# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S192 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ernähret und verſorgt? Hat's nicht Gott ge⸗ than? Kann er's nicht auch ferner thun? Oder iſt ſeine Segensquelle vertrocknet? Seht doch, wie unnöthig und unnütz unſere Sorgen ſind! Es iſt möglich, daß der Elbſtrom vertrockne, nicht aber, daß Gottes Segen und väterliche Fürſorge für die Seinigen auf höre. Darum Was traurſt du doch? Gott lebet noch. Sorg und ſorge nicht zu viel, Es geht doch, wie's Gott haben will. Laß es gehen, wie es geht, Wenn es nur zum Himmel geht! Ich danke euch, ſprach der Bekümmerte, für die gute Erinnerung; ich bekenne, daß ich mei⸗ nem lieben Gott Unrecht thue, wenn ich mit meinen Sorgen mich verſorgen will. Ich will mich befleißigen, daß ich mich der unnützen Sorgen entſchlagen möge! Gott helfe meiner Schwachheit! Was und wer iſt ein Chriſt? So du eigentlich willſt wiſſen und die Defini⸗ tion treffen und geben, was doch ein Chriſt ſei, oder woher der Menſch ein Chriſt heiße, ſo mußt du nicht gaffen noch ſehen nach Moſis Geſetz, Pabſtes Regiment, noch aller Menſchen, auch der heiligſten, Leben und Heiligkeit, ſondern allein hieher auf dies Wort Chriſti, da er ſagt: „Meine Schaafe kennen mich, und meine Schaafe hören meine Stimme.“ (Joh. 10, 3. 4.) Daß du ſageſt: Ein Chriſt iſt nicht, der da ein herrlich, ſtrenge, ernſtlich Carthäuſer⸗ oder Einſiedlerleben führet: denn ſolches können auch Juden und Türken, unter denen etliche viel ſtrenger leben. Und kurz, alles, was in uns und von uns geſchehen kann, das macht keinen Chriſten. Was denn? Allein das, daß man dieſen Mann kenne, von ihm halte und ſich zu ihm verſehe, was er will von ihm gehalten haben, nemlich, daß Er ſei der gute Hirte, der ſein Leben für ſeine Schaafe läßt und ſie erkennet. Solch Erkenntniß heißt und iſt nichts anderes, denn der Glaube, ſo da folget aus dem Predigtamt des Wortes, welches nicht unſere eigene Gedanken oder von Menſchen herkommen, ſondern durch Chriſtum ſelbſt vom Himmel gebracht und offen⸗ baret iſt, wie er zu Petro ſaget, Matth. 16, 17.: „Fleiſch und Blut hat dir ſolches nicht offen⸗ baret“ ꝛc. Dieſe zwei müſſen zuſammen ſtimmen und kommen: ſein Wort und unſer Glaube; denn wo er ſich nicht ſelbſt durchs Wort offen⸗ barte und ſeine Stimme hören ließe, ſo würden wir nichts von dem Hirten wiſſen. Alſo ſage ich, und auf keine andere Weiſe wird man ein Chriſt, daß man dieſe Stimme allein höre und keinen andern Hirten wiſſen noch ſich fürbilden laſſe, es heiße und gleiße, wie es wolle, ſondern dies einige Bild allein faſſe mit dem Herzen. Und alſo allzumal, die Schaafe Chriſti ſind, ohne Un⸗ terſcheid dieſe einige Farbe und Geſtalt haben, dabei ſie zu kennen und in dieſem einander ähn⸗ lich ſind, daß ſie zugleich an dieſen Hirten gläu⸗ 19¹ ben und desſelben Wort bekennen, ob ſie ſonſt gleich äußerlich auf mancherlei Weiſe unterſchie⸗ den, ja, in der Welt ohne Ordnung hin und wieder zerſtreut und unter andere Leute geworfen ſind. Aus dieſem haben wir nun dieſen Troſt, daß, wer alſo Chriſtum kennet, der iſt gewißlich ſeiner Schaafe eines und ſchon von ihm erkannt und zum Schaaf erwählet, ſoll und darf nicht weiter ſuchen noch gaffen, wie er ein Schaaf werde, noch ſich ängſten und zermartern mit ver⸗ geblichen Gedanken, ob er verſehen (auserwählt) ſei und wie er der Seligkeit gewiß werden möge, ſondern ſich fröhlich deß tröſten und ſicher ſein ſoll, ſo er dieſes Chriſti Stimme höret, daß er an ihm hat den lieben Hirten, der ihn kennet, das iſt, ſich ſein, als ſeines Schäfleins, annimmt, für ihn ſorget und ihn ſchützen und retten will, daß er ſich nichts darf fürchten vor Teufel, Hölle und Tod. (Luther in der Kirchenpoſtille.) „Wohl dem, der nicht wandelt im Rath der Gottloſen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch ſitzet, da die Spötter ſitzen.“ Pſ. 1, 1. Die Gelehrten haben hierbei in Acht genom⸗ men, daß zuerſt der Menſch verleitet wird, mit den Gottloſen Rath zu halten, d. i. an ihrer Bosheit Luſt zu haben, mit ihnen davon zu reden, und böſe Dinge zu überlegen; hernach bringen ſie ihn mit auf, daß er mit ihnen auf einem Wege wandelt, daß er Gemeinſchaft mit ihnen hat, in der Bosheit Hand mit anleget und mitmachet; endlich ſetzet er ſich gar mit ihnen auf der Spöt⸗ ter Stuhl, er wird ſo fertig und unverſchämt in der Bosheit, daß er beginnt öffentlich mit Gottes Wort Spott zu treiben und ſich bemühet, das gottloſe Weſen als ein beſtellter Profeſſor des Satans in der hohen Schule des Atheismus auszubreiten und fortzupflanzen. So hat das Heiligthum und der Himmel ſeine Stufen, durch welche man hinaufſteigt, und die Hölle auch, durch welche man hinabſteigt; ich will ſagen, wie die Gläubigen in der Gottſeligkeit ſtufenweiſe zu⸗ nehmen, ſo auch die Ungläubigen in der Bosheit. Man ſollte nicht meinen, daß es möglich wäre, wenn es nicht die Erfahrung bezeugte, daß Leute ſind, die ſich höchſt bemühen, in der Gottloſigkeit alſo zuzunehmen, daß ſie alles Andenken Gottes und göttlicher Dinge aus ihrem Herzen ausge⸗ tilgt, das Widerſprechen des Gewiſſens gedämpft und ihre Seele im Nichtsglauben verſichert wiſſen wollen; dies ſind mit allem Necht Primaner in der Schule des Teufels und können auf dem Stuhl der Spötter ſitzen, andere zu verführen. Davor billig ein chriſtliches Herz ſich entſetzet und verwundert, daß der Satan die menſchliche Seele ſo weit bringen kann, daß ſie von Gott nicht mehr wiſſen, von ihm nicht hören, an ihn nicht denken will, ſie will auch das natürliche Licht ausgelöſcht haben und ein Unmenſch und rechter Teufel werden. Ach HErr, mein Gott! was iſts Wunder, daß dich gereuet, daß du Menſchen gemacht haſt! Wunder iſts, daß du ſolchen Höllenbränden ſo lange zuſehen kannſt! Ach, errette bald deine Kirche von ſolchen Greneln und Teufeln! Ach, eile! Ach komm, HErr JEſu! Amen. Scriver. ———— „Es ſoll aber ein Biſchof unſträflich ſein.“ 1 Tim. 2, 3. „Wo einer iſt untadelich.“ Tit. 1, 6. Hierüber ſchreibt Auguſtinus: „Der Apo⸗ ſtel ſagt nicht: wenn jemand ohne Sünde iſt, denn wenn er das ſagte, ſo würde damit jerer Menſch für untüchtig erklärt und keiner zum Predigtamt geweiht werden können; ſondern er ſpricht: wo einer ohne ein Verbrechen iſt, als da iſt Mord, Ehebruch oder irgend eine Ver⸗ unreinigung mit Hurerei, Diebſtahl, Betrug, Kirchenraub und dergleichen. Denn ein Ver⸗ brechen iſt eine ſchwere, der Verklagung und Ver⸗ dammung durchaus würdige Sünde.“ Chryſoſtomus: „Der Apoſtel hat mit dem einzigen Wort „untadelich“ jede Art von Tugend ausgedrückt. Daher thut der, welcher ſich auch nur einer geringen Schuld bewußt iſt, durchaus übel, welcher etwas begehrt, deſſen er ſich durch ſeine Werke unwürdig gemacht hat; für einen Solchen geziemt es ſich nicht zu regieren, ſondern vielmehr regiert zu werden. Denn derjenige, welcher die Regierung anderer übernimmt, ſoll ſich billig durch einen ſo großen Glanz der Tu⸗ gend auszeichnen, daß er wie die Sonne die An⸗ deren als kleine Sternenlichter mit ſeinem Strah⸗ lenglanze verdunkele; er ſoll ein ſo unbeflecktes und wohl geordnetes Leben haben, daß alle auf ihn und ſein Leben als auf ein ausgezeichnetes Vorbild ſehen können.“ Gregorius: „Diejenigen, welche noch in dem Kampfe mit den Laſtern unterliegen, ſollen keinesweges als Lehrer anderer vorſtehen.“ * Aus dem Lied der Lieder. Die Nachtigallen ſchlagen. Wer hört ſie nicht? Im Land beginnts zu tagen. Und ſiehſt du nicht, In Schluchten, wo der Räuber Von Blut gelebt, Erſcheint das Weib der Weiber Mit Licht umwebt; Erſcheint im hellen Glanze Dem Hœrrn vertraut, In ewig grünem Kranze, Die liebe Braut! Voran, voran, ihr Sänger, Die Harfen her! Die Harfen nehmt. O länger Nicht zögert mehr. Die Braut kommt da gegangen, Noch ſchüchtern zwar, Verbirgt ein leiſes Bangen, — Doch heilig gar! G. Schaller. 0