Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 195

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 195

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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theriſcht Herzblut, ohne welches alle Formgerech⸗
tigkeit lutheriſcher Kirchengerippe und mechani⸗
ſchen Getriebes keinen Werth hat.

Und Gott ſei gelobt! in mehreren der älteren,
bereits vor der Bildung unſerer Synode beſtehen⸗
den, aber auch jungeren Gemeinden iſt durch die
vom Herrn geſegnete evangeliſche Arbeit der ſu⸗
chenden Hirtenliebe und pflegenden Hirtentreue
jene erſehnte und erfreuliche Liebesgemeinſchaft
zwiſchen Hirten und Heerden ſchon ſichtlich vor⸗
handen, wo kein Theil ängſtlich und mißtrauiſch
ſeine Gerechtſame gegen den andern behütet und
bewacht, ſondern im Gegentheil jeder Theil die
des andern achtet und bewahrt; wo in That und
Wahrheit — und nicht blos auf dem Papier —
die Pfarrkinder ihre Lehrer und Pfleger als geiſt⸗
liche Vater ehren und lieben, und dieſe wiederum
jedes einzelne der ihnen zur Hut und Weide be⸗
foblenen Schafe und Schäflein Chriſti mit aller
Treue meinen und mit aller Liebe pflegen, alſo
daß auch in dem harmoniſchen Zuſammenwirken
ven Hirten und Heerden ein wirkliches Ge⸗
meindeleben beſteht und in organiſcher
Gliederung und Verbindung durch die Liebe
Chriſti, jedes Glied nach ſeiner Art und Maaß
den „gemeinen Nutz“ im engeren und weiteren
Sinne zu fordern trachtet; und wenn es freilich
auch in ſolchen Gemeinden leider nicht an Heuch⸗
lern und kaltſinnigen Chriſten mangelt, ſo haben
ſie doch, durch Gottes Gnade, bis jetzt nicht das
Uebergewicht und vermögen nicht, die Geſtalt die⸗
ſer Gemeinden weſentlich zu ändern und in Lao⸗
dicäiſche umzuformen.

Schließlich betheuern wir den lieben Brüdern,
daß wir von Herzen den Frieden ſuchen und hoch⸗
erfreut wären, wenn wir mit unſern Gegnern
über treu lutheriſch geſinnte, erkenntniß⸗ und er⸗
jahrungsreiche Männer unſrer geme in ſamen lie⸗
ben Mutterkirche in Deutſchland einig werden
konnten, die auch, um Gottes Ehre und des Frie⸗
dens vieler Seelen willen das Opfer nicht ſcheu⸗
ten und ſich willig darangäben, herüberzukommen
und nach Gottes Wort und den Symbolen un⸗
ſrer Kirche — welchen beiden, aber auch nur die⸗
ſen allein, wir unbedingten Gehorſam verſpre⸗
chen — unſere Streitigkeiten an Ort und Stelle
zu unierſuchen und durch Gottes Gnade und
Beiſtand zu erwünſchtem Frieden beizulegen; und
tꝛ ſoll an uns nicht liegen, die geeigneten Schritte
dafur zu thun.

Der gnaͤdige und barmherzige Gott ſei mit
Ynen!
Im Namen der Synode unterzeichnet
Fr. Wyneken, Präſes.
F. W. Husmann, Seer.
St. Louis im Staate Miſſouri,
den 1. Juli 1854.

Antwort
der deutſchen evangl. luth. Synode von
Miſſouri, Ohio u. a. St. auf das an
ſelbige gerichtete Schreiben einer ehrw.

ber vor. J. verſammelt geweſenen Pa⸗
ſtoraleonferenz. *)
E. Gnade und Friede von Gott unſerm Na⸗
ter und dem HErrn Jeſu Chriſto!
VMiigtibeilt m „Lutheraner“ No. 12. des gegenwär⸗

m Jahrganges.

zu Fürth in Baiern am 20ſten Septem⸗

Ehrwürdige und im HErrn geliebte Bruder!

Indem wir uns erlauben, beifolgend unſere
ausführliche Verantwortung gegen die Leipziger.
Conferenz auch Euch zu überſenden, damit auch
Ihr in den Stand geſetzt werdet, unſere Streit⸗
ſache mit der Buffalo Synode gehörig zu überſe⸗
hen, ſo können wir nicht umhin, doch einige be⸗
ſondere Bemerkungen beizufügen, nachdem wir
Euch jedoch zuvor unſern herzlichen Dank für
die brüderliche Liebe abgeſtattet haben, die Euch
unverkennbar bei der Abfaſſung Eures Send⸗
ſchreibens an uns geleitet hat.

Dieſe Bemerkungen nun ſind folgende:

1. Wenn Ihr ſchreibet, daß Ihr mit den
beiden Delegaten der Synode von Buffalo in den
4 „von ihnen“ ſogleich formulirten Punkten einig
wurdet, ſo muſſen wir dieſe Einigkeit von Seiten
jener zwei Abgeordneten billig bezweifeln, da
Herr P. Grabau nach ſeiner Zurückkunft ſie
theils offen geleugnet, theils Herrn Prof. Wal⸗
ther, ohne alle reizende Veranlaſſung von des⸗
ſen Seite, eben ſo biſſig und giftig angegriffen und
ihn des Jeſuitismus bezuchtigt hat, als je zuvor;

hätte er aber No. 4 von Herzen gemeint, und,

wie Ihr meinet, „aufrichtig und demüthig“ zuge⸗

geben, „daß in Buffalo bei Ausübung des Ban⸗

nes Sunden begangen ſein mögen,“ ſo wäre
ſchwerlich jener heftige und bittere Ausfall mög⸗
lich geweſen; vielmehr hätte er mit der von ihm
geleiteten Synode irgend welche annähernde
Schritte gegen uns gethan und in unſer mehrfach
wiederholtes Geſuch um ein Colloquium endlich
gewilligt, um daraus, ob Gott wollte, eine Ver⸗
gleichung in der Lehre zu gewinnen, ohne welche
ja doch nun eine richtige Beurtheilung der einzel⸗
nen Bannfälle unmöglich iſt.

2. Wir müſſen es als ein ungerechtes Ur⸗
theil entſchieden ablehnen, daß, wie Ihr behaup⸗
tet, auch wir „die obwaltenden Streitpunkte zum
Aergerniß der Kirche in ſo hartem, bittern und
leidenſchaftlichen Tone behandelt und Urſache
hätten, ſolche Sünde zu erkennen, zu bekennen
und fernerhin zu meiden.“ Dieſes Urtheil aber
iſt, wie geſagt, durchaus unbegrundet und wir
muſſen behaupten, daß entweder die ehrw. Con⸗
ferenz unſere gegenſeitigen Streitſchriften nicht
geleſen, oder aus einer gunſtigen Meinung gegen
die Buffalo Synode wegen Einigkeit mit deren
Lehre, oder aus einer abgünſtigen Meinung wi⸗
der uns alſo urtheile; denn wir berufen uns auf
das Urtheil irgend welcher unbefangener Luthera⸗
ner, ob unſere Streitſchriften nicht ſtets eine ſach⸗
liche Haltung haben, indeß die unſerer Gegner je⸗
nen heftigen, perſönlich gereizten Ton nicht verleug⸗
nen, der klar genug anzeigt, daß ihnen mehr die eigne
Ehre, als die Ehre Gottes, die Hoheit und Herr⸗
lichkeit der Sache, nämlich der reinen Lehre, als
des Werkes des großen Gottes, am Herzen liege;

und wiewohl der Irrthum auf milde Weiſe be⸗

um die ſe zwei Fragen von Kirche und Amt haben
ſich ja auch inſonderheit die Lehrkämpfe der Re⸗
formation bewegt und das Zeugniß der evangeli⸗
chen Wahrheit von dieſen beiden Lehrſtücken iſt
bereits klar genug in unſeren Symbolen grund⸗
ſätzlich niedergelegt, deren Handleitung wir nur
zu folgen brauchen, wenn wir dieſen Artikel nä.
her handeln wollen, wie denn auch die ausführ⸗
lichen Lehrgebäude unſerer älteren rechtglaudigen
Lehrväter die ſes thun.
Deshalb müſſen wir es auch entſchieden miß⸗
billigen und für unlutheriſch erklären, dem Weſen

nach das quia unſerer Verpflichtung zu den Sym⸗

bolen fahren zu laſſen und mit heimlicher Bemiß⸗
trauung ihres ſchriftgerechten Zeugniſſes ſich dem
quatenus zuzuneigen und mit und in ſolchem
Sinne dann ſogenannte freie exegetiſche For⸗
ſchungen in der h. Schrift von Neuem anzuſtellen,
die mit keiner geringeren Gefahr verbunden ſind,
als mit der, dieſe und jene beſondere Lieblingsge⸗
danken und Privatmeinungen von der Geſtalr der
Kirche wider den Zuſammenhang der evangeli⸗
ſchen Lehre in dieſe und jene einzelnen Schrift⸗
ſtellen zuerſt hineinzulegen und dann natürlich als
neue Entdeckungen aus ihnen herauszufinden.

4. Wenn Ihr endlich von uns begehret,
mit Euch „unſere guten Bekenntniſſe nach Anlei⸗
tung der Schrift zu verſtehen,“ ſo können wir,
als Lutheraner, in ſolch Begehren nicht willigen,
wie es uns denn Wunder nimmt, daß Ihr, als
Lntheraner, daſſelbe an uns richtet; denn als
ſolche haben wir ja bereits den reinen Verſtand
und die ungefälſchte Auslegung des göttlichen
Wortes in unſerem kirchlichen Bekenutniß; und
nur wenn wir mit Nicht⸗Lutherauern zu handeln
hätten, die Bedenken und Zweifel über das
Schriftgemäße unſeres Bekenntniſſes äußerten,
oder wenn irgendwo in unſern Symbolen (was
aber nicht der Fall iſt) irgend eine Auslegung
unklar wäre, dann hätten wir allerdings auf dit
Schrift ſelber zuruckzugehen und aus ihr das
Schriftgemäße unſers Bekenniniſſes dem andern
Theile nachzuweiſen.

Lutheraner aber, als ſolche, haben nicht ihre
Symbole nach der Schrift, ſondern die Schrift
nach ihren Symbolen auszulegen und an dem
quia feſt und unverrückt zu halten; denn ließen
wir das quia auch nur irgendwo fahren, wo un⸗
ſere Symbole klar und unwiderſprechlich glauben,
lehren und bekennen, und neigten wir uns ir⸗
gendwo dem gutenus zu, ſo gäben wir damit
auch unſern Charakter als Lutheraner auf und
ſtellten uns ſo ziemlich in die Reihe der Rationa⸗
liſten, die auf das quatenus dringen, welche Form
der Anerkennung aber wohl auf die Beſchluſſe des
Tridentiniſchen Concils oder der Dortrechter Sy⸗
node und dergleichen, aber nicht auf unſer Be⸗

kenntniß anzuwenden iſt.

Gott ſchenke uns doch Gnade, daß wir erſt

hauptet und vertheidigt werden kann, ſo erſcheint recht kindlich zu den Fußen unſerer Vater ſitzen,
es doch kaum möglich, daß die Wahrheit in ſo die furwahr ein viel groͤßeres Maaß der Erleuch⸗
ſchmähſüchtiger und gemeiner Weiſe kaͤmpfe, wo⸗ mung des h. Geiſtes uber die Lehre des Evange⸗
für wir weder in der heil. Schrift, noch in der liums hatten, als wir, und von ihnen lernen, in
den Zuſammenhang ihrer Lehre eindringen, ehe

Kirche ein Vorbild zu finden vermögen.
3.

Obgleich die l. Brüder in Eurer Confe- wir daran gehen, andere zu lehren und einzelne

renz die Amtsfrage als eine offene anſehen und herausgezwackte Schriftſtellen wider dieſen Zu⸗

äbehandeln und von uns ein Gleiches wunſchen, ſammenhang auf etwa vorhandene Lieblingsphan⸗

ſo können wir dieſen Wunſch doch unmöglich er⸗ taſien vom wahren Luther⸗ und Kirchenthum zu
füllen, da ja, wie wir in unſerer Antwort an die drehen; denn dadurch können wir auch innerlich
Leipziger Conferenz näher nachgewieſen haben, leicht von der Einfältigkeit in Chriſto verrückt
dieſe Frage bereits geſchloſſen iſt; denn gerade werden und in der Ausbreitung ſolcher, vermeint⸗

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