# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S175 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und ſich in den Oeean der Religion IEſu hinein⸗ ſtürzen? Unſere Religion liegt in den letzten Zü⸗ gen, und wird in ihre Heimath gehen, nemlich in das Haus Yam Unterwelt); und die heiligen Männer der Dhurma Subha (das ſind die indi⸗ ſchen Gelehrten) werden nicht einmal das Heil⸗ mittel ihrer eigenen Anſtrengungen anwenden, um ihre ſterbende Religion wieder zu beleben.“ Aus dieſer Mittheilung wirſt du abnehmen können, ob unſere evangeliſchen Miſſionare das Evangelium unter den Heiden mit Erfolg ver⸗ kündigen oder nicht. Und nun, lieber Leſer, will ich dir ſagen, wozu ich das Alles geredet habe. Um dich zu unter⸗ halten, habe ich's nicht geredet, dazu habe ich keine Zeit, und du haſt vielleicht auch keine, dich unterhalten zu laſſen. Alſo ohne Umſchweife: Ich hatte zunächſt dein Herz dabei im Auge. Siehe, 500 Millionen Menſchen, alle nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffen, alle deine Brüder und Schweſtern, von demſelben HErrn und Hei⸗ land nicht mit vergänglichem Gold und Silber erlöſet und mit dir zu gleicher Herrlichkeit berufen, ſchreien aus allen Welttheilen herüber: Warum ſchicken uns die Weißen keine Miſſio⸗ nare, warum kommen ſie nicht? Kommt doch herüber und helft uns (Ap. Geſch. 16, 9.). Vergiß nicht: 500 Millionen Men⸗ ſchen! und jede einzelne Menſchenſeele iſt in Got⸗ tes Augen mehr werth, als die ganze Welt (Marc. 8, 36. 37.), ſo daß alſo 500 Millionen Welten den Schaden nicht erſetzen könnten, den dieſe 500 Millionen Heiden an ihren Seelen nehmen. Ich führe es dir nochmals zu Sinne: 500 Millionen Heiden! denn obſchon ich weiß, daß du nicht den Muth hätteſt, dein Herz zuzu⸗ ſchließen auch nur vor Einer armen Heidenſeele, wenn ſie plötzlich ſichtbarlich an dich heranträte mit dem Ausdruck verzweifelnder Sehnſucht und bittender Verzweiflung, ſo weiß ich doch auch, daß der Menſch, wenn ihm das Elend nicht geradezu unter die Augen tritt, von Natur ſo ſtumpf iſt, daß man, um ihn zu rühren, dasſelbe in ſeiner ganzen Größe hinſtellen muß. Darum nun zum letzten Mal: 200 Millionen Chriſten — denn darauf etwa beläuft ſich die Geſammtzahl der ge⸗ genwärtigen Chriſtenheit — ſehen mit jedem Menſchenalter 500 Millionen Heiden ohne den Troſt des Evangeliums in's Grab ſinken, und unter dieſen 200 Millionen Chriſten ach wie We⸗ nige ſind da, die auch nur ein Scherflein für die Heidenmiſſion beiſteuern, ja nur daran denken oder auch nur davon wiſſen. Iſt das nicht trau⸗ rig? — Iſt das nicht eine Schande? Aber nun, lieber Leſer, habe ich's mit dir, mit dir ſelbſt zu thun. Du biſt auch einer von den 200 Millionen Chriſten, die mit den 500 Millionen Heiden zuſammen die Erde bewohnen. Ich frage dich nun: Haſt du ein Herz oder haſt du keines? Und wenn du ein Herz haſt, haſt du ein Scherflein oder haſt du keines? Wenn du ein Scherflein haſt, o ſo thue doch mit dem Herzen zugleich die Hand auf. Denk an die arme Wittwe, die zwei Scherflein in den Gottes⸗ kaſten einlegte, und die dein Heiland ſo hoch ehrte, 17⁴ daß er um ihretwillen ſeine Jünger zu ſich rief und zu ihnen ſprach: „Wahrlich, ich ſage euch: dieſe arme Wittwe hat mehr in den Gotteskaſten gelegt, denn alle, die eingelegt haben.“ Du weißt ja, daß du keinen harten Herrn haſt, der ſchneiden will, wo er nicht geſäet hat, weißt, daß dein Gott nicht den reichen, ſondern den fröhlichen Geber lieb hat. Und nun, lieber Leſer, vergiß die 500 Mil⸗ lionen Heiden nicht; denke an ihr Elend, und an ihre Sehnſucht und vor Allem an den ausdrücklichen Befehl des HErrn! Kommt aber Jemand und will deine Theilnahme für die Heidenwelt niederſchlagen durch die ſcheinbar wohl⸗ gemeinte Bemerkung, daß wir ja alle Hände voll zu thun haben, um der großen geiſtlichen und leiblichen Noth unſerer eigenen Landsleute zu ſteuern, ſo bedenke, daß wenn man in früherer Zeit auch ſo engherzig gedacht hätte, du noch immer ein Heide wäreſt, und ſprich: Alles, was du willſt, daß dir die Leute thun ſol⸗ len, das thue du ihnen auch. Und dann frag einen Solchen nur friſchweg, was er denn für ſein eignes Vaterland thue, und du wirſt in der Regel die Erfahrung machen, daß diejenigen, die kein Herz für ihre armen Heidenbrüder haben, ebenſo herzlos in Bezug auf ihre armen Chriſten⸗ brüder ſind, und daß im Gegentheil diejenigen, die für das heidniſche Ausland das Meiſte thun, auch bei weitem die eifrigſten ſind, das leibliche und geiſtliche Wohl des chriſtlichen Inlandes zu fördern. Nun haſt du gehört, lieber Leſer, nun prüfe! * Luther über Vertreibung rechtſchaffener Prediger und über Annahme der van denſelben innegehabten Aemter. Leider kommt es auch jetzt innerhalb unſerer Kirche allhier immer öfter vor, daß ſelbſt ſolche Gemeinden, welche lutheriſch ſein wollen, treue, rechtgläubige Prediger, die ihnen die Wahrheit verkündigen, vertreiben, und daß Prediger, welche Diener der wahren rechtgläubigen Kirche ſein wollen, ſich an die Stelle ſolcher um der Wahr⸗ heit willen vertriebener Prediger berufen laſſen. Wie ſchwer ſich dadurch ſolche Gemeinden und Prediger verſündigen und welchen Fluch Gottes ſie ſich dadurch aufladen, iſt nicht auszuſprechen. Für diejenigen, welche ſich noch warnen laſſen, theilen wir daher einen Brief mit, welchen Luther im Jahre 1531 an Nicolaus Hausmann, dama⸗ ligen Oberpfarrer zu Zwickau in Sachſen, ge— ſchrieben hat, nachdem der Rath daſelbſt, inſon⸗ derheit der damalige Bürgermeiſter Hermann Mühlpfort und Syndicus Stephan Roth, ihren treuen und wider das ungöttliche Weſen der dor⸗ tigen Bürger ernſtlich eifernden Prediger an der St. Catharinen-Kirche, Laurentius Soranus, ohne Weiteres, ohne Beirath und Mitwiſſen des Oberpfarrers und ohne ordentliche öffentliche Ueberweiſung einer Schuld, abgeſetzt und verjagt hatten. Luthers Stimme iſt um ſo wichtiger, je bekannter es iſt, daß dieſer Mann weiter als irgend jemand davon entfernt geweſen iſt, irgend welcher Hierarchie (Prieſterherrſchaft) das Wort zu reden, daß er vielmehr bis an ſeinen Tod für die Freiheit der Gemeinden und jedes einzelnen Chriſten von allem Gewiſſenszwang und aller Menſchentyrannei auf das treulichſte gezeugt und gekämpft hat. Der betreffende Brief, dem wir im nächſten Blatte noch einige andere hierher gehö⸗ rige hinzuzufügen gedenken, lautet (in Luthers Werken, Hall. Ausgabe, Tom. X. S. 1890 ff.) folgendermaßen: „Gnade und Friede im HErrn! Wir wiſſen, lieber Herr und Freund, daß wir ſchuldig ſind, nach dem Geſetz der Liebe, daß einer für den an⸗ dern ſoll ſorgen (wie ein Glied am Leibe für das andere), und ihn vor Gefahr und Schaden war⸗ nen. Dem Geſetze nach ſorge ich auch für euch, und werde dadurch verurſachet, dieſe kurze Ver⸗ mahnung und Warnung an euch zu ſchreiben, auf daß ihr durch mein Stillſchweigen nicht der⸗ maleins in Gefahr kommet, daran ich hernach auch müßte Schuld und Theil haben. Ihr wiſſet, daß ihr der Kirchen zu N. rechter berufener, beide vom Rath und der Gemeinde angenommener Pfarrherr und Seelſorger ſeid; alſo, daß ihr an jenem Tage Rechenſchaft müſſet geben für dieſelbe euch befohlene Kirche, und ſchuldig ſeid, ſo lange ihr lebet, ſie mit reiner Lehre zu verſorgen, für ſie mit Ernſt zu beten, ſorgen, wachen, und euer Leben in allerlei Noth und Gefahr, ſo vorfallen mögen, als Peſtilenz und andere Krankheiten, wie ſie nur heißen, zu wagen und laſſen, und vorne an der Spitze zu ſtehen, wider die Pforten der Hölle, und alles, was einem frommen treuen Paſtor und Seelſorger Amts halben gebühret zu thun, leiden und aus⸗ ſiehen. Welches fürwahr alles ſchwere, große, ja göttliche Werke ſind; wie ihr denn bisher GOtt Lob! fleißig und treulich gethan habt. Weil aber jetzt euer Rath, vom böſen Geiſte getrieben, den Prediger zu S. N. verſtößet, vor keinem Richter weder verklaget noch überweiſet einiger Unthat; ſondern ſolches aus eigener Ge⸗ walt und Frevel, als raſende Leute und rechte Kirchenräuber (nicht leiblicher Güter, ſondern des Amts und Ehre des Heiligen Geiſtes) vor⸗ nehmen, und in einerlei Sache zugleich Part und Richter ſind, will ſichs in keinem Weg leiden, daß ihr darzu ſollet ſtille ſchweigen oder drein bewil— ligen, auf daß ihr euch dieſes fremden Kirchen⸗ raubes nicht theilhaftig machet, noch ſchuldig werdet der unbilligen und ſchmählichen Gewalt, an dem verſtoßenen Bruder begangen. Wäre er aber ſträflich geweſt, und hätte verſchuldet, daß Urſache wäre geweſt, ihn vom Amt abzuſetzen, ſollte ſolches mit Recht, auch mit eurem Wiſſen und Rath, als des Pfarrherrns, vorgenommen ſein. Noch ärger aber iſts, daß ſie einen andern an des Verſtoßenen Statt aufſtellen, ohne euer Er⸗ laub, ja wider euren Willen, und alſo aus glei⸗ cher eigener Gewalt und Unrecht, nun auch an euch geübt, denſelben eindringen. Hier, lieber Herr und Freund, ſeid gewarnet um Chriſti wil⸗ len, daß ihr euch wohl fürſehet (denn es fürwahr —27 —