Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 194

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 194

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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gegrundeten hierarchiſchen Praris, entweder ſchon
in einem ungerechten Bann lagen, oder doch deſ⸗
ſen gewärtig ſein mußten, und nun Hülfe, Troſt
und Verſorgung bei uns ſuchten, da ſie bei den
Kirchengerichten ihrer Synode kein Gehör fan⸗
den, die uns ſelber ſchon in Druckſchriften, alſo
oͤffentlich, wie oben nachgewieſen, in den Bann
gethan, Ketzer geſcholten und weder ſchriftlich
noch mündlich mit uns verhandeln wollte. Des⸗
halb hoffen wir denn auch, daß die l. Brüder,
nach obiger geſchichtlicher Orientirung es jetzt
einſehen werden, wie ſie zu vorſchnell geurtheilt,
als ſei durch unſere Handlungsweiſe gegen Hrn.

P. Grabau ein Bann unter uns, indem ſie uns

ſofort, ohne doch uns zuvor gehört zu haben, als
dem Achan [Joſua 7.] ähnlich anſchauen, was
wir mit kirchlich⸗lutheriſcher Vorſichtigkeit und
Gerechtigkeit nicht recht zuſammenzureimen ver⸗
mögen und deſſen wir auch von andern Brudern,
als z. B. den preußiſchen Lutheranern in Bres⸗
lau, nicht ſofort bezůchtigt worden ſind.

Es nimmt uns auch ſonſt in der That Wun⸗
der, wie eine ganze, faſt nur aus Theologen be⸗
ſtehende Conferenz uns das Erempel des Achan
mit Grund und Fug aufrücken dürfe, da wir
zum Erſten doch nicht, wie Achan, wider einen
klaren und erkannten Befehl Gottes, alſo wider
beſſer Wiſſen und Gewiſſen geſündigt haben, und
alſo deshalb ſicherlich Niemand, der mit uns in
Gemeinſchaft tritt oder bleibt, ſich theilhaftig
macht unſrer Sunden; zum Andern der Fall mit
Achan auch in das ceremonialgeſetzliche Gebiet
gehört, da Iſrael darin vor den andern Völkern
ein heilig Volk ſein ſollte, daß es durch die Be⸗
ſchneidung und andere gottesdien ſtliche Geſetze
und Ordnungen durch eine gewiſſe äußerliche
Heiligkeit von den andern Völkern abgeſondert
war. Im N. T. dagegen gilt ſolche Ordnung
nicht mehr, da die Heiligung eines Chriſtenmen⸗
ſchen nur in dem Glauben und der Einwohnung
des heil. Geiſtes beſteht. Hier würde einer durch
Sünden wider das Gewiſſen, ſeien es geheime
oder offenbare, den Glauben an Chriſtum u. den
heil. Geiſt ausſtoßen; aber nur der macht ſich
deſſen Sünde theilhaftig, der, ſo ſie offe nbar wä⸗
re, ſie wiſſentlich mit⸗ und nachmacht, oder ſie
nicht ſtraft, und durch ſolches ſein Schweigen al⸗
lerdings ſchon in einem gewiſſen Sinne Gemein⸗
ſchaft hat mit den unfruchtbaren Werken der
Finſterniß.

Der andere iſt dieſer, daß die Ehrw. Conferenz
zur Erlangung eines, ob Gott will, unparthei⸗
iſchen Standpunktes ſich möglichſt genau an den
ganzen hiſtoriſchen Verlauf dieſer Streitſache
halte, nicht aber wider uns und für Paſtor
Grabau ſich durch den letzten Briefwechſel zwiſchen
beiden Synoden im Juni 1853, den Hr. P. Gra⸗
bau der Conferenz zu Leipzig vorgelegt hat, ſtim⸗
men laſſe; denn wir können uns leider der An⸗
nahme nicht erwehren, daß der im Ganzen ge⸗
mäßigte Ton — denn obwohl der Herr P. Gra⸗
bau, wie Sie ſchreiben, Ihre Beſtrafung „willig
angenommen“, ſo hat er doch bald nach ſeiner
Rückkehr, ohne alle Reizung und Veranlaſſung
von Außen, Hrn. Prof. Walther ſo giftig und
bitter als jemals früher des Jeſuitismus bezüch⸗
tigt — jener Briefe an uns nur deshalb ange⸗
uommen wurde, um ſpäter bei den Brüdern in
Deutſchland, die den genaueren Zuſammenhang
unſres Streites und ihre Streitführung nicht
kannten, den Eindruck zu machen, daß er unmer

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auf dieſe Weiſe mit uns verhandelt hätte, wie
denn auch kurz vor der Abreiſe der beiden Dele⸗
gaten nach Deutſchland der allerdings anſtößige
Name: „die aus Preußen ausgewanderte luthe⸗
riſche Kirche“ [ſtatt Gemeine] abgethan und
dafür der Name: „Synode von Buffalo“ ange⸗
nommen wurde.

Der dritte Punkt iſt dieſer, daß es nach Gra⸗
bauiſchen mündlichen und ſchriftlichen Darſtel⸗
lungen und Mittheilungen über uns, den lieben
Brüdern drüben leichtlich den Eindruck machen
könnte, als wichen wir auf kirchlichem Boden den
hie ſigen burgerlichen Verhältuiſſen, und handhab⸗
ten, da hier, wie die Conferenz ſchreibt, „der
Zaum des chriſtlichen Staates durchaus fehle,“
gar keine oder doch eine ſehr laxe Kirchenzucht,
und wendeten den Bann gar nicht an. Dies iſt
aber, Gott ſei Dank, durchaus nicht der Fall, und

wir fühlen uns veranlaßt, gleich vorweg zu

ſchicken, daß wir „den Zaum des chriſtlichen
Staates“ für die Ausübung der Gottgefälligen
und nach Chriſti Ordnung erfolgenden Kirchen⸗
zucht und für die Abwehr demokratiſcher Gelu⸗
ſte und Uebergriffe in die Gerechtſame des heili⸗
gen Predigtamtes noch nie vermißt haben; denn
wir haben Gottes Wort, in richtiger Anwendung,
immer ſtark genug gefunden, auch durch unſern
ſchwachen Mund die rechte Erkenntniß über die
Lehre auch von der Kirchenzucht und vom Bann
zu erzeugen, und demgemäß die Gewiſſen zu be⸗
richten und den Willen der Gemeinde zum Ge⸗
horſam gegen daſſelbe zu reizen, wenngleich hin
und her Einzelne zeitweiſe oder dauernd wider⸗
ſtrebten und im letzteren Falle meiſt ſich ſelber
von der Gemeinde ausſchieden, nachdem vergeb⸗
lich alle ſeelſorgeriſche Liebe und Treue im Leh⸗
ren, Ermahnen, Bitten, Flehen und Warnen an
ſie gewendet war.

Zwar iſt es wahr — und kann auch, nach der
Lage der Dinge, nicht anders ſein, iſt auch ſchwer⸗
lich in der Kirche je anders geweſen, — daß, je
nach dem chriſtlichen und kirchlichen Standpunkte
der einzelnen Gemeinden nach Erkenntniß,
Glauben, Erfahrung und geiſtlichem Leben, auch
die Kirchenzucht im weitern und engern Sinne
gehandelt und z. B. Manches in mehr gefoͤr⸗
derten und älteren Gemeinden ſchärfer geſtraft
wird (ja möglicherweiſe daſelbſt den Bann nach
ſich zieht), was bei noch jüngeren und chriſtlich
und kirchlich noch weniger herangebildeten Ge⸗
meinden eine gelindere Ruge erfährt, ja vielleicht
bei Aufräumung noch gröberer Blöcke, ſcheinbar
zuerſt noch uͤberſehen wird; gleichwohl iſt es
eben ſo wahr, daß die Kirchenzucht nirgends in
unſern Gemeinden fehlt, ja daß nur ſehr wenige
neuere Gemeinden ſein mögen, darin leider nicht
ſchon einzelne Bannfälle vorgekommen ſind, und
daß, ohne daß deshalb die Gemeinden ſich auflöſen,
die Kirchenzucht, ohne Ruhm zu melden, ernſter
und nachdrücklicher gehandelt wird, als, ſoviel wir
wiſſen, in allen lutheriſchen Landeskirchen Deutſch⸗
lands, obwohl dieſe „den Zaum des chriſtlichen
Staates“, aber freilich auch deſſen Hemmſchuh
dazu haben. Ketzer, Säufer, Hurer, Ehebrecher,
Wucherer u. ſ. w. werden in unſern Gemeinden
nicht geduldet und, wie geſagt, Gottes Wort auch
durch unſern unwürdigen Mund, in angemeſſener
Anwendung auch auf die einzelnen Fälle, richtet
Alles auf's Beſte aus, ohne Mitwirkung aller
menſchlichen Mittel, als da ſind: der weltliche
Arm des landesherrlichen Kirchenregiments,

pfarrherrliche Schreckſchüſſe und Banndrohungen,

auf Grund falſcher Schriftauslegung und deß
etwas.

So läßt ſich auch keiner von uns, nach landes⸗
üblicher Unſitte, zeitweiſe oder auf's Unbeſtimmte,
in Form eines menſchlichen Rechtsvertrages,
von der Gemeinde berufen; und ſolche Luthera⸗
ner oder verwahrloſete Gemeinden, die nach ge⸗
nugſamer Unterweiſung und Berichtung über die
Lehre vom ordentlichen Beruf aus Gottes Wort,
dieſen Beruf nicht ausſtellen wollen, werden
von uns auch nicht angenommen. Desgleichen
iſt die Beichtanmeldung in unſern Synodalge⸗

meinden ohne Ausnahme eingeführt und wird,

als eine treffliche Gelegenheit für die kirchliche
Seelſorge, auf evangeliſche und väterliche Weiſe
ſorgfältig benutzt. In neuern und rohern Ge⸗
meinden aber, wo die Lente, und zwar zunächſt

gerade um des Verfalls auch dieſer heilfamen

kirchlichen Ordnung in Deutſchland willen, der⸗
ſelben anfänglich noch widerſtreben, und ſich noch
nicht perſönlich bei ihrem Seelſorger anmelden
wollen, da laſſen ſich dieſe — obzwar ſehr gegen
die ſtrikte Obſervanz der pfarrherrlichen Würde,
aber hoffentlich als evangeliſche Mitarbeiter des
heiligen Geiſtes — in der Liebe und Geduld
Chriſti die Mühe nicht verdrießen, zumal im An⸗
fange ihrer Amtsfuͤhrung, die Leute, die zum hei⸗
ligen Abendmahl gehen wollen, zuvor einzeln auf
den zerſtreuten Farms zu beſuchen, um den
Stand ihrer chriſtlichen Erkenntuiß und ſonſtigen
Seelenzuſtand zu erforſchen und, je nach ihrer
geiſtlichen Nothdurft, zu belehren, zu ſtrafen, zu
tröſten u. ſ. w. Wer ſich aber auch ſolches Ge⸗

ſprächs weigert, wird zum heiligen Abendmahl

nicht zugelaſſen. Leider aber iſt an ſolcher Wei⸗
gerung meiſt nicht allein perſöͤnliche Störrigkeit,
ſondern auch die klägliche Verwahrloſung und
kirchliche Entwöhnung Schuld, in welcher, zum
Bedauern, die lutheriſchen Landeskirchen aus ſo
vielen Gemeinden uns ihre Kirchkinder herüber⸗
ſchicken; denn vielfach hören wir die Rede: „ſolche
Fragen ſind wir von Deutſchland her nicht ge⸗
wohnt; unſere Paſtoren haben uns nichts ge⸗
fragt, wenn wir zum heiligen Abendmahl gehen
wollten; wir brauchten nur unſere Namen beim
Küſter anzugeben“ u. dgl. So müſſen denn wir
hieſige Paſtoren mannigfaltig die Schuld unſerer
Mutterkirche, an der wir aber ja freilich auch
Theil haben, bußen und thun es auch gerne, in⸗
dem wir ſie weder um ihre pfarrherrlichen Ehren,
Guͤter und Würden, noch um „den Zaum des
chriſtlichen Staates“ beneiden, ſondern mittler⸗
weile, als die Traurigen, aber allezeit frohlich,
als die Armen, aber die doch Viele reich machen,
als die nichts haben und doch Alles haben, unſere
lieben Gemeinden auf dem Grunde der reinen
Lehre und in einer dem guten Bekenntniß gemaͤ⸗
ßen Praxis zu begrunden und aufzuerbauen trach⸗
ten; denn nicht in dieſe und jene Form ſogenann⸗
ter apoſtoliſcher oder altlutheriſcher Kirchenord⸗
nungen, liturgiſcher Gottesdienſte, confeſſioni⸗
ſtiſchen Schaugepränges und pietiſtiſch⸗geſetzlicher
Heiligkeit ſetzen wir das Weſen wahrhaft luthe⸗
riſcher Gemeinden, ſondern in das Leben und
Weben im rechtfertigenden Glauben, nach vor⸗
aufgehender Buße zu Gott und mit nachfolgender
rechtſchaffener Gottſeligkeit im Reden, Thun und
Leiden, darin ſich der Glaube auch gegen Men⸗
ſchen lebendig und thätig erweiſet; denn dieſer
Glaube allein iſt ja das rechte chriſtliche und lu⸗

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