Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 190

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 190

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hoffart 2 · Miſſion 9 · Sorge 3

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Es iſt aber doch köſtlich, daß Gottes Wort ſo
klar und deutlich iſt. Der Apologete hat ſich nun
ſchon lange abgequält, um zu beweiſen, daß der
Menſch ſchon auf Erden von der Sünde frei wer⸗
den könne. Doch vergebens. Dieſer Spruch iſt
ſo hell, wie die liebe Sonne, davor müſſen alle
Nebel und Dünſte des Schwarmgeiſtes verſchwin⸗
den, daß man nicht einmal weiß, wo ſie bleiben.
Denn wenn ich auch ſo gern beweiſen wollte, wir
könnten hier auf Erden ſchon heilig und ſündlos
werden: ich kann's nicht, dieſer Spruch iſt gar
zu deutlich und zu ſcharf, denn er erklärt geradezu
alle diejenigen für Verführer und Lügner, welche
ſich hier ſündlos halten. Darum, ihr Methodi⸗
ſten, aufrichtig geſagt, das Beſte für Euch wäre,
wenn Ihr offenherzig bekennetet: „Wir haben
gröblich geirret, indem wir meinten, daß der
Menſch ſchon auf Erden ſündenfrei werden könne.“
Wenn Ihr das thätet, dann wäret Ihr die Sie⸗
ger, Ihr ſiegtet nemlich über Euren Irrthum,
und über das gegen Euch herrſchende Vorurtheil,
als verſtocktet Ihr Euch gegen die Wahrheit.

(Fortſetzung folgt.)

2

Des evangeliſch⸗lutheriſchen Chriſten Glaube,
Kirche und Miſſion.*)

1. Mein Glaube. Ich bin ein evangeliſch⸗
lutheriſcher Chriſt; ich bin es aus Ueberzeugung.
In dieſer Ueberzeugung habe ich Seligkeit gefun⸗
den, und finde darin immer wieder die wahre
Ruhe der Seele; denn durch den evang.⸗luth.
Glauben hab' ich JEſum Chriſtum, den HErrn,
in Wort und Sacrament.

Dieſer wortgemäße Glaube, der nicht auf ſich
ſelbſt, ſondern auf Gottes Thaten in Tauf und
Abendmahl gründet, ſchützt mich gegen die
Vern unftſchwärmerei, welche nur ſolchen reli⸗
giöſen Dingen nachhängt, welche die natürliche
Vernunft begreifen, erklären und richten kann.
Jener wortgemäße Glaube ſchützt mich auch gegen
die Gefühls ſchwärmerei, welche die Erlöſung
auf meine innere, veränderliche Gefühlswelt
gründen möchte. Jener Glaube errettet mich aus
einer ſchwärmeriſchen Rechtfertigung des Sünders
vor Gott, nach welcher unſere Rechtfertigung
nicht zuerſt und immer wieder auf Chriſtum für
uns, ſondern auf einen Chriſtus in uns gebaut
wäre. Die erkrankten Juden in der Wüſte wur⸗
den vom HErrn nicht angeleitet, auf Etwas in
ihnen, ſondern auf Etwas außer ihnen zu
ſchauen, und, die es thaten, die fanden Geneſung.
So auch jetzt noch; denn „wie Moſes in der
Wüſte eine Schlange erhöhte, alſo muß des Men⸗
ſchen Sohn erhöht werden, auf daß Alle, die an
Ihn (den außer ihnen Erhöhten) glauben, nicht
verloren gehen, ſondern das ewige Leben haben.“
Und dieſer Blick auf das, was außer mir und
ohne mich geſchah und vollendet wurde, zieht
alle Gnade, die von Chriſto ausgehet, auch je
mehr und mehr in mich hinein.

Das Kreuz Chriſti — der gekreuzigte und auf⸗
erſtandene Chriſtus, ſteht nun in Taufe und

) Wieder ein Elſäſſiſcher Tractat. D. R.

—

189

Abendmahl. Was das Wort mir ankündigt,
wird in Taufe und Abendmahl mir ausgetheilt
nach der Ordnung, welche der HErr des Him⸗
melreichs ſelbſt feſtgeſetzt hat; denn er hat keinen
ſacramentloſen Glauben predigen laſſen. Die
Vernunſtſchwärmerei wie die Gefühlsſchwärmerei
höhlen aber die Sacramente zu bloßen Formen
oder Zeichen, Abſchattungen, aus, während
das Chriſtenthum der Kirche Gottes, bei uns
evangeliſch-lutheriſch genannt, mir dieſelben
wortgemäß als Gnadenmittel zu erkennen
gibt.

Getauft, habe ich Chriſtum empfangen,
ſonſt hätte ich ihn nicht können anziehen
(Gal. 3, 27.). Den ich aber in der Taufe an⸗
gezogen und im Glauben behalte, iſt derſelbe, der
für mich geſtorben und auferſtanden. Iſt Jemand
in Chriſto (iſt dieſer Chriſtus etwa nur eine
Form 2), ſo iſt er eine neue Creatur. Das Alte
iſt vergangen. Siehe, es iſt Alles (in Chriſto)
neu geworden. Glaube ich in dieſen mir „ge⸗
gebenen“ Chriſtum; nehme ich ihn an; ſtoße ich
ihn nicht beharrlich durch Herzenshärtigkeit und
Unglauben zurück, ſo nimmt die neue Creatur in
mir zu — ich aber nehme ab. Die Glieder, die
von unten ſind, müſſen ſterben; aber die Glieder,
die von oben ſind, leben. Chriſtus gewinnt je
mehr und mehr eine Geſtalt in mir, ſo daß ich
auch verkündigen kann die Tugenden deß, der
mich berufen hat aus der Finſterniß zum Licht,
und aus der Gewalt des Satans in Gottes ſelige
Liebesgewalt; daß ich, der ich durch „Einen Geiſt
getauft bin zu Einem Leibe“ (1 Cor. 12, 13.),
auch an dieſem Leibe als ein Glied Chriſti ge⸗
heiligt werde durch den Glauben an IEſum.

Im Abendmahle aber, wo ich nicht nur geiſt⸗
lich IEſum im Worte genieße, ſondern auch
wirklich ſeinen Opferleib und ſein Opferblut em⸗
pfange, da wird je mehr und mehr mein ſchwa⸗
cher Glaube geſtärkter und gewiſſer, daß ich in
Ihm bleibe und Er in mir (Joh. 6, 56.). Auf
Tauf und Abendmahl, dieſe zwei diamantnen
Säulen, welche der kluge Baumeiſter ſelbſt ge⸗
ſtiftet, und in ſeiner Gottesthat auf das tiefſte
gegründet hat, ruht das Haus, von Gott erbauet,
in dem meine Seele, ſo ſie im Glauben beharret,
ewiglich leben wird.

2. Meine Kirche. Wie nun der evang.⸗
lutheriſche Glaube es iſt, der meine Seele befrie⸗
digt — ſo iſt es auch die evangeliſch-luthe—
riſche Kirche, welche ich als die Roſe unter
den Dornen erkannt habe. Sie, als die Kirche
Gottes in reinem Wort und Sacrament, bewahrt
mich zunächſt vor der römiſch-päbſtlichen Kirche
des Zuſatzes zu Gottes Wort; aber auch vor den
reformirten Kirchen und Secten, da man abſchnei⸗
det von Gottes Wort; dort, beſonders, die
Schwärmerei des unkirchlichen eigenmächtigen
Zuſetzens; hier, die Schwärmerei des unkirchlichen
eigenmächtigen Abſchneidens. Was wird abge⸗
ſchnitten im Secten-Chriſtenthun? Worte
Gottes, die Geiſt und Leben ſind. Taufe und
Abendmahl, heißt es, ſeien nur Gnadenzeichen,
äußerlich angehängt, nicht aber Wiederge—
burt wirkend aus Waſſer und Geiſt, nicht

„wahrer Leib und Blut“ Chriſti; nicht geben
ſie ein gegen wärtiges Gut; ſondern ein zukünf⸗
tiges Gut nur verſiegeln ſie und deuten es an.
Daß der Sohn Gottes in das Fleiſch gekom⸗
men, und nun alſo durch ſeine Menſchheit, in
der die Fülle der Gottheit wohnet, immer noch
im Abendmahl zu uns, und als der zweite Adam
in uns herein kommt, — das iſt den Secten⸗Kir⸗
chen eine Thorheit. Chriſtus wirkt ihnen nur in
Kräften. Die wahre Menſchheit des Sohnes
Gottes, als des zweiten Adam, iſt ihnen verflüch⸗
tigt, verdunſtet: die Taufe gibt keinen ganzen
Chriſtus zum Anziehen in dem Waſſerbad der
Wiedergeburt, höchſtens Kräfte und Keime. Dieſe
Decke taugt nicht zu Kleidern, dieß Gewirke iſt
durchſichtige Spinnwebe. Man ſucht die Wie⸗
dergeburt immer, und hat ſie doch nie: denn ſie
läuft vorher wie ein Irrlicht. Die Bekehrung
verwechſeln eben ſolche Gemeinſchaften mit der
Wiedergeburt; darum geberden ſich ihre Lehrer,
als hätten wir, in Sünden todte Menſchenkinder
(Epheſ. 2, 5.), auch mitzuwirken zu unſerer Neu⸗
Schöpfung. Freilich, wenn Adam mitgewirkt
hätte zu ſeiner erſten Schöpfung; wenn er ſeine
Hand zum Mitwirken gerührt, ehe ſie geſchaffen:
— dann fönnte der „in Sünden todte“
Adam auch mitwirken, daß er neu geſchaffen und
wiedergeboren werde. Dann hätten die Wieder⸗
täufer Recht, welche die Kindertaufe verwerfen.
Solche irrthümliche Unklarheit kennt unſere evan⸗
geliſch⸗-lutheriſche Kirche nicht. So laßt uns
wandeln im Lichte der evangeliſch-luthe⸗
riſchen Kirche!

In ihr ſtehen wir im tiefſten Kerne des Chri⸗
ſtenthums und nicht in leeren „Formen“. In
ihr leuchtet uns der „Morgenſtern“ hell und klar
ohné nebelhafte Verdunklung. In ihren Kate⸗
chismen, in ihren unverſtümmelten und unver⸗
fälſchten Liedern, in ihren Bekenntniſſen,
von der augsburgiſchen Confeſſion bis zur rein⸗
lichen Eintrachtsformel, — und einſtens auch wie⸗
der in ihren ſchönen Gottesdienſten, deren duf⸗
tende Krone das Abendmahl iſt, ſpiegelt ſich des
HErrn volle Klarheit.

Mag ſie ärmer werden an äußern Gütern: in
der Armuth und Knechtsgeſtalt auch wird ſie doch
Viele reich machen. Durch die Taufe in Chriſtum
wird die allgemeine Chriſtenheit geſtiftet; durch
das Abendmahl aber, wo es als Sacrament des
Leibes und Blutes Chriſti gehalten wird, die
wahre Kirche Gottes in ihrer Erſcheinung be⸗
ſtimmt, genährt, geſtärkt, getröſtet und gereinigt.
In der Taufe oͤffnet ſich der Kirche Mutterſchooß;
durch das Abendmahl, wo es dem göttlichen
Worte gemäß geſpendet wird, reicht ſie die
Mutterbruſt.

Für dieſe Kirche laßt uns mit den geiſtlichen
Waffen kämpfen. Das iſt ein ſchöner großer
Kampf. Für die Leibesnahrung, für Beſitz, für
die Angehörigen kämpft ja ſchon das Thier; der
natürliche Menſch kämpft für natürliche Vernunft⸗
Ideen, für natürlichen Glauben und Ueberzeu⸗
gung. Der Chriſt kämpft für die Wahrheit
und ihren Sieg, in ſich wie in Anderen, den
ſchönen großen Kampf: er kämpft für die Kirche

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