Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 171
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 171
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: x — Fortſchritt. :ꝛĩ; · Lutheriſche Kirche
ſeinem Anhang zum Trotz, iſt und bleibt es wahr,
immer und ewiglich: denn es iſt nach dem reinen
Goittesworte! Darum ſchämen wir uns auch
dieſes Beinamens, der Deutlichleit wegen, nicht.
Wir wiſſen, daß wenn Paulus ſagt, man ſolle
nicht pauliſch oder petriniſch ſein, er die fleiſchliche
Anhänglichkeit an die Perſonen, an Paulus,
Kephas und Apollo, ſtrafte; aber keinesweges
damit ſagen wollte, daß dieſe Corinther nicht der
Lehre Pauli anhangen ſollten; ſagt er nicht
(Gal. 1.): „Verflucht iſt, wer ein anderes Evan⸗
gelium, denn ich, prediget“? Wir nun hangen
nicht fleiſchlich der Perſon Luthers an, ſondern
ſeiner Lehre in Katechismus und Confeſſion; denn
dieſe Lehre iſt nichts Anderes als die Lehre Pauli
und der andern Apoſtel, als die Lehre der wahren
allgemeinen Kirche Gottes, nach dem klaren Bi⸗
belworte.
Gottes Wort und Luthers Lehr' (nach
Gottes Wort!)
Vergehen nun und nimmermehr!
In Frankreich, meine Geliebten, heißt vor dem
Staate die evangeliſch-lutheriſche Kirche auch
Kirche Augsburgiſcher Confeſſion; denn
das Augsburgiſche Bekenntniß iſt der Augapfel
unſrer Kirche. O ein reines Auge, das im
Himmelslichte webet, das nichts Unreines leiden
kann, ſondern thränet, bis dieſes wieder ausge⸗
ſchieden iſt. Und dies Auge möchte man der
armen Kirche ausſtechen? Wie, es ſollte Chriſten
geben, welche ein Auge hergäben, wenn nur die
evangeliſch-lutheriſche Kirche keines mehr hätte?
Dürfte eine Behörde dazu die Hand und das
Werkzeug leihen, jenes Confeſſions-Auge aus⸗
zuſtoßen? O Kirche des Wortes, willſt du nicht
erliegen in der ſchrecklichen Verſuchungsſtunde,
welche über den ganzen Erdkreis kommt, ſo halte,
was du haſt, halte dein reines wortgemäßes Be⸗
kenntniß und die reine Bekenntniß-Lehre. Das
Augsburgiſche Bekenntniß iſt nichts anders, als
die dem Worte Gottes gemäßeſte Lehre; im erſten
Artikel (vom dreieinigen Gott) führt es zur wah⸗
ren Erkenntniß Gottes; im zweiten Artikel (von
der Erbſünde) führt es zur rechten Erkennt⸗
niß des Menſchen; im dritten Artikel (vom
Sohne Gottes) redet der Mund der Väter von
dem, auch von Engeln nicht begriffenen, aber
im Glauben zur Seligkeit von Menſchen ergrif⸗
fenen Geheimniß der Gottheit des Menſchen⸗
ſohnes; im vierten Artikel führt es mit der Lehre
von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott
allein durch den Glauben an IEſum Chriſtum
in das Meer der Barmherzigkeit Gottes. Da
fließen gleichſam alle andern Artikel des Bekennt⸗
niſſes zuſammen. Siehe, ruft es, hie iſt Gott,
der gerecht macht, hie iſt die Heilung von der
Sünde, hie iſt der Weg, auf welchem das Ver⸗
dienſt und die Kraft IEſu uns zugeeignet wird.
Und alſo tönt das treue Bekenntnißwort durch
alle 21 Artikel. Du ſiehſt, daß deine Kirche nicht
nur evangeliſch heißt, ſondern auch wahrhaft
evangeliſch iſt; ſie iſt der alte Grundſtamm aller
übrigen. Theure Gemeinden dieſer Kirche, hal⸗
tet, haltet, was ihr habt — haltet es feſt, —
die Stunde der Verführung iſt da.
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Würde aber Jemand höhniſch auf ſolche wei⸗
ſen, welche äußerlich der evangeliſch-lutheriſchen
Kirche angehören, aber das Wort von Buße und
vom Glauben, das Wort von der Geduld Got⸗
tes, doch nicht im gläubigen Herzen und Leben
„haben“; — auf ſolche, welche die freie Gnade
in Unbußfertigkeit und Muthwillen hinnehmen;
— die alſo thäten, wären unbillige Gegner. Der
Maulchriſten iſt in allen Secten die größere
Zahl; der HErr aber kennt die Seinen, und es
trete ab von der Ungerechtigkeit, wer nach IEſu
Namen ſich nennet. Solche Gegner mögen wiſ⸗
ſen, daß nicht nur, als an einer äußeren Cocarde
am Staatshute der Kirche, ſondern auch als an
einer für geiſtlich arme und gläubige Herzen auf⸗
geſchloſſenen Roſe, die Kirche feſt halte an dem
Worte und Glaubensbekenntniſſe, durch das ſie
bewahret wird, weil ſie glaubet. Die
Gläubigen ſtärkt der Lebensbalſam des Evange⸗
liums in Predigt und Sacrament. Aber weißt
du denn, ob nicht auch noch ein Glaubensfunke
in jenen Scheintodten vorhanden? Iſt nicht auch
der Funke noch ein Kind des Feuers? Auch die
Dahinſterbenden, auch die tief in die Ver⸗
ſuchung des Abfalls Gerathenden, gehören noch
der Pflege der Kirche Gottes an. Wo dieſe das
Wort von der Geduld Gottes aufpflanzt, da
pflanzt ſie auch die Hoffnung, daß dieſes Wort
nicht leer zurücke kommen * Sie behalte
denn das reine Wort in Bekenniniß und Lehre,
ſie behalte ihre um dieſelben verſammelten Kinder.
„Halten“ heißt aber nicht für ſich allein beſitzen;
halte, was du haſt, daß auch Andern du ſtets
mittheilen könneſt. Die evangeliſch- lutheriſche
Kirche ſoll
II. „halten“ ihren Miſſionsberuf.
Die evangeliſch-lutheriſche Kirche hat, als die
Kirche des reinen Wortes und Sacraments, die
heilige Miſſion, eben davon zu zeugen, ihr Licht
leuchten, ihr Salz wirken zu laſſen. Ihr Miſ⸗
ſionsberuf iſt nicht von Menſchen, ſondern vom
HErrn. Sie kennt keine Zweideutigkeit im Be—
kenntniß, darum auch keine Zweideutigkeit in der
Miſſion. Nicht zu Nebenſachen, ſondern zu
Hauptſtücken, zählt ſie die Sacramente, und
insbeſondere den Genuß des Leibes und Blutes
Chriſti im Abendmahl. Sie ſchneidet den Lebens⸗
baum des Bekenntniſſes nicht zurück wie einen
Zwergbaum, damit er 2 la hauteur der Rotten
und Secten ſeie und dieſe nicht mehr von ſeinen
Zweigen geſtrichen werden.
Sie dringe nicht auf falſche, ſondern auf tief
innere Einigkeit in Gottes Wort, wie es geſchrie⸗
ben ſteht: ſie rufe nicht „Friede“, wo doch kein
wahrer Friede iſt. Sie laſſe dem Sünder keine
Ruhe, auch nicht auf der Werkbank chriſtlicher
Thätigkeit, als bis er den Frieden gefunden, von
dem (Röm. 5, 1.) der erſte Heidenmiſſionar ge⸗
zeuget hat. Sie auch weiß nichts als das Wort
von JEſu dem Gekreuzigten, aber das ganze volle
Wort von Ihm in Predigt und Sacrament, —
nicht das verſtümmelte, halbirte. Wie Johan⸗
nes der Täufer, deute ſie auf den Mann der
Schmerzen. Sanfter als Himmelsathem, rufe
—
—
ſie, auf ihre Bußpredigt: „Wendet euch zu Ihm,
aller Welt Ende, ſo werdet ihr ſelig“ (Jeſ. 45,
22—25.). In den Wäldern des neuen Landes,
am Meeresufer der Inſeln werde das Rauſchen
der Wälder und Wogen übertönt durch ihr gro⸗
ßes Wort: „Es iſt vollbracht.“ In der Taufe
und im Sacrament des Leibes und Blutes Chriſti
rufe ſie die Kleinen und Großen mit jenen Teſta⸗
ments⸗Worten an: „Für euch geſtorben, für euch
gegeben, für euch vergoſſen.“ An Sterbebetten,
ſo tief und immer tiefer in die Todesthäler die
Seelen ziehen, — um ſo tiefer auch rufe ihr Miſ⸗
ſionsmund das Wort vom Aufwachen aus dem
Sündenſchlafe, vom Entfliehen vor dem Zorne
Gottes, aber auch das Wort vom Gnaden- und
Friedensbund, verſiegelt denen, die da glauben.
Die evangeliſch⸗lutheriſche Kirche hebe ihre Hände
gen Himmel, und „hört es, ihr Himmel!“ töne
es von ihren Lippen, und „du Erde, nimm es zu
Herzen: Gott hat den, der von keiner Sünde
wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir
würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“.
O theure Kirche, halte in Ehren deinen Miſ⸗
ſionsberuf! Hebe deine läſſigen Hände und deine
müden Kniee.“
Oder ſoll es keine evangeliſch-⸗lutheriſche Miſ⸗
ſion geben? Sollten ihre Glieder nur eine Hand
und einen Beutel, nicht aber auch „Füße derer
haben, welche den Frieden verkündigen“, dazu
auch einen Mund voll Lob und Lehren? Wo⸗
von ſie erfüllt iſt, ſollte ihr Mund nicht über⸗
fließen?“) Ohne Miſſion ſollte ſie ſein, wäh⸗
rend alle Kirchen und Gemeinſchaften ſich auszu⸗
breiten ſuchen; ſie allein ſollte nicht wachſen
dürfen, — ſie ihr Gezelt allein nicht ausbreiten
und die Nationen einladen, Theil zu nehmen an
den reichſten Gütern, welche ihr zugefloſſen?
Verlangt man das? „Wäre das Liebe, ſich ein⸗
mauern, den Sargdeckel über der evangeliſchl⸗
lutheriſchen Kirche zuſchlagen zu laſſen und
Schweiggeld zu geben oder zu nehmen?
Die Begräbnißfeierlichkeiten würden nichts nützen;
am dritten Tage würde ſie wieder auferſtehen.
Mit ihrer Bibel, mit ihrem Katechismus, mit
ihrer Confeſſion, mit ihren Tauſenden von hei⸗
ligen Liedern, mit ihren Gebet- und Commu⸗
nion ⸗Büchern, würde ſie ſiegesmuthig über
Berge und Ebenen der Chriſtenheit wandern;
mit freudigem Aufthun des Mundes würde ſie
nur deſto lauter wieder reden und ſingen, wie
ſich's gebühret, und auch in franzöſiſcher Zunge
wird ſie es thun lernen.
Halte, was du haſt! Halte, o theure Kirche,
deine Miſſion unter den Völkern und Kirchen.
Daß du Miſſionsberuf haſt, beweiſet die Wolle
von Zeugen alter und neuer Zeit. Auch manche
ihrer Sendboten, welche im Namen und auf
Rechnung der reformirten Kirchen haben aus⸗
gehen müſſen, während ſie doch, wie jener Rhenius,
Evangeliſch-lutheriſche Miſſion anbahnen, ſollte dies
verdächtigt werden? Sich ſelbſt nicht aufgeben, ſondern
pflegen, heißt dies andere tödten? Es iſt noch Raum
da . . . und wer evangeliſch-lutheriſch nach dem Bekennt⸗
niß, iſt es auch in der Miſſion. Seelen, welche die evan⸗
geliſch -lutheriſche Kirche lieben, freuen ſich bald der evan⸗
geliſch -lutheriſchen Miſſion.
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