Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 192
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 192
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ernähret und verſorgt? Hat's nicht Gott ge⸗
than? Kann er's nicht auch ferner thun? Oder
iſt ſeine Segensquelle vertrocknet? Seht doch,
wie unnöthig und unnütz unſere Sorgen ſind!
Es iſt möglich, daß der Elbſtrom vertrockne, nicht
aber, daß Gottes Segen und väterliche Fürſorge
für die Seinigen auf höre. Darum
Was traurſt du doch?
Gott lebet noch.
Sorg und ſorge nicht zu viel,
Es geht doch, wie's Gott haben will.
Laß es gehen, wie es geht,
Wenn es nur zum Himmel geht!
Ich danke euch, ſprach der Bekümmerte, für
die gute Erinnerung; ich bekenne, daß ich mei⸗
nem lieben Gott Unrecht thue, wenn ich mit
meinen Sorgen mich verſorgen will. Ich will
mich befleißigen, daß ich mich der unnützen
Sorgen entſchlagen möge! Gott helfe meiner
Schwachheit!
Was und wer iſt ein Chriſt?
So du eigentlich willſt wiſſen und die Defini⸗
tion treffen und geben, was doch ein Chriſt ſei,
oder woher der Menſch ein Chriſt heiße, ſo mußt
du nicht gaffen noch ſehen nach Moſis Geſetz,
Pabſtes Regiment, noch aller Menſchen, auch der
heiligſten, Leben und Heiligkeit, ſondern allein
hieher auf dies Wort Chriſti, da er ſagt: „Meine
Schaafe kennen mich, und meine Schaafe hören
meine Stimme.“ (Joh. 10, 3. 4.) Daß du
ſageſt: Ein Chriſt iſt nicht, der da ein herrlich,
ſtrenge, ernſtlich Carthäuſer⸗ oder Einſiedlerleben
führet: denn ſolches können auch Juden und
Türken, unter denen etliche viel ſtrenger leben.
Und kurz, alles, was in uns und von
uns geſchehen kann, das macht keinen
Chriſten. Was denn? Allein das, daß man
dieſen Mann kenne, von ihm halte und ſich zu
ihm verſehe, was er will von ihm gehalten haben,
nemlich, daß Er ſei der gute Hirte, der ſein Leben
für ſeine Schaafe läßt und ſie erkennet. Solch
Erkenntniß heißt und iſt nichts anderes, denn der
Glaube, ſo da folget aus dem Predigtamt des
Wortes, welches nicht unſere eigene Gedanken
oder von Menſchen herkommen, ſondern durch
Chriſtum ſelbſt vom Himmel gebracht und offen⸗
baret iſt, wie er zu Petro ſaget, Matth. 16, 17.:
„Fleiſch und Blut hat dir ſolches nicht offen⸗
baret“ ꝛc. Dieſe zwei müſſen zuſammen ſtimmen
und kommen: ſein Wort und unſer Glaube;
denn wo er ſich nicht ſelbſt durchs Wort offen⸗
barte und ſeine Stimme hören ließe, ſo würden
wir nichts von dem Hirten wiſſen. Alſo ſage ich,
und auf keine andere Weiſe wird man ein Chriſt,
daß man dieſe Stimme allein höre und keinen
andern Hirten wiſſen noch ſich fürbilden laſſe, es
heiße und gleiße, wie es wolle, ſondern dies
einige Bild allein faſſe mit dem Herzen. Und
alſo allzumal, die Schaafe Chriſti ſind, ohne Un⸗
terſcheid dieſe einige Farbe und Geſtalt haben,
dabei ſie zu kennen und in dieſem einander ähn⸗
lich ſind, daß ſie zugleich an dieſen Hirten gläu⸗
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ben und desſelben Wort bekennen, ob ſie ſonſt
gleich äußerlich auf mancherlei Weiſe unterſchie⸗
den, ja, in der Welt ohne Ordnung hin und
wieder zerſtreut und unter andere Leute geworfen
ſind. Aus dieſem haben wir nun dieſen Troſt,
daß, wer alſo Chriſtum kennet, der iſt gewißlich
ſeiner Schaafe eines und ſchon von ihm erkannt
und zum Schaaf erwählet, ſoll und darf nicht
weiter ſuchen noch gaffen, wie er ein Schaaf
werde, noch ſich ängſten und zermartern mit ver⸗
geblichen Gedanken, ob er verſehen (auserwählt)
ſei und wie er der Seligkeit gewiß werden möge,
ſondern ſich fröhlich deß tröſten und ſicher ſein
ſoll, ſo er dieſes Chriſti Stimme höret, daß er an
ihm hat den lieben Hirten, der ihn kennet, das iſt,
ſich ſein, als ſeines Schäfleins, annimmt, für ihn
ſorget und ihn ſchützen und retten will, daß er
ſich nichts darf fürchten vor Teufel, Hölle und
Tod. (Luther in der Kirchenpoſtille.)
„Wohl dem, der nicht wandelt im Rath der
Gottloſen, noch tritt auf den Weg der Sünder,
noch ſitzet, da die Spötter ſitzen.“ Pſ. 1, 1.
Die Gelehrten haben hierbei in Acht genom⸗
men, daß zuerſt der Menſch verleitet wird, mit
den Gottloſen Rath zu halten, d. i. an ihrer
Bosheit Luſt zu haben, mit ihnen davon zu reden,
und böſe Dinge zu überlegen; hernach bringen ſie
ihn mit auf, daß er mit ihnen auf einem Wege
wandelt, daß er Gemeinſchaft mit ihnen hat,
in der Bosheit Hand mit anleget und mitmachet;
endlich ſetzet er ſich gar mit ihnen auf der Spöt⸗
ter Stuhl, er wird ſo fertig und unverſchämt
in der Bosheit, daß er beginnt öffentlich mit
Gottes Wort Spott zu treiben und ſich bemühet,
das gottloſe Weſen als ein beſtellter Profeſſor des
Satans in der hohen Schule des Atheismus
auszubreiten und fortzupflanzen. So hat das
Heiligthum und der Himmel ſeine Stufen, durch
welche man hinaufſteigt, und die Hölle auch, durch
welche man hinabſteigt; ich will ſagen, wie die
Gläubigen in der Gottſeligkeit ſtufenweiſe zu⸗
nehmen, ſo auch die Ungläubigen in der Bosheit.
Man ſollte nicht meinen, daß es möglich wäre,
wenn es nicht die Erfahrung bezeugte, daß Leute
ſind, die ſich höchſt bemühen, in der Gottloſigkeit
alſo zuzunehmen, daß ſie alles Andenken Gottes
und göttlicher Dinge aus ihrem Herzen ausge⸗
tilgt, das Widerſprechen des Gewiſſens gedämpft
und ihre Seele im Nichtsglauben verſichert wiſſen
wollen; dies ſind mit allem Necht Primaner in
der Schule des Teufels und können auf dem
Stuhl der Spötter ſitzen, andere zu verführen.
Davor billig ein chriſtliches Herz ſich entſetzet und
verwundert, daß der Satan die menſchliche Seele
ſo weit bringen kann, daß ſie von Gott nicht
mehr wiſſen, von ihm nicht hören, an ihn nicht
denken will, ſie will auch das natürliche Licht
ausgelöſcht haben und ein Unmenſch und rechter
Teufel werden.
Ach HErr, mein Gott! was iſts Wunder, daß
dich gereuet, daß du Menſchen gemacht haſt!
Wunder iſts, daß du ſolchen Höllenbränden ſo
lange zuſehen kannſt! Ach, errette bald deine
Kirche von ſolchen Greneln und Teufeln! Ach,
eile! Ach komm, HErr JEſu! Amen.
Scriver.
————
„Es ſoll aber ein Biſchof unſträflich ſein.“
1 Tim. 2, 3.
„Wo einer iſt untadelich.“
Tit. 1, 6.
Hierüber ſchreibt Auguſtinus: „Der Apo⸗
ſtel ſagt nicht: wenn jemand ohne Sünde iſt,
denn wenn er das ſagte, ſo würde damit jerer
Menſch für untüchtig erklärt und keiner zum
Predigtamt geweiht werden können; ſondern er
ſpricht: wo einer ohne ein Verbrechen iſt,
als da iſt Mord, Ehebruch oder irgend eine Ver⸗
unreinigung mit Hurerei, Diebſtahl, Betrug,
Kirchenraub und dergleichen. Denn ein Ver⸗
brechen iſt eine ſchwere, der Verklagung und Ver⸗
dammung durchaus würdige Sünde.“
Chryſoſtomus: „Der Apoſtel hat mit dem
einzigen Wort „untadelich“ jede Art von Tugend
ausgedrückt. Daher thut der, welcher ſich auch
nur einer geringen Schuld bewußt iſt, durchaus
übel, welcher etwas begehrt, deſſen er ſich durch
ſeine Werke unwürdig gemacht hat; für einen
Solchen geziemt es ſich nicht zu regieren, ſondern
vielmehr regiert zu werden. Denn derjenige,
welcher die Regierung anderer übernimmt, ſoll
ſich billig durch einen ſo großen Glanz der Tu⸗
gend auszeichnen, daß er wie die Sonne die An⸗
deren als kleine Sternenlichter mit ſeinem Strah⸗
lenglanze verdunkele; er ſoll ein ſo unbeflecktes
und wohl geordnetes Leben haben, daß alle auf
ihn und ſein Leben als auf ein ausgezeichnetes
Vorbild ſehen können.“
Gregorius: „Diejenigen, welche noch in
dem Kampfe mit den Laſtern unterliegen, ſollen
keinesweges als Lehrer anderer vorſtehen.“
*
Aus dem Lied der Lieder.
Die Nachtigallen ſchlagen.
Wer hört ſie nicht?
Im Land beginnts zu tagen.
Und ſiehſt du nicht,
In Schluchten, wo der Räuber
Von Blut gelebt,
Erſcheint das Weib der Weiber
Mit Licht umwebt;
Erſcheint im hellen Glanze
Dem Hœrrn vertraut,
In ewig grünem Kranze,
Die liebe Braut!
Voran, voran, ihr Sänger,
Die Harfen her!
Die Harfen nehmt. O länger
Nicht zögert mehr.
Die Braut kommt da gegangen,
Noch ſchüchtern zwar,
Verbirgt ein leiſes Bangen, —
Doch heilig gar!
G. Schaller.
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