Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 197
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 197
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
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an mit den Indianern auf freundſchaftlichem
Fußt, wobei er denn auch nicht verſäumte, ſie
für das Evangelium zu gewinnen. O hätte
nan ſich nur ſtets ſo gegen unſere rothen miter⸗
lösten Brüder verhalten, ſo wären ihrer wohl
nehr füt das Evangelium gewonnen wor⸗
den!
In Folge der guten Nachrichten von dem
Aufblühen der Colonie in Georgien erließ durch
Verminlung des ſchon genannten Paſtor Url⸗
ſperger die in England entſtandene „Geſell⸗
ſchaft zur Pflanzung des Evangeliums im Aus⸗
lande' eine Einladung an die vertriebenen
Sahburger zur Ueberſiedlung nach Georgien.
Freie Ueberfahrt, Verſorgung mit den nöthigen
Mitteln für den erſten Anfang, Land für ſie und
ihre Kinder, Freiheit von Abgaben auf 10 Jahre
und nach Verlauf derſelben Vergütung des
Landpreiſes und der gemachten Vorſchüſſe durch
eine jährliche mäßige Rente — das waren die
edelmüthigen Anerbietungen, die ihnen gemacht
und nachher auch treulich gehalten wurden. Es
läßt ſich denken, daß dieſe Einladung mit Freu⸗
den von denjenigen Salzburgern vernommen
wurde, welche mit ihren Brüdern nicht nach Li⸗
tbauen gezogen waren, ſondern ſich vornemlich
in Schwaben und in den ſüddentſchen Reichs⸗
ſäätten niedergelaſſen hatten und ſich wohl küm⸗
nerlicher nähren mußten, als die in Lithauen.
So geſchah es denn, daß ſich noch im Jahre
1733 ein Häu flein von 90 Pilgrimen dil⸗
dete. welches unter der Anführung zweier mu⸗
thiger und gottſeliger Prediger, des J. M.
Boltzius und G. C. Gronau, beide Zög⸗
linge des Halle'ſchen Waiſenhauſes, nach Geor⸗
gien ſchiffen ſollte. Durch eine ihnen gehaltene
Abſchiedspredigt erquickt, mit Bibeln, Catechis⸗
men, Geſangbüchern und andern Erbauungs⸗
ſchriften reichlich verſorgt, und mit drei Wagen,
vovon der eine ihre wenigen Habſeligkeiten und
tin jeder der andern beiden die Alten, Gebrech⸗
lichen und Kinder trug, traten ſie am Reforma⸗
tlonsfeſte 1733 ihre Pilgerfahrt an.
Ihr nächſtes Reiſeziel war Frankfurt
am Main, in das ſie paarweiie und mit Ge⸗
ſang einzogen. Nach kurzer Raſt unter den
Glaubensgenoſſen daſelbſt ſchifften ſie ſich auf
dem Main ein, um nach Rotterdam und von
da aus nach England zu gelangen. Und als ſie
ſo zwiſchen den herrlichen Ufern des Main und
Rhein dahin ſchwammen, o wie ging ihnen da
tinmal über das andere der Mund über von
Lob und Dank gegen den, der ihnen, den von
ihrer Heimath Ausgeſtoßenen, ſogar eine Hei⸗
natb über dem Weltmeer drüben zu bereiten
pußte Auf dem Main und Rhein ſind wohl
ſeldem nie mehr ſo viele Lobgeſänge erklungen,
vie damals, und ſchwerlich haben dieſe Ströme
ſtüdem eine ſolche ſchwimmende Kirche auf ihrem
Rücken getragen.
Als ſie am 27. November in Rotterdam
anlangten trafen ſie ihre beiden Prediger, Bolt⸗
zius und Gronau. Da war nun die Freude
und der Dank erſt recht groß. Ohne langen
Verzug eilten ſie daher mit denſelben über den
Land hinüber nach Dover. wo ſie am 3. De⸗
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zember wohlbehalten ankamen und von mehreren
Mitgliedern des oben erwähnten Directoriums
beſucht wurden.
Unter den Zurüſtungen zur Seereiſe kam das
heil. Weihnachtsfeſt herbei — das erſte und zu⸗
gleich das letzte, das ſie mit ihren neuen Predi⸗
gern in der alten Welt begingen. Dann aber,
im Januar 1734, ſollten ſie ſich auf das Meer
begeben. Ach nicht ohne Grauen der Natur
ſahen ſie den Tag der Abreiſe herbeikommen.
Zirternd vor den unbekannten Gefahren des
Weltmeers und von mancherlei ſchmerzlichen Ab⸗
ſchiedsgefühlen bewegt, gingen ſie an Bord Aber
bald ſiegte der durch eine begeiſterte Predigt ei⸗
nes ihrer Prediger geſtärkte Glaube. Weg war
alle Furcht und Blödigkeit für die ganze See⸗
reiſe, wiewohl ſie bei der ungünſtigen winterlichen
Jahreszeit eine lange, ſiürmiſche Fahrt hatten.
Ja als einmal am 18. Febr. ein ſolcher Sturm
wüthete, daß alle Segel eingezogen werden muß⸗
ten und die Meereswellen das Schifflein zu ver⸗
ſchlingen drohten — da erſchollen mitten im Ge⸗
heul des Sturmes und Brauſen des Meeres
Lobgeſänge von ihren Lippen. Daß es auf der
ganzen Seereiſe bei ihnen hieß: „Dein Wort ſei
meine Speiſe bis ich gen Himmel reiſe'-brauche
ich dem Leſer nicht erſt zu verſichern. Ja wäh⸗
rend Viele unſerer heutigen Emigran ten ſchon
auf dem Schiffe den letzten Reſt von Ehrfurcht
gegen Gott und ſein Wort und Anhänglichkeit
an ihre Kirche über Bord werfen, um ſo als
Gottloſe im eigentlichen Sinn des Worts in
der neuen Welt zu landen, war es vielmehr der
aufrichtige Wunſch der Salzburger, als rechte
lautert Gottesd iener und Gottſelige die
neue Heimath zu betreten. Wenn ſie daher bei
ruhigerem Wetter ſich zum gemeinſchaftlichen
Abendgortesdienſt verſammeln konnten, ſo unter⸗
ließen ſie nicht einander zu ermahnen, noch auf
der See eine rechte Reformation des Herzens
anzuſtellen und alle fremden Götter, die etwa
noch darin wären hinauszuſchaffen (1 Moſe 35,
2·4) und dieſelben in die Tiefe des Meeres zu
verſenken.
Nachdem ſie nun ſo 104 Tage auf dem Welt⸗
meere zugebracht hatten, landeten ſie endlich im
März 1734 in Charleſton, in Süd Carolina.
Sowie ſie ans Land traten, fielen ſie auf ihre
Kniee und damit ſie und ihre Nachkommen fort
und fort nicht vergäßen, was Pſalm 107, 23-32
geſchrieben ſieht, ſo beſchloſſen ſie, alljährlich den
Tag ihrer Landung feierlich zu begehen. Bei
der Nachricht von ihrer Ankunft ließ ſie Ogle⸗
thorpe ſogleich willkommen deißen und zu Waſ⸗
ſer gar nach Savannah führen, was ſie nach
fünf Tagen erreichten.
Nur wenige Tage raſteten ſie daſelbſt und
dann brachen ſie auf nach Effin gham Co un⸗
ty. Sie durch ſein Beiſpiel aufzumuntern
bei der ſo mühſeligen und gefahrvollen Wande⸗
rung durch die ungebahnte Wildnis und ihnen
bei der Wabl ihres Wohnplatzes mii Rath und
That zu Hande zu geben, begleitete ſie der wacke⸗
re Oaletborpe ſelbſt. Indianer waren ihre
Führer durch das Dickicht, umgeſtürzte Bäume⸗
die Brücken. auf welchen ſie über Sümpfe und
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Waſer ans jenſeitige Ufer gelangen mußten;
gar manche Nacht haiten ſie, um ein Feuer ge⸗
lagert, unter freiem Himmel zuzubringen. End⸗
lich war ein paſſender Platz zur Niederlaſſung
gefunden; am Savannahfluſſe, 25 Meile ꝛ von
der Stadt Savannah ſchlugen ſie ihre Woh⸗
nungen auf und nannten dieſen ihren erſten
Wohnort, der ſpäter zur Stadt emporblühte u.
der Hauptort der Salzburger blieb, Ebenezer,
d. i. Bis hieher hat uns der HErr geholfen⸗
(1 Sam. 7, 12).
Wenn nun aber heutzutage noch die erſie
Anſiedlung in der Wildnis für deutſche Emi⸗
granten mit großen Mühſeligkeiten und Entbeh⸗
rungen aller Art verbunden iſt, wie vielmehr
war ſie es damals, wie vielmehr für unſere
Salzburger, die an das heiße, erſchlaffende Kli⸗
ma der ſüdlichen Staaten ja nicht gewöhnt wa⸗
ren. „Ihr Anfang war hart. Der Boden war
meiſt unfruchtbar, Pferde und Rinder hatten ſie
nur wenige, ſie verſtanden weder Mahl⸗ noch
Sägemühlen zu machen und hatten kein Boot.
Lebensmittel auf dem Fluſſe heraufzuholen.
Wenn ihnen das Fahrzeug der Regierung nichts
brachte, dann mußten die Männer auf ihren
Schultern das Brot von der Stadt Savannah
durch Sumpf und Wald im Sonnenbrande
herauſtragen. Dann kamen die Krankheiten u.
legten ſie nieder; zum Glück hatte ihnen das
Halle'ſche Waiſenhaus von ſeinen berühmten
Arzneien mitgegeben.“
Doch im Vertrauen zu dem HErrn hielten ſie
unter allen dieſen Prüfungen der Anfangszeit
aus. Und der HErr ließ ſie nicht verſucht wer⸗
den über ihr Vermögen. Zu ihrer Aufhilfe
wurden Sammlungen in Deutſchland und Eng⸗
land veranſtaltet, auch die engliſche Regierung
ließ es nicht an bedeutenden Geldunterſtützungen
fehlen und beſoldete überdies ihre Prediger bis
in das Jahr 1773. Ganz beſonders aber nahm
ſich der edle Oglethorpe ihrer an. Da ſie in
den erſten beiden Jahren gar nicht aufkommen
konnten, ſo begab ſich derſelbe zu ihnen und
durch ſeinen Beiſtand mit Rath und That, trat
bald ein anderer Zuſtand ein. Dantbar wird
dieſes Mannes von den Predigern iu ihren nach
Deutſchland geſchickten Berichten gedacht und in
denſelben von ihm gerühmt, daß er nach beſtem
Vermögen für die Salzburger ſorge, daß er eine
große Liebe zu den Kindern Gottes hege und
daß, wo er gegenwärtig ſei und Einrichtungen
mache, in Einem Jahre gelänge, was andere in
zehn Jahren nicht zu Stande bringen würden;
Unter dem Segen Gottes und der Berathung
eines ſolchen Mannes und eigenem unermüdli⸗
chen Fleiß konnten ſich denn ſchon im dritten
Jahre unſere 10 edler eines ſolchen Erfolgs er⸗
freuen, daß z3. B. ihr Seidenbau, der erſte in
Amerika überhaupt, ihnen ſchon 10, 000 Pfund
Rohſeide abwarf; und gleiches Glück hatten ſit
mit dem Indigo, deſſen Bau ſie gleichfalls zu⸗
erſt unternahmen.
Gerne möchte ich nun dem Leſer ein Mehrel
res von der Haupiſache, von ihrem Kirchen;
weſen erzählen; allein hiezu fehlt mir gerade
eine Hauptſchrift, Urlſpergers „Reiſediarium.
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