# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 01 05_S66 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Denn das iſt auch ein öffentlich Zeichen und köſtlich Heiligthum, dadurch Gottes Volk gehei⸗ liget wird. Denn es iſt ein heiliges Bad der neuen Geburt durch den Heiligen Geiſt, Tit. 3, 5., darinnen wir baden, und vom Heiligen Geiſt ge⸗ waſchen werden von Sünden und Tod, als in dem unſchuldigen, heiligen Blut des Lämmleins Gottes. Wo du ſolch Zeichen ſieheſt, da wiſſe, daß gewißlich die Kirche oder das heilige, chriſtliche Volk da ſein muß, unangeſehen, ob dich der Pabſt nicht täufet, oder du nichts von ſeiner Heiligkeit und Gewalt wiſſeſt, gleichwie die jungen Kind⸗ lein nichts davon wiſſen, ohne das, wenn ſie erwachſen, werden ſie leider von ihrer Taufe ver⸗ führet, wie St. Petrus klagt, 2 Petr. 2, 18.: „reizen durch Unzucht diejenigen, ſo recht entrun⸗ nen waren und nun im Irrthum wandeln“ ꝛc. Ja, es ſoll dich auch nicht irren, wer der Täufer ſei. Denn die Taufe iſt nicht des Täufers, noch ihm gegeben, ſondern des Täuflings, der getauft wird, dem ſie von Gott geſtiftet und gegeben iſt; gleich wie das Wort Gottes iſt nicht des Predi⸗ gers (er wolle denn ſelbſt auch mit hören und gläuben), ſondern des Jüngers, der es höret und gläubet; demſelben iſt's gegeben. Zum dritten kennet man Gottes Volk, oder ein chriſtlich, heilig Volk, an dem heiligen Sacra⸗ ment des Altars, wo es recht nach Chriſti Ein⸗ ſetzung gereicht, gegläubt und empfaugen wird. Denn es iſt auch ein öffentlich Zeichen und theuer Heiligthum, von Chriſto hinter ſich gelaſſen, da⸗ durch ſein Volk geheiliget wird, damit es ſich auch übet und öffentlich bekennet, daß es Chriſten ſei, wie es thut mit dem Wort und mit der Taufe. Und darfſt hie auch nichts achten, ob der Pabſt nicht für dich Meſſe hält, dich weihet, firmelt oder ſalbet, oder Meßgewand anzeucht. Du kannſt's wohl ohne alle Kleider (wie in einem Bette krank) empfahen, ohue daß die äußerliche Zucht zwinget, ſich züchtig und ehrlich zu decken; darfeſt auch hierin nichts fragen, ob du eine Platten haſt oder gechreſemet ſeiſt; dazu nicht disputiren, ob du Mannsbilde oder Weibsbilde, jung oder alt ſeiſt, ſo wenig du nach ſolchem allen frageſt in der Taufe und Predigt; iſt genug, daß du geweihet und gechreſemet ſeiſt mit dem hochheiligen Chre⸗ ſem Gottes, des Wortes Gottes und der Taufe, auch dieſes Sacraments; da biſt du hoch und herrlich genug geſalbet und prieſterlich gekleidet. Irre dich auch nicht, wie heilig der Mann, oder ob er zweiweibig ſei oder nicht, der dir's reicht. Denn das Sacrament iſt nicht deß, der es reichet, ſondern deß, dem es gereicht wird, ehe daß er es ſelbſt auch mitnimmt. Alsdann iſt er der einer, die es empfahen, und wird damit auch ihm gegeben. Wo du nun ſolch Sacrament ſieheſt im rechten Brauch gereicht, da wiſſe gewiß, daß Gottes Volk ſei. Denn wie droben vom Wort geſagt: Wo Gottes Wort iſt, da muß die Kirche ſein; alſo auch, wo die Taufe und Sacra⸗ mente ſind, muß Gottes Volk ſein; und wiederum. Denn ſolche Stücke Heiligthums hat, gibt, übet, brauchet, bekennet Niemand, denn allein Gottes Volk, obgleich etliche falſche ungläubige Chriſten heimlich drunter ſind: denn die offenbarliche lei⸗ 66 det nicht unter ſich die Kirche und Gottes Volk, ſondern ſtrafet und heiliget ſie auch, oder, wo ſie nicht wollen, ſtößer ſie aus durch den Bann von dem Heiligthum, und hält ſie für Heiden, Matih. am 18, 17. Zum vierten kennet man das Gottes Volk oder heilig Chriſten an den Schlüſſeln, die ſie öffentlich brauchen, das iſt, wie Chriſtus Matth. 18, 15. 16. ſetzet, wo ein Chriſt ſündiget, daß derſelbe ſolle geſtrafet werden, und ſo er ſich nicht beſſert, ſoll er gebunden und verſtoßen werden; beſſert er ſich, ſo ſoll er losgeſprochen werden. Das ſind die Schlüſſel. Nun iſt der Schlüſſel Brauch zweieilei, öffentlich und ſonderlich. Denn es ſind etliche ſo blöde und verzagt im Gewiſſen, wenn ſie ſchon nicht öffentlich verdammt ſind, daß ſie dennoch nicht können ſich tröſten, bis ſie in⸗ ſonderheit vom Pfarrherr eine Abſolution kriegen. Wiederum auch etliche ſo hart, daß ſie auch im Herzen und vor dem Pfarrherrn in geheim nicht wollen vergeben, noch ablaſſen von Sünden. Darum muß der Schlüſſel Brauch gehen auf allerlei Weiſe, öffentlich und ſonderlich. Wo du nun ſieheſt, daß man Sünde vergibt oder ſtraft in etlichen Perſonen, es ſei öffentlich oder ſonderlich, da wiſſe, daß Gottes Volk da ſei. Denn wo nicht Gottes Volk iſt, da ſind die Schlüſſel nicht, und wo die Schlüſſel nicht ſind, da iſt Gottes Volk nicht. Denn Chriſtus hat ſie darum hinter ſich gelaſſen, daß ein öffentlich Zeichen und Heilig⸗ thum ſein ſollt, dadurch der Heilige Geiſt (aus Chriſti Sterben erworben) die gefallenen Sünder wieder heiliget, und die Chriſten damit bekenneten, daß ſie heilig Volk ſind unter Chriſto in dieſer Welt. Und welche ſich nicht wollen bekehren und wieder heiligen laſſen, daß dieſelbigen ausgeſtoßen würden von ſolchem heiligen Volk, das iſt, gebun⸗ den und durch den Schlüſſel ausgeſchloſſen wür— den, wie den unbußfertigen Antinomern geſchehen wird. Hie mußt du dich nicht kehren an die zween Schlüſſel des Pabſts, die er gemacht hat zu zween Dietrichen zu aller Könige Kaſten und Kronen. Denn wo er nicht binden oder ſtrafen will die Sünde, ſie ſei öffentlich oder ſonderlich (wie er denn thut), ſo laſſe ſie geſtraft und gebun⸗ den ſein in deiner Pfarr. Wenn er ſie nicht löſen noch vergeben will, ſo laß ſie in deiner Pfarre los und vergeben ſein. Denn ſein Re⸗ ſerviren oder Binden, ſein Laxiren oder Erlauben entheiliget noch heiliget dich nicht, weil er nicht kann die Schlüſſel haben, ſondern hat eitel Diet⸗ riche. Die Schlüſſel ſind nicht des Pabſts (wie er leuget), ſondern der Kirchen, das iſt, des Volks Chriſti, des Volks Gottes, oder des heiligen chriſtlichen Volks, ſo weit die ganze Welt iſt, oder wo Chriſten ſind. Denn ſie können nicht alle zu Rom ſein, es wäre zuvor die ganze Welt zu Rom, das noch lange nicht geſchehen wird. Gleichwie die Taufe, Sacrament, Gottes Wort nicht des Pabſts, ſondern des Volkes Chriſti ſind, und heißen auch claves Ecclesiae, nicht claves Papae.“) Zum fünften kennet man die Kirche äußer⸗ ) d. i. Schlüſſel ver Kirche, nicht Schlüſſel des Pabſtes. lich dabei, daß ſie Kirchendiener weihet oder be ruft, oder Aemter hat, die ſie beſtellen ſoll. Denn man muß Biſchöfe, Pfarrherrn oder Prediget haben, die öffentlich und ſonderlich die obgenann⸗ ten vier Stück oder Heiligthum geben, reichen und üben, von wegen und im Namen der Kirchen, vielmehr aber aus Einſetzung Chriſti, wie St. Paulus Epheſ. 4, 11. ſagt: Accepit dona in hominibus: Er hat gegeben etliche zu Apoſteln, Propheten, Evangeliſten, Lehrer, Regierer n. Denn der Haufe ganz kann ſolches nicht thun, ſondern müſſen's einem befehlen und laſſen be⸗ fohlen ſein. Was wollte ſonſt werden, wenn ein jeglicher reden oder reichen wollt und keiner dem andern weichen. Es muß einem allein befohlen werden, und ihn allein laſſen predigen, täufen, abſolviren und Sacrament reichen, die andern alle deß zufrieden ſein und drein willigen. Wo du nun ſolches ſieheſt, da ſei gewiß, daß da Gottes Volk und das chriſtliche, heilige Volk ſei. Wahr iſt's aber, daß in dieſem Stück der Hei⸗ lige Geiſt ausgenommen hat Weiber, Kinder und untüchtige Leute, ſondern allein tüchtige Manns⸗ perſonen hiezu erwählet (ausgenommen die Noth), wie man das lieſet in St. Pauli Epiſteln hin und wieder, daß ein Biſchof ſoll lehrhaftig, fromm und eines Weibes Mann ſein, 1 Tim. 3, 2., und 1 Cor. 14, 34.: „Ein Weib ſoll nicht lehren im Volk“; Summa, es ſoll ein geſchickter, auserwähl⸗ ter Mann ſein, dahingegen Kinder, Weiber und andre Perſonen nicht tüchtig, ob ſie wohl tüchtig ſind, Gottes Wort zu hören, Taufe, Sacrament, Abſolution zu empfahen, und rechte heilige Chii⸗ ſten mit ſind, wie St. Petrus 1. Epiſt. 3, 7. ſagt. Denn ſolchen Unterſchied auch die Natur und Gottes Creatur gibt, daß Weiber (vielweniger Kinder oder Narren) kein Regiment haben kön⸗ nen noch ſollen, wie die Erfahrung gibt, und Moſes, 1 Moſ. 3, 15., ſpricht: „Du ſollſt dem Manne unterthan ſein.“ Das Evangelium aber ſolch natürlich Recht nicht aufhebt, ſondern beſtä⸗ tiget als Gottes Ordnung und Geſchöpfe. Hier wird der Pabſt mir einreden durch ſeine Schreimäuler und Reißteufel (Teufelsreißer): St. Paulus ſagt nicht allein von Pfarrherin und Predigern, ſondern auch von Apoſteln, Evange⸗ liſten, Propheten und andern hohen geiſtlichen Ständen; darum müſſen ja höhere Stände in der Kirche ſein, weder die Pfarrherrn und Prediger ſind. Wohin nun, Domine Luther? Wo ſoll ich hin? Da will ich hin: Wenn ſie nun ſelbſt Apoſtel, Evangeliſten, Propheten werden, oder mir einen zeigen, ach, was narre ich! wenn ſie mir einen zeigen unter ihnen, der eines Schülers werth iſt in den Schulen, oder ſo viel könne in der chriſtlichen Lehre und heiligen Schrift, als ein Mägdlein von ſieben Jahren, ſo will ich mich gefangen geben. Nun weiß ich fürwahr, daß ein Apoſtel, Evangeliſt, Prophet mehr, oder ja ſo viel kann, als ein Mägdlein von ſieben Jahren (ich rede von der heiligen Schrift und vom Glau⸗ ben). Denn daß ſie mehr Menſchenlehre, auch mehr Schalkheit können, das glaube ich ſehr wohl, und ſtärker, denn ich an Goti gläube, weil ſit vor Augen mit der That mich überweiſen. Darum,