# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S187 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 5. Aber wie unrecht die euren thun, daß ſie wiedertäufen, laß ich jetzt fahren. Denn es iſt eure Schande deſto größer, daß ihr gleich eurem Abgott, dem Pabſt, ſelbſt widerſtrebet, mit eurem Wiedertäufen: und ſtimmen alſo Lehrer und Schüler nicht mit einander. Darum will ich davon jetzt nicht weiter handeln, ſondern will euch zu Dienſt wieder ein Papiſt werden, und dem Pabſt getroſt heucheln. Denn meine lieben Schwärmer werden mirs doch nicht anders deu⸗ ten (wie ſie bereits thun), denn daß ich dem Pabſt hiemit heuchele und Gnad ſuche: ſintemal, wer nicht ihren tollen Schwärmen folge. der muß ein neuer Papiſt heißen. 6. Aufs erſte, höre und ſehe ich, daß ſolch Wiedertäufen von etlichen vorgenommen wird, aus dem Grunde, dem Pabſt Verdrieß zu thun, als die nichts wollen vom Endechriſt haben: gleichwie die Sacramentsfeinde auch darum an eitel Brod und Wein gläuben wollen, dem Pabſt zu Verdrieß, und meinen, ſie wollen damit das Pabſtthum recht ſtürzen. Fürwahr, das iſt ein loſer Grund, darauf ſie nichts guts bauen wer⸗ den. Mit der Weiſe müßten ſie auch leugnen die ganze heilige Schrift, und das Predigtamt. Denn ſolches haben wir freilich alles vom Pabſt, und müßten auch eine neue heilige Schrift machen. Alſo müßten wir auch das Alte Teſtament fahren laſſen, auf daß wir ja nichts von den ungläubigen Juden hätten. Warum nehmen ſie denn täglich Geld und Gut an, ſo doch böſe Leute, Pabſt und die Türken, oder Ketzer haben gehabt? Solches ſollten ſie auch laſſen, wenn ſie nichts Gutes wollten von böſen Leuten haben. 7. Narreuwerk iſt das alles. Chriſtus fand auch im Jüdiſchen Volk der Phariſäer und Schriftgelehrten Mißbrauch: aber er verwarfs darum nicht alles, was ſie hatten und lehreten, Matth. 23, 3. Wir bekennen aber, daß unter dem Pabſtthum viel Chriſtliches Gutes, ja alles Chriſtlich Gut ſei, und auch daſelbſt herkommen ſei an uns: nemlich, wir bekennen, daß im Pabſtthum die rechte heilige Schrift ſei, rechte Taufe, recht Sacrament des Altars, rechte Schlüſſel zur Vergebung der Sünde, recht Predigt⸗ amt, rechter Katechismus, als Zehen Gebote, die Artikel des Glaubens, das Vater Unſer. Gleich⸗ wie er auch wiederum bekennet, daß bei uns (wie⸗ wohl er uns verdammt als Ketzer) und bei allen Ketzern ſei die heilige Schrift, Taufe, Schlüſſel, Katechismus ꝛc. „O wie heuchleſi du hie?“ Wie heuchele ich denn? Ich ſage, was der Pabſt mit uns gemein hat. So heuchelt er uns und den Ketzern wiederum ja ſo ſehr, und ſaget, was wir mit ihm gemein haben. Ich will wohl mehr heucheln, und ſoll mich dennoch nichts helfen. Ich ſage, daß unter dem Pabſt die rechte Chriſten⸗ heit iſt, ja der rechte Ausbund der Chriſtenheit, und viel frommer großer Heiligen. Soll ich auf⸗ hören zu heucheln? 8. Höre du ſelber, was St. Paulus ſagt, 2 Theſſ. 2, 4.: „Der Endechriſt wird im aus den Rationaliſten, ſondern auch aus denen, von wel⸗ chen ſie wohl wiſſen, daß ſie die rechte Taufe empfingen. —* 18 Tempel Gottes ſitzen.“ Iſt nun der Pabſt (wie ich nicht anders gläube) der rechte „Ende⸗ chriſt“, ſo ſoll er nicht „ſitzen“ oder regieren in des Teufels Stall, ſondern in „GOttes Tempel“. Nein, er wird nicht „ſitzen“, da eitel Teufel und Ungläubige, oder da kein Chri⸗ ſtus oder Chriſtenheit iſt; denn er ſoll ein „Widerchriſt“ ſein, darum muß er unter den Chriſten ſein. Und weil er daſelbſt „ſitzen“ und regieren ſoll, ſo muß er Chriſten unter ſich haben. Es heißt ja „GOttes Tempel“ nicht Steinhaufe, ſondern die heilige Chriſtenheit, 1 Cor. 3, 14., darinnen er regieren ſoll. 9. Iſt denn nun unter dem Pabſt die Chri⸗ ſtenheit, ſo muß ſie wahrlich Chriſti Leib und Glied ſein. Iſt ſie ſein Leib, ſo hat ſie rechten Geiſt, Evangelium, Glauben, Taufe, Sacra⸗ ment, Schlüſſel, Predigtamt, Gebet, heilige Schrift, und alles, was die Chriſtenheit haben ſoll. Sind wir doch auch noch alle unter dem Pabſtthum, und haben ſolche Chriſtengüter da⸗ von. Denn er verfolget uns, verfluchet uns, verbannet uns, verjaget uns, verbrennet uns, er⸗ würget uns, und gehet mit uns armen Chriſten um, wie ein rechter „Endechriſt“ mit der Chri⸗ ſtenheit umgehen ſoll. Nun müſſen fürwahr ſolche Chriſten recht getauft, und rechtſchaffene Glieder Chriſti ſein, ſie könnten ſonſt ſolchen Sieg wider den „Endechriſt“ durch den Tod nicht erhalten. 10. Wir ſchwärmen nicht alſo, wie die Rot⸗ tengeiſter, daß wir alles verwerfen, was der Pabſt unter ſich hat: denn ſo würden wir auch die Chriſtenheit, den „Tempel GOttes“, ver⸗ werfen, mit allem, das ſie von Chriſto hat. Son⸗ dern das fechten wir an und verwerfen, daß der Pabſt nicht bleiben laſſen will bei ſolchen Gütern der Chriſtenheit, die er von den Apoſteln geerbet hat, ſondern thut ſeinen Teufels-Zuſatz dabei und drüber, und braucht ſolcher Güter nicht zur Beſ⸗ ſerung des „Tempels GOttes“, ſondern zur Verſtörung, daß man ſein Gebot und Ordnung höher hält, denn Chriſti Ordnung. Wiewohl in ſolcher Zerſtörung Chriſtus dennoch ſeine Chri⸗ ſtenheit erhält, gleichwie er Loth zu Sodom er— hielt, als auch St. Petrus davon verkündiget, 2. Epiſt. 2, 6. 7., daß alſo beides bleibe, der „Endechriſt ſitze im Tempel GOttes durch Teufels Wirkung“, 2 Theſſ. 2, A. 9., und doch gleichwohl „der Tempel GOttes“ ſei und bleibe „GOttes Tempel“ durch Chriſti Erhaltung.“) Kann der Pabſt dies mein Heucheln leiden und annehmen, ſo bin ich freilich ein unterthäniger Sohn und frommer Papiſt, und wills auch wahrlich mit Herzensfreuden ſein und gern alles widerrufen, was ich ihm ſonſt zu Leide gethan habe. 11. Darum iſt ſolcher Wiedertäufer und *) In dieſem Vorhergehenden gibt Luther Aufſchluß auf die den Lutheranern oft von den Papiſten vorgelegte Frage: wo denn die Kirche vor der Reformation geweſen ſei. Luther antwortet: Unter dem Pabſtthum; nicht weil das Pabſtthum die Kirche geweſen wäre, ſondern weil es in der Kirche oder in denn Tempel GOttes war und noch iſt. Möchten ſich das auch die merken, welche von einer ſichtbaren Kirche träumen. D. R. Schwärmer Rede nichts, wenn ſie ſagen: was der Pabſt hat, iſt unrecht, oder, weil im Pabſt⸗ thum dies und das geſchieht, ſo wollen wirs an⸗ ders haben. Gerade als wollten ſie damit ſich beweiſen große Feinde des Endechriſts: ſehen aber nicht, daß ſie damit ihn am höheſten ſtär⸗ ken, die Chriſtenheit am höheſten ſchwächen, und ſich ſelbſt betrügen. Den Mißbrauch und Zuſatz ſollten ſie uns helfen verwerfen; aber da hätten ſie nicht große Ehre von, weil ſie ſehen, daß ſie daran nicht die erſten ſein kͤͤnnen. Darum grei⸗ fen ſie an, das niemand angegriffen hat, auf daß ſie auch etwa die erſten ſein und Ehre einlegen mögen. Aber die Ehre muß zu Schanden wer⸗ den: denn ſie greifen den „Tempel GOttes“ an, und fehlen des „Endechriſts“, der drinnen „ſitzt“; wie die Blinden, die nach dem Waſſer tappen, und greifen ins Feuer. 12. Ja, ſie thun eben wie ein Bruder dem andern thät im Thüringer Walde: die gingen mit einander durch den Wald, und ein Bär kommt ſie an, der wirft den einen unter ſich: da will der andere ſeinem Bruder helfen, ſticht nach dem Bärn, fehlet aber ſein, und erſticht den Bru⸗ der unter dem Bärn jämmerlich. Eben ſo thun dieſe Schwärmer auch. Sie ſollten der armen Chriſtenheit helfen, die der Endechriſt unter ſich hat und martert, und ſtellen ſich greulich wi⸗ der den Pabſt; fehlen aber ſein und morden die Chriſtenheit unter dem Pabſt viel jämmerlicher. Denn wo ſie die Taufe und Sacrament recht ließen, möchten die Chriſten mit der Seelen noch entrinnen unter dem Pabſt, und ſelig werden, wie bisher geſchehen iſt. Aber nun ihnen die Sacramente genommen werden, müſſen ſie wohl verloren werden, weil auch Chriſtus ſelbſt dadurch weggenommen wird. Lieber, es iſt nicht alſo auf den Pabſt zu platzen, weil Chriſti Heiligen unter ihm liegen. Es gehört ein fürſichtiger beſcheidener Geiſt dazu, der unter ihm laſſe blei⸗ ben, was „GOttes Tempel“ iſt, und wehre ſei⸗ nem Zuſatz, damit er den „Tempel GOttes“ zerſtöret. 13. Aufs andere ſagt man, wie ſie ſich drauf gründen, daß ſie nichts von ihrer Taufe wiſſen, und ſagen: Wie weißt du, daß du getauft biſt? Du gläubſt Menſchen, die dir ſagen, du ſeiſt getauft: aber du mußt GOtt ſelber, und nicht Menſchen gläuben, und alſo deiner Taufe gewiß ſein ꝛe. Das mag mir doch ja ein loſer fauler Grund ſein. Denn ſo ich das alles wollt verwerfen, was ich nicht ſelbſt geſehen oder gehöret habe, ſo werde ich freilich nicht viel behalten, weder Glaube noch Liebe, weder geiſt⸗ lichs noch weltlichs. So möchte ich auch ſagen: Lieber, wie weißt du, daß der Mann dein Vater, und die Frau deine Mutter ſei? du mußt nicht Menſchen gläuben, ſondern ſelbſt deiner Geburt gewiß ſein. Hiemit wären hinfort alle Kinder frei, und dürften GOttes Gebot nicht halten, da er gebeut: Du ſollt Vater und Mutter ehren. Denn ich wollt bald ſagen: wie weiß ich, welche mein Vater und Mutter ſind? Menſchen gläube ich nicht; darum müſſen ſie mich wiederum ge⸗ bären von neuem, daß ich's ſelbſt ſehe, oder will