Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 188

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 188

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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nun haben wir eine dreifache Erwiederung zu
thun:

Fürs Erſte nämlich können wir nicht einräu⸗
men, daß Hr. P. Grabau „in der Ordnung Chri⸗
ſti'ꝰ' banne; denn er ſpricht es als einen ſeine Pra⸗
ris leitenden Grundſatz unverholen aus, daß die
Gemeinde dem Diener der Kirche in allen Din⸗
gen Gehorſam ſchuldig ſei, die nicht wider Got⸗
tes Wort anlaufen (ſ. d. Hirtenbrief des P.
Grabau ꝛc S. 14 u. 55); ferner: die Laien
ſeien in den Spnoden nur als „Zuhörer“ und
„Fragen thuende und ſich löſen laſſende Zeu⸗
gen“ zuzuziehen, nicht aber als ſolche, die dabei
über die Lehre mit „urtheilen“ dürfen (ſ. P.
Grabaus 2. Synodalbrief S. 141. 142. und
Hirtenbrief S.18. 19.); endlich: die Gemeinde
habe bei dem Bannenicht erſt zu „erklären,“
daß ein Sünder des Bannes würdig ſei und
hierin nichts zu „richten“ oder nach Gottes Wort
„zu entſcheiden“ (2. Syn. Brief S. 16 u. 28.)

Dieſe antievangeliſche Satzung aber — denn
ein evangeliſcher Grundſatz iſt ſie nicht zu nen⸗
nen — müſſen wir entſchieden verwerfen; denn
da Chriſtus das letzte und höchſte Gericht der
Gemeinde d. i. der Verſammlung von Lehrern
u. Hörern gegeben hat, ſo dürfen letztere — ſei es
als Verſammlung der einzelnen erwachſenen,
urtheilsfähigen Gemeindeglieder, oder als ſolche
Repräſentanten, denen dieſelben ihre Gewalt für
die Ausübung übertragen haben, — unmöglich
zu blos ſtummen Zeugen oder gar zu ſolchen
Hoͤrern herabgeſetzt werden, denen das vom Pa⸗
ſtor gefällte Bann⸗Urtheil nur zu gehöriger
Nachachtung mitgetheilt würde; vielmehr hat
ein jedes einzelne der oberwähnten Gemeinde⸗
glieder das Recht und die Macht, ſobald ein
Fall der Kirchenzucht nach Chriſti Ord-
nung vor die Gemeinde gelangt, in der
Verſammlung derſelben, nachdem es über
den ganzen Hergang und Thatbeſtand gehörig
ins Klare geſetzt iſt, nach Gottes Wort mit zu
entſcheiden und zu richten, daß der vergeblich Ge⸗
ſtrafte und Ermahnte des Bannes würdig ſei,
den dann allerdings der Paſtor allein zu vollzie⸗
hen hat. Wo alſo grundſätzlich der Hörerſchaft
oder doch ihren Repräſentanten dieſe ihre in

Gottes Wort gegründeten Gerechtſame durch

ein ungebührliches Uebergreifen des Predigt⸗Am⸗
les abgeſprochen und geraubt wird, da kann man
nicht ſagen, daß der Bann „in der Ordnung
Chriſti“ gehandelt werde, ſondern muß vielmehr
behaupten, daß er wider die Ordnung Chriſti
geſchehe. Den genaueren Nachweis davon aus
den ſymboliſchen Büchern zu führen, achten
wir als überflüſſig, da wir uns ja meiſt gegen
lutheriſche Prediger zu verantworten ha⸗
ben, die, als ſolche, jagehalten ſind, dieſelben auch
in ihrem Zuſammenhange zu erkennen und als
beweiskräftig anzuerknnnen; und es wäre in der
That nichts weniger, als lutheriſche Praxis, mit
Beiſeitſetzung der Spmbole u wider den bereits
gewonnenen Zuſammenhang der evangeliſchen
Lehre, wieder von vorne anzufangen aus der
Schrift zu beweiſen, oder gar unter der Herr⸗
ſchaft beſonderer Lieblingsgedanken auf gut par⸗
beigängeriſch dieſe und jene exegetiſche Kreuz⸗

und Querzüge durch die Schrift zu unterneh⸗
men.

Es iſt deshalb feſt und gewiß, daß es für je⸗
des Glied einer Ortsgemeinde ſein gutes evan⸗
geliſches Recht und Pflicht zugleich iſt, mitzuur⸗
theilen, ob ein andres Glied der Gemeinde noch
ferner in dem Verband bleiben könne, da zu dem
darin doch jeder Einzelne auf das Nächſte bethei⸗
ligt iſt; und es darf von Rechts wegen kein
Zweifel und Anſtoß in dem Verſtande und Ge⸗
wiſſen irgend eines Gliedes ſein, ob der Schul⸗
dige rechtmäßig d. i. nach Gottes Wort und
Ordnung ferner auch ihm nicht mehr als ein
Bruder, ſondern als ein Heide und Zöllner zu
achten d. i. durch gemeinſamen Spruch, darin
Alle als durch einen Mund urtheilen, aus ver
Gemeinde zu thun ſei. Natürlich muß der Fall
ſachlich durchaus klar und offenbar, auch der
Beſtrafte in ſeinem eignen Verſtande und Gewiſ⸗
ſen ſeiner Schuld überwieſen ſein, alſo daß in
der Weigerung der Buße ſein böſer Wille und
der Hochmuth ſeines Herzens Allen offenbar wird;
denn in ſich unklare, verworrene und zweifelhaf⸗
te Fälle können ja nicht den Bann nach ſich zie⸗
hen. Sollte es ſich aber zutragen, daß in jenen
Fällen, darin der Schuldige als ein offenbarer
und halsſtarriger Sünder erfunden wird, dieſe
und jene Glieder wider beſſere Erkenntniß aus
fleiſchlicher Partheihalterei zu ihm ſtehen, um den
rechtmäßigen Bann zu hindern, ſo müßte gegen
dieſe mit Kirchenzucht eingeſchritten und ſo ſie
nicht Buße thäten, ſie endlich aus der Gemeinde
gethan werden.

Jenes unordentliche Bannen des Orn. P.
Grabau aber iſt um ſo gefährlicher und verderb⸗
licher, wenn man es im Zuſammenhange mit
ſeineroben erwähnten Behauptung anſchaut, daß
die „Kirchkinder“ ihren „geiſtlichen Vätern“ nach
dem 3. und 4. Gebot auch in ſolchen Stücken
Gehorſam ſchuldig ſeien, die zwar nicht Lehre
des göttlichen Worts, aber doch auch nichts wi⸗
der die h. Schrift enthielten, wofür P. Grabau
gewöhnlich Hebr. 13, 17. anzuziehen pflegt, im
Widerſpruch mit dem rechtgläubigen Verſtand die⸗
ſer Stelle,wie ihn Apol. Art. XIV s. f. darlegt.
Denn dieſe Behauptung iſt durchaus unſtatt⸗
haft und wider die evangeliſche Lehre von der
chriſtlichen Freiheit in Mttteldingen, deren An⸗
ordnung weder dem Pfarrer für ſich noch der Hö⸗
rerſchaft allein zuſteht, ſondern Beiden im gemein⸗
ſamen Zuſammenwirken, wie es eben zum Frie⸗
den und Wohlſtand der Gemeinde dienen möge.

Es erhellt aber überdies klärlich, welche ver⸗
derbliche Folgen die praktiſche Anwendung jener
Satzung nach ſich ziehen muß; denn angenom⸗
men, daß der Paſtor mit der confeſſionellen Ent⸗
ſchiedenheit nicht genugſame Demuth und Weis⸗
heit, evangeliſche Milde und Lindigkeit, Geduld
und Langmuth verbindet, —daß er vielleicht,
nach ſeinem Naturell zornmüthig und eigenſin⸗
nig und harmäckig iſt, — wir wollen der
halb und halb bewußten Herrſchſucht ganz ge⸗
ſchweigen — wieviel Unrath und Herzeleid muß
dann nothwendig aus jener Behauptung erfol⸗
gen zur nicht geringen Beſchädigung ſeiner eige⸗
nen und Anderer Seelen!

Wieviel unnͤtze Gewiſſensneth, ja welche ver⸗
derbliche Gewiſſensſtricke werden da leichtlich die⸗
ſen und jenen Gemeindegliedern um den Hals
gelegt, die ſich erkühnen, in dieſen und jenen
Mitteldingen, als z. B. in Cärimonien, die nicht
gerade unmittelbarer Ausdruck des Bekenntmiſ⸗
ſes ſind, oder in Sachen von Kirchen -unt
Schulbau und dergleichen eine andre Meinung
als ihr Pfarrer zu haben, oder die ſogar im Stan⸗

de wären, den Nachweis zu führen, daß ſeint

Rathſchläge z. B. in Dingen, die das äußerliche
Kirchenweſen betreffen, den Verhältniſſen der
Gemeinde nicht angemeſſen ſeien und die dagegen,
wiewohl in aller Ehrerbietung und Beſcheiden⸗
heit, andre und beſſere Vorſchläge zu machen ver⸗
mögen! —

Wie iſt es hier — bei jener falſchen Satzung
von der Verbindlichkeit der Pfarrkinder zum Ge⸗
horſam gegen ihren Pfarrer, auch in Mitteldin⸗
gen, zumal bei oberwähnten temperamentlichen
Unarten, die eine glückliche praktiſche Inconſequenz
kaum zulaſſen-wie iſt es hier anders möglich, als
daß ſchon jene beſcheidenen Einwürfe, Zweifel u.
Bedenken über die Angemeſſenheit oder prakti⸗
ſche Ausführbarkeit der Rathſchläge des Pfar⸗
rers alsbald zur Sünde des Ungehorſams wider
das J. Gebot gemacht werden, die denn leicht—

lich den Bann nach ſich ziehen, wenn der oder
die angeblich Schuldigen ſich weigern — wie ſi

ja doch nicht anders können — wider ihre beſſe⸗
re Erkenntniß und Gewiſſen, ihre abweichenden
Meinungen und Vorſchläge und dergleichen als
Sünde des Ungehorſams zu er- und zu bekennen
und Abbitte zu thun gegen den Pfarrer, der e⸗
ben in Folge ſeiner falſchen unevangeliſchen Leh⸗
re von der Gewalt des Predigtamtes und (im
beſten Falle) mit irrendem Gewiſſen ſolche Bußt
und Abbitte begehret! —

Wäre das nun ein Bann „in“ oder nicht
vielmehr wider die Ordnung Chriſti, wenn er
auch die äußere legale Form hätte? Ja würde

nicht vielmehr der Pfarrer, wenn er nicht aus

Mangel an Erkenniniß und alſo aus irrenden
Gewiſſen ſolchen Bann erecutirte, ſich ſelber recht
eigentlich vor Gott in den Vanu thun, der Ge⸗
bannte aber, falls er ſonſt gläubig wäre, troß
ſolches Sch.. 8, wie ihn Luther nennt, doch
gewißlich in der eigentlichen Kirche Chriſti d. i
in der Gemeinde der Gläubigen bleiben, obwohl
er durch ſolche ſchändliche Gewaltthat von der
Ortsgemeinde abgeſondert iſt?

Daß aber Bannfälle der oben erwähnten An
in Folge der falſchen Lehre von der Gewalt des
Predigtamtes und im ausdrücklichen Widerſpruc
mit Apol. Art. XIV „Item, es ſtreckt ſich auch di
Jurisdictio nicht auf Sünde wider ihre neuen G⸗
ſetze, ſondern allein auf ſolche Sünde, die widn
Gottes Gebot ſind; denn das Evangelium ric⸗
tet ihnen (den Biſchöfen) nicht ein Regiment u
außer dem Evangelium, das iſt ja klar und ge⸗
wiß.“ im Buffaloer resp. Grabauiſchen Kit—
chenregiment nicht wenige vorgekommen ſind, iE
außer allen Zweifel, da wir mehrere Belege in.
unſerm „Lutheraner“ haben drucken laſſen, ohne
daß Hr. P. Grabau eine eingehende und nur it⸗
gend befriedigende Widerlegung geliefert hänn

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