Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 186

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 186

170 171 172 173 174 175 176 177 186 187 188 189 190 191 192 193

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe · Tanfe

⤓ Download .txt · copy text

Cutheraner.

„Gottes Mort und LJuthers Xehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.

Belligirt von C. F. W. Walther.

Zahrgang 6.

5. Louis, Mo., den 23. Zuli 1850.

No. 24.

Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben

vorauszubezahlen und das Poſigeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
Mittheilungen für das Blatt enihalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.

Nur die Briefe, welche

enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.

Dr. Martin Luthers Brief an zwei Pfarr⸗
herren, von der Wiedertaufe.
Anne 1528.

Luther hat dieſe Schrift, wie oben bemerkt,
im Jahre 1528 eilends aufgeſetzt und dieſelbe
zwei Pfarrern, welche ihr Amt in einer einem
papiſtiſchen Fürſten untergebenen Provinz ver⸗
walteten, zugeſchrieben, da um jene Zeit die
wiedertäuferiſche Secte trotz dem, daß die Pa⸗
piſten ſie durch Feuer und Schwert auszurotten
ſuchten, mit Gewalt zunahm und allenthalben
unter den Lutheranern und Papiſten große Ver⸗
wirrung anrichtete. Wir theilen dieſe Schrift
unſeren Leſern unter anderm auch darum mit,
weil leider! die höchſt gefährliche Secte der
Wiedertäufer gegenwärtig mit aller Macht auch
unter den hieſigen Deutſchen einzudringen droht.
Schon iſt es ihr gelungen, den unirten Paſtor
Rauſchenbuſch für ſich zu gewinnen. Dieſer
unglückſelige Mann, ſeines Glaubens ungewiß,
wie er ſich immer gezeigt und wie er in der boden⸗
loſen unirten Kirche nicht anders ſein konnte, hat
ſich nemlich, wie wir vernehmen, am letztvergan⸗
genen Pfingſtfeſte in hieſiger Stadt wiedertaufen
laſſen und wirkt nun mit noch größerem Eifer
für die wiedertäuferiſche Secte, wie er vorher für
die hieſige unirt⸗evangeliſche Gemeinſchaft, von
deren Katechismus er der Hauptveifaſſer war,
geſtritten hat. Gott erbarme ſich des armen
unſtät umherirrenden Mannes, wie aller, die
noch nicht die Gnade haben, erbaut zu ſein auf
den Grund der Apoſtel und Propheten, da JEſus
Chriſtus der Eckſtein iſt, auf welchen Grund allein
die wahren Glieder der evangeliſch-lutheriſchen
Kirche erbaut ſind, da dieſe unſere Kirche allein
ſich einfältig auf das Wort der Apoſtel und Pro⸗
pheten gegründet hat, wie dies zu erſehen iſt aus
ihren herrlichen Bekenntniſſen.

Die Redaction.

Martinus Luther den würdigen lieben Herren
N. und N., meinen lieben Freunden in
Chriſto. Gnad und Friede in Chriſto
unſerm HErrn!

Ich weiß leider faſt wohl, lieben Herren, daß
der Balthſar Hübmohr*) mich auch unter andern
mit Namen einführet in ſeinem läſterlichen Büch⸗
lein von der Wiedertaufe, als ſollt ich auch ſeines
thörichten Sinnes ſein. Aber ich hab mich deß
getröſtet, daß niemand, weder Feind noch Freund,
ſolcher ſeiner öffentlichen Lügen glauben würde,
weil nicht allein mein Gewiſſen hierinn verwah⸗
ret, ſondern auch mein Gerücht genugſam ent⸗
ſchuldiget iſt, durch ſo viel Predigt, und ſonder⸗
lich durch die letzten Poſtillen, von Epiphaniä
bis auf Oſtern, darinn ich ja überflüſſig meinen
Glauben von der Kindertaufe an Tag geben habe.

2. Derhalben ichs für unnöthig geacht, auf
ſolch ſein Büchlein zu antworten. Denn wer
will allen Leuten, ja allen Teufeln, die Mäuler
ſiopfen? Ich habs bisher wohl erfahren, wo ich
dem Teufel ein Maul ſtopfe, da reißet er zehen
Mäuler zur Seiten auf, und wächſt je länger je
mehr, daß ichs muß (wolle oder wolle nicht)
Gott befehlen, der darnach, wenn wir die Wahr⸗
heit geſagt haben, ein rechter Richter iſt, und die
Sachen wohl weiß auszuführen; wie er denn
täglich thut, als wirs wohl greifen mögen. Wir
hie in unſers Fürſten Landen haben noch nichts
von dem Geſchmeiß ſolcher Prediger, Gott ſei Lob
und Dank in Ewigkeit! auch nichts von den
Sacramentsfeinden““); ſondern ſind fein ſtill
und einträchtig in der Lehre, Glauben und Leben.
Gott wollt uns förter gnädiglich alſo behüten.
Amen.

3. Derhalben ich zwar für mein Theil nicht
viel Gedanken wider die Täufler bisher gehabt,
weil es hie nicht noth geweſen iſt. Aber euch
Papiſten (ich muß euch ſo nennen, weil ihr unter
eurem Tyrannen ſein müſſet) geſchieht wahrlich
recht: weil ihr das Evangelium nicht wollet lei⸗

*) Dieſer Hübmohr oder Hubmaier war ein Haupt der
Anabaptiſten und war zu Wien von den Papiſten verbrannt
worden. Derſelbe hatte in einer von ihm publicirten Schrift
ſich auf Luthern berufen und dieſen darin zu einem Patron
der Wiedertäuferei machen wollen. Dasſelbe thun auch
die Baptiſten allhier, die in einer deuiſchen vielverbreiteten
Schrift auch Luthern zu einem Gewährsmann für ihre
Untertaucherei zu machen ſuchen. D. R.

**) Luther meint hiermit die Zwinglianer. D. R.

den, müſſet ihr mit ſolchen Teufelsrotten zu thun
haben, wie Chriſtus ſpricht Joh. 5, 43.: „Ich
komme in meines Vaters Namen, und
ihr nehmet mich nicht an: ein andrer
wird in ſeinem Namen kommen, den
werdet ihr (das iſt, die euren bei euch) an⸗
nehmen.“ Doch iſts nicht recht, und iſt mir
wahrlich leid, daß man ſolche elende Leute ſo
jämmerlich ermordet, verbrennet und greulich um⸗
bringet: man ſollt ja einen jeglichen laſſen gläu⸗
ben, was er wollte. Gläubet er unrecht, ſo hat
er gnug Strafen an dem ewigen Feuer in der
Höllen. Warum will man ſie denn auch noch
zeitlich martern? ſofern ſie allein im Glauben
irren, und nicht auch daueben aufrühriſch, oder
ſonſt der Obrigkeit widerſtreben. Lieber GOtt,
wie bald iſt es geſchehen, daß einer irre wird, und
dem Teufel in Strick fället? Mit der Schrift
und Gottes Wort ſollt man ihnen wehren und
widerſtehen; mit Feuer wird man wenig ausrichten.

4. Ich weiß zwar noch nicht recht, was ſie
für Urſach und Grund ihres Glaubens haben?
ſo zeigt ihr mirs auch nicht an, und begehret
doch Rath, wie man ſolle ſich in ſolchen Sachen
halten. Darum kann ich nichts gewiſſes darauf
antworten. So ſeid ihr zum Theil auch ſelbſt
Wiedertäufer. Denn viel der euren täufen wie⸗
derum Lateiniſch die, ſo Deutſch getauft ſind, ſo

doch euer Pabſt ſelbſt ſolches nicht thut noch lehret.

Denn wir wiſſen ja wohl, daß der Pabſt getauft
ſein läßt, wo die Weiber täufen in Nöthen, wenn
ſie gleich Deutſch täufen. Noch täufet ihr wie—
derum, ſo wir bei uns Deutſch täufen, als wäre
unſer Prieſter Deutſch täufen nicht ſo gut, als
der Weiber Deutſch täufen: wie denn neulich der
grobe Kopf von Leipzig zu Mülhauſen auch ge⸗
than hat, ſo doch nirgend der Pabſt gebeut, daß

man alleine Lateiniſch und nicht in andern Spra⸗

chen täufen ſolle. Darum geſchieht euch abermal
recht. Wiedertäufen wollt ihr; ſo kriegt ihr
Wiedertäufer genug. Die wollt ihr nicht leiden,
und wollts doch ſelber ſein, wider euren eigenen
Lehrer und Meiſter den Pabſt.“)

*) Dieſe Wiedertäuferei treiben unſere hieſigen Papiſten
noch heutiges Tages, und zwar nicht nur mit Proſelyten

English translation

Not yet translated.