Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 174

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 174

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Beruf des Paſtors.—Alſehung · Heiden 2 · Miſſion 15

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Reſten menſchlicher Leiber, und ſeinen majeſtäti⸗
ſchen Fuß umgaben unregelmäßige Haufen ſcheuß⸗
licher Schädel, welche ſich dort ſeit vielen Jahren
aufgeſammelt hatten. Tauſende von Geiern,
welche unſere unwillkommene Annäherung ge⸗
ſcheucht hatte, ſchwebten in Kreiſen über ihrem
ekelhaften Fraße und ſtießen dann und wann
furchtlos nieder auf einen halb verzehrten Schen⸗
kel oder Arm.“

Iſt das nicht greulich? Aber das Bedauer⸗
lichſte dabei iſt, daß ſie mit derlei grauſamen
Opfern Gott einen Dienſt zu thun vermeinen.
Bei andern heidniſchen Völkern wiederum gehen
die Menſchenopfer weniger im Schwange, aber
ſie quälen ihren Leib auf eine gräßliche Weiſe,
um ihr verſchuldetes Gewiſſen, das nach Frieden
ſchreiet, ſtille zu machen. So berichtet uns einer
unſerer Miſſionare, der unter den Heiden in Oſt⸗
indien am Evangelio arbeitet:

„Ganz nahe an der Stadt liegt ein Dörfchen
am Meeresſtrande, das von Fiſchern bewohnt
wird. Dieſe bilden eine eigene Kaſte (Abthei⸗
lung) und halten ein eignes Feſt zur Ehre ihres
Götzen. Dasſelbe begann Abends um 5 Uhr
und zwar damit, daß ſechs mit Blumenkränzen
und mit Bändern geſchmückte Männer unter
Fechten und Tanzen in die auf dem Feſtplatze
gelegenen Pagoden (indiſche Götzentempel) gin⸗
gen. Ihnen folgten Weiber mit Opferſpeiſen
auf dem Kopfe; auch eine Ziege wurde hinein⸗
geführt. Nachdem das Blut derſelben geopfert
worden, wurde der Rumpf wieder herausgeſchleift.
Ich trat in den Vorhof der Pagode. Bald kamen
einige von den ſechs Männern, die ſich zum Feſte
geweiht hatten, an die Thür. Sie ſahen mager
und eingefallen aus, denn ſie hatten ſich durch
achttägiges Faſten vorbereiten müſſen. Sie bück⸗
ten ſich nun zur Hälfte nieder; der Rücken wurde
ihnen mit heiliger Aſche aus der Pagode einge⸗
rieben. Dann trat ein Mann herzu, faßte die
Haut auf der einen Seite des Rückens mit beiden
Händen und zog ſie in die Höhe, ein anderer
ſtand mit einem Haken zur Seite, den er durch
die fingerdicke Hautfalte ſteckte. Gleicherweiſe
wurde auf der andern Hälfte des Rückens ver⸗
fahren. Die beiden Haken waren an einem Strick
befeſtigt, und an dieſem wurde der Mann gehal⸗
ten und geführt. So oft ein Haken angebracht
wurde, erhob die umſtehende Menge ein Geſchrei,
und der Mann ſprang auf und fing wie unſin⸗
nig mit einem andern zu fechten und zu tanzen
an. Hierauf wurde derſelbe zur Schwung⸗
maſchine geführt, zu einem Baume von 50—60
Fuß Höhe, darüber ein Querballen gelegt war.
An dem einen Ende desſelben wurde der Mann
an dem Stricke aufgehangen, ſo daß er an den
beiden Haken, beinahe wagerecht ſchwebend, in
der Luft hing. Sodann wurde er in die Höhe
geſchnellt, indem man das andere Ende des Quer⸗
balkens zur Erde zog. Nun wurde der Balken
in dem Kreiſe herumgeführt, wozu es ungefähr
zehn Minuten brauchte, und während dieſer gan⸗
zen Zeit ſang der Aufgehängte immer fort und
ſchlug mit Händen und Füßen den Tact dazu ꝛc.“

Das iſt aber nur ein einzelnes und noch dazu

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ſehr gewöhnliches Beiſpiel von ſolcher unſinnigen
Selbſtquälerei. Andere hängen ſich mit den
Füßen an einem Baume auf und laſſen den Kopf
baumeln; noch andere begraben ſich bis an den
Hals in die Erde, wieder andere ſtrecken beide
Arme in die Höhe, bis ſie ganz erſtarren und ab⸗
ſterben, und das Alles, — um ihre Sünden los
zu werden.

Du mußt aber nicht denken, lieber Leſer, daß
dieſe armen Creaturen nun einmal doch keinen
Geſchmack finden würden an dem ſüßen Evan⸗
gelio von Chriſto. Ach nein, es ſind gar manche
unter ihnen, die das Wort vom Sünderheilande
nur zu hören brauchen, um dem Evangelio zuzu⸗
fallen. So hören wir z. B. einen unſrer ſchwar⸗
zen Brüder, der die Gnade Gottes in JEſu
Chriſto an ſeinem Herzen erfahren hat, an der
Nordſpitze von Afrika, ſehnſüchtig klagen: „War⸗
um ſchicken uns die Weißen nicht mehr Miſſio⸗
nare? warum kommen ſie nicht?“ — Und eine
arme Mutter auf den Südſeeinſeln, die, ehe ſie
noch das Evangelium aus dem Munde der Miſ⸗
ſionare vernommen, ihre neun Kinder mit eigner
Hand gemordet hatte, ſehen wir vor die Miſſio⸗
nare treten, und hören ſie in ihrem großen
Schmerze jammern:

„Warum ſeid ihr nicht früher hierher gekom⸗
men? ich habe neun Kinder gehabt, und habe
alle neun mit eigner Hand gemordet! Nun bin
ich eine elende, kinderloſe Wittwe! Wäret ihr frü⸗
her gekommen, ſo wäre ich jetzt eine glückliche
Mutter, und wollte meine neun gemordeten Kin⸗
der dem HErrn erziehen! Ach, warum ſeid ihr
nicht früher gekommen?“

Endlich macht ein bekehrter Heide in Oſtindien,
der nun dort den Miſſionaren bereits hilft, ſeinem
nach England heimgekehrten Lehrer, Miſſionar
Wilkinſon, folgende Beſtellung an uns Chriſten
in Europa:

„Vor allem ſage ihnen, daß William
Churrun (ſo heißt der bekehrte Heide), nun
durch Gottes Gnade ein Knecht IEſu Chriſti,
einſt ein Knecht der Sünde war, und noch immer
ein Knecht der Sünde ſein würde, hätten ſie dich
nicht geſandt, mir von dem für die Sünder ge⸗
kreuzigten Heiland der Welt zu ſagen. Sage
ihnen dafür meines Herzens innigſten Dank. —
Sodann ſage ihnen, daß ich mich wundere, daß
ſie nur einen oder zwei Miſſionare ſenden. Was

ſind Einer oder Zwei? Wiſſen ſie nicht, daß noch

viele Millionen meiner armen Heidenbrüder ohne
Gott ſind? O ſage ihnen, daß William, der
ihnen ſeinetwegen dankt, ſie doch Anderer wegen
anklagen muß. Du haſt mir geſagt, daß viele
Millionen Leute in England wohnen, und da
denk' ich: gut, viele Millionen! und nur einer
oder zwei Miſſionare kommen nach Indien, um
die Millionen zu retten, die in Sünden verloren
gehen! Sage ihnen, daß wir dreihundert
und dreißig Millionen Götter haben,
deren Sclaven wir ſind. Und ſage ihnen, daß,
wenn auch dieſe Götter nie zuvor ge⸗
ſprochen haben, doch am Tage des Ge—
richts der Gott der Chriſten, der da iſt
der Gott der ganzen Welt, einem jeden

dieſer Götter eine Zunge geben wird,
um ſie anzuklagen, daß ſie nicht mehr
Miſſionare nach Indien geſandt
haben.“

Aus dem Allem ſieheſt du auch, lieber Leſer,
daß die unter die Heiden ausgeſandten Miſſio⸗
nare, obwohl unter großen Schwierigkeiten, doch
nicht etwa erfolglos arbeiten. Ich könnte dir
ganze Inſeln nennen, die ihre Götzen weggewor⸗
fen, ſich zu dem lebendigen Gotte bekehrt haben,
ganze Volksſtämme, die aus Müßiggängern,
Wollüſtlingen, Menſchenfreſſern Diener JEéſu
Chriſti geworden ſind und nun ein ſtilles und
geruhiges Leben führen und das Ihre ſchaffen in
aller Gottſeligkeit und Ehrbarkeit. Aber dazu iſt
auf dieſen wenigen Blättern kein Raum. Ich
begnüge mich, dir noch eine Stelle aus einer
heidniſchen Zeitung, die zu Calcutta in Oſtindien
erſcheint, mitzutheilen. Darin wehklagt ein dem
Evangelio feindſelig geſinnter Heide, daß die
Miſſionare durch ihre Predigt vom Evangelio
ſeine Hindu⸗Religion um ihr Anſehen bringen
und zu nichte machen. Höre, wie er die ihm
gleichgeſinnten Feinde des Evangeliums unter
den Hindus anredet:

„O ihr heiligen Leute, rühmet euch deſſen nicht
länger, daß ihr Hindus ſeid. Meinet ihr,
eure Kinder werden der Religion ihrer Väter (der
Hindu⸗Religion nämlich) getreu bleiben? — O,
gebet ſolche Hoffnung auf! Die Miſſionsmänner,
die ihr Vaterland verlaſſen haben und nach In⸗
dien gekommen ſind, ziehen nun in Schaaren
durch alle Straßen und Gaſſen, um die Hindu⸗
Religion zu vernichten, — und thörichte Knaben
laſſen ſich, wie gierige Fiſche, durch ihre Zauberei
angeln und fangen. (Die Miſſionare nemlich
richten ihr Augenmerk vornehmlich auf die unbe⸗
fangene Jugend, indem ſie Schulen anlegen.)
Viele Knaben haben ihre Familien, ihre Kaſte,
ihre Religion aufgegeben, ſind in die Familie
JEſu eingetreten, haben ſich in die Geheimniſſe
der Bibel einweihen laſſen, und haben ihre eigene
Würde dadurch geſchändet, daß ſie ſich unterrich⸗
ten ließen. Der Leopard des Waldes (damit
ſcheint er den eifrigen Miſſionar zu vergleichen)
verſchlingt einen nach dem andern von dieſen
Knaben, die an Verſtand den Thieren gleich ſind.
In der letzten Woche erhob abernals ein Kind
ſeine Flügel, und flog auf den Baum der Liebe
IEſu. (Die Kinder nemlich beſuchen ſehr gern
die chriſtlichen Schulen.) Niemand weiß, was
noch weiter geſchehen wird. Wie der Opferblock
zu Kaligat, ſo ſind die Opferblöcke der Miſſions⸗
männer Tag und Nacht bereit, und wo ſie eine
Gelegenheit finden, bringen ſie ihre Schlachtopfer
dar, und tödten es (d. h. entreißen es dem Hei⸗
denthum). Wir fürchten uns vor ihnen mehr,
als vor Cholera, Fieber und Schlangenbiß; denn
dieſe mögen geheilt werden durch Zaubermittel
und Arznei, aber für die Krankheit (ſo nennt er
die Neigung zum Evangelio), welche die Miſſio⸗
nare beibringen, hilft weder Zaubermittel noch
Arznei. Sie ſind gelehrte Leute und verſtehen ſich
auf den Unterricht gut: iſt es zu verwundern,
wenn ſinnloſe Kinder durch ſie betrogen werden

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