken hätte liegen gehabt, der mag nicht allein Prediger oder Pfarrherr, ſondern auch Biſchof oder Pabſt wer⸗ den, und wenn er's noch immer thäte, würde er dennoch jetzt geduldet in ſolchen Aemtern. Aber wo er eine Braut Jungfrau, oder eine falſche Jungfrau kriegt, ſo kann er Gottes Diener nicht ſein. Hilft nichts, daß er ein rechter Chriſt, ge⸗ lehrt, fromm, nützlich ſei, er iſt ein Zweiweibiger; er muß vom Amt und nimmermehr nicht dazu kommen. Wie dünket dich? Iſt dies nicht eine neue, höbere Heiligkeit, weder Chriſtus ſelbſt iſt, beide mit dem Heiligen Geiſt und ſeiner Kirchen? Chriſtus verſchmähet nicht, weder einweibige, zweiweibige“) Männer, noch einmännige, zwei⸗ männige Weiber, wenn ſie an ihn glauben, läßt ſie bleiben Glieder ſeines heiligen chriſtlichen Volks, braucht ihr auch, wozu ſie nütze ſind oder ſein können. Wie wohl nach der heiligen Schrift heißt zweiweibig, der zugleich einmal zwei leben⸗ dige Weiber hat, wie Lamech. Aber der Pabſt iſt gelehrter und heißt zweiweibig, wer zwei Weiber nach einander hat; ſo auch von Weibern. Denn er iſt viel gelehrter, weder Gott ſelbſt. . ... Wo du nun ſolche Aemter oder Amtleute ſieheſt, da wiſſe, daß gewißlich das heilige chriſtliche Volk ſein muß. Denn die Kirche kann ohne ſolche Bi⸗ ſchöfe, Pfarrherrn, Prediger, Prieſter' nicht ſein; und wiederum ſie auch nicht ohne die Kirche, ſie müſſen bei einander ſein. Zum ſechsten, erkennet man äußerlich das heilige chriſtliche Volk am Gebet, Gott loben und danken öffentlich. Denn wo du ſieheſt und höreſt, daß man das Vater unſer betet und beten lernet, auch Pſalmen oder geiſtliche Lieder ſinget, nach dem Wort Gottes und rechtem Glauben; item den Glauben, zehn Gebote und Catechismum treibet öffentlich; da wiſſe gewiß, daß da ein heilig chriſt⸗ lich Volk Gottes ſei. Denn das Gebet iſt auch der iheuren Heiligthum eines, dadurch Alles hei⸗ lig wird, wie Sanet Paulus ſagt, 1 Tim. 4, 5. So ſind die Pſalmen auch eitel Gebet, darin man Gott lobet, danket und ehret. Und der Glaube und zehen Gebot auch Gottes Wort und Alles eitel Heiligthum, dadurch der Heilige Geiſt das heilige Volk Chriſti heiliget. Aber wir reden vom Gebet und Geſänge, das verſtändlich iſt, daraus man lernen und ſich beſſern kann. Denn der Mönche, Nonnen, Pfaffen Löhren 1) iſt kein Gebet, aus“. *) Das iſt, wie Luther oben erklärt, Männer, zweite Frau nach dem Tode der erſten geheirath⸗ +1) Geplerr. kein Gottes Lob. Denn ſie verſtehens nicht und lernen nichts daraus, thuns alſo hin, wie eine Eſelsarbeit, um des Bauchs willen, und wird gar keine Beſſerung, noch Heiligung, noch Gottes Wille darin geſucht. Zum ſiebenten, erkennet man äußerlich das heilige, chriſtliche Volk bei dem Heiligthum des heiligen Kreuzes, daß es muß alles Unglück und Verfolgung, allerlei Anfechtung und Uebel (wie das Vater unſer betet) vom Teufel, Welt und Fleiſch, inwendig trauern, blöde ſein, erſchrecken, auswendig arm, veracht, krank, ſchwach ſein, lei⸗ den, damit es ſeinem Haupt, Chriſto, gleich werde. Und muß die Urſache auch allein dieſe ſein, daß es feſt an Chriſto und Gottes Wort hält, und alſo um Chriſti willen leide, Matth. 5, 10.: „Selig ſind die, ſo um meinetwillen Verfolgung leiden.“ Sie müſſen fromm, ſtille, gehorſam ſein, bereit mit Leib und Gut zu dienen der Oberkeit und Jedermann, Niemand kein Leid thun. Aber kein Volk auf Erden muß ſolchen bittern Haß leiden. Sie müſſen ärger denn Jüden, Heiden, Türken; Summa, ſie müſſen Ketzer, Buben, Teufel, ver⸗ flucht und die ſchändlichſten Leute auf Erden heißen, daß auch die einen Gottesdienſt thun, von welchen ſie erhenkt, ertränkt, ermordet, ge⸗ martert, verjagt, zerplagt werden, und ſich Nie⸗ mand über ſie erbarme, ſondern auch mit Myrthen und Gallen dazu tränken, wo ſie durſtet, und doch nicht darum, daß ſie Ehebrecher, Mörder, Diebe oder Schälke ſind, ſondern daß ſie Chriſtum allein und keinen andern Gott haben wollen. Wo du nun ſolches ſieheſt oder höreſt, da wiſſe, daß die heilige chriſtliche Kirche ſei, wie er ſpricht Matth. 5, 11, 12.: „Selig ſeid ihr, wenn euch die Leute fluchen, und euren Namen verwerfen, als ein ſchädlich und bös Ding, und das um meinet willen; ſeid fröhlich und freuet euch, euer Lohn iſt im Himmel groß.“. Denn mit dieſem Heiligthum macht der Heilige Geiſt dies Volk nicht allein hei⸗ lig, ſondern auch ſelig. ö Und kehr dich dieweil nicht an der Papiſten Heiligthum von todten Heiligen, vom Holz des heiligen Kreuzes. Denn es ſind ſo ſchier Kno⸗ chen vom Schindeleich“), als Heiligenbeine, und ſo ſchier vom Galgenholz, als vom heiligen Kreuze. Und iſt eitel Trügerei darunter, damit der Pabſt die Leute ums Geld närret und verführet von Chriſto. Und ob's ſchon recht Heiligthum wäre, ſo machts doch Niemand heilig. Aber wenn dich um Chriſti willen verdammt, verflu läſtert, plagt, das macht dich heili Leiden fröhlich ſein. Heiligen Geiſt geheilj