Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 196

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 196

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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lich aus der Schrift genommenen Fündlein auf
allerlei menſchliche Mittel gerathen.

Zuletzt, lieben Bruder, wollen wir Euch herz⸗
lich gebeten haben, dieſe unſere Antwort, die ja
wohl ſtellenweiſe dieſe oder jene von Euch ver⸗
letzen koͤnnte, uns nicht für ungut zu nehmen,
auch nicht zu verachten, da ſie zugleich aus herz⸗
licher und aufrichtiger Liebe zu Euch gefloſſen iſt,
und wir ſtets in dankbarem Gedächtniß tragen,
wie viele und mancherlei Wohlthat und bruder⸗
liche Handreichung uns durch Eure Liebe und ſon⸗
derlich durch Vermittelung des theuren Herrn
Pfarrer Lö he zugefloſſen iſt.

Ach! möchte doch der gnädige und barmher⸗
zige Gott die ſchöne Zeit wiederbringen, da wir
von demſelben Grunde und auf dieſelbe Weiſe
daſſelbe herrliche Ziel im Auge hatten und es ver⸗

folgten und in Einem Sinne und Geiſte, als Ein

Herz und Eine Seele zuſammenſtanden und zu⸗
gleich jeder nur ſuchte, was des Andern war;
möchte ſie wiederkehren die edle und herrliche
Zeit, da wir auch inſonderheit mit dem geliebten
Herrn Pfr. Löhe (wie noch jetzt die Hefte ſeiner
damaligen Schuler und die denſelben mitgegebe⸗
nen Inſtructionen nachweiſen) auf demſelben
Grunde des kirchlichen Bekenntniſſes in allen
Artikeln der heilſamen Lehre einmuthig und un⸗
verrückt feſtſtanden und der Stimme unſerer geiſt⸗
lichen Mutter, der Kirche, auf dieſelbe Weiſe
tindlich gehorchten. Dazu helfe der liebreiche
und getreue Gott um IEſu Chriſti willen. Amen.
St. Louis, Mo., am 1. Juli 1854.

Im Namen der Synode unterzeichnet

Fr. Wyneken, Präſes.
F. W. Husmann, Secr.

ö (Eingeſondt.)
Die Auswanderung
ter evangeliſch- lutheriſchen Salzburger
in den Jahren 1731, '32 u. 38.
Saluh. 9

Am 21. Juni kamen die erſten, nach Li⸗
thauen beſtimmten Salzburger in Gum⸗
binnen an, wo die Prediger mit der Schule
unter dem Geſang des Liedes: „Der HErr iſt
mein getreuer Hirt,“ ihnen entgegen zogen. Man

wies vielen ſchon in der Stadt Häuſer und Aeker

an und den nöthigen Beſitz dazu, die Andern ver⸗
iheilte man auf das Land, wies ihnen Wehn⸗

plätze an in den durch die Peſt entvölkerten Ge⸗

genden, verſah ſie nicht nur mit den nöthigen
Baumaterialien, ſondern auch mit Geld, ertheilte
ihuen Freijahre von Abgaben und leiſtete ihnen
allen möglichen Vorſchub. Ja im Jahre 1734
ſchickte der König ſeinen ⸗Legationsrath von
Plotho nach Salzburg, um die Herausgabr
der noch vorhandenen, aber größtentheils in
fremden Pacht gegebenen Güter der Emigranten
zu veranlaſſen, und es gelang demſelben endlich,
dach wenigſtens noch 500,000 Gulden heraus
zu bekommen, welche denn nach und nach unter
die Emigranten vertheilt wurden.

So begann denn nun ein fröhliches Regen

und Bewegen. Die Bluts-⸗ und Seelenfreunde
fedelten ſich zuſammen und gründeten eine Neu⸗
ſtadt, viele Dörfer und Weiler. Bald grünten
weite Saatfelver, und zahlreiche Heerden, der

Salzburger alte Luſt, weideten auf den Triften.

— ——

Einige wagten ſich auf's Waſſer und lernten die
Schiffarth. Viele ernährten ſich mit oder ohne
Ackerbau durch nützliche Handwerker. Ueber⸗
haupt, was ſie Schönes in der Heimath verlaſſen
hatten, fanden ſie, mit Ausnahme ihrer himmel⸗
hohen Berge wieder; denn Lithauen iſt ein gar
fruchtbares Land, von Flüſſen und Seen vurch⸗
zogen.

Ja ſie fanden noch mehr, ſie fanden hier reich⸗
lich, wus ſie daheim ſchmerzlich entbehren muß⸗
ten, die reichliche Weide auf den Auen des gött⸗
lichen Woris. Bald ſtanden daher an verſchie⸗
denen Orten Kirchen und Schulhäuſer da, in
welchen treue und eifrige Arbeiter Chriſti die
Seelen weideten. Ihre erſien Prediger, deren

Zahl aber ſpäter noch vermehrt wurde, haben

wir bereits kennen gelernt. Unter ihren Schul⸗
lehrern zeichnete ſich beſonders einer der Ihrigen
aus. Es war das Andreas Gapp, der in
der Verfolgung einſt ſo viel erlitten hatte (Siche
Lurth. Nro. 10.) und in dieſem ſeinem nunmeh⸗

rigen Amte⸗ Jung und Alt mit muſterhaftem

Beiſpiele voranleuchiete. Und wie treulich wur⸗

den alle dieſe Gelegenheiten benutzt. Selbſt
auch Alte ließen ſich in den Stunden der Muße
von den Geübteren im Leſen noch unierrichten.
Daß es am fleißigem Kirchenbeſuch und inniger
Liebe und aufrichtigem Gehorſam gegen ihre
Prediger nicht fehlte, läßt ſich wohl erwarten.
Ja ſie kamen auch außer den Sonntagen zu
denſelben gereist, um ſich Seelenſpeiſe zu holen.
So machte unter anderem der Prediger Bräu⸗
er eine liebliche Erfahrung. In Salzburg
nämlich hatten ſie jedesmal die heil. Chriſtnacht
mit Singen, Leſen und Beten zugebracht. Am
Chriſtabend 1732 erſchien daher eine große An⸗
zahl im Pfarrhauſe mit der Bitte um Erbauung.
Die wurde gern erfüllt. Voll Dank verließen
ſie am Morgen das Pfarrhaus und der Paſtor
erklärte ſpäter: „er ſei im Kreiſe dieſer Leute u.
bei ihrer frohen und heiteren Gottesfurcht ſo
froh geweſen, daß er an dieſe Chriſtnacht zeitle⸗

bens denken werde, und er ihnen gerne die Er⸗
laubnis gegeben habe, in der nächſten Chriſt⸗

nacht, wills Gott, wieder zu kommen.
Sie waren aber nicht blos eifrige Hörer des
Worts, ſondern auch eifrige Thäter desſelben.

Sie erprobten ſich als fleißige, ſvarſame Wirthe⸗

als treue, dankbare Unterthanen, als lebendige,
durch viele Trübſale geläuterte und bewährte
Glieder Chriſti. Sie reichten dar in ihrem

Glauben Tugend und in der Tugend Beſchei⸗

denheit und in der Beſcheidenheit Mäßigkeit u.
in der Mäßigkeit Gottſeligkeit und in der Goit⸗
ſeligkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen
Liebe allgemeine Liebe. Sie liehen gerne einer
dem andern, ſelbſt Fremden und das ohne
Pfand, Zins und Verſchreibung, al⸗
lein auf das gegebene Wort trauend —ein Zug,
der ja freilich viele unſerer wucherhaftigen Chri⸗
ſten in Amerika erröthen machen ſollte. Prozeſſe
kamen ſelten unter ihnen vor; entſtanden Strei⸗
tigkeiten, ſo wurden ſie nach Patriarchenweiſe
von den Familienvätern geſchlichtet. Sie theil⸗
ten, auch die Aermſten noch Aermeren, gerne mit
und wenn Eltern abſtarben, welche noch unmün·

tine Zufluchtsſtätte drüben über den

burg verließen (S. Luth. Nro. 19.) — erſchin

——— —

dige Kinder hinterließen, ſo nahmen Freunde
Auch Feindesliebe war ihnen nicht fremd. Sit
gedachten ihrer Verfolger im Vaterlande nicht
mit einem Worte, es ſei denn, daß man aus⸗
drücklich Nachrichten über jene Ereigniſſe begehr⸗
te. Dann aber auch prieſen ſie mehr Gott, der
ſie errettet, als daß ſie über ihre Verfolger klag⸗
ten. Man kam einſt auf den Erzbiſchof zu
ſprechen. Einer von ihnen ſah gen Himmel u.
ſprach: „Ach, wenn doch der liebe HErr Goll
oft für denſelben und ich will noch ferner fleißiz
für ihn beten, daß er zur Erkenntnis der Wahr⸗
heit komme. Ebenſo zeigte ſich im Leiden dei
ihnen chriſtliche Glaubensfreudigkeit und Ge⸗
duld; ihr Sinn war: ein Chriſt muß ein frohn
Menſch ſein und im Leiden ſtandhaft ſtehen und
im Glauben freudig ſein, denn der HErr hilft!
Kurz ihre Gottesfurcht war unverſtellt und auf⸗
richtig; darum redeten ſie auch nicht vill
obwohl ſie mehr als Andere Verleugnung üben
gelernt hatten und des Geiſtes Früchte brachien.
Daß es nicht an Spreu unterm Weizen fehlt,
verſteht ſich von ſelbſt; aber unleugbar iſt doch,
daß damals die Mehrzahl der reinen Lehre Ehm
machte und der Name „Salzburger“ bei Freund
und Feind einen guten Klang hatte.
Für alles hier an den Salzburgern Gerühmt
könnte ich aus unſerem Büchlein mehrere ſchöm

und Nachbarn dieſe ohne weiteres zu ſich und
unſern Erzbiſchof noch erleuchten und auf den
von Bekehrung und Verleugnung, ſondern hiel⸗
Erempel noch als Beleg bringen. Doch ich legt

erzogen ſie mit elterlicher Liebe und
rechten Weg bringen wollte! Ach, wir bitten 6 ö
ten ſich immer für Anfänger im Chriſtenthum,
es nun beiSeite und erzähle nur noch dem Leſet,

was über diejenigen Salzburger zu meintr

Kenniniß gekommen iſt, welche nach Amerika
überſiedelten und darum auch mit die erſten
Anfänge der luth. Kirche in dieſem Welithell

bildeten. ö
Wie wunderbar aber hatte Gott es gefügt,
den armen und verjagten Gliedern Chriſti ſogar

Weltmeer zu bereiten! Unterm 9. Junl
1732— alſo eben in dem Jahre, in welchem dit
Angeſeſſenen und zuletzt die Bergknappen Salk⸗

ein Erlaß des Königs Georg II. von Eng⸗
land, durch welchen von ſeinen Beſitzungen
Amerika der heutige Staat Georg ien als en
Aſyl für die Armen des brittiſchen Reiches und
für die vertriebene Proteſtanten des Auslandtz
beſtimmt wurde. Die Leitung der Coloniſatinn!
wurde auf 20 Jahre einem Directorium übn—

tragen, deſſen thätigſtes und eifrigſtes Mitglith
der General James Oglethorpe war, ein
Mann, der nicht nur durch Tapferkeit, Willens⸗
ſtärke, Weisheit und Erfahrung ausgezeichne
war, ſondern der auch von Herzen glaubte. Denn
ſelbe ſchiffte ſich im November 1732 mit 12
Anfiedlern ein und gründete nicht weit von di
Mündung des Savannah eine Stadt gleichti
Namens. Bei ſeiner Umſicht, ſeinem Eifer, ſel

ner Aufopferung bluͤhte die neuangelegte Colonit

ſichtlich auf; dazu lebte Oglethorpe von Anfang

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