Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 6 › Seite 58

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-11, Seite 58

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*

kobe's und in die Erlanger; mit den letzteren

halten es auch die Nürnberger Prediger. Was
aber jene zu den Symbolen thun, indem ſie
vorgeben, die Beſtimmungen derſelben distinc⸗
ter (deutlicher und unterſcheidlicher) zu machen
und weiter zu entwickeln, das nehmen faſt in
gleichem Maße die Erlanger von den Symbo⸗
ln hinweg, obgleich beide leugnen, daß ſie un⸗
berchugt dazu ſeien.

In Erlangen habe ich bereits die Bekannt—
ſchaft mit den Profeſſoren Thomaſius, Hofmann,
Echmid und Höfling gemacht, die mich mit ei—
ner unerwarteten außerordentlichen Liebe und
öreundlichkeit aufgenommen haben. Sie reden
alle, wie mit Einer Stimme. Obgleich ſie in
der Lehre von der Kirche und Kirchengewalt mit
uns übereinſtimmen, ſo leugnen ſie doch alle,
daß das Predigtamt von Gott unmittelbar ein⸗
geſezt ſei; ſie leiten daſſelbe vielmehr aus einer
tibiſchen (ſittlichen) Nothwendigkeit und aus ei⸗
nem blos angedeuteten Willen des HErrn her.
Ich habe ſchon manchen harten Strauß mit die—
ſen gelehrten Herren deswegen gehabt, bis jetzt
jedoch allein mit dem Erfolg, daß ſie uns et—
was näher gerückt ſind, ohne aber mit uns völ⸗
lig einig zu werden.

Es gährt hier gewaltig, und Gott hat hier
ofer übar ein großes Werk vor; mögen Menſchen
to nicht durch ihre Untreue daͤmpfen und ver⸗
ſcherzen.

Obgleich nun aber jetzt ein neues Regen und
Bewegen in der lutheriſchen Kirche Deutſchlands
ſti, ſo — ſchreibt unſer Freund ferner — fin—
det man Eins doch faſt überall bei allem Geſchrei
von lutheriſcher Kirche, nämlich, Laß man ſich
nicht kindlich einfältig zu den Füßen unſrer
alten Lehrer ſetzt und nicht, Nhe man ſelbſt aus
der Schrift Alles ſuchen will, erſt dieſe Lehrer

bört, die uns das Wort Gottes geſagt haben,

ihr Ende anſchaut und ihrem Glauben nachfolgt
Ebr. 13, 7. Es iſt freilich wahr, man erkennt
jetzt das Deutſchland nicht mehr, das wir vor
13 Jahren verlaſſen haben; überall hat ſich,
neben der furchtbarſten Entwickelung des Rei—
ces der Finſterniß und Gottesfeindſchaßß, das
nchtgläubige Bekenntniß formelle Freunde er—
worben; überall will man, wie man ſagt, wie⸗
der ſtreng lutheriſch ſein; ſelbſt die kirchlichen
Behörden erklären in den Hauptſtaaten des pro⸗
lſtantiſchen Deutſchlands, daß das lutheriſche
Bekenntniß zu Recht beſtehe und wieder geſchützt
werden ſolle; allein wenige ſind da, die dieſe
Zeit der Heimſuchung recht treulich benutzen.
Es iſt kein entſchiedenes Zurückgehen zur Refor⸗
mation.

Die Einen reden von nichts, als von nöthi⸗
ger Fortentwickelung; die Anderen ſind träge
und wollen warten, bis Gott thut, was er doch
durch ſie thun will und wozu er ſie doch berufen
hat. Es ſieht hier aus, als bräche allerdings
tin Morgen wieder an, aber unter Nebel und
Regen.“

Auf der Reiſe von Verden nach Nürnberg
ſprachen unſre Freunde in Halle bei Herrn Dr.
Guericke vor und verlebten mit ihm an 2 Ta⸗
gen die genußreichſten Stunden.

An ihm —1

—55—

heißt es — fanden wir auf unſerer Reiſe den

erſten gläubigen Gottesgelehrten, mit welchem
wir uns bald ganz eins erkannten, und der
auch ſelbſt große Freude darüber ausſprach, ſich
mit uns innig als einig zu erkennen und zu
fühlen.“

In Dresden fanden wir bei Herrn Dr. Har⸗
leß (bekanntlich Oberhofprediger und Viceprä⸗
ſident des königl. ſächſ. Conſiſtoriums), dieſem
hochgeſtellten Mann, den alleroffenſten Eingang.
Er hat uns wie Brüder aufgenommen, und
bald hat es ſich gezeigt, daß unſre amerikaniſche
lutheriſche Kirche mit ihrer Lehre und Praris
(innerhalb unſerer Synode) eine Freude ſeines
Herzens ſei. Wir fanden uns in allen Punkten,
welche beregt wurden, völlig einig. Er nahm
den innigſten Theil an unſrem Ergehen und er⸗
klärte uns — und er hat es ſchoͤn Anderen in

Deutſchland bezeugt — daß die deutſche lu—

theriſche Kirche der geſund aufblühenden ameri⸗
kaniſchen Kirche Handreichung bedürfe, wie um⸗
gekehrt“.

Schließlich lautet es: „Der Segen unſrer. De⸗
legation iſt hexoits hier ſichtbar für hier und
drüben. Viele Vorurtheile gegen unſre ameri⸗
kaniſche Kirche und ihren Zuſtand ſind bereits
gefallen, nd viele Herzen für ſie wieder neu
gewonnen.“

Unſre Freunde wollten ſich nun noch etwa 14
Tage in Erlangen aufhalten, damit Herr Pro⸗
feſſor Walther Zeit habe, ein Büchlein, enthal—
tend die Darſtellung und Verthtidigung der lu⸗
theriſchen Lehre: von der Kirche und vom Pre⸗
digtamte, im Auftrage unſrer Synode vollends
auszuarbeiten und darnach einen zweiten Be⸗
ſuch bei Herrn Paſtor Löhe machen, um, ob
Gott will, zur völligen Verſtändigung und Wie⸗
dereinswerdung mit ihm und ſeinen Sreunden
zu gelangen.

Am 28. November wollten ſie, geliebte es
Gott, mit dem letzten Dampfſchiffe dieſes Jah⸗
res von Bremen nach Amerika heimkehren.
Der Heérr geleite ſie durch den Schutz ſeiner
heiligen Engel und bringe ſie geſegnet und
wohlbehalten wieder in unſre Mitte zurück!

Xαα

(engeſandt.)
Freie Blätter.

Unter der Überſchrift: Thanksgiving'“ liefert
Herr Fr. Schmidt in ſeinem berüchtigten Schand⸗
blatte einen Artikel voll der ſcheußlichſten und
graͤulichſten Läſterungen wider den allmächtigen
und gerechten Gott, ſo daß wir ſie nicht mitthei⸗
len mögen, um nicht das ſittliche Gefühl unſe⸗
rer Leſer zu verletzen. Fürwahr ein deutlicher
Beweis für die unendliche Güte und Langmuth
Gottes liegt darin, daß er einen ſolchen frechen,
giftgen Läſterer ſeiner heiligen Majeſtät, wie Herr
Fr. Schmidt, noch leben läßt und ihm noch al⸗
lerlei Wohlthaten zuwendet.

Übrigens disputiren wir mit ſolchen Menſchen,
wie Herr Fr. Schmidt, nicht mehr, da Chriſtus
in Beziehung auf ſie ſagt: Ihr ſollt das Hei⸗

ligthum nicht den Hunden geben und eure Per⸗
len ſollt ihr nicht vor die Säue werfen. Matth.
7, 6. Auch an ihm wird zu ſeiner Zeit das
Wort erfüllet werden: Irret euch nicht, Gott
läßt ſich nicht ſpotten. Gal. 6, 7.

Kircheinweihung.

Am zwölften Sonntage nach Trinitatis wurde
unſere neuerbaute Kirche in German Townſhip,
Fulton Co., Ohio, feierlich eingeweiht, wobei
ſie den Namen „evang. luther. St. Jakobskirche“
erhielt. Vor etwas über fünf Jahren kam ich
das erſtemal in jene Gegend, um deutſche Lu⸗
theraner aufzuſuchen, indem ich vorher von ei⸗
nem Manne aufmerkſam gemacht wurde, daß
mehrere Deutſche ſich dort angeſiedelt härten,
welche ſich nach lutheriſchem Gottesdienſt ſehn⸗
ten. Es bildete ſich eine kleine Gemeinde. Da
aber die Glieder meiſtens arm waren, ſo konnte
nicht gleich eine Kirche erbaut werden. Wir

mußten daher unſern Gottesdienſt anfangs im
Hauſe des Alteſten. der Gemeinde, das am paf⸗
ſendſten war, darnach im Diſtricts Schulhauſe
halten, das uns gern geöffnet wurde. Es ent⸗
ſtand jedoch bald das Bedürfniß eines eigenen
Kirchengebäudes. So wurde denn vor zwei
Jahren Anſtalt dazu getroffen, nachdem ſchon
vorher ein Acker Land als Begräbnisort ange⸗
kauft war, darauf die Kirche gebaut werden
ſollte. Als aber die Leute Hand ans Werk le⸗
gen ſollten, zogen ſich mehrere aus dem Grunde
zurück, weil die Kirche „rein lutheriſch“ werden
ſollte. Sie wollten lieber einen Miſchmaſch.
So betrübend mir und den treuen Gliedern der
Gemeinde dieſes war, ſo waren wir doch froh,
daß ſich die Unlauteren offenbarten, und der
Kirchenbau wurde deßhalb. nicht eingeſtellt.

Durch die mehrjährige Predigt und das Leſen

des „Lutheraners“ ſind mehrere zur Erkenntniß
der Wahrheit gekommen, und dieſe entſchloſſen
ſich, alles zu thun, und die Kirche auch ohne
Hülfe der der falſchen Union Zugethanenen fertig
zu bringen, und wenn ſie gleich etwas Schulden
machen müßten. Obgleich ſich ſpäter noch eini⸗
ge Hinderniſſe zeigten, ſo iſt es mit der Hülfe
des HErrn doch dahin gekommen, daß am oben
genannten Tage wir die Freude hatten, uns das
erſtemal in dem neuen Gotteshauſe verſammeln
zu köngen, wobet ich über das Feſtevangelium
predigte. Leider konnte ich wegen der weiten
Entfernung keinen benachbarten Amtsbruder
zur Theilnahme herzubringen, obgleich ich deß⸗
wegen an einen ſchrieb. Die Kirche, obwohl
nur eine Blockkirche, iſt ein ſchönes Gebäude
an einem gelegenen Orte.

Der HErr verleihe, daß auch in dieſem Hauſe
Viele zum ewigen Leben wiedergeboren werden.
Er erhalte die Gemeinde, die Er bisher in ſo
manchem Sturm glücklich hindurch geführt hat,
noch ferner bei Seinem reinen Worte, und mache
ſie immer ſtärker in der rechten Liebe zur Wahr⸗
heit um Jeſu Cbriſti willen. Amen.

A. Detzer.

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