# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S173 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) liche Vernunft gefangen gibt unter den Glauben an Gottes Wort, wie es geſchrieben ſteht, ſo muß ſie auch die Ehre haben, die größte Schmach vor der Welt zu tragen. Und ſollte ich noch etwas hinzufügen, ſo wäre es das, was in dem Tertverſe ſteht: „Siehe, ich komme bald.“ Rückt doch die Zeit heran, wo die Schmach abgethan ſein wird von der Kirche Got⸗ tes, und von ihrer Kinder Angeſicht. Denn welch eine Freude wird die ſein, wann nach langem Harren um Mitternacht die gläubi⸗ gen Bekenner Dem entgegen gehen, der da kommt um Mitternacht, ſie zu krönen mit Ehre und Freude! Siehe da, unſer Ziel ... und darnach der neue Himmel und die neue Erde; — das Erſte iſt vergangen, und ſiehe, es iſt alles neu gewor⸗ den. Amen! — —— Ein Wort an alle diejenigen Chriſten, die ſich ihres Chriſtennamens nicht ſchämen, ſondern rühmen. (Römer 10, 12 — 15.) Vom Director der evangeliſch-lutheriſchen Miſſions-Anſtalt, d. Z. zu Leipzig, K. Graul. Ich weiß nicht, lieber Leſer, ob du etwa zu je⸗ nen Unglücklichen gehöreſt, die an ihrem Glau⸗ ben Schiffbruch gelitten haben in der erſchreck⸗ lichen Freigeiſterei, welche gegen Ende des vorigen Jahrhunderts unſer liebes deutſches Vaterland von Frankreich her wie mit einer Sündfluth überſchwemmte, oder ob du einer der Glücklichen biſt, die ſich in dem allgemeinen Strudel des Un⸗ glaubens noch zeitig genug feſtgeklammert haben an dem Fels des göttlichen Wortes: daß ich's kurz mache, ich weiß nicht, was du von dem Chri⸗ ſtenthume, darinnen du geboren und erzogen biſt, hältſt, ob du dich deines Chriſtennamens ſchämeſt oder rühmeſt. Schämeſt du dich deines Chriſten⸗ namens, was Gott verhüte! ſo haben wir nichts mit einander zu ſchaffen, ſo rede ich für dich in den Wind, ſo lege das Blatt lieber gleich bei Seite, auf daß du es nicht gar am Ende unwil⸗ lig zerreißeſt und deiner Seele, die ſchon Schaden gelitten hat, noch mehr ſchadeſt. Rühmeſt du dich aber deines Chriſtennamens, was Gott gebe! nun, ſo paſſen wir ſchon zuſammen, und du thuſt wohl, die paar Worte, die ich mit dir zu reden habe, geduldig auszuhören. So höre denn und prüfe! Du weißt, als unſer HErr und Heiland von ſeinen Jüngern Abſchied nahm, ſprach er: „Ge⸗ het hin und lehret alle Völker und taufet ſie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geiſtes, und lehret ſie halten alles, was ich euch befohlen habe. (Matth. 28, 19. 20.) In dieſen Worten that er alſo ſeinen umſtehen⸗ den Jüngern Befehl, ſich mit ihrer Previgt nicht etwa auf das jüdiſche Land zu beſchränken, ſon⸗ dern in alle Welt hinzugehen (Marc. 16, 15. und das Evangelium zu allen Völkern zu tragen bis an das Ende der Erde (Apoſtel⸗ geſchichte 1, 8.). Dieſem Befehle haben denn auch die Apoſtel, nachdem der HErr von ihnen 17² genommen war, getreulich nachzukommen geſucht, wie du ja aus der Apoſtelgeſchichte von Kind auf gelernet haſt. Aber merke wohl, womit Chriſtus ſeinen Auftrag, hinzugehen und alle Völker zu lehren und zu taufen, beſchließt. Er beſchließt ihn nemlich mit der Verheißung: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Nun ſieheſt du ja klärlich, dieſe Ver⸗ heißung kann nicht blos auf die erſten Apoſtel gehen, denn von dieſen wußte der HErr ſo gui wie wir, daß ſie als ſterbliche Menſchen nicht alle Tage bis an der Welt Ende leben würden. Wenn ſich denn aber die Verheißung über die Apoſtel hinaus erſtreckt, ſo muß es auch der Auftrag, um deſſen willen dieſelbe gegeben iſt, und da nun die Verheißung offenbar auf die Jünger aller Tage bis an der Welt Ende gehet, ſo muß auch der Auftrag auf die Jünger aller Tage bis an der Welt Ende gehen. Nicht wahr? das einzuſehen, iſt kinderleicht, und es gehört gewiß viel Unver⸗ ſtand dazu, es nicht einſehen zu können, und viel böſer Wille, es nicht einſehen zu wollen. Das haben denn auch die Chriſten, die nach dem Tode der heiligen Apoſtel lebten, gar wohl begriffen, daß der HErr mit jenem an die el gerichte⸗ ten Befehle, das Evangelium zu allen Völkern zu tragen, ſie auch mitgemeinet habe, und diejenigen von ihnen, die dazu Luſt, Kraft und Beruf in ſich fühlten, haben die Miſſionsarbeit (denn die Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden nennt man Miſſion, ſo wie die dazu ausgeſand⸗ ten Prediger Miſſionare) da fortgeſetzt, wo ſie die Apoſtel, vom Tode übereilt, haben liegen laſſen. Du aber wirſt ihnen ihren Gehorſam gegen den ausdrücklichen Befehl des HErrn um ſo weniger verdenken, als du ſelbſt, ſo gut wie ich, noch im finſtern Heidenthume ſitzen würdeſt, wenn jene Männer Gottes gemeint hätten, der Befehl zur Miſſion habe ſich nur auf die Apoſtel bezogen. Denn das glaub' ich doch nicht, daß du, der du dich deines Chriſtennamens rühmeſt, es dem lie⸗ ben Miſſionar Bonifacius verargen wirſt, daß er vor mehr als tauſend Jahren von England her⸗ über zu deinen heidniſchen Vätern, den alten Deutſchen, gekommen iſt und ſie von der Finſter⸗ niß des Heidenth ums bekehrt hat zu dem wunder⸗ baren Lichte des Evangeliums. Wer auch möchte ſich nach der Lebensweiſe unſerer heidniſchen Vor⸗ fahren zurückſehnen, welche, wenn es am ordent⸗ lichſten unter ihnen herging, nur immer kriegten, jagten, und dann auf der Bärenhaut die gewon⸗ nene Beute verſchmauſ'ten, verzechten und ver⸗ würfelten, während ſie die Sorge für Haus und Acker den Weibern, Greiſen und Schwächlingen überließen, und die ihren Göttern ſelbſt Menſchen⸗ opfer zu ſchlachten nicht anſtanden: wie uns das alles die Römer, die damals mit ihnen Krieg führten, berichtet haben. Ich bin auch überzeugt, daß du dich nicht ſehr erbauen würdeſt, wenn du mit den heidniſchen Bewohnern des Heſſenlandes zur Zeit, da der theure Miſſionar Bonifacius mit der Predigt des Evangeliums zu ihnen kam, wenn du da mit ihnen, ſtatt in die liebe Kirche zu gehen und Gott anzubeten im Geiſt und in der Wahrheit, in den Wald hinausgehen und einen alten Eichbaum als den Wohnſitz deines Gottes verehren ſollteſt. Nun ſiehe, wie vor etwa tauſend Jahren deine Väter, ſo ſitzen noch jetzt, Juden und Muhame⸗ daner gar nicht mitgerechnet, noch an 500 Mil⸗ lionen Menſchen in Todesſchatten und Finſter⸗ niß des Heidenthums, wiſſen nichts von dem all⸗ mächtigen Schöpfer Himmels und der Erden, nichts von einem barmherzigen Mittler zwiſchen dem heiligen Gott und den armen ſündigen Men⸗ ſchen, haben nichts, womit ſie ihr Gewiſſen vor Gott ſtille machen, keine Kraft im Leben, keinen Troſt im Sterben. mit ihnen ſo wohl ſtünde, wie mit unſern heidni⸗ ſchen Vorfahren. Aber die meiſten ſind bei wei⸗ tem unglückſeliger daran. Höre nur, wie es z. B. unter den heidniſchen Völkern auf der Weſtküſte von Afrika hergeht: „Wenigſtens einmal im Monate“, ſo berichtet uns ein Reiſender, „findet eine ſchauerliche Opferhandlung ſtatt. Auch Kriegsgefangene werden geſchlachtet, um die Geiſter der im Kampfe gefallenen Krieger zu beſänftigen. Jeder von ihnen wird unter den Fetiſchbaum cheiliger Baum) geführt und erhält eine Flaſche Rum zu trinken; während er trinkt, ſchleicht ein Menſch, mit einer Keule bewaffnet, heran und verſetzt ihm einen ſo gewaltigen Schlag auf den Hinterkopf, daß gewöhnlich das Gehirn herausſpritzt. Der Betäubte wird hierauf in die Fetiſchhütte (heilige Hütte) geſchleppt, wo mit der Art ſein Kopf vom Rumpfe getrennt und das hervorſtrömende Blut in einer Kürbisflaſche aufgefangen wird. Wäh⸗ rend dies geſchieht, ſind andere mit Meſſern be⸗ müht, das Herz aus der zerfleiſchten Bruſt zu— reißen. Noch warm und im Blute zuckend wird dasſelbe zuerſt dem Könige, dann deſſen Weibern und den Generalen dargeboten. Nachdem ſie der Reihe nach hineingebiſſen und von dem dampfen⸗ den Blute in der Kürbisflaſche getrunken haben, wird das Herz den Umſtehenden preisgegeben. Zuletzt wird es auf eine Lanze geſpießt und nebſt der Kürbisflaſche voll Blut und dem enthaupte⸗ ten Körper in feierlichem Aufzuge durch die Stadt getragen, begleitet von unzähligen Speermännern und dichten Volkshaufen. Jeder, wer irgend Luſt hat, darf in das Herz beißen und von dem Blute trinken, während das Volk dazu tanzt und ſingt. Was endlich von dem Herzen übrig bleibt, wird den Hunden hingeworfen und der Leichnam in Stücken an den Fetiſchbaum gehängt, wo er bleibt, bis alles von den Raubvögeln verzehrt iſt. Einmal im Jahre begehen ſie unter ihrem heili⸗ gen Fetiſchbaume, der wenige Meilen von der Stadt in einem Walde ſteht, ein Hauptopfer. Die Leiber aller Geſchlachteten, welche man dann dem böſen Geiſte darbringt, werden geviertheilt und an die gewaltigen Aeſte des Baumes ge⸗ hängt; die Schädel bleiben am Fuße des Stam⸗ mes liegen und bleichen in der Sonne. Einmal durch Zufall hatte ich Gelegenheit, dieſen vielbe⸗ ſprochenen Baum einen oder zwei Tage nach dem jährlichen Opfer zu ſehen. Bedeckt, im buchſtäb⸗ lichen Sinne, waren ſeine Rieſenzweige mit den Ja, und wenn es nur noch