Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 6 › Seite 49

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-11, Seite 49

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Mich. Wie meinſt du das? *

Chr. Ich meine den Schaden, welchen wir
uns zuziehen, wenn wir uns Gottes Mißfallen
aufladen und Gott dem Herrn ein Gräuel wer⸗
den. Du kennſt doch den Spruch, 5. Moſ. 18,
10 — 12: „Daß nicht unter Dir gefunden
werde ein Weiſſager, oder ein Tagewähler, oder
der auf Vogelgeſchrei achte, oder ein Zauberer,
oder Beſchwörer, oder Wahrſager, oder Zeichen⸗
deuter,
ſolches thut, der iſt dem Herrn ein Greuel.“

Mich. Ich erinnere mich deſſelben.

Chr. Gut, ſo weißt Du denn auch, daß al⸗
lem Aberglauben, wie er auch heiße, von A bis
3, vom Tagewähler bis zum Zauberer und Be⸗
ſchwörer, von Gott der Krieg angekündigt iſt,
daß er alle, welche dem Aberglauben fröhnen,
aus der Gemeine ſeiner Gläubigen will ausge⸗
tilgt wiſſen, weil er an ihnen das höchſte Miß⸗
fallen hat, weil ſie ihm ein Greuel ſind.

Mich. Ich muß geſtehen, daß ich Deinen
Schluß richtig finde!

Chr. Wenn dem ſo iſt, ſo iſt auch offenbar,
daß wer ſolche Dinge gut heißt, und zu ihnen
ſeine Zuflucht nimmt, Gott ſelbſt mißfällig wird

Mich. Der Schluß möchte wohl richtig ſein,

ſo wenig er beachtet wird.
Chr. Das iſt jedenfalls ſehr auffallend!
Man hütet ſich ſonſt ſo ängſtlich vor der Berüh—
rung deſſen, wovor man Ekel und Abſcheu hat;
man rührt nicht gern ein Aas an, man beſinnt
ſich, ehe man einen Miſſethäter abſchneidet.
Warum hütet man ſich nicht vor dem, das dem
Herrn ein Gräuel iſt und greuelhaſt macht?

Mich. Ich theile Deine Verwunderung; aber
doch könnte ich mir denken, daß Einer, der dem
Hungertode nahe iſt, auch noch ein Aas für ei⸗
nen Leckerbiſſen halten könnte, um ſein Leben zu
friſten.

(Schluß in nächſter Nunmer.)

Das katholiſche Deutſchland rafft ſich auf.
(Aus dem „Pilger aus Sachſen“.)

Von der Bildung des katholiſchen Ver⸗
eins Deutſchlands ſeid ihr gewiß ſchon unter—
richtet, liebe Glaubensgenoſſen! Ihr wißt,
daß in Mainz der erſte ſogenannte „Piu s-—
Verein“ im Jahre 1848 ſich bildete und von
dort aus ſich weiter ausbreitete. Ihr wißt auch,
daß im October 1848 zu Mainz eine große Ver⸗
ſammlung von Abgeordneten dieſes Vereins aus
vielen Städten zuſammenkam, und daß ſie ſich
dort zu einer Geſammiheit verbanden und ſich
„Katholiſcher Berein Deutſchlands“
nannten. Dieſer katholiſche Bund iſt auch kirch⸗
lich anerkannt worden; die Biſchöfe Deutſchlands
haben ihren Schutz verſprochen und der Papſt
hat unter dem 10. Februar 1849 demſelben den
apoſtoliſchen Segen ertheilt. Im Mai vorigen
Jahres war nun auch die zweite Verſammlung
dieſes Vereins in Breslau. Vom Jahre 1850
ab wird aber nur eine Generalverſammlung
von Abgeordneten des katholiſchen Vereines
Deutſchlands abgehalten werden; neben dieſer

oder der die Todten frage, denn wer

auch eine milde, verſöhnliche Sprache.

aber in jeder Provinz jährlich wenigſtens eine

Provinzialverſammlung ausgeſchrieben. Es iſt
aber auch eine Vereinsmiſſion organiſirt
worden, die theils der Befeſtigung und Belebung
der ſchon beſtehenden, theils der Gründung neuer
Vereine, an ſolchen Orien, wo bis jetzt in Er⸗
mangelung anregender Perſonen noch keine ent⸗
ſtanden ſind, diene. Das Alles iſt wohl den
lieben Pilgerleſern meiſt bekannt.

Wißt ihr denn aber auch, was für ein Geiſt
in dieſem Vereine waltet, und was wir von dem
katholiſchen Vereine lernen köͤͤnnen? Das
möchte ich euch in aller Kürze andeuten und eu⸗
rer Erwägung anheim geben.

Bei der Verſammlung in Mainz ſchien's, als
hätten wir, d. h. wir Lutheriſchen, von dem⸗
ſelben nichts Feindſeliges zu fürchten, denn man
beſchränkte ſich lediglich auf Sicherung der eige⸗
nen Gerechtſame. Der Mainzer Bericht führte
Dieſe
Sprache iſt aber ſchon verſtummt, in Breslau
ſind ganz andere Stimmen laut geworden. Der
bekannte Convertit D. Haas nannte die prote⸗
ſtantiſche Kirche offen einen „unheimlichen
Ort“. Der D. Malkmus aus Fulda ſpricht
von „einer ſeit drei Jahrhunderten
gegen das euxopäiſche Kirchen⸗ und
Staatenſyſtemlosgelaſſenen Revo⸗
lution“ — ſo ſieht er nämlich die Reforma⸗
tion an — und meint„nurdurch den Geiſt
der katholiſchen Kirche könne die⸗
ſelbe wieder gebannt und an die
Kette gelegt werden“. Hört ihr's alſo,
liebe Glaubensgenoſſen! unſre Kirche — ein
„unheimlicher Ort“ — und das Gotteswerk der
Reformation — „ein Princip der Revolution“?
Und dabei die übermüthige Selbſtſchätzung: „vom
Katholicismus muß alles Heil ausgehen, vom
katholiſchen Verein hängt das Glück Deutſch⸗
lands ab“. Schon wird triumphirend die Hoff⸗
nung ausgeſprochen, wir würden uns überwin⸗
den und in den Garten der Kirche zurückverpflan⸗
zen laſſen.

Habt alſo Acht, wachet und betet, theure Brü⸗
der! Der Feind ſammelt aufs Neue ſeine Schaa⸗
ren und wetzt das Schwert. Meinet nicht, von
daher ſei nichts zu fürchten. Ihre Zahl iſt nicht
klein. In Mainz auf der Verſammlung waren
erſt 38 Vereine vertreten, in Breslau bereits
gegen 90, und der Abgeordneten waren 200 ver⸗
ſammelt. Von den 38 Bisthümern Deutſchlands
haben 30 bereits den Verein aufgenommen und
ſeine Sache findet ſehr erwünſchten Gang. Und
ihre Macht und Kunſt iſt nicht gering anzuſchla⸗
gen. Werdet aber nicht muthlos!

Verzage nicht, du Häuflein flein,
Obſchon die Feinde willens ſein
Dich gänzlich zu verſtören
Und ſuchen deinen Untergang,
Davon dir wird recht angſt und bang
Es wird nicht lange währen.

Aus Vorſtehendem erſeht ihr alſo, daß der
Geiſt jenes Vereins für unſere Kirche eben kein
freundlicher, ſondern vielmehr ein feindſeliger iſt.
Es iſt auch kaum anders zu erwarten. Aber
was ſollen wir von dem katholiſchen Vereine ler⸗
nen?

⁷

Zweierlei: zuerſt die rechte Klugheit um
dann das rechte Zuſammenhalten.
Bei den Verſammlungen, wie ſie in Maim
und Breslau gehalten wurden, wechſelten alu
gemeine und beſondre Verſammlunger
ab. Zu den allgemeinen haben auch Nichtmiz⸗
glieder Zutritt. So ſollen in Breslau weniz⸗
ſtens 3000 Menſchen gegenwärtig geweſen ſein
Zu den beſondern werden nur die Abgeordneten
gezogen. Die allgemeinen Verſammlungen ſind!
allein Vorträgen gewidmet, die beſondem
dagegen haben ſich mit Berathungen zu befaſſen.
Merkt euch das, lieben Freunde! Dieſe Ord⸗
nung iſt ohne Zweifel ſehr zweckmäßig. Bera⸗
thungen gedeihen am Beſten in kleinern Kreiſe
die auf gleichem Grunde der Anſchauung ſteher⸗
Oeffentliche Verſammlungen dagegen leiſten we⸗
nig, wenn ſie allgemeine Sprechfreiheit gewäͤh⸗
ren. Sie haben vielmehr nur den Zweck, An⸗
regung zu geben und Eindruck zu hinterlaſſen
Auf der Breslauer Verſammlung ſagte der
Abgeordnete für Breslau: „Der hieſige CEentral⸗
Verein umfaßt nicht allein 2000 männliche und
600 weibliche Mitglieder, ſondern hat auch in
110 Vereinen in der Provinz ſich verzweigt. Allt
dieſe Vereine ſind in ihrem Beſtande geſichen
und üben ihren Einfluß anf meilenweite Umge⸗
bung, denn es werden alle 8 oder 14 Tage all⸗
gemeine Verſammlungen abgehalten, die eine
wahre Schule ſind für Glauben — nämlich den
römiſchen — und Geſittung“. Graf Stoll⸗
berg berichtet, daß Weſtphalen bereits 40.
Vereinsmitglieder zäihle. An den Hauptverrin
Köln haben ſich ſchon 147 Zweigvereine ange⸗
ſchloſſen. Dem Haupt-Vereine Augsburg,
der erſt ſeit 5 Monaten beſtand, waren in der
kurzen Zeit 31 Zweige zugewachſen; der Haupt⸗
Verein ſelbſt zählt 6000 Mitglieder. Regens⸗
burg hat 15 ihm zugehörende Vereine. Wür⸗
temberg hat 50 Vereine mit 3000 Mitglieden
Mit Speier ſtehen 28 Vereine im Bunde.
Hat doch auch Bautzen ſeinen katholiſchen
Verein und die katholiſche Lauſitz hat nicht we—
nig beigeſteuert für den Papſt, da im vorigen
Jahre Sammlungen veranſtaltet wurden. „
Daß nun durch die Wirkſamkeit des bachnl
ſchen Vereins eine beſſere Zukunft zu erwarte
ſei, das bezeugt der Graf Stollberg aus voller
Bruſt. Und worauf gründet ſich ſeine Erwar⸗
tung? auf das katholiſche Bewußtſein,
das mit dem katholiſchen Vereine wieder erwacht
ſei. Es iſt ihr Stolz und ihre Kraft zu beken⸗
nen: „Ich bin ein Katholik.“ Und was
für himmliſche Hülfe der Verein ſucht, das er⸗
hellt aus dem Antrag, der am 10. Mai vorigen
Jahres zu Breslau geſtellt wurde: „der katho⸗
liſche Verein ſoll unter dem Schutze der Himmels⸗
königin, der heiligen Jungfrau und Gottesmut⸗
ter Maria, ſein heiliges Werk fortführen.“ Die
Verſammlung erhob dieſen Antrag zum Beſchluß
und erwählte ſich die heilige Jungfrau zur Schuh⸗
patronin. Darum ſagt auch der Vowedner zu
den Breslauer Verhandlungen: „Laßt uns be⸗
tend dieſen Stern begrüßen“ und ſingt mit lau⸗

ter Stimme das alte lateiniſche

„

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