# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 07 20_S171 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſeinem Anhang zum Trotz, iſt und bleibt es wahr, immer und ewiglich: denn es iſt nach dem reinen Goittesworte! Darum ſchämen wir uns auch dieſes Beinamens, der Deutlichleit wegen, nicht. Wir wiſſen, daß wenn Paulus ſagt, man ſolle nicht pauliſch oder petriniſch ſein, er die fleiſchliche Anhänglichkeit an die Perſonen, an Paulus, Kephas und Apollo, ſtrafte; aber keinesweges damit ſagen wollte, daß dieſe Corinther nicht der Lehre Pauli anhangen ſollten; ſagt er nicht (Gal. 1.): „Verflucht iſt, wer ein anderes Evan⸗ gelium, denn ich, prediget“? Wir nun hangen nicht fleiſchlich der Perſon Luthers an, ſondern ſeiner Lehre in Katechismus und Confeſſion; denn dieſe Lehre iſt nichts Anderes als die Lehre Pauli und der andern Apoſtel, als die Lehre der wahren allgemeinen Kirche Gottes, nach dem klaren Bi⸗ belworte. Gottes Wort und Luthers Lehr' (nach Gottes Wort!) Vergehen nun und nimmermehr! In Frankreich, meine Geliebten, heißt vor dem Staate die evangeliſch-lutheriſche Kirche auch Kirche Augsburgiſcher Confeſſion; denn das Augsburgiſche Bekenntniß iſt der Augapfel unſrer Kirche. O ein reines Auge, das im Himmelslichte webet, das nichts Unreines leiden kann, ſondern thränet, bis dieſes wieder ausge⸗ ſchieden iſt. Und dies Auge möchte man der armen Kirche ausſtechen? Wie, es ſollte Chriſten geben, welche ein Auge hergäben, wenn nur die evangeliſch-lutheriſche Kirche keines mehr hätte? Dürfte eine Behörde dazu die Hand und das Werkzeug leihen, jenes Confeſſions-Auge aus⸗ zuſtoßen? O Kirche des Wortes, willſt du nicht erliegen in der ſchrecklichen Verſuchungsſtunde, welche über den ganzen Erdkreis kommt, ſo halte, was du haſt, halte dein reines wortgemäßes Be⸗ kenntniß und die reine Bekenntniß-Lehre. Das Augsburgiſche Bekenntniß iſt nichts anders, als die dem Worte Gottes gemäßeſte Lehre; im erſten Artikel (vom dreieinigen Gott) führt es zur wah⸗ ren Erkenntniß Gottes; im zweiten Artikel (von der Erbſünde) führt es zur rechten Erkennt⸗ niß des Menſchen; im dritten Artikel (vom Sohne Gottes) redet der Mund der Väter von dem, auch von Engeln nicht begriffenen, aber im Glauben zur Seligkeit von Menſchen ergrif⸗ fenen Geheimniß der Gottheit des Menſchen⸗ ſohnes; im vierten Artikel führt es mit der Lehre von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott allein durch den Glauben an IEſum Chriſtum in das Meer der Barmherzigkeit Gottes. Da fließen gleichſam alle andern Artikel des Bekennt⸗ niſſes zuſammen. Siehe, ruft es, hie iſt Gott, der gerecht macht, hie iſt die Heilung von der Sünde, hie iſt der Weg, auf welchem das Ver⸗ dienſt und die Kraft IEſu uns zugeeignet wird. Und alſo tönt das treue Bekenntnißwort durch alle 21 Artikel. Du ſiehſt, daß deine Kirche nicht nur evangeliſch heißt, ſondern auch wahrhaft evangeliſch iſt; ſie iſt der alte Grundſtamm aller übrigen. Theure Gemeinden dieſer Kirche, hal⸗ tet, haltet, was ihr habt — haltet es feſt, — die Stunde der Verführung iſt da. 170 Würde aber Jemand höhniſch auf ſolche wei⸗ ſen, welche äußerlich der evangeliſch-lutheriſchen Kirche angehören, aber das Wort von Buße und vom Glauben, das Wort von der Geduld Got⸗ tes, doch nicht im gläubigen Herzen und Leben „haben“; — auf ſolche, welche die freie Gnade in Unbußfertigkeit und Muthwillen hinnehmen; — die alſo thäten, wären unbillige Gegner. Der Maulchriſten iſt in allen Secten die größere Zahl; der HErr aber kennt die Seinen, und es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer nach IEſu Namen ſich nennet. Solche Gegner mögen wiſ⸗ ſen, daß nicht nur, als an einer äußeren Cocarde am Staatshute der Kirche, ſondern auch als an einer für geiſtlich arme und gläubige Herzen auf⸗ geſchloſſenen Roſe, die Kirche feſt halte an dem Worte und Glaubensbekenntniſſe, durch das ſie bewahret wird, weil ſie glaubet. Die Gläubigen ſtärkt der Lebensbalſam des Evange⸗ liums in Predigt und Sacrament. Aber weißt du denn, ob nicht auch noch ein Glaubensfunke in jenen Scheintodten vorhanden? Iſt nicht auch der Funke noch ein Kind des Feuers? Auch die Dahinſterbenden, auch die tief in die Ver⸗ ſuchung des Abfalls Gerathenden, gehören noch der Pflege der Kirche Gottes an. Wo dieſe das Wort von der Geduld Gottes aufpflanzt, da pflanzt ſie auch die Hoffnung, daß dieſes Wort nicht leer zurücke kommen * Sie behalte denn das reine Wort in Bekenniniß und Lehre, ſie behalte ihre um dieſelben verſammelten Kinder. „Halten“ heißt aber nicht für ſich allein beſitzen; halte, was du haſt, daß auch Andern du ſtets mittheilen könneſt. Die evangeliſch- lutheriſche Kirche ſoll II. „halten“ ihren Miſſionsberuf. Die evangeliſch-lutheriſche Kirche hat, als die Kirche des reinen Wortes und Sacraments, die heilige Miſſion, eben davon zu zeugen, ihr Licht leuchten, ihr Salz wirken zu laſſen. Ihr Miſ⸗ ſionsberuf iſt nicht von Menſchen, ſondern vom HErrn. Sie kennt keine Zweideutigkeit im Be— kenntniß, darum auch keine Zweideutigkeit in der Miſſion. Nicht zu Nebenſachen, ſondern zu Hauptſtücken, zählt ſie die Sacramente, und insbeſondere den Genuß des Leibes und Blutes Chriſti im Abendmahl. Sie ſchneidet den Lebens⸗ baum des Bekenntniſſes nicht zurück wie einen Zwergbaum, damit er 2 la hauteur der Rotten und Secten ſeie und dieſe nicht mehr von ſeinen Zweigen geſtrichen werden. Sie dringe nicht auf falſche, ſondern auf tief innere Einigkeit in Gottes Wort, wie es geſchrie⸗ ben ſteht: ſie rufe nicht „Friede“, wo doch kein wahrer Friede iſt. Sie laſſe dem Sünder keine Ruhe, auch nicht auf der Werkbank chriſtlicher Thätigkeit, als bis er den Frieden gefunden, von dem (Röm. 5, 1.) der erſte Heidenmiſſionar ge⸗ zeuget hat. Sie auch weiß nichts als das Wort von JEſu dem Gekreuzigten, aber das ganze volle Wort von Ihm in Predigt und Sacrament, — nicht das verſtümmelte, halbirte. Wie Johan⸗ nes der Täufer, deute ſie auf den Mann der Schmerzen. Sanfter als Himmelsathem, rufe — — ſie, auf ihre Bußpredigt: „Wendet euch zu Ihm, aller Welt Ende, ſo werdet ihr ſelig“ (Jeſ. 45, 22—25.). In den Wäldern des neuen Landes, am Meeresufer der Inſeln werde das Rauſchen der Wälder und Wogen übertönt durch ihr gro⸗ ßes Wort: „Es iſt vollbracht.“ In der Taufe und im Sacrament des Leibes und Blutes Chriſti rufe ſie die Kleinen und Großen mit jenen Teſta⸗ ments⸗Worten an: „Für euch geſtorben, für euch gegeben, für euch vergoſſen.“ An Sterbebetten, ſo tief und immer tiefer in die Todesthäler die Seelen ziehen, — um ſo tiefer auch rufe ihr Miſ⸗ ſionsmund das Wort vom Aufwachen aus dem Sündenſchlafe, vom Entfliehen vor dem Zorne Gottes, aber auch das Wort vom Gnaden- und Friedensbund, verſiegelt denen, die da glauben. Die evangeliſch⸗lutheriſche Kirche hebe ihre Hände gen Himmel, und „hört es, ihr Himmel!“ töne es von ihren Lippen, und „du Erde, nimm es zu Herzen: Gott hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“. O theure Kirche, halte in Ehren deinen Miſ⸗ ſionsberuf! Hebe deine läſſigen Hände und deine müden Kniee.“ Oder ſoll es keine evangeliſch-⸗lutheriſche Miſ⸗ ſion geben? Sollten ihre Glieder nur eine Hand und einen Beutel, nicht aber auch „Füße derer haben, welche den Frieden verkündigen“, dazu auch einen Mund voll Lob und Lehren? Wo⸗ von ſie erfüllt iſt, ſollte ihr Mund nicht über⸗ fließen?“) Ohne Miſſion ſollte ſie ſein, wäh⸗ rend alle Kirchen und Gemeinſchaften ſich auszu⸗ breiten ſuchen; ſie allein ſollte nicht wachſen dürfen, — ſie ihr Gezelt allein nicht ausbreiten und die Nationen einladen, Theil zu nehmen an den reichſten Gütern, welche ihr zugefloſſen? Verlangt man das? „Wäre das Liebe, ſich ein⸗ mauern, den Sargdeckel über der evangeliſchl⸗ lutheriſchen Kirche zuſchlagen zu laſſen und Schweiggeld zu geben oder zu nehmen? Die Begräbnißfeierlichkeiten würden nichts nützen; am dritten Tage würde ſie wieder auferſtehen. Mit ihrer Bibel, mit ihrem Katechismus, mit ihrer Confeſſion, mit ihren Tauſenden von hei⸗ ligen Liedern, mit ihren Gebet- und Commu⸗ nion ⸗Büchern, würde ſie ſiegesmuthig über Berge und Ebenen der Chriſtenheit wandern; mit freudigem Aufthun des Mundes würde ſie nur deſto lauter wieder reden und ſingen, wie ſich's gebühret, und auch in franzöſiſcher Zunge wird ſie es thun lernen. Halte, was du haſt! Halte, o theure Kirche, deine Miſſion unter den Völkern und Kirchen. Daß du Miſſionsberuf haſt, beweiſet die Wolle von Zeugen alter und neuer Zeit. Auch manche ihrer Sendboten, welche im Namen und auf Rechnung der reformirten Kirchen haben aus⸗ gehen müſſen, während ſie doch, wie jener Rhenius, Evangeliſch-lutheriſche Miſſion anbahnen, ſollte dies verdächtigt werden? Sich ſelbſt nicht aufgeben, ſondern pflegen, heißt dies andere tödten? Es iſt noch Raum da . . . und wer evangeliſch-lutheriſch nach dem Bekennt⸗ niß, iſt es auch in der Miſſion. Seelen, welche die evan⸗ geliſch -lutheriſche Kirche lieben, freuen ſich bald der evan⸗ geliſch -lutheriſchen Miſſion.