Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 198

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 198

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gott 2 · Katechismus 3 · Obrigkeit 18

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Ich gebe daher, was ich aus andern glaubwür⸗
digen Nachrichten habe. Ihre Gemeindever⸗
faſſung ſchien ſo ziemlich die unſere geweſen zu
ſein. Aus der Gemeinde wählten ſie eine An⸗
zahl der frömmſten und erfahrendſten Männer
zu Vorſtehern, mit welchen der Paſtor die Ge⸗
meinde regierte. Ueber ihren Wandel herrſcht
nur Eine Stimme. So rühmt unter andern
der bekannte Mitbegründer der Methodiſtenge⸗
meinſchaft, George Whitefield, der ſie
beſuchte, wie arbeitſam ſie ſeien, welche innige
brüderliche Liebe ſie untereinander verbände,
welche heilſamen kirchlichen Einrichtungen unter
ihnen beſtünden, wie ſie alle vorkommen den
Mishelligkeiten durch den Prediger und ſeine
Vorſteher unter ſich ſelbſt ausglichen, und wie
ſich namentlich der Paſtor Boltzius mit bewun⸗
derungswürdigem Eifer der Erziehung der
Jugend annähme. Ein Beweis, wie ſehr ſie
durch ihren lauteren Chriſtenwandel auch bei
den Gliedern anderer Confeſſionen in Achtung
ſtanden, iſt der Eifer, mit welchem ihnen der ge⸗
nannte Whitefield zur Errichtung eines Waiſen⸗
hauſes in Ebenezer verhalf, mit welchem dann
ſpäter eine Erziehungsanſtalt und eine Pflanz⸗
ſchule für Prediger verbunden werden ſollte.
Nachdem dieſer durch eigenhändige und mit viel⸗
facher Aufopferung veranſtaltete Sammlungen
in England und Amerika endlich eine namhafte
Summe beiſammen hatte, kaufte er zu dieſem
Zwecke 500 Acres unbebautes Land und legte
1740 ſelbſt den Grundſtein, wobei er dem Hauſe
den Namen „Bethesda“ gab. Dieſe nach
und nach ſo mühſam erweiterte Anſtalt hat je⸗
doch zum Theil ſehr traurige Schickſale gehabt.
Schon 2 Jahre nach ſeiner Einweihung war es

in Gefahr, ſammt der ganzen Provinz in die

Hände der feinoſeligen Spanier zu fallen und
im Amerikaniſchen Befreiungskriege wurde ſie
größtentheils zerſtört.

Doch es fehlte den neuen Anſiedlern auch
nicht an Haß und mancherlei Verfolgung, deren
gänzliches Ausbleiben uns wegen ihrer Be⸗
kenntnistreue oder ihres Wandels ja mit Be⸗
denken erfüllen müßte. Unter anderem verdien⸗
ten ſie ſich bei manchen Anſiedlern gar ſchlechten
Dank damit, daß ſie, um keinerlei Verſuchung
zum Trunke zu haben, von vornherein ſtandhaft
jegliche Einfuhr des Branntweins an ihren
Orien verweigerten, ungeachtet die guten Folgen
ihrer Standhaftigkeit mit Händen zu greifen
waren, ungeachtet nach dem Berichte eines Gliedes
des obenerwähnten königl. Dirrctoriums, an den⸗
jenigen Gegenden in Georgien, in welchen die
Einfuhr des Branntweine erlaubt war, weit
wenige Geſundheit und körperliche Kraft im
Allgemeinen zu finden war. Noch mehr Haß
zogen ſie ſich dadurch zu, daß ſie ſich ſiandhaft
und eifrig der wider den urſprünglichen Willen
„Oaleiberes ſpäter und allmählig begonnenen

brung der Sclaverei in Georgien wider⸗
an —. d durch die That bewieſen, daß auch
ſezten u. naen Himmelsſtrichen die Europäer

unter iSebanuns des Landes ohne Neger zu⸗
mit der Be Si proteſtirten am

recht kommen könnten.
längſten dagegen und ſelbſt ann ließen ſich noch

nicht alle beruhigen, als man ihnen die Verſich ·
erung gab, daß die Negerſelaven als Chriſten
erzogen und behandelt werden ſollten. Erſt als
ihnen ein begehrtes Gutachten von Deutſchland
aus erklärte: „Wenn ihr Sclaven nehmet im
Glauben und in der Abſicht, ſie zu Ehriſto zu
führen, ſo wird dieſe Handlung keine Sünde
ſein, ſondern ſie mag euch Segen bringen“ —
hörten die bisher noch mit Gewiſſensbedenken
Erfüllten auf, gegen den Strom zu ſchwim⸗
men.

Dieſe erſte ſalzburgiſche Anfiedlung in Geor⸗
gien erhielt jedoch in den nachfolgenden Jahren
einen Zuwachs um den andern von ihren

Glaubens⸗ und Leidensgenoſſen, derzenigen

Lutheraner aus andern deutſchen Gegenden nicht
zu gedenken, welche ſich hernach gleichfalls unter
ihnen niederließen. Unter der Anführung des
Freiherrn von Reck, der zu ihnen gehör⸗
te, ſich um ihre Anſiedlung große Verdienſte er⸗
warb und ihre Einrichtungen in Urlſpergers
„Reiſediarium“ näher beſchrieben hat, kamen in
den Jahren 1735, 1736 und 1741 noch drei
andere Züge Salzburger in Georgien an. Von
den Erſteren iſt einmal in Nro. 14. p. 55 des
3. Jahrgangs dieſer Zeitſchrift ein ſchöner Zug
mitgetheilt worden, worüber der Leſer nachſchla⸗
gen wolle. Von den Letzteren aber ſei hier noch
erwähnt, daß ihrer 50 durch Stuttgard zo⸗
gen, wo ihnen in einer ungemein volkreichen
Verſammlung von dem durch ſeine Erbauungs⸗
ſchriften bekannten M. Conrad Rieger eine
Abſchiedspredigt gehalten wurde. Es war ge⸗
rade der dritte Sonntag nach Trinitatis. Auf
Grund des ſchönen Evangeliums vom verlornen
Schaf und Groſchen ſuchte derſelbe „in einer
gemeinen, vertraulichen Unterredung“ ſeinen
Zuhörern allen, „doch inſonderheit auch dieſen
dahingehenden Pilgrimen etwas zum ge⸗
ſegneten Andenken mitzugeben u.
zu hinterlaſſen“ 1. von Jeſu u. 2. von
der Zuhörer Seelen. Und nachdem er dies in
ſeiner originellen, zu Herzen dringenden Weiſe
gethan hatte, ſo wandte er ſich zum Schluſſe noch
einmal an die anweſenden Salzburger inſonder⸗
heit und ſprach: „Nehmet mit nach Georgien,
was ich euch von euerer Seele mitgegeben ha⸗
be. Der HErr Jeſus iſt euer rechter Commiſ⸗
ſarius, der empfängt euch in ſeine Aufſicht,
Hut, Pflege und Rechnung. Er ſagt: alle
Seelen ſind mein, Ezech. 18, 4. Ihr,
ſeid ihm alle gleich lieb, Er will euch alle wohl⸗
bewahren zur Seligkeit. Ach! bewahret denn
auch ihr mit ſchuldiger Treue und Sorgfalt die⸗
ſes unſchätzbare Kleinod! Was hülfe es euch,
wenn euer Leib geſund nach Ebenezer kä⸗
me und euere Seelen nähmen Schaden?
Was hülfe es euch, wenn ihr ein bischen Gut
hineinbrächtet und verlöret eure Seelen? Nichts!
Ihr macht dir halbe Zahl aus derer die im
Evangelio gezählt worden. Ihr werdet auf
fünfzig Köpfe gerechnet. Ach! der HErr
laſſe euch doch alle gutartige Schaflein ſein:
aber bewahret euch auch, daß nicht tin einziges
von eurer Zahl verloren werde! O ſchönes
Häuflein, wenn fünfzig wahrhaftig bekehrte

allgemeinen

Leute zu jener größeren Heerde ſtießen! Ach

bringet doch nichts von den Sünden u. Unarten

über das Meer in die neue Welt! Reiniget
euch unterwegs recht aus, und waſchet euch als

Lämmlein, die erſt aus der Schwemme kom⸗
Kein räudiges müſſe unter euch ſein und

men.
die dortigen Guten anſtecken: wohl aber müſſ e,
man an euch viel Erbauliches zur Ehre Jeſu
Chriſti und ſeiner Kirche wahrnehmen. Wan⸗
delt alſo würdiglich dem Evangelio unſeres
HErrn Jeſu Chriſti und wiſſet, daß ihr Leutt
ſeid, auf welche viel tauſend Augen gerichiet
ſind. Eure Untreue, Kaltſinnigkeit, Heuchelei
würde ein größeres Aergernis geben, als von

andern; es würde doppelt ſchändlich ſein, wenn

ihr unſere gute Hoffnung betröget und unſere
jetzigen Segenswünſche in Seufzer verwandel⸗
tet.
gen zwei Lehrer befohlen ſein. Sie ſind
Hirten nach dem Herzen Jeſu und weiden die
Heerde, die ihnen befohlen iſt, mit aller Treue
und Liebe. Erkennet ſie in dem HErrn; habet
Herz und gut Vertrauen zu ihnen, folget ihrer
Stimme und erfreuet ſie mit eurem Gehorſam
unter ihrem beſchwerlichen Amt. Endlich betei
für uns, wir wollen für euch beten. Und ſo
befehle ich euch Gott und dem Worte ſeiner
Gnade, der da mächtig iſt, euch zu ſtärten. und
zu geben das Erbe mit allen denen, die gehei⸗
liget werden durch den Namen des HErrn Je-
ſu!“—

Damit will ich denn auch dieſe Erzählung
beſchließen. Fragſt du aber l. Leſer nach den
Nachkommen dieſer wackeren Kämpfer für das
Kleinod der reinen Lehre, deren Geſchichte du
gewiß nicht ohne Beſchämung und Ermunterung
geleſen haſt: ſo magſt du wohl ihrer Nachkom⸗
men nach dem Fleiſch in der alten und neuen
Welt noch genug finden, vergeblich aber wirſt

du bei Vielen derſelben noch der Väter Lehre,

Geiſt, Glauben, Treue und Gottesfurcht ſu⸗
chen. Ach, die reine Lehre und deren herrliche
Frucht kann wehl als ein Erbe auf die Kinder
übergehen; ſie läßt ſich aber nicht wie Haus
und Hof in einem Teſtament vermachen, ſondern

es gehören Nachkommen dazu, die bei dem Ab

ſchied ihrer gläubigen Eltern mit Eliſa bitten
und flehen können, daß ihr Geiſt zwiefältig bei

ihnen ſei (2 Kön. 29,). Weir nun das je länger,
je mehr die Nachkommen unſerer Salzbur⸗
vergaßen- wie das leider gewöhnlichſo geht- ſo

verloren ſie das Erbe der Väterund wurden drü⸗
ben ein Theil von der falſchen Union und hier
ein Theil von den Secten oder einem falſchen
Lutherthum verſchlungen.
Wink das für uns und unſre Kinder, welche
Gott aus unverdienter Gnade und Barmher⸗
zigkeit gewürdigt hat, an ſeiner rechtgläubigen
Kirche in der neuen Welt fortzubauen, zu der

einſt hauptſächlich jene Salzburger in Georgien ö
Möge darum derf
Gedanke an dieſe ihre Nachkommen, uns aber⸗3

den Grund legen durften.

mals an unſre beiden Predigerfeminare erin.
nern, auf daß wir uns das Beſtehen, Gedeihen
und Zunehmen derſelben doch einmal zu einer
Herzensſache machen; denn

Laſſet euch abſonderlich auch eure dortt⸗

Ein warnender 3

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