# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 11 11_S55 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Gott ſie und die Ihrigen heimſucht, ein Zei⸗ chen ſeiner Liebe und Gnade ſei, und wenden ſich zu verbotenen Mitteln, fuchen die Hilfe bei den Ungläubigen, Abergläubigen, Mißgläubigen, und vergeſſen, daß dem Chriſten ein Gebot gege⸗ hen iſt: „Ziehet nicht am fremden Joche mit den Ungläubigen! Und habt keine Gemeinſchaft wit den unfruchtbaͤren Werken der Finſterniß, ſon⸗ dern ſtrafet ſte vielmehr.“ ö Mich. Wenn halt die Leute recht in der Noth ſind, wiſſen ſie ſich eben nicht zu helfen! Chr. Ei, was ein wahrer Chriſt iſt, der weiß ſchon, wo Hilfe zu finden iſt, wenm er ſich ſelbſt nicht helfen kann. Ob er auch Alles vergeſſen bätte, was er im Confirmanden unterrichte und in der Chriſtenlehre gelernt und in der Predigt Zeit ſeines Lebens gehört hat, Eines weiß er doch noch: daß der, auf deſſen Namen er getauft iſt, Jeſus, d. i. Heiland, Helfer in aller Noth heißt. Im Vertrauen auf dieſen Namen, im Glauben an dieſen Namen ohn' Unterlaß zu bit⸗ ten und zu beten — das hat Verheißung. In ſolchem Glauben ſpricht der Apoſtel Paulus: „Darum rühmen wir uns der Trübſale, dieweil wir wiſſen, daß Trübſal Geduld bringet; Ge⸗ duld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden.“ Und Jeremias in den Klage⸗ liedern 3, 26.: „Es iſt ein köſtliches Ding, gedul⸗ dig ſein, und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Mich. Alſo meinſt. Du, daß das Zaubern 3c. und das Hilfeſuchen bei ſolchen Leuten nim⸗ mermehr zu entſchuldigen ſei? Chr. Gewiß iſt es nicht zu entſchuldigen, am allerwenigſten bei Chriſten, die in der Taufe der Sünde und aller Hilfe, die nicht von Gott iſt, entſagt haben, und ſich bekehren ſollen von der Finſterniß zum Licht und von der Gewalt Satans zu Gott, zu empfahen Vergebung der Sünde und das Erbe ſammt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an Chriſtum.“ Aber freilich iſt manchen Leuten das Bußethun eine umſtändliche Sache; ſie finden es bequemer — daß ich ſo rede — zu den Zauberern und Her⸗ enmeiſtern zu. laufen, die nicht nachfragen, wie es um den Bruſtharniſch ſteht, ſondern bei de⸗ nen es vielleicht heißt: je ſchlimmer, deſto beſſer. Mich. Du machſt es zu arg: mir will es manchmal vorkommen, als hätten unre Be⸗ ſchwörer, Zauberer, Büßer etwas mit den alten Propheten gemein? — Chr. Ich wüßte nicht was?' Du müßteſt ſie denn mit, den Lügenpropheten, welche der Herr verwirft, vergleichen, 5. Moſ. 13, 1. — 5. Ich finde gerade das Gegentheil. Die wahren Propheten waren Diener Gottes, die nicht ihrem, ſondern Gottes Willen folgten, die nicht in ihrer Kraft, ſondern in Gottes Kraft, die nicht in ih⸗ rem Namen und zu ihres Namens Ehre, ſon⸗ Die Zauberer. meſſen ſich ſelbſt die Kraft zu, handeln auf eigne. dern zu Gottes Ehre handelten! Fauſt, ſuchen ihre Ehre. Jene führten zu Gott: dieſe führen ab von Gott. Und wie ſtimmt mit der Uneigennͤtzigkeit der Propheten des Zaube— rers und Büßers Wort: „Es muß verſilbert werden, ſonſt hilft's nicht?“ —52 Mich. Heißt's doch in der heiligen Schrift: „Ein Arbeiter iſt ſeines Lohnes werth.“ Chr. Das wohl, aber es heißt nicht: Es muß verſilbert werden. Jenes Wort gilt nur als eine Ermahnung an diejenigen, welche Hilfe erfahren haben, nicht aber für die Helfenden. Um Dir eines Propheten Beiſpiel anzuführen: Eliſa hat von dem reichen Naeman, dem Miniſter des Syrerkönigs, den er vom Ausſatz gereinigt hatte, trotz ſeiner Binſen nicht das Min⸗ deſte als Belohnung angenommen, und ſein Knabe, der ſich heimlich beſchenken ließ, mußte dafür mit lebenslänglichem Ausſatze büßen. 2. Kön. 5. Oder wenn Dir eln Beiſpiel aus der neueren Geſchichte lieber iſt, ſo erinnere ich Dich an den ſeligen Stilling, der bei den vielen tauſend Augenkuren, die er vollbrachte, die Er⸗ fahrung machen mußte, daß faſt Alle, die er nnentgeldlich behandelte, geheilt wurden, wäh⸗ rend bei den Uebrigen die Operation meiſtrn⸗ theils mißlang. ö Mich. Nun ich meine doch auch von Leuten in der Schrift geleſen zu haben, welche für Geld Wunder thaten. Chr. Ja wohl erzählt ſie von ſolchen: aber was waren's für Leute? Schwarze Teufels⸗ künſtler, wis Jannes und Jambres in Egypten, diy Moſes Wunder nachäfften, 2. Moſ. 7, 11 — 12., vergl. 2 Tim. 3, 8. — Dir Zauberin zu Endor, der der Prophet Sa⸗ muel ein Schrecken iſt, 1. Sam. 28. — Bar Jehu oder Elymas Apoſtlg. 13; 8. — Simon Apoſtlg. 8. — Die Zauberer zu Epheſus Apoſtlg. 19, 13 — 191 Dieſew allen, wie ihren Anhängern, wird das Xrtheik geſpro⸗ chen im der Offenb. Johannis 21, 8.2 „Den Verzagien aber und Ungläubigen und Gräuli⸗ chen und Todtſchlägern und Hurern und Zau⸗ berern und Abgöttiſchen und allen Lügnern, de⸗ ren Theib wird ſein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennet, welches iſt der andere Tod.“ Ein ſaubere ſaelſchaf, moͤchteſb Du an ihr Antheil haben?? Mich. Gewiß nicht. Chr. Und doch haben alle daran Theil, wel⸗ che den lebendigen Gott verlaſſen und Hilfe bei Creaturen ſuchen, die aus Unglauben an Got⸗ tes Hilfe verzagen, und dem Teufel und ſeinen Dienern ſich in dit: Arme werfen und abgöttiſch werden. Michel, es iſt ein ernſtes Wort: „Ver⸗ flucht iſt, wer ſich auf Menſchen verläßt und hält Fleiſch für ſeinen Arm und mit ſoͤinem Her⸗ zen von dem Herrn weichet;“ und: „Draußen, außer dem himmliſchen Jeruſalem, ſind die Hun⸗— de und die Zauberer und die Hurer und die Todtſchläger und die Abgöttiſchen und Alle, die lieb haben und thun die Lügen.“ Mich. Lieber Gott, wenn das Zaubern. und Büßen Sünde iſt, ſo ruht ja auf jedem Hauſeß in unſerm Dorfe ein Fluch. Chr. Das kann wohl ſein, und ſo hart es klingt, muß ich Dir doch ſagen: wenn die Leute nicht umkehren und Buße thun, wird ihnen das Alles widerfahren, was der Herr in ſeinem Worte gedroht hat. bekannt ſind, daß ſie des Teufels Spuck neiben. die B. .. Leute den Aberglauben zwiſchen die xů der Abergläubigen wollen wir ziehen. Wir wol⸗ ſtändig, ungelehrt, verachtet bin, Mich. Da wunderts mich freilich nicht, daß ſo viel Unglück über ſo manche Leute kommt, die Chr. Beſſer ſagteſt du: es wundere Dich nicht, daß ſo wenige Leute zu wahrem lebendi⸗ gen Glauben kommen, weil die Meiſten noch feſthalten an den ungeiſtlichen und altvetteliſchen Fabeln, und im Aberglauben bis an die Ohren ſtecken, darin ſie der Teufel ſo gefangen hält, daß ſie kaum einen Fuß verſetzen können, ohne ö ſich darüber zu ängſtigen. Ich behaupte, ein Katechismus des Aberglaubens würde mehr Seiten zählen, als der größte Katechismus des Glaubens; aber der Aberglaube wird auch der Hölle genug Zündſtoff geben. Mich. Du eiferſt heute gewaltig über den Aberglauben; ich dächte, Dein Eifer ſollte ſich eher wider Die wenden, die gar nichts glauben. Chr. Alles hat feine Zeit; heute haben mit Füße geworfen. Ein andermal ein Anderes. Doch zweifle ich, ob der Eifer wider den Unglau; ben nöthiger ſei, als wider den Aberglauben. Die Ungläubigen ſchütten zwar das Kind mit dem Bade aus; ich weiß aber nicht, was ſchlin⸗ mer iſt, dem Teufel mit Furcht und Zittern. die⸗ nen, oder eine Weile ſich geberden wie ein Narr, der nicht weiß, daßer in Ketten und Banden iſt. Ich kriege des Zeugs ziemlich ſatt, des Einen wie des Andern. Laſſen wir's, lieber Michel, und vergeſſen wir über dem Kampfe unſrer ſelbſt nicht. Weder am Joche der Ungläubigen, noch len's lieben mit denen halten, die mit unſerem Gottesmann, dem. ſeligen Luther, ſingen: „Eine veſte Burg iſt unſer Gott ꝛc.“ Cyũ heute habe ich in Kraußold's Gebeten für den Katachismusunterricht die ſchöne Auslegung Luther's vom 1. Artikel des chriſtlichen Glau⸗ bens geleſen, die mich ſo gefreut hat, daß ich ſit Dir, weib ſie zu unſerm. Geſpräche paßt, vorle⸗ ſen muß; ſie lautet: „Ich glaube an Gott, allmächtigen Schipfa Himmels und der Erde. Das iſt: Ich entſage dem böſen Geiſt, aller Abgötterei, aller Zauberei und Mißglauben. Ich ſetze mein Vertrauen auf keinen Menſchen auf Erden, auch nicht.auf mich ſelbſt, noch auf meine Gewalt, Kunſt. Gut, Frömmigkeit, oder was ich haben wag. Ic ſetze mein Vertrauen auf keine Creatur, ſit ſei im Himmek oder auf Erden. Ich ſetze mein Vertrauen allein auf den bloßen, unſichtlichen, unbegreiflichen Gott, der Himmel und Erde geſchaffen hat und allein über alle Kreaturen iſt; wiederum entſetze ich mich nicht vor aller Bosbheit des Teufels uud ſeiner Geſellſchaft; denn mein Gott über ſie alle iſt. Ich. glaubt Inichts deſto weniger an Gott, ob ich vonrallen Menſchen verlaſſen oder verfolgt. wäre. Ich rglaube nichts deſto weniger, ob ich arm, unger⸗ oder alles Dinges mangle. Ich glaube nichts deſto weni⸗ ger, ob ich ein Sünder bin, denn dieſer. mein Glaube ſoll und muß' ſchweben über Alles, was da iſt und nicht iſt, über Sünde und Tugend, und über Alles, auf daß er in Gott lauterlich