Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 187
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe · Tanfe
5. Aber wie unrecht die euren thun, daß ſie
wiedertäufen, laß ich jetzt fahren. Denn es iſt
eure Schande deſto größer, daß ihr gleich eurem
Abgott, dem Pabſt, ſelbſt widerſtrebet, mit eurem
Wiedertäufen: und ſtimmen alſo Lehrer und
Schüler nicht mit einander. Darum will ich
davon jetzt nicht weiter handeln, ſondern will
euch zu Dienſt wieder ein Papiſt werden, und
dem Pabſt getroſt heucheln. Denn meine lieben
Schwärmer werden mirs doch nicht anders deu⸗
ten (wie ſie bereits thun), denn daß ich dem
Pabſt hiemit heuchele und Gnad ſuche: ſintemal,
wer nicht ihren tollen Schwärmen folge. der muß
ein neuer Papiſt heißen.
6. Aufs erſte, höre und ſehe ich, daß ſolch
Wiedertäufen von etlichen vorgenommen wird,
aus dem Grunde, dem Pabſt Verdrieß zu thun,
als die nichts wollen vom Endechriſt haben:
gleichwie die Sacramentsfeinde auch darum an
eitel Brod und Wein gläuben wollen, dem Pabſt
zu Verdrieß, und meinen, ſie wollen damit das
Pabſtthum recht ſtürzen. Fürwahr, das iſt ein
loſer Grund, darauf ſie nichts guts bauen wer⸗
den. Mit der Weiſe müßten ſie auch leugnen die
ganze heilige Schrift, und das Predigtamt. Denn
ſolches haben wir freilich alles vom Pabſt, und
müßten auch eine neue heilige Schrift machen.
Alſo müßten wir auch das Alte Teſtament fahren
laſſen, auf daß wir ja nichts von den ungläubigen
Juden hätten. Warum nehmen ſie denn täglich
Geld und Gut an, ſo doch böſe Leute, Pabſt und
die Türken, oder Ketzer haben gehabt? Solches
ſollten ſie auch laſſen, wenn ſie nichts Gutes
wollten von böſen Leuten haben.
7. Narreuwerk iſt das alles. Chriſtus fand
auch im Jüdiſchen Volk der Phariſäer und
Schriftgelehrten Mißbrauch: aber er verwarfs
darum nicht alles, was ſie hatten und lehreten,
Matth. 23, 3. Wir bekennen aber, daß unter
dem Pabſtthum viel Chriſtliches Gutes, ja alles
Chriſtlich Gut ſei, und auch daſelbſt herkommen
ſei an uns: nemlich, wir bekennen, daß im
Pabſtthum die rechte heilige Schrift ſei, rechte
Taufe, recht Sacrament des Altars, rechte
Schlüſſel zur Vergebung der Sünde, recht Predigt⸗
amt, rechter Katechismus, als Zehen Gebote, die
Artikel des Glaubens, das Vater Unſer. Gleich⸗
wie er auch wiederum bekennet, daß bei uns (wie⸗
wohl er uns verdammt als Ketzer) und bei allen
Ketzern ſei die heilige Schrift, Taufe, Schlüſſel,
Katechismus ꝛc. „O wie heuchleſi du hie?“
Wie heuchele ich denn? Ich ſage, was der Pabſt
mit uns gemein hat. So heuchelt er uns und
den Ketzern wiederum ja ſo ſehr, und ſaget, was
wir mit ihm gemein haben. Ich will wohl mehr
heucheln, und ſoll mich dennoch nichts helfen.
Ich ſage, daß unter dem Pabſt die rechte Chriſten⸗
heit iſt, ja der rechte Ausbund der Chriſtenheit,
und viel frommer großer Heiligen. Soll ich auf⸗
hören zu heucheln?
8. Höre du ſelber, was St. Paulus ſagt,
2 Theſſ. 2, 4.: „Der Endechriſt wird im
aus den Rationaliſten, ſondern auch aus denen, von wel⸗
chen ſie wohl wiſſen, daß ſie die rechte Taufe empfingen.
—*
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Tempel Gottes ſitzen.“ Iſt nun der Pabſt
(wie ich nicht anders gläube) der rechte „Ende⸗
chriſt“, ſo ſoll er nicht „ſitzen“ oder regieren
in des Teufels Stall, ſondern in „GOttes
Tempel“. Nein, er wird nicht „ſitzen“, da
eitel Teufel und Ungläubige, oder da kein Chri⸗
ſtus oder Chriſtenheit iſt; denn er ſoll ein
„Widerchriſt“ ſein, darum muß er unter den
Chriſten ſein. Und weil er daſelbſt „ſitzen“
und regieren ſoll, ſo muß er Chriſten unter ſich
haben. Es heißt ja „GOttes Tempel“ nicht
Steinhaufe, ſondern die heilige Chriſtenheit,
1 Cor. 3, 14., darinnen er regieren ſoll.
9. Iſt denn nun unter dem Pabſt die Chri⸗
ſtenheit, ſo muß ſie wahrlich Chriſti Leib und
Glied ſein. Iſt ſie ſein Leib, ſo hat ſie rechten
Geiſt, Evangelium, Glauben, Taufe, Sacra⸗
ment, Schlüſſel, Predigtamt, Gebet, heilige
Schrift, und alles, was die Chriſtenheit haben
ſoll. Sind wir doch auch noch alle unter dem
Pabſtthum, und haben ſolche Chriſtengüter da⸗
von. Denn er verfolget uns, verfluchet uns,
verbannet uns, verjaget uns, verbrennet uns, er⸗
würget uns, und gehet mit uns armen Chriſten
um, wie ein rechter „Endechriſt“ mit der Chri⸗
ſtenheit umgehen ſoll. Nun müſſen fürwahr
ſolche Chriſten recht getauft, und rechtſchaffene
Glieder Chriſti ſein, ſie könnten ſonſt ſolchen Sieg
wider den „Endechriſt“ durch den Tod nicht
erhalten.
10. Wir ſchwärmen nicht alſo, wie die Rot⸗
tengeiſter, daß wir alles verwerfen, was der Pabſt
unter ſich hat: denn ſo würden wir auch die
Chriſtenheit, den „Tempel GOttes“, ver⸗
werfen, mit allem, das ſie von Chriſto hat. Son⸗
dern das fechten wir an und verwerfen, daß der
Pabſt nicht bleiben laſſen will bei ſolchen Gütern
der Chriſtenheit, die er von den Apoſteln geerbet
hat, ſondern thut ſeinen Teufels-Zuſatz dabei und
drüber, und braucht ſolcher Güter nicht zur Beſ⸗
ſerung des „Tempels GOttes“, ſondern zur
Verſtörung, daß man ſein Gebot und Ordnung
höher hält, denn Chriſti Ordnung. Wiewohl in
ſolcher Zerſtörung Chriſtus dennoch ſeine Chri⸗
ſtenheit erhält, gleichwie er Loth zu Sodom er—
hielt, als auch St. Petrus davon verkündiget,
2. Epiſt. 2, 6. 7., daß alſo beides bleibe, der
„Endechriſt ſitze im Tempel GOttes
durch Teufels Wirkung“, 2 Theſſ. 2, A. 9.,
und doch gleichwohl „der Tempel GOttes“
ſei und bleibe „GOttes Tempel“ durch
Chriſti Erhaltung.“) Kann der Pabſt dies mein
Heucheln leiden und annehmen, ſo bin ich freilich
ein unterthäniger Sohn und frommer Papiſt, und
wills auch wahrlich mit Herzensfreuden ſein und
gern alles widerrufen, was ich ihm ſonſt zu Leide
gethan habe.
11. Darum iſt ſolcher Wiedertäufer und
*) In dieſem Vorhergehenden gibt Luther Aufſchluß
auf die den Lutheranern oft von den Papiſten vorgelegte
Frage: wo denn die Kirche vor der Reformation geweſen
ſei. Luther antwortet: Unter dem Pabſtthum; nicht weil
das Pabſtthum die Kirche geweſen wäre, ſondern weil
es in der Kirche oder in denn Tempel GOttes war und
noch iſt. Möchten ſich das auch die merken, welche von
einer ſichtbaren Kirche träumen. D. R.
Schwärmer Rede nichts, wenn ſie ſagen: was
der Pabſt hat, iſt unrecht, oder, weil im Pabſt⸗
thum dies und das geſchieht, ſo wollen wirs an⸗
ders haben. Gerade als wollten ſie damit ſich
beweiſen große Feinde des Endechriſts: ſehen
aber nicht, daß ſie damit ihn am höheſten ſtär⸗
ken, die Chriſtenheit am höheſten ſchwächen, und
ſich ſelbſt betrügen. Den Mißbrauch und Zuſatz
ſollten ſie uns helfen verwerfen; aber da hätten
ſie nicht große Ehre von, weil ſie ſehen, daß ſie
daran nicht die erſten ſein kͤͤnnen. Darum grei⸗
fen ſie an, das niemand angegriffen hat, auf daß
ſie auch etwa die erſten ſein und Ehre einlegen
mögen. Aber die Ehre muß zu Schanden wer⸗
den: denn ſie greifen den „Tempel GOttes“
an, und fehlen des „Endechriſts“, der drinnen
„ſitzt“; wie die Blinden, die nach dem Waſſer
tappen, und greifen ins Feuer.
12. Ja, ſie thun eben wie ein Bruder dem
andern thät im Thüringer Walde: die gingen
mit einander durch den Wald, und ein Bär
kommt ſie an, der wirft den einen unter ſich: da
will der andere ſeinem Bruder helfen, ſticht nach
dem Bärn, fehlet aber ſein, und erſticht den Bru⸗
der unter dem Bärn jämmerlich. Eben ſo thun
dieſe Schwärmer auch. Sie ſollten der armen
Chriſtenheit helfen, die der Endechriſt unter
ſich hat und martert, und ſtellen ſich greulich wi⸗
der den Pabſt; fehlen aber ſein und morden die
Chriſtenheit unter dem Pabſt viel jämmerlicher.
Denn wo ſie die Taufe und Sacrament recht
ließen, möchten die Chriſten mit der Seelen noch
entrinnen unter dem Pabſt, und ſelig werden,
wie bisher geſchehen iſt. Aber nun ihnen die
Sacramente genommen werden, müſſen ſie wohl
verloren werden, weil auch Chriſtus ſelbſt dadurch
weggenommen wird. Lieber, es iſt nicht alſo
auf den Pabſt zu platzen, weil Chriſti Heiligen
unter ihm liegen. Es gehört ein fürſichtiger
beſcheidener Geiſt dazu, der unter ihm laſſe blei⸗
ben, was „GOttes Tempel“ iſt, und wehre ſei⸗
nem Zuſatz, damit er den „Tempel GOttes“
zerſtöret.
13. Aufs andere ſagt man, wie ſie ſich
drauf gründen, daß ſie nichts von ihrer
Taufe wiſſen, und ſagen: Wie weißt du,
daß du getauft biſt? Du gläubſt Menſchen, die
dir ſagen, du ſeiſt getauft: aber du mußt GOtt
ſelber, und nicht Menſchen gläuben, und alſo
deiner Taufe gewiß ſein ꝛe. Das mag mir doch
ja ein loſer fauler Grund ſein. Denn ſo ich das
alles wollt verwerfen, was ich nicht ſelbſt geſehen
oder gehöret habe, ſo werde ich freilich nicht viel
behalten, weder Glaube noch Liebe, weder geiſt⸗
lichs noch weltlichs. So möchte ich auch ſagen:
Lieber, wie weißt du, daß der Mann dein Vater,
und die Frau deine Mutter ſei? du mußt nicht
Menſchen gläuben, ſondern ſelbſt deiner Geburt
gewiß ſein. Hiemit wären hinfort alle Kinder
frei, und dürften GOttes Gebot nicht halten, da
er gebeut: Du ſollt Vater und Mutter ehren.
Denn ich wollt bald ſagen: wie weiß ich, welche
mein Vater und Mutter ſind? Menſchen gläube
ich nicht; darum müſſen ſie mich wiederum ge⸗
bären von neuem, daß ich's ſelbſt ſehe, oder will
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