Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 6 › Seite 55
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-11, Seite 55
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Gott ſie und die Ihrigen heimſucht, ein Zei⸗
chen ſeiner Liebe und Gnade ſei, und wenden ſich
zu verbotenen Mitteln, fuchen die Hilfe bei den
Ungläubigen, Abergläubigen, Mißgläubigen,
und vergeſſen, daß dem Chriſten ein Gebot gege⸗
hen iſt: „Ziehet nicht am fremden Joche mit den
Ungläubigen! Und habt keine Gemeinſchaft wit
den unfruchtbaͤren Werken der Finſterniß, ſon⸗
dern ſtrafet ſte vielmehr.“ ö
Mich. Wenn halt die Leute recht in der Noth
ſind, wiſſen ſie ſich eben nicht zu helfen!
Chr. Ei, was ein wahrer Chriſt iſt, der weiß
ſchon, wo Hilfe zu finden iſt, wenm er ſich ſelbſt
nicht helfen kann. Ob er auch Alles vergeſſen
bätte, was er im Confirmanden unterrichte und
in der Chriſtenlehre gelernt und in der Predigt
Zeit ſeines Lebens gehört hat, Eines weiß er
doch noch: daß der, auf deſſen Namen er getauft
iſt, Jeſus, d. i. Heiland, Helfer in aller Noth
heißt. Im Vertrauen auf dieſen Namen, im
Glauben an dieſen Namen ohn' Unterlaß zu bit⸗
ten und zu beten — das hat Verheißung. In
ſolchem Glauben ſpricht der Apoſtel Paulus:
„Darum rühmen wir uns der Trübſale, dieweil
wir wiſſen, daß Trübſal Geduld bringet; Ge⸗
duld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber
bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu
Schanden werden.“ Und Jeremias in den Klage⸗
liedern 3, 26.: „Es iſt ein köſtliches Ding, gedul⸗
dig ſein, und auf die Hilfe des Herrn hoffen.
Mich. Alſo meinſt. Du, daß das Zaubern
3c. und das Hilfeſuchen bei ſolchen Leuten nim⸗
mermehr zu entſchuldigen ſei?
Chr. Gewiß iſt es nicht zu entſchuldigen,
am allerwenigſten bei Chriſten, die in der Taufe
der Sünde und aller Hilfe, die nicht von Gott
iſt, entſagt haben, und ſich bekehren ſollen von
der Finſterniß zum Licht und von der Gewalt
Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der
Sünde und das Erbe ſammt denen, die geheiligt
werden durch den Glauben an Chriſtum.“ Aber
freilich iſt manchen Leuten das Bußethun eine
umſtändliche Sache; ſie finden es bequemer —
daß ich ſo rede — zu den Zauberern und Her⸗
enmeiſtern zu. laufen, die nicht nachfragen, wie
es um den Bruſtharniſch ſteht, ſondern bei de⸗
nen es vielleicht heißt: je ſchlimmer, deſto beſſer.
Mich. Du machſt es zu arg: mir will es
manchmal vorkommen, als hätten unre Be⸗
ſchwörer, Zauberer, Büßer etwas mit den alten
Propheten gemein? —
Chr. Ich wüßte nicht was?' Du müßteſt ſie
denn mit, den Lügenpropheten, welche der Herr
verwirft, vergleichen, 5. Moſ. 13, 1. — 5.
Ich finde gerade das Gegentheil. Die wahren
Propheten waren Diener Gottes, die nicht ihrem,
ſondern Gottes Willen folgten, die nicht in ihrer
Kraft, ſondern in Gottes Kraft, die nicht in ih⸗
rem Namen und zu ihres Namens Ehre, ſon⸗
Die Zauberer.
meſſen ſich ſelbſt die Kraft zu, handeln auf eigne.
dern zu Gottes Ehre handelten!
Fauſt, ſuchen ihre Ehre. Jene führten zu Gott:
dieſe führen ab von Gott. Und wie ſtimmt mit
der Uneigennͤtzigkeit der Propheten des Zaube—
rers und Büßers Wort: „Es muß verſilbert
werden, ſonſt hilft's nicht?“
—52
Mich. Heißt's doch in der heiligen Schrift:
„Ein Arbeiter iſt ſeines Lohnes werth.“
Chr. Das wohl, aber es heißt nicht: Es
muß verſilbert werden. Jenes Wort gilt nur
als eine Ermahnung an diejenigen, welche Hilfe
erfahren haben, nicht aber für die Helfenden.
Um Dir eines Propheten Beiſpiel anzuführen:
Eliſa hat von dem reichen Naeman, dem
Miniſter des Syrerkönigs, den er vom Ausſatz
gereinigt hatte, trotz ſeiner Binſen nicht das Min⸗
deſte als Belohnung angenommen, und ſein
Knabe, der ſich heimlich beſchenken ließ, mußte
dafür mit lebenslänglichem Ausſatze büßen. 2.
Kön. 5. Oder wenn Dir eln Beiſpiel aus der
neueren Geſchichte lieber iſt, ſo erinnere ich Dich
an den ſeligen Stilling, der bei den vielen
tauſend Augenkuren, die er vollbrachte, die Er⸗
fahrung machen mußte, daß faſt Alle, die er
nnentgeldlich behandelte, geheilt wurden, wäh⸗
rend bei den Uebrigen die Operation meiſtrn⸗
theils mißlang. ö
Mich. Nun ich meine doch auch von Leuten
in der Schrift geleſen zu haben, welche für Geld
Wunder thaten.
Chr. Ja wohl erzählt ſie von ſolchen: aber
was waren's für Leute? Schwarze Teufels⸗
künſtler, wis Jannes und Jambres in
Egypten, diy Moſes Wunder nachäfften, 2.
Moſ. 7, 11 — 12., vergl. 2 Tim. 3, 8. —
Dir Zauberin zu Endor, der der Prophet Sa⸗
muel ein Schrecken iſt, 1. Sam. 28. — Bar
Jehu oder Elymas Apoſtlg. 13; 8. —
Simon Apoſtlg. 8. — Die Zauberer zu
Epheſus Apoſtlg. 19, 13 — 191 Dieſew allen,
wie ihren Anhängern, wird das Xrtheik geſpro⸗
chen im der Offenb. Johannis 21, 8.2 „Den
Verzagien aber und Ungläubigen und Gräuli⸗
chen und Todtſchlägern und Hurern und Zau⸗
berern und Abgöttiſchen und allen Lügnern, de⸗
ren Theib wird ſein in dem Pfuhl, der mit Feuer
und Schwefel brennet, welches iſt der andere
Tod.“ Ein ſaubere ſaelſchaf, moͤchteſb Du
an ihr Antheil haben??
Mich. Gewiß nicht.
Chr. Und doch haben alle daran Theil, wel⸗
che den lebendigen Gott verlaſſen und Hilfe bei
Creaturen ſuchen, die aus Unglauben an Got⸗
tes Hilfe verzagen, und dem Teufel und ſeinen
Dienern ſich in dit: Arme werfen und abgöttiſch
werden. Michel, es iſt ein ernſtes Wort: „Ver⸗
flucht iſt, wer ſich auf Menſchen verläßt und
hält Fleiſch für ſeinen Arm und mit ſoͤinem Her⸗
zen von dem Herrn weichet;“ und: „Draußen,
außer dem himmliſchen Jeruſalem, ſind die Hun⸗—
de und die Zauberer und die Hurer und die
Todtſchläger und die Abgöttiſchen und Alle, die
lieb haben und thun die Lügen.“
Mich. Lieber Gott, wenn das Zaubern. und
Büßen Sünde iſt, ſo ruht ja auf jedem Hauſeß
in unſerm Dorfe ein Fluch.
Chr. Das kann wohl ſein, und ſo hart es
klingt, muß ich Dir doch ſagen: wenn die Leute
nicht umkehren und Buße thun, wird ihnen das
Alles widerfahren, was der Herr in ſeinem Worte
gedroht hat.
bekannt ſind, daß ſie des Teufels Spuck neiben.
die B. .. Leute den Aberglauben zwiſchen die xů
der Abergläubigen wollen wir ziehen. Wir wol⸗
ſtändig, ungelehrt, verachtet bin,
Mich. Da wunderts mich freilich nicht, daß
ſo viel Unglück über ſo manche Leute kommt, die
Chr. Beſſer ſagteſt du: es wundere Dich
nicht, daß ſo wenige Leute zu wahrem lebendi⸗
gen Glauben kommen, weil die Meiſten noch
feſthalten an den ungeiſtlichen und altvetteliſchen
Fabeln, und im Aberglauben bis an die Ohren
ſtecken, darin ſie der Teufel ſo gefangen hält,
daß ſie kaum einen Fuß verſetzen können, ohne ö
ſich darüber zu ängſtigen. Ich behaupte, ein
Katechismus des Aberglaubens würde mehr
Seiten zählen, als der größte Katechismus des
Glaubens; aber der Aberglaube wird auch der
Hölle genug Zündſtoff geben.
Mich. Du eiferſt heute gewaltig über den
Aberglauben; ich dächte, Dein Eifer ſollte ſich
eher wider Die wenden, die gar nichts glauben.
Chr. Alles hat feine Zeit; heute haben mit
Füße geworfen. Ein andermal ein Anderes.
Doch zweifle ich, ob der Eifer wider den Unglau;
ben nöthiger ſei, als wider den Aberglauben.
Die Ungläubigen ſchütten zwar das Kind mit
dem Bade aus; ich weiß aber nicht, was ſchlin⸗
mer iſt, dem Teufel mit Furcht und Zittern. die⸗
nen, oder eine Weile ſich geberden wie ein Narr,
der nicht weiß, daßer in Ketten und Banden iſt.
Ich kriege des Zeugs ziemlich ſatt, des Einen
wie des Andern. Laſſen wir's, lieber Michel,
und vergeſſen wir über dem Kampfe unſrer ſelbſt
nicht. Weder am Joche der Ungläubigen, noch
len's lieben mit denen halten, die mit unſerem
Gottesmann, dem. ſeligen Luther, ſingen:
„Eine veſte Burg iſt unſer Gott ꝛc.“ Cyũ
heute habe ich in Kraußold's Gebeten für
den Katachismusunterricht die ſchöne Auslegung
Luther's vom 1. Artikel des chriſtlichen Glau⸗
bens geleſen, die mich ſo gefreut hat, daß ich ſit
Dir, weib ſie zu unſerm. Geſpräche paßt, vorle⸗
ſen muß; ſie lautet:
„Ich glaube an Gott, allmächtigen Schipfa
Himmels und der Erde. Das iſt: Ich entſage
dem böſen Geiſt, aller Abgötterei, aller Zauberei
und Mißglauben. Ich ſetze mein Vertrauen
auf keinen Menſchen auf Erden, auch nicht.auf
mich ſelbſt, noch auf meine Gewalt, Kunſt. Gut,
Frömmigkeit, oder was ich haben wag. Ic
ſetze mein Vertrauen auf keine Creatur, ſit ſei
im Himmek oder auf Erden.
Ich ſetze mein
Vertrauen allein auf den bloßen, unſichtlichen,
unbegreiflichen Gott, der Himmel und Erde
geſchaffen hat und allein über alle Kreaturen
iſt;
wiederum entſetze ich mich nicht vor aller
Bosbheit des Teufels uud ſeiner Geſellſchaft;
denn mein Gott über ſie alle iſt. Ich. glaubt
Inichts deſto weniger an Gott, ob ich vonrallen
Menſchen verlaſſen oder verfolgt. wäre. Ich
rglaube nichts deſto weniger, ob ich arm, unger⸗
oder alles
Dinges mangle. Ich glaube nichts deſto weni⸗
ger, ob ich ein Sünder bin, denn dieſer. mein
Glaube ſoll und muß' ſchweben über Alles, was
da iſt und nicht iſt, über Sünde und Tugend,
und über Alles, auf daß er in Gott lauterlich
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