Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 4, Nummer 19 › Seite 145

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1847-10-13, Seite 145

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abendmahl · Paſtor 5

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Redigirt von C. F. W. Walther.

der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.

Jahrgang 4.

St. Louis, Mo., den 16. Mai 1848.

No. 19.

Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal
vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer f
welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſi
enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. P.

Nur die Briefe,

W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

ür 5 Cents verkauft.
nd an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches,

für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, Welche denſelben

Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.

(Eingeſandt von Dr. Sihler.)
Ein deutſcher Unionsmann über uns arme
Lutheraner.

(Schluß.)

Zu guter Letzt berichtet Hr. H. noch folgendes:

„Der Schreiber (nämlich er ſelber) will noch
hinzufügen, daß der hier im Lande ſo vorwaltende
demokratiſche Geiſt nirgends ſo ſtark gefunden
wird, als unter dieſen alt⸗Iutheriſchen Gemeinden.
Die Prediger, Grabau ausgenommen, ſind überall
der peinlichſten Beaufſichtigung von Seiten der
Gemeindeglieder unterworfen, die ſelbſt zu regie⸗
ren wünſchen; ſie ſind nach allen Seiten gehin⸗
dert, geplagt, geleitet, unterdrückt und dabei er⸗

bärmlich bezahlt. Der Paſtor der alt⸗lutheriſchen
Gemeinde in New⸗York, ein wahrhaft eifriger
Mann, von ſanftem, zartem Gemüth und doch
zugleich ſo durch und durch Lutheraner, daß er
auf der Kanzel ſpitzige Schuhe tragen muß — die⸗
ſer iſt unter der Vormundſchaft ſeiner Brotmeiſter,
die ihm ſein Brot ſo geizig zumeſſen, daß er buch⸗
ſtäblich Hunger leiden muß — ein waͤhrer Kreuz⸗
träger; und ſo iſt es, mehr oder weniger, in allen
Gemeinden.“

Was nun den erſten Theil dieſer Ausſage des
Herrn H. betrifft, ſo iſt es ihm, wie an gar man⸗
chen andern Orten, ſo auch hier begegnet, daß er
entweder aus einzelnen eigenen Wahrnehmungen
alsbald Schlüſſe aufs Ganze machte, oder aus
bloßem Hörenſagen von keinesweges genau unter⸗
richtten und unpartheiiſchen Leuten flugs ſich
Thatſachen zuſammendichtete.

Daß nämlich der hieſige demokratiſche Geiſt
überhaupt keinen geringen Einfluß auf das Kir⸗
chenregiment da ausübet, wo Kirchliches und Po⸗
litiſches ſich mannigfach berühren, oder einzelne
Prediger, durch ihre perſönliche Geſinnung Men⸗
ſchenknechte und Miethlinge ſind, iſt gern und
willig einzuräumen. Dieſer zwiefache Uebelſtand
nöchte ſich aber viel mehr unter manchen engliſchen
und andern deutſchen Kirchen finden, als bei uns
ſogenannten Altlutheranern, die wir jetzt zur Sy⸗
node zuſammengetreten ſind. Dort iſt es z B.
ganz hergebracht und gewöhnlich, daß die Ge⸗
meinden ſich ihre geiſtlichen speechmaker etwa

auf ein oder ein halbes Jahr für ein gewiſſes Geld
miethen und dingen; und nicht bloß geiſtliche
Landſtreicher, ſondern auch Glieder kirchlicher
Körperſchaften gehen ſolche ſchimpfliche und
ſchmachvolle Bedingungen ohne Bedenken ein, ſich
wie Viehhirten dingen zu laſſen; die Ehrwürdigen
Synoden finden dies auch trefflich amerikaniſch
und in der beſten Ordnung und beweiſen dadurch
freilich, daß ſie keine Spur von kirchlichem Ehr⸗
gefühl im Leibe haben. Solche Synoden, Predi⸗
ger und Gemeinden ſind einander gegenſeitig
werth, und es iſt dann freilich kein Wunder, daß
allerdings hier die Prediger von den Gemeinden
nicht als Diener der Kirche, als Botſchafter an
Chriſti Statt, als Mitarbeiter des Heiligen Gei⸗
ſtes, als Väter in Chriſto, ſondern als ihre be⸗
zahlten und gedungenen geiſtlichen speaker ange⸗
ſehen werden. Und daraus folgt dann ganz na⸗
türlich, daß ſolche Prediger ſich häufig den ihnen
gebührenden Theil am Kirchenregiment feiger
Weiſe entziehen laſſen, daß ſie weder öffentlich,
noch ſonderlich, das beilige Strafamt mit heil⸗
ſamer Schärfe nach Gottes Ordnung führen, daß
ſie allerlei Leute ohne genauere Erforſchung ihres
Seelenzuſtandes zum heiligen Abendmahl zulaſſen,
daß ſie in den Gemeinde⸗Verſammlungen bloße
Nullen oder Jaherren bei der Mehrzahl ſind, ja
daß ſie — zudem bei eigener Hinneigung — am
Ende gar predigen, wonach den Leuten die Ohren
jücken. Summa, die Gemeinden ſehen dieſe ihre
Prediger nicht als ihre Diener um JEſu willen,
ſondern als ihre Knechte um des Lohnes willen
an und die Ehrwürdigen Miethlinge, falls es
zumal „gute Gemeinden“ ſind, d. i. die leidlich be⸗
zahlen, drücken dann gern ein Auge zu und bie⸗
gen und ſchmiegen ſich, ſo gut ſie können, damit
ſie popular bleiben und immer von Neuem ge⸗
miethet werden.

Solcher ſchändliche und unwürdige Zuſtand
aber, ſolches verderbliche Uebergreifen weltlicher
Demokratie in die Verwaltung der Kirche wird,
mit Gunſt zu melden, grade in unſerer ſogen ann⸗
ten altlutheriſchen Synode nicht gefunden, wie
Hr. H. fälſchlich meldet. Bei uns iſt kein Ein⸗
ziger, der ſich etwa zeitweiſe hätte dingen und mie⸗

then laſſen,“) ſondern auch in dieſer Beziehung
findet eine ordentliche Berufung unter uns
ſtatt, und jeder von uns würde hoffentlich eher
Taglöhner⸗Arbeit verrichten, als ſich ſo ſchnöden
Bedingungen unterwerfen und ſchon hierin über
die Kirche eine Art von Volkspapismus zu füh⸗
ren, der natürlich den Untertretern den meiſten
Schaden brächte.

In unſerm Synodalbezirk ſehen unſere Gemein⸗
den, ob Gott will, uns nicht als ihre gemietheten
Knechte an, obſchon ſie uns, nach Gottes Ord⸗
nung, des Leibes Nahrung und Nothdurft dar⸗
reichen, ſondern als Diener Chriſti und Haus⸗
halter über Gottes Geheimniſſe; und ob auch
Einzelne überall vorhanden ſind, die uns gern
als ihre Miethlinge anſähen und übermüthig oder
verächtlich mit uns handelten, wenn es ginge, ſo
iſt dies doch keinesweges der herrſchende Ton und
Zuſchnitt der Gemeinden.

Und daher kommt es denn auch durch Gottes
Gnade, daß grade wir, die altlutheriſche Synode,
durch Menſchenfurcht und Menſchengefälligkeit,
durch fleiſchliche Rückſichten auf demokratiſchen
Geiſt und dergleichen, uns nicht irgendwie die
Hände binden laſſen, unſer Amt nach Gottes
Ordnung zu handhaben, öffentlich und ſonderlich
zu ſtrafen, zu drohen, zu ermahnen ꝛc. — wie es
die Sache und Perſon erfordert, wenn gleich die
letztere ein reicher Emporkömmling, ein großer
Demokrat und ein angeſehener Schwätzer wäre.

Freilich wollen und können wir nicht leugnen,
daß ein guter Theil von uns keinen geringen
Kampf mit ungelehrigen, mißtrauiſchen und ſtör⸗
rigen Leuten hat, um eine geſunde Gemeinde⸗
Ordnung, in welcher auch die Gewalt des Kir⸗
chenregiments zwiſchen Prediger und Gemeinde
nach Gottes Wort richtig getheilt und zugleich
verbunden iſt, theils zu begründen, theils zu er⸗
halten, aber unmöͤglich iſt es deshalb nicht; denn

) Zwar finden mehrfach, da die Gemeinden durchſchnitt-
lich arm ſind, auch die Zahl der Glieder durch Wegziehen
oder neue Ankömmlinge faſt jährlich wechſelt, jährliche Liſten
für den Unterhalt der Prediger ſtatt; damit hängt aber
durchaus nicht etwa eine neue jährliche Miethszeit zu⸗
ſammen.

English translation AI translation

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Edited by C. F. W. Walther.

Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall now and nevermore pass away."

Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.

Volume 4.

St. Louis, Mo., May 16, 1848.

No. 19.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at the annual subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who are to pay this in advance and bear the postage. — In St. Louis each individual number is sold for 5 cents. Only letters containing contributions for the paper are to be sent to the editor; all others, containing business matters — orders, cancellations, money, etc. — are to be sent to this address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.

(Submitted by Dr. Sihler.)
A German Unionist on Us Poor Lutherans.
(Conclusion.)

Finally, Mr. H. reports the following:

"The writer (namely he himself) wishes to add further that the democratic spirit so prevailing here in this country is found nowhere so strong as among these Old Lutheran congregations. The preachers, Grabau excepted, are everywhere subjected to the most painful oversight on the part of the congregation members, who wish to govern themselves; they are hindered, plagued, led about, and oppressed on every side, and withal wretchedly paid. The pastor of the Old Lutheran congregation in New York, a truly zealous man, of gentle, tender disposition, and yet at the same time so thoroughly a Lutheran that he must wear pointed shoes in the pulpit — this man is under the guardianship of his bread-masters, who measure out his bread to him so stingily that he must literally suffer hunger — a true cross-bearer; and so it is, more or less, in all the congregations."

As regards the first part of Mr. H.'s statement, it has happened to him here, as in quite a few other places, that he either at once drew conclusions about the whole from individual observations of his own, or hastily patched together supposed facts from mere hearsay of people who were by no means well informed or impartial.

That the democratic spirit here does indeed exercise no small influence upon church government wherever ecclesiastical and political matters touch upon one another in various ways, or that individual preachers, through their personal disposition, are men-pleasers and hirelings, is readily and willingly conceded. But this twofold evil is to be found far more among a good many English and other German churches than among us so-called Old Lutherans, who have now joined together into a synod. There it is, for example, quite customary and usual for congregations to hire and engage their spiritual "speechmakers" for a year or half a year at a certain sum; and not only spiritual vagabonds but even members of ecclesiastical bodies enter without hesitation into such shameful and disgraceful conditions, letting themselves be hired like cattle-herders; the reverend synods find this altogether excellently American and in the best order, and thereby prove, to be sure, that they have not a trace of churchly sense of honor in their bodies. Such synods, preachers, and congregations are worthy of one another, and it is then indeed no wonder that here the preachers are regarded by the congregations not as servants of the church, as ambassadors in Christ's stead, as fellow workers of the Holy Spirit, as fathers in Christ, but rather as their paid and hired spiritual "speakers." And from this it follows quite naturally that such preachers frequently allow themselves, in cowardly fashion, to be deprived of the share of church government that is properly theirs, that they exercise the holy office of rebuke neither publicly nor privately with the wholesome severity required by God's ordinance, that they admit all sorts of people to the holy Lord's Supper without any careful examination of their spiritual state, that in congregational meetings they are mere ciphers or yes-men to the majority — indeed, that, moreover in keeping with their own inclination, they end up preaching whatever makes the people's ears itch. In sum, these congregations regard their preachers not as their servants for Jesus' sake, but as their hired men for wages' sake, and the reverend hirelings, especially if these happen to be "good congregations" — that is, ones that pay tolerably well — then gladly turn a blind eye and bend and accommodate themselves as best they can, so that they remain "popular" and are always hired anew.

But such a shameful and unworthy condition, such a pernicious encroachment of worldly democracy upon the administration of the church, is, if I may say so, not found precisely in our so-called Old Lutheran Synod, as Mr. H. falsely reports. Among us there is not a single one who would ever have let himself be hired and engaged for a time;*) but in this respect too a proper call takes place among us, and each of us would, it is hoped, rather perform day-laborer's work than submit to such contemptible conditions and thereby already introduce over the church a kind of popular papacy, which would naturally do the greatest harm to those subjected to it.

In our synodical district our congregations, God willing, do not regard us as their hired servants, although they provide us, according to God's ordinance, with the nourishment and necessities of the body, but rather as servants of Christ and stewards over the mysteries of God; and even though there are, here and there, individuals who would gladly regard us as their hirelings and would deal with us arrogantly or contemptuously if they could, this is by no means the prevailing tone and character of the congregations.

And so it comes about, by God's grace, that we of the Old Lutheran Synod do not, out of fear of men or desire to please men, out of fleshly regard for the democratic spirit and the like, allow our hands to be bound in any way from administering our office according to God's ordinance — to rebuke, to warn, to admonish, publicly and privately, as the matter and the person may require, even should the latter be a rich upstart, a great democrat, and a respected windbag.

To be sure, we do not wish to, nor can we, deny that a good number of us have no small struggle with unteachable, distrustful, and obstinate people, in order partly to establish and partly to maintain a sound congregational order in which the authority of church government is, according to God's Word, rightly divided and at the same time joined between preacher and congregation — but it is not impossible on that account; for

*) It is true that, since the congregations are on average poor, and since the number of members changes almost yearly through people moving away or new arrivals, annual assessments for the preachers' support do take place in several cases; but this by no means implies any new annual term of hire.