Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 6 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-11, Seite 54

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nal ſaget Folgendes von ihnen: „Man hätte
vegen der Lohnprediger ein Einſehn zu haben
veil ſie mit ihren Lügen die Kirche beflecken und
ſie lächerlich machen. Man ſollte die Predigten,
welche um ihrer Ehrwürdigkeit willen für die
Prälaten gehören, nicht ſo vielen und elenden
Lohnpredigern und Bettlern überlaſſen.“

„Zu dieſen „Lügen“ nun, deren der Cardinal
gedenkt, gehörten beſonders allerlei Fabeln oder
kegenden von den Heiligen, von denen der ge⸗
lehrte Prediger⸗Mönch Jakobus Echard zu Pa⸗
ris alſo ſchreibt: „Alle Mönchsorden haben ihre
Fabeln, die durch die Länge der Zeit alſo be⸗
ſtſtiget ſind, daß ſich Einige ein Gewiſſen ma⸗
chen, ihnen keinen Glauben beizumeſſen.“

Statt der wahren, den Glauben erweckenden
und ſelig machenden Geſchichte von dem HErrn
Chriſto, dem allein Heiligen und Gerechten, er
äblten dieſe armſeligen Miethlinge alſo dem
nmen betrogenen Volke erlogene, den Aberglau⸗
hen nährende, auf Werkerei hin- und von Chri⸗
ſo abführende Lähenden von ſogenannten Heili⸗
gen; ſtatt die Unbußfertigen und geiſtlich Tod⸗
ien mit dem Donner des göttlichen orRs? zu
urwecken, mit dem Fluche des Geſetzes und dem
Zern Gottes heilſam zu erſchrecken und ſie mit
der Ewigkeit der Höllenſtrafen kräftig zu erſchüt—
tern, ſchwatzten ſie ihnen nur von der Hitze des
erdichteten Fegefeuers vor, aus dem jedoch die
läuflichen Seelenmeſſen erretteten; ſtatt den von
dem Hammer des Geſetzes gründlich zerſchlage⸗
Ren, heilsbegierigen und gnadenhungrigen See⸗
len Chriſtum, den auch für Nie Gekreuzig⸗
ien und Auferſtandenen, alszihren Sünden⸗
ilger⸗ Schuldbezahler und Fluchträger im Evan⸗
gelio vor das Auge zu malen und zur gläubigen

Aneignung ſeines allgenugſamen und vollglll⸗

ligen, die Sündenſchnld der ganzen Welt tilgen⸗
den Verdienſtes ſie tröſtlich herzuzulocken, verſtan⸗
den ſie nichts, als die Herrlichkeit des päpſtlichen
Ablaſſes zu preiſen, durch welchen allen Sün⸗
dern aus dem Schatze der überſchüſſigen Lei⸗
den u. Werke u. des überfließenden Verdienſts der
heiligen, den der Papſt allein zu verwalten
habe, Vergebung zufließe, ſowohl für begangene,
ls noch zu begehende Sünden. Statt die
Chriſtgläubigen und Gerechtfertigten ſodann zur
Nachfolge Chriſti väterlich zu ermahnen, um
kraft des heiligen Geiſtes, der nun belebend in
ihnen wohne, ihren»Willen von der Herrſchaft
des Teufels und ihres Fleiſches befreit und ein
neu geiſtlich Weſen in ihnen gepflanzt habe, im
neuen Gehorſam ihren Glauben durch die Liebe
und allerlei Frucht des Geiſtes und gute Werke
ju bethätigen und alſo gegen den Nächſten ſich
zu erzeigen, wie Chriſtus zuvor ſich gegen ſie
etzeiget hatte — ſtatt deſſen betrogen ſie das
Bolk mit der Lüge von den verdienſtlichen Wer⸗
Een des Betens, Faſtens und Allmoſengebens ꝛc.
ſo wie überhaupt des äußerlichen Gehorſams
gegen die Satzungen des Papſtes, d. i. der Kir⸗
che. Und indem ſie alſo Chriſti, zuerſt als des
alleinigen Gerecht⸗ und Seligmachers, ſodann
aber als des herrlichſten Vorbildes heiliger und
vollkommener Gottes⸗ und Menſchenliebe gar
teſchwiegen, ſo ſtellten ſie ihn höchſtens als ge⸗

ſtrengen Richter dar, deſſen Zorn und Gericht
man nur durch die Fürbitte der heiligen Jung⸗
frau Maria, ſeiner Mutter, der heiligen Apoſtel
und anderer Heiligen ſtillen könne, weshalb denn
dieſe als Fürbitter anzurufen und zu verehren
ſeien.

Und im Zuſammenhange damit gingen ſie
noch weiter und fabelten ferner, daß auch die
aufgefundenen Gebeine und ſonſtiger (vorgeb⸗
licher) Nachlaß der Heiligen und deren Bilder
in den Kirchen öffentlich zur Schau ausgeſtellt,
verehrt werden müſſen, und daß durch ihreBe⸗
rührung eine wunderthätige Kraft von ihnen
ausſtröme.

Ihre Hauptarbeit aber war, daß ſie für Geld
Seelenmeſſen laſen, um dadurch, wie ſie gaukel⸗
ten, die Seelen aus dem Fegefeuer zu erlöſen,

wovon des Weiteren der fromme Papiſt Alvas

rus Pelagius u. a. alſo ſchreibet: „Es werden
heut zu Tage viele-Meſſen geleſen, es ſei gleich,
daß es um Gewinnſtes willen oder aus Gewohn⸗
heit, oder aus Gefälligkeit vder zur Bedeckung
der Bubenſtücke oder zu eigener Gerechtigkeit
geſchehe.“

War es nun alſo mit Lehre und Leben der
Ober⸗ und Unterhirten beſtellt, ſo kann es uns
nicht Wunder nehmen, wenn jener oben ſchon
erwähnte päpſtiſche Biſchof, Martin Cromerus,
als ein wahrhaftiger Zeuge, Folgendes ausſagt:
„Es iſt zu verwundern, daß der gemeine Mann
die chriſtliche Religion nicht mit Füßen tritt und
ausziſchet, da es o weitncvon iſt, daß die
Prieſter, auch die vornehmſten, die Unwiſſenden
unterweiſen oder die Irrenden auf den Weg füh⸗
ren können, daß einige kaum wiſſen, warum ſie
Chriſten heißen und worin die chriſtliche Reli⸗
gion beſtehe. Was iſt es da Wunder, daß: dit⸗
jenigen nicht weiden, die weder die Schafe, noch
Weide, noch das Amt eines Hirten kennen?
Tag und Nacht haben wir mit unſern Zinſen
und Zehnten zu thun und haben die-hei⸗
lige Schrift weit von uns in's E⸗
lend verjaget. Das Volk lernet gewißlich
jetzt mehr Böſes als Gutes von den Prieſtern.“

Da nun alſo das theuerwerthe, reine und
helle Wort Gottes, dadurch der HErr ſeine Kir—
che mittelſt ſeiner und ihrer Diener regieret, der—

geſtalt verdunkelt und unter Meuſcheuſatzungen

und papiſtiſchen Fündlein verſchüttet und ver⸗
graben war, und Ra die Lehrer, wie oben ge⸗
meldet, nichts Anderes wußten und konnten,
als dieſe papiſtiſchen Gebote und Menſchenge—
dichte dem Volke öffentlich vorzutragen: ſo konnte
natürlich durch ſolchen Dienſt und Arbeit weder
die rechte Buße zu Gott, noch der rechte Glaube
an unſern HErrn Jeſum Chriſtum, noch die
rechten, gottgefälligen Geiſtes- und Glaubens⸗
werke in dem Volke erzeugt werden, ſondern viel⸗

mehr zweierlei Verderbniß mußte nothwendig

daraus erfolgen, wie ſolches denn auch die Ge—
ſchichte jener Zeit klärlich ausweiſet.

Die Gebildeten und Gelehrten nämlich, zu—
dem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhun⸗
derts mit den Schriften heidniſcher Weisheit und
Gelehrſamkeit von den Griechen und Rͤömern

des Alterthums befreundet und vertraut, verach⸗

teten und verſpotteten die Mährlein und Men⸗
ſchengedichte der papiſtiſchen Prieſter und Predi⸗
ger⸗Mönche; ſie geißelten deren Aberwitz und
Dummheit mit witzigen Schriften, verfielen aber,
indem ſie den Aberglauben verlachten, um ſo tie⸗
fer in den Unglauben; ſie warfen mit der
papiſtiſchen Spreu und Unrath auch die Saa⸗
menkörner göttlicher Wahrheit hinweg, die dar⸗
unter noch verborgen waren, verwarfen, als ei⸗
ne neue Auflage der alten Epikuräer und Sad⸗
ducäer, mit dem Papſtthum auch die Kircht
Gottes, die darunter das Kreuz trug, und ſtreif⸗
ten mit dem knechtiſchen Joche des Antichriſts
zu Rom auch das ſanfte Joch ihres HErrn

Chriſti a ab.
(Sdlub ſolgt)

(Eingeſandi. *

*1 1³¹ ——3 : — —
nüt 2t. uber Saubena.
Chr. Du meinſt alſo, wenn die Leute keine

andere Hilfe mehr wüßten, koͤnnten ſie auch wohl
* Zauberei ihre Zuflucht nehmen ö
Mich. Ja, das iſt meine Meinung.

Chr. Mir dünkt ſie eine gefährliche Mei⸗
nung; denn ſie oͤffnet der Sünde ein Hinter⸗
thürlein. Nach Deiner Anſicht dürften die Leute
bei Krankheiten, wenn ſie alle Arzneimittel an⸗
gewendet, ohne Unterlaß gebetet und ihren Setl⸗
ſorger und der Gemieine Fürbitte in Anſpruch
genommen hätten, und es hätte nichts geholfen,
ihre Zuflucht zu unerlaubten Mitteln, wie die
Bauberei oder das Beſprechen iſt nehinen? Du
meinſt wenigſtens, es wäte ihnen zu verzeihen,
wenn ſie es thäten? Ich meine aber nicht alſoz
ſondern glaube vielmehr, wenn alle ordenilicht
Mittel, Arznei, Gebet, Fürbitte nichts helfen,
ſollten die Leute denken: Gott will es nicht ha⸗
ben. Es iſt eine Strafe, die ich tragen, es iſt
eine Trübfäl, durch die ich zu meinem Heile hin⸗
durch muß. „Nicht mein, ſondern Dein Willt
geſchehe“ betete unſer Heiland, und ſo ſollen
auch wir beten bei allen leiblichen Uebeln.
Mich. Ja, das wäre wohl gut, wenn allt
Leute einen ſolchen Heilandsſinn hätten; aber
deren ſind' nicht viele. n
Chr. Du' haſt Recht; aber warum fehlt den
Meiſten dieſe Geſinnung des Heilandes, ſage
warum? Weil ſie nicht glauben. Der Glaube⸗
der nicht geduldig ſein kann in'Trübſal, der ſich
darin nicht in Gottes Willen ergeben mag —
den kaufe ich nicht theuer. *

Mich. Wenn ich recht verſtehe, Chriſtian,
ſo willſt du auch die Leute, welche zu den Zau⸗
berern, Büßern, Beſchwörern und klugen Leuten
ihre Zuflucht nehmen, unter die nungläutigen
zählen.

Chr. Gewiß; denn zugegeben, daß ſie eihen
Glauben haben an des Zauberers Hiife, ſo iſt
das ja Aberzlaube und nicht der rechte Gottes⸗

glaube; hätten ſie denſelben, ſo hielten ſie feſt

an der Verheißung: „Daß denen, die Gott lie⸗
ben, alle Dinge zum Beſten dienen;“ weil fie
aber dieſer Verheißung Gottes nicht trauen, ſo
ſehen ſie nicht ein, daß die Krankheit, mit der

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