Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 6 › Seite 45

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-11-11, Seite 45

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unumſchränkter Machtvollkommenheit durch ſeine

Geſetze und Ordnungen regiere, alſo daß ihm
alle Chriſten bei Verluſt ihrer Seligkeit unbe⸗
dingten und unverbrüchlichen Gehorſam zu lei⸗
ſten pflichtig ſeien; ſondern deshalb ſei und heiße
die Kirche Gottes die ein e, weil ſie ein Ober⸗
haupt habe im Himmel und auf Erden, nämlich
ven HErrn Jeſum Chriſtum, dieſen einen
HErrn und König, der ſie durch den Einen
heiligen Geiſt mittelſt der einen Taufe, und
des einen Evangeliums in einem Glauben
zu ein em geiſtlichen Leibe, an dem Er eben
das Haupt ſei, ſammle, und dieſen ſodann ſtetig⸗
lich belebe und regiere.

Ferner die Kirche Gottes ſei und heiße deß⸗
halb nicht: heilig, weil ſie in ununterbroche⸗
ner Reihefolge der Biſchöfe von der Apoſtel Zeit
her, nach dem geſetzlichen Vorbild der altteſta⸗
mentlichen Theokratie (Gottesherrſchaft, darin
geiſtliches und weltliches Regiment zuſammen⸗
fiel) einen heiligen Prieſter⸗ und irdiſchen Mitt⸗
lerſtand mit ſeiner Spitze und Gipfel im Papſte
und von dieſem in einer beſtimmten Stufenleiter
und Rangordnung bis zum gemeinen Prieſter
herunter habe, durch deren Dienſt und Amk die
Laien (Leute aus dem Volk) erſt geheiligt und
weſentlich in die Kirche verſetzt würden; — ſon⸗
dern deshalb ſei und heiße die Kirche heilig,

weil da heilig ſei ihr Haupt und Grund.
Chriſtus, ihr Baumeiſter, er heilige Geiſt, die
Mittel, dadurch ſie gebauet wird, Gottes Wort
und Sakrament, endlich aber und vornämlich,
weil ſie aus lauter Heiligen, nämlich ſolchen
Menſchen beſtehe, die im rechten Glauben mit
Chriſto verbunden und alſo geheiligt ſeien, daß
Chriſti Gerechtigkeit und Heiligkeit ihnen zuge⸗
rechnet werde, der heilige Geiſt in ihnen wohne
und ſie zu heiligen gottgefälligen Werken, dit
aus dem Glauben gehen, antreibe. —
Endlich ſei und heiße die Kirche deshalb nicht
katholiſch oder allgemein, weil ſich alle
Chriſten, die da wollten ſelig werden, unter der
Oberhoheit des Pabſtes und im Schooße der
röͤmiſchen Kirche unter der Amtspflege ihrer Die⸗
ner befinden müßten und daß alſo weſentlich und
eigentlich die roͤmiſche Kirche die allein ſeligma⸗
chende ſei; ſondern deshalb ſei und heiße die
Kirche katholiſch oder allgemein, weil
ſie vom Aufgang der Sonne bis zu deren Nie⸗
dergang, unter allerlei Voͤlkern, Sprachen und
Zungen alle an Chriſtum wahrhaft Gläubigen
umfaſſe, die, auf oben angegebene Weiſe, unter
Einem SErrn, Jeſu Chriſto, durch dasſelbe
Cvangelium und die eine Taufe in einem
Glauben ein Leib in einem Geiſte ſeien, weß
Standes, Alters und Geſchlechtes ſie auch ſein
mögen — Alle Kinder desſelben Vaters, Brü⸗
der und Schweſtern des ſelben Heilands, Wohn⸗
und Werkſtätten desſelben heiligen Geiſtes, Prie⸗
ſter und Könige vor Gott (ſie ſeien Fürſten und
Biſchöfe oder nicht), das auserwählte Geſchlecht,
das heilige Volk, das Volk des Eigenthums,
das geiſtliche Israel, das Jeruſalem, das dro⸗
ben iſt, der Berg Zion, die Stadt des lebendigen
Gottes, die heilige Chriſtenheit, außer welcher
allerdings Niemand könnne ſelig werden.—4

brauche man nicht zu glauben.
piefe Kirche Chriſti hin und her, und je und je

—42 .—
Aus ſolcher ehelſchen Reintzangund We⸗
derherſtellung des Lehrſtückes abes von der einen.
heiligen chriſtlichen sder karholiſchem Kirche durcht

Luthern und ſeine Freunde ward zuletzt auch als

richtige Folgerung der Irrthum und die Thor⸗
heit der Papiſten klar und offenbar, daß dieſe
Kirche weſentlich und eigentlich deshalb ſichtbar
ſei, weil ja doch der Papſt, der Prieſterſtand und
deſſen Aemter, und endlich auch die Leute, die

desſelben gebrauchten, ſichtbar ſeien.

Denn aus Gottes Wort und Luthers Lehre
erhellte das grade Gegentheil, nämlich, daß dieſe
eine heilige chriſtliche oder katholiſche Kirche auf
Erden wefentlich und eigentlich unſichtbar
ſei; und zwar theils wegen des einen Haup⸗
tes und HErrn, der nicht in leiblicher Sichtbar⸗
keit ſein Reich auf Erden regiere, theils wegen
der Beſchaffenheit dieſes Reiches, das aus Gläu⸗
bigen, aus Glitdern eines geiſtlichen Lei⸗
bes, an allerlei Orten der Erden und zu ver⸗

ſchiedenen Zeiten beſtehe, deren Glauben, da⸗

durch ſie mit Chriſto verbunden und eigentlich

Chriſten ſind, ſammt der gnadenreichen Einwoh⸗

nung des heiligen Geiſtes Niemand ſehen könne,
außer Gott; und deshalb bekenne und ⸗be in
auch die Kirche: ich glaube eine heil. chriſt⸗
liche Kirche. Denn was man ſehen könne,
Und ob zwar

erkennbar werde als Pfeiler und Grundveſte
der Wahrheit durch die reine und lautere Pre⸗
digt ves Evangelii und die demſeiben geͤmäße
Verwaltung der heiligen Sakramente, und da⸗
durch hier und dort die geiſtliche Mutter eines
neuen Geſchlechts der Gläubigen werde, ſo ſeien
und bleiben doch auch dieſe in' ihrim eigent⸗
lichen Seyn und Weſen, eben als mit Chriſto
innerlich durch den Glauben verbundene Chri⸗
ſtenmenſchen unſichtbar, wenn ſie gleich
nach Außen hin durch das Bekenntniß des Mun⸗
des und die Werke der Liebe dieſen innerlich ver⸗
borgenen Glauben äußerlich bethätigen und
Früchte des Geiſtes bringen.

Da wir nun aber jetzt in einer gefährlichen
Zeit leben, in welcher das Pabſtihum, dieſes

antichriſtiſche Geheimniß der Bosheit, wie die

Geſchichte des Tages deß mehrfach Zeugniß giebt,
dies⸗
Kraft und Aufſchwung zu bekommen ſcheint; —

und da leider ſogar in der lutheriſchen Kirche
hin und her in dieſen und jenen Büchlein Sätze

behauptet werden, die in einer innerlichen gehei—
men, den Schreibern ſicherlich nicht bewußt ge—
wordenen Verwandtſchaft mit der papiſtiſchen

Lehre von der Kirche ſtehen und mindeſtens auf
eine Trübung und Verdunkelung des vornäm⸗

lich durch Luthern gereinigten evangeliſchen
Grundbegriffs vom Wefen der Kirche zurück⸗
ſchließen laſſen: ſo wird es nicht am unrechten
Orte ſein, aus ſeinen Schriften, dieſem friſchen
und lebendigen Springbrunnen reiner evange⸗
liſcher Wahrheit, aus dem die wichtigſten Lehr—
väter unſerer Kirche im 16. und 17. Jahrhun⸗
dert gar fleißig geſchöpft haben, und zum Ge⸗
düchtniß des von Gott vornämlich durch ſeinen

Dienſt degonnenen Werks der grſegneten Refor⸗

—

und jenſeits des Oceans, wieder neue

mation, einige wichtige Zeugniſſe vom tigent⸗ ö
lichen Weſen der Kirche zuſammen zu ſtellen;
denn gar maͤnche⸗Lutheraner, 2 ſogar luthe⸗
iſche Lehrer unſreit Ige aut die Kirche
kaum für etwis andere— au dals/ wan 10
ſammtheit aller rechigläubigen Gemei den u0
durch den ſogenanntenLehrſtand, als weſ entlig
von dem Wehr-⸗ und Nährſtande verſchiedin
nicht nur durch Gottes Wort, ſondern auch dur
eine beſtimmte Verfaſſuung und Ordnung
mancherlei Geſetzen regiert werden. Sie ver⸗
wechſeln alſo dieſe und jene zeitliche und ſi cht⸗
bare Erſcheinungsform der Kirche, davon auch ö
an ſeinem Orte zu reden iſt, mit dem eigenti⸗
chen Weſen der Kirche, darin ſie geiſtlich und
unſichtbar iſt, und müſſen deshalb von der An⸗
ſchauung ſolcher ſichtbaren Geſtalt aus, als ber
ſtünde darin das eigentliche Weſen der Kirche.
nicht aber in der innerlichen geiſtlichen Verbin⸗
dung der Gläubigen mit Chriſto, folgerichtiger
Weiſe in Rlerhand Irrthümer gerathen, davon
auf diesmal nicht weiter zu ſagen iſt.

1. Schmalkaldiſche Artikel.
— — (Th. 3. Cap. 12. 7
dir geſtehen ihnen nicht, vaß ſie die
ſein, und ſind's auch nicht, und wollen's auch
nicht hören, was ſie unter dem Namen der Kir⸗
che gebieten oder verbieten. Denn weiß ꝛs Gen
Lob ein Kind von ſieben Jaͤhren, was die Kis
che ſei, nämlich, die Heiligen Glänbigen, und
die Schäflein, die ihres Hirten Stimme höͤren
Denn alſo beten die Kinder: Ich glaube eint
heilige chriſtliche Kirche. Dieſe Heiligkeit beſta
het nicht in Choͤrhemden, Platten, langen Röcken
und andern ihrer Cexemonien, durch ſie, über
die heilige Schrift erdichtet, ſondern am Wanh
Gottes und rechtem Glauben“. —

2. Aus dem großen Katechismus.

„Die heilige chriſtliche Kirche heißtt
Communionem Sanctorum, eine Gemeinſchaft
der Heiligen, denn es iſt beides einerlei zuſam⸗
men gefaſſet, aber vor Zeiten das eine Stud
nicht dabei geweſen, iſt auch übel und unperſ
ſtändlich erdeutſchet: eine Gemeinſchaft diſ
Heiligen. Wenn mans deutlich geben ſol
müßte mans auf deutſche Art gar anders reden;
denn das Wort Eeclesia heißt eigentlich aif
Deutſch, eine Verſammlung; wir ſind aber ge⸗
wohnet des Wörtleins Kirch e, welches di
Einfältigen nicht von einem verſammelten Hau⸗
fen, ſondern von dem geweiheten Haus oder G⸗
bäu verſtehen; wiewohl das Haus nicht ſolle
eine Kirche heißen ohn allein darum, daß der
Haufe darin zuſammen kommt. Denn wir, dbi
zuſammen kommen, machen und nehmen uit
einen ſonderlichen Raum, und geben dem Hah
nach dem Haufen einen Namen.

Alſo heißet das Wörtlein Kirche rie
nichts anders denn eine gemeine Sammlung
und iſt von Art nicht Deutſch, ſondern Gf
chiſch Cvie auch das Wort Eeclesia)/ denn
heihen's auf ihre Spracht Kyria, wie mans auch
Lateiniſch Curiam nennet. Darum ſolli

2

4½ *n

„Allgemeine Verſammlung.“

English translation

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