Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 24 › Seite 173
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-07-20, Seite 173
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Heiden 1 · Heiden 2 · Miſſion 15 · Miſſion 32 · Opfer 5
liche Vernunft gefangen gibt unter den Glauben
an Gottes Wort, wie es geſchrieben ſteht,
ſo muß ſie auch die Ehre haben, die größte
Schmach vor der Welt zu tragen.
Und ſollte ich noch etwas hinzufügen, ſo wäre
es das, was in dem Tertverſe ſteht: „Siehe, ich
komme bald.“ Rückt doch die Zeit heran, wo die
Schmach abgethan ſein wird von der Kirche Got⸗
tes, und von ihrer Kinder Angeſicht.
Denn welch eine Freude wird die ſein, wann
nach langem Harren um Mitternacht die gläubi⸗
gen Bekenner Dem entgegen gehen, der da kommt
um Mitternacht, ſie zu krönen mit Ehre und
Freude! Siehe da, unſer Ziel ... und darnach
der neue Himmel und die neue Erde; — das Erſte
iſt vergangen, und ſiehe, es iſt alles neu gewor⸗
den. Amen!
— ——
Ein Wort an alle diejenigen Chriſten, die ſich
ihres Chriſtennamens nicht ſchämen,
ſondern rühmen.
(Römer 10, 12 — 15.)
Vom Director der evangeliſch-lutheriſchen Miſſions-Anſtalt,
d. Z. zu Leipzig, K. Graul.
Ich weiß nicht, lieber Leſer, ob du etwa zu je⸗
nen Unglücklichen gehöreſt, die an ihrem Glau⸗
ben Schiffbruch gelitten haben in der erſchreck⸗
lichen Freigeiſterei, welche gegen Ende des vorigen
Jahrhunderts unſer liebes deutſches Vaterland
von Frankreich her wie mit einer Sündfluth
überſchwemmte, oder ob du einer der Glücklichen
biſt, die ſich in dem allgemeinen Strudel des Un⸗
glaubens noch zeitig genug feſtgeklammert haben
an dem Fels des göttlichen Wortes: daß ich's
kurz mache, ich weiß nicht, was du von dem Chri⸗
ſtenthume, darinnen du geboren und erzogen biſt,
hältſt, ob du dich deines Chriſtennamens ſchämeſt
oder rühmeſt. Schämeſt du dich deines Chriſten⸗
namens, was Gott verhüte! ſo haben wir nichts
mit einander zu ſchaffen, ſo rede ich für dich in
den Wind, ſo lege das Blatt lieber gleich bei
Seite, auf daß du es nicht gar am Ende unwil⸗
lig zerreißeſt und deiner Seele, die ſchon Schaden
gelitten hat, noch mehr ſchadeſt. Rühmeſt du
dich aber deines Chriſtennamens, was Gott gebe!
nun, ſo paſſen wir ſchon zuſammen, und du thuſt
wohl, die paar Worte, die ich mit dir zu reden
habe, geduldig auszuhören. So höre denn und
prüfe!
Du weißt, als unſer HErr und Heiland von
ſeinen Jüngern Abſchied nahm, ſprach er: „Ge⸗
het hin und lehret alle Völker und taufet ſie im
Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geiſtes, und lehret ſie halten alles, was
ich euch befohlen habe. (Matth. 28, 19. 20.)
In dieſen Worten that er alſo ſeinen umſtehen⸗
den Jüngern Befehl, ſich mit ihrer Previgt nicht
etwa auf das jüdiſche Land zu beſchränken, ſon⸗
dern in alle Welt hinzugehen (Marc. 16, 15.
und das Evangelium zu allen Völkern zu
tragen bis an das Ende der Erde (Apoſtel⸗
geſchichte 1, 8.). Dieſem Befehle haben denn
auch die Apoſtel, nachdem der HErr von ihnen
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genommen war, getreulich nachzukommen geſucht,
wie du ja aus der Apoſtelgeſchichte von Kind auf
gelernet haſt. Aber merke wohl, womit Chriſtus
ſeinen Auftrag, hinzugehen und alle Völker zu
lehren und zu taufen, beſchließt. Er beſchließt
ihn nemlich mit der Verheißung: Siehe, ich bin
bei euch alle Tage bis an der Welt
Ende. Nun ſieheſt du ja klärlich, dieſe Ver⸗
heißung kann nicht blos auf die erſten Apoſtel
gehen, denn von dieſen wußte der HErr ſo gui
wie wir, daß ſie als ſterbliche Menſchen nicht
alle Tage bis an der Welt Ende leben
würden. Wenn ſich denn aber die Verheißung
über die Apoſtel hinaus erſtreckt, ſo muß es auch
der Auftrag, um deſſen willen dieſelbe gegeben
iſt, und da nun die Verheißung offenbar auf
die Jünger aller Tage bis an der Welt
Ende gehet, ſo muß auch der Auftrag auf
die Jünger aller Tage bis an der Welt
Ende gehen. Nicht wahr? das einzuſehen,
iſt kinderleicht, und es gehört gewiß viel Unver⸗
ſtand dazu, es nicht einſehen zu können, und viel
böſer Wille, es nicht einſehen zu wollen. Das
haben denn auch die Chriſten, die nach dem Tode
der heiligen Apoſtel lebten, gar wohl begriffen,
daß der HErr mit jenem an die el gerichte⸗
ten Befehle, das Evangelium zu allen Völkern zu
tragen, ſie auch mitgemeinet habe, und diejenigen
von ihnen, die dazu Luſt, Kraft und Beruf in
ſich fühlten, haben die Miſſionsarbeit (denn die
Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden
nennt man Miſſion, ſo wie die dazu ausgeſand⸗
ten Prediger Miſſionare) da fortgeſetzt, wo ſie die
Apoſtel, vom Tode übereilt, haben liegen laſſen.
Du aber wirſt ihnen ihren Gehorſam gegen den
ausdrücklichen Befehl des HErrn um ſo weniger
verdenken, als du ſelbſt, ſo gut wie ich, noch im
finſtern Heidenthume ſitzen würdeſt, wenn jene
Männer Gottes gemeint hätten, der Befehl zur
Miſſion habe ſich nur auf die Apoſtel bezogen.
Denn das glaub' ich doch nicht, daß du, der du
dich deines Chriſtennamens rühmeſt, es dem lie⸗
ben Miſſionar Bonifacius verargen wirſt, daß er
vor mehr als tauſend Jahren von England her⸗
über zu deinen heidniſchen Vätern, den alten
Deutſchen, gekommen iſt und ſie von der Finſter⸗
niß des Heidenth ums bekehrt hat zu dem wunder⸗
baren Lichte des Evangeliums. Wer auch möchte
ſich nach der Lebensweiſe unſerer heidniſchen Vor⸗
fahren zurückſehnen, welche, wenn es am ordent⸗
lichſten unter ihnen herging, nur immer kriegten,
jagten, und dann auf der Bärenhaut die gewon⸗
nene Beute verſchmauſ'ten, verzechten und ver⸗
würfelten, während ſie die Sorge für Haus und
Acker den Weibern, Greiſen und Schwächlingen
überließen, und die ihren Göttern ſelbſt Menſchen⸗
opfer zu ſchlachten nicht anſtanden: wie uns das
alles die Römer, die damals mit ihnen Krieg
führten, berichtet haben. Ich bin auch überzeugt,
daß du dich nicht ſehr erbauen würdeſt, wenn du
mit den heidniſchen Bewohnern des Heſſenlandes
zur Zeit, da der theure Miſſionar Bonifacius
mit der Predigt des Evangeliums zu ihnen kam,
wenn du da mit ihnen, ſtatt in die liebe Kirche
zu gehen und Gott anzubeten im Geiſt und in der
Wahrheit, in den Wald hinausgehen und einen
alten Eichbaum als den Wohnſitz deines Gottes
verehren ſollteſt.
Nun ſiehe, wie vor etwa tauſend Jahren deine
Väter, ſo ſitzen noch jetzt, Juden und Muhame⸗
daner gar nicht mitgerechnet, noch an 500 Mil⸗
lionen Menſchen in Todesſchatten und Finſter⸗
niß des Heidenthums, wiſſen nichts von dem all⸗
mächtigen Schöpfer Himmels und der Erden,
nichts von einem barmherzigen Mittler zwiſchen
dem heiligen Gott und den armen ſündigen Men⸗
ſchen, haben nichts, womit ſie ihr Gewiſſen vor
Gott ſtille machen, keine Kraft im Leben, keinen
Troſt im Sterben.
mit ihnen ſo wohl ſtünde, wie mit unſern heidni⸗
ſchen Vorfahren. Aber die meiſten ſind bei wei⸗
tem unglückſeliger daran. Höre nur, wie es z. B.
unter den heidniſchen Völkern auf der Weſtküſte
von Afrika hergeht:
„Wenigſtens einmal im Monate“, ſo berichtet
uns ein Reiſender, „findet eine ſchauerliche
Opferhandlung ſtatt. Auch Kriegsgefangene
werden geſchlachtet, um die Geiſter der im Kampfe
gefallenen Krieger zu beſänftigen. Jeder von
ihnen wird unter den Fetiſchbaum cheiliger
Baum) geführt und erhält eine Flaſche Rum zu
trinken; während er trinkt, ſchleicht ein Menſch,
mit einer Keule bewaffnet, heran und verſetzt ihm
einen ſo gewaltigen Schlag auf den Hinterkopf,
daß gewöhnlich das Gehirn herausſpritzt. Der
Betäubte wird hierauf in die Fetiſchhütte (heilige
Hütte) geſchleppt, wo mit der Art ſein Kopf vom
Rumpfe getrennt und das hervorſtrömende Blut
in einer Kürbisflaſche aufgefangen wird. Wäh⸗
rend dies geſchieht, ſind andere mit Meſſern be⸗
müht, das Herz aus der zerfleiſchten Bruſt zu—
reißen. Noch warm und im Blute zuckend wird
dasſelbe zuerſt dem Könige, dann deſſen Weibern
und den Generalen dargeboten. Nachdem ſie der
Reihe nach hineingebiſſen und von dem dampfen⸗
den Blute in der Kürbisflaſche getrunken haben,
wird das Herz den Umſtehenden preisgegeben.
Zuletzt wird es auf eine Lanze geſpießt und nebſt
der Kürbisflaſche voll Blut und dem enthaupte⸗
ten Körper in feierlichem Aufzuge durch die Stadt
getragen, begleitet von unzähligen Speermännern
und dichten Volkshaufen. Jeder, wer irgend
Luſt hat, darf in das Herz beißen und von dem
Blute trinken, während das Volk dazu tanzt und
ſingt. Was endlich von dem Herzen übrig bleibt,
wird den Hunden hingeworfen und der Leichnam
in Stücken an den Fetiſchbaum gehängt, wo er
bleibt, bis alles von den Raubvögeln verzehrt iſt.
Einmal im Jahre begehen ſie unter ihrem heili⸗
gen Fetiſchbaume, der wenige Meilen von der
Stadt in einem Walde ſteht, ein Hauptopfer.
Die Leiber aller Geſchlachteten, welche man dann
dem böſen Geiſte darbringt, werden geviertheilt
und an die gewaltigen Aeſte des Baumes ge⸗
hängt; die Schädel bleiben am Fuße des Stam⸗
mes liegen und bleichen in der Sonne. Einmal
durch Zufall hatte ich Gelegenheit, dieſen vielbe⸗
ſprochenen Baum einen oder zwei Tage nach dem
jährlichen Opfer zu ſehen. Bedeckt, im buchſtäb⸗
lichen Sinne, waren ſeine Rieſenzweige mit den
Ja, und wenn es nur noch
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