Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 175
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 175
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Ehe 8
und ſich in den Oeean der Religion IEſu hinein⸗
ſtürzen? Unſere Religion liegt in den letzten Zü⸗
gen, und wird in ihre Heimath gehen, nemlich in
das Haus Yam Unterwelt); und die heiligen
Männer der Dhurma Subha (das ſind die indi⸗
ſchen Gelehrten) werden nicht einmal das Heil⸗
mittel ihrer eigenen Anſtrengungen anwenden,
um ihre ſterbende Religion wieder zu beleben.“
Aus dieſer Mittheilung wirſt du abnehmen
können, ob unſere evangeliſchen Miſſionare das
Evangelium unter den Heiden mit Erfolg ver⸗
kündigen oder nicht.
Und nun, lieber Leſer, will ich dir ſagen, wozu
ich das Alles geredet habe. Um dich zu unter⸗
halten, habe ich's nicht geredet, dazu habe ich
keine Zeit, und du haſt vielleicht auch keine, dich
unterhalten zu laſſen. Alſo ohne Umſchweife:
Ich hatte zunächſt dein Herz dabei im Auge.
Siehe, 500 Millionen Menſchen, alle nach dem
Ebenbilde Gottes geſchaffen, alle deine Brüder
und Schweſtern, von demſelben HErrn und Hei⸗
land nicht mit vergänglichem Gold und Silber
erlöſet und mit dir zu gleicher Herrlichkeit berufen,
ſchreien aus allen Welttheilen herüber: Warum
ſchicken uns die Weißen keine Miſſio⸗
nare, warum kommen ſie nicht? Kommt
doch herüber und helft uns (Ap. Geſch.
16, 9.). Vergiß nicht: 500 Millionen Men⸗
ſchen! und jede einzelne Menſchenſeele iſt in Got⸗
tes Augen mehr werth, als die ganze Welt
(Marc. 8, 36. 37.), ſo daß alſo 500 Millionen
Welten den Schaden nicht erſetzen könnten, den
dieſe 500 Millionen Heiden an ihren Seelen
nehmen. Ich führe es dir nochmals zu Sinne:
500 Millionen Heiden! denn obſchon ich weiß,
daß du nicht den Muth hätteſt, dein Herz zuzu⸗
ſchließen auch nur vor Einer armen Heidenſeele,
wenn ſie plötzlich ſichtbarlich an dich heranträte
mit dem Ausdruck verzweifelnder Sehnſucht und
bittender Verzweiflung, ſo weiß ich doch auch, daß
der Menſch, wenn ihm das Elend nicht geradezu
unter die Augen tritt, von Natur ſo ſtumpf iſt,
daß man, um ihn zu rühren, dasſelbe in ſeiner
ganzen Größe hinſtellen muß. Darum nun zum
letzten Mal: 200 Millionen Chriſten — denn
darauf etwa beläuft ſich die Geſammtzahl der ge⸗
genwärtigen Chriſtenheit — ſehen mit jedem
Menſchenalter 500 Millionen Heiden ohne den
Troſt des Evangeliums in's Grab ſinken, und
unter dieſen 200 Millionen Chriſten ach wie We⸗
nige ſind da, die auch nur ein Scherflein für die
Heidenmiſſion beiſteuern, ja nur daran denken
oder auch nur davon wiſſen. Iſt das nicht trau⸗
rig? — Iſt das nicht eine Schande?
Aber nun, lieber Leſer, habe ich's mit dir, mit
dir ſelbſt zu thun. Du biſt auch einer von
den 200 Millionen Chriſten, die mit den 500
Millionen Heiden zuſammen die Erde bewohnen.
Ich frage dich nun: Haſt du ein Herz oder haſt
du keines? Und wenn du ein Herz haſt, haſt du
ein Scherflein oder haſt du keines? Wenn
du ein Scherflein haſt, o ſo thue doch mit dem
Herzen zugleich die Hand auf. Denk an die
arme Wittwe, die zwei Scherflein in den Gottes⸗
kaſten einlegte, und die dein Heiland ſo hoch ehrte,
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daß er um ihretwillen ſeine Jünger zu ſich rief
und zu ihnen ſprach: „Wahrlich, ich ſage euch:
dieſe arme Wittwe hat mehr in den Gotteskaſten
gelegt, denn alle, die eingelegt haben.“ Du weißt
ja, daß du keinen harten Herrn haſt, der ſchneiden
will, wo er nicht geſäet hat, weißt, daß dein Gott
nicht den reichen, ſondern den fröhlichen Geber
lieb hat.
Und nun, lieber Leſer, vergiß die 500 Mil⸗
lionen Heiden nicht; denke an ihr Elend,
und an ihre Sehnſucht und vor Allem an den
ausdrücklichen Befehl des HErrn! Kommt
aber Jemand und will deine Theilnahme für die
Heidenwelt niederſchlagen durch die ſcheinbar wohl⸗
gemeinte Bemerkung, daß wir ja alle Hände voll
zu thun haben, um der großen geiſtlichen und
leiblichen Noth unſerer eigenen Landsleute zu
ſteuern, ſo bedenke, daß wenn man in früherer
Zeit auch ſo engherzig gedacht hätte, du noch
immer ein Heide wäreſt, und ſprich: Alles, was
du willſt, daß dir die Leute thun ſol⸗
len, das thue du ihnen auch. Und dann
frag einen Solchen nur friſchweg, was er denn
für ſein eignes Vaterland thue, und du wirſt in
der Regel die Erfahrung machen, daß diejenigen,
die kein Herz für ihre armen Heidenbrüder haben,
ebenſo herzlos in Bezug auf ihre armen Chriſten⸗
brüder ſind, und daß im Gegentheil diejenigen,
die für das heidniſche Ausland das Meiſte thun,
auch bei weitem die eifrigſten ſind, das leibliche
und geiſtliche Wohl des chriſtlichen Inlandes zu
fördern.
Nun haſt du gehört, lieber Leſer, nun prüfe!
*
Luther über Vertreibung rechtſchaffener Prediger
und über Annahme der van denſelben
innegehabten Aemter.
Leider kommt es auch jetzt innerhalb unſerer
Kirche allhier immer öfter vor, daß ſelbſt ſolche
Gemeinden, welche lutheriſch ſein wollen, treue,
rechtgläubige Prediger, die ihnen die Wahrheit
verkündigen, vertreiben, und daß Prediger, welche
Diener der wahren rechtgläubigen Kirche ſein
wollen, ſich an die Stelle ſolcher um der Wahr⸗
heit willen vertriebener Prediger berufen laſſen.
Wie ſchwer ſich dadurch ſolche Gemeinden und
Prediger verſündigen und welchen Fluch Gottes
ſie ſich dadurch aufladen, iſt nicht auszuſprechen.
Für diejenigen, welche ſich noch warnen laſſen,
theilen wir daher einen Brief mit, welchen Luther
im Jahre 1531 an Nicolaus Hausmann, dama⸗
ligen Oberpfarrer zu Zwickau in Sachſen, ge—
ſchrieben hat, nachdem der Rath daſelbſt, inſon⸗
derheit der damalige Bürgermeiſter Hermann
Mühlpfort und Syndicus Stephan Roth, ihren
treuen und wider das ungöttliche Weſen der dor⸗
tigen Bürger ernſtlich eifernden Prediger an der
St. Catharinen-Kirche, Laurentius Soranus,
ohne Weiteres, ohne Beirath und Mitwiſſen des
Oberpfarrers und ohne ordentliche öffentliche
Ueberweiſung einer Schuld, abgeſetzt und verjagt
hatten. Luthers Stimme iſt um ſo wichtiger, je
bekannter es iſt, daß dieſer Mann weiter als
irgend jemand davon entfernt geweſen iſt, irgend
welcher Hierarchie (Prieſterherrſchaft) das Wort
zu reden, daß er vielmehr bis an ſeinen Tod für
die Freiheit der Gemeinden und jedes einzelnen
Chriſten von allem Gewiſſenszwang und aller
Menſchentyrannei auf das treulichſte gezeugt und
gekämpft hat. Der betreffende Brief, dem wir im
nächſten Blatte noch einige andere hierher gehö⸗
rige hinzuzufügen gedenken, lautet (in Luthers
Werken, Hall. Ausgabe, Tom. X. S. 1890 ff.)
folgendermaßen:
„Gnade und Friede im HErrn! Wir wiſſen,
lieber Herr und Freund, daß wir ſchuldig ſind,
nach dem Geſetz der Liebe, daß einer für den an⸗
dern ſoll ſorgen (wie ein Glied am Leibe für das
andere), und ihn vor Gefahr und Schaden war⸗
nen. Dem Geſetze nach ſorge ich auch für euch,
und werde dadurch verurſachet, dieſe kurze Ver⸗
mahnung und Warnung an euch zu ſchreiben,
auf daß ihr durch mein Stillſchweigen nicht der⸗
maleins in Gefahr kommet, daran ich hernach
auch müßte Schuld und Theil haben.
Ihr wiſſet, daß ihr der Kirchen zu N. rechter
berufener, beide vom Rath und der Gemeinde
angenommener Pfarrherr und Seelſorger ſeid;
alſo, daß ihr an jenem Tage Rechenſchaft müſſet
geben für dieſelbe euch befohlene Kirche, und
ſchuldig ſeid, ſo lange ihr lebet, ſie mit reiner
Lehre zu verſorgen, für ſie mit Ernſt zu beten,
ſorgen, wachen, und euer Leben in allerlei Noth
und Gefahr, ſo vorfallen mögen, als Peſtilenz
und andere Krankheiten, wie ſie nur heißen, zu
wagen und laſſen, und vorne an der Spitze zu
ſtehen, wider die Pforten der Hölle, und alles,
was einem frommen treuen Paſtor und Seelſorger
Amts halben gebühret zu thun, leiden und aus⸗
ſiehen. Welches fürwahr alles ſchwere, große, ja
göttliche Werke ſind; wie ihr denn bisher GOtt
Lob! fleißig und treulich gethan habt.
Weil aber jetzt euer Rath, vom böſen Geiſte
getrieben, den Prediger zu S. N. verſtößet, vor
keinem Richter weder verklaget noch überweiſet
einiger Unthat; ſondern ſolches aus eigener Ge⸗
walt und Frevel, als raſende Leute und rechte
Kirchenräuber (nicht leiblicher Güter, ſondern
des Amts und Ehre des Heiligen Geiſtes) vor⸗
nehmen, und in einerlei Sache zugleich Part und
Richter ſind, will ſichs in keinem Weg leiden, daß
ihr darzu ſollet ſtille ſchweigen oder drein bewil—
ligen, auf daß ihr euch dieſes fremden Kirchen⸗
raubes nicht theilhaftig machet, noch ſchuldig
werdet der unbilligen und ſchmählichen Gewalt,
an dem verſtoßenen Bruder begangen. Wäre er
aber ſträflich geweſt, und hätte verſchuldet, daß
Urſache wäre geweſt, ihn vom Amt abzuſetzen,
ſollte ſolches mit Recht, auch mit eurem Wiſſen
und Rath, als des Pfarrherrns, vorgenommen
ſein.
Noch ärger aber iſts, daß ſie einen andern an
des Verſtoßenen Statt aufſtellen, ohne euer Er⸗
laub, ja wider euren Willen, und alſo aus glei⸗
cher eigener Gewalt und Unrecht, nun auch an
euch geübt, denſelben eindringen. Hier, lieber
Herr und Freund, ſeid gewarnet um Chriſti wil⸗
len, daß ihr euch wohl fürſehet (denn es fürwahr
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