Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 193
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 193
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
tbeologiſchem Gebiete ſo manche krankhafte
Ausgeburt entſtammt, das noch Unentwickel⸗
te wirklich ent⸗ und nicht verwickele. Ein
ſolcher Rückſchritt wäre in der That der
Fortſchritt, deß wir jetzt bedürfen; und
überhaupt gilt es fur uns Lutheraner, daß
wir, ob Gott will, einen ſolchen Zuſammen⸗
halt und Zuſammenſchluß um das theuer⸗
werthe Bekenntniß der Kirche wiedergewin⸗
nen, wie es in unſern Vätern war, die da⸗
rin lebten und webten, weil es eben die
Stimme der Kirche, ihrer geiſtlichen Mut⸗
ter, und die Antwort auf die Stimme des
himmliſchen Bräutigams in ſeinem gnaden⸗
reichen Evangelium war — es gilt, mit
den ſtreitbaren und ſieghaften Helden der
Reformationszeit um das Banner deſſelben
Bekenntniſſes in geſchloſſener Phalanx uns
zu ſchaaren und denſelben guten Kampf des
Glaubens um das Kleinod der reinen Lehre
4 wider alte und neue, äußere und innere
Feinde förder zu kämpfen; denn nur in ſol⸗
chem Zuſammenſtehen, Zuſammenkämpfen
und Zuſammenleiden, als von Einem Gei⸗
ſte, durch die Eine Taufe und in dem Einen
Glauben unter dem Einen HErrn zu Ei⸗
nem Leibe vereinigt, kann die Kirche der
Zukunft gebaut werden.
Wenn wir aber anfingen, kühl und frem⸗
de gegen unſre kirchlichen Symbole zu wer⸗
den und ihnen gleichſam nur von Ferne ei⸗
ne gewiſſe äußerliche Reverenz zu beweiſen
(ſtatt, eben wegen des quia, mit Herz und
Gewiſſen an ihnen zu haften), weil ihre
nüchterne Schärfe und heilſame Zucht ſich
gegen dieſes und jenes erklärt, was mit un⸗
ſeren Lieblingsgedanken freundſchaftlich zu⸗
ſammenhängt, ſo wäre es freilich ganz na⸗
türlich, wenn wir je länger je mehr die ge⸗
ſunde zuſammenfaſſende Anſchauung von
dem Weſen der Kirche aus dem Auge ver⸗
lören, ja ſogar an ihrer Kreuzesgeſtalt hin
und her Anſtoß nähmen und in einen ge⸗
„wiſſen äſthetiſchen Enthuſtasmus für dieſe
und jene ſchöne Erſcheinung der ſichtbaren
Kirche geriethen, die mit ihrem Weſen und
ihrer Geſundheit keineswegs ſo innig zuſam⸗
menhangt, als man wähnt, ja, möglicher
Weiſe, beides gefährdet, wenn man erſt an⸗
fängt, menſchlicher Weiſe, ſeine kirchlichen
ö Lieblingsgedanken zu verwirklichen.
3. Sie, lieben Brüder, ſagen ferner: „Daher
ſollten die auseinandergehenden Auffaſſun⸗
gen in Betreff dieſer Fragen, von denen,
wiewohl nur eine die ſchrift- und ſymbol⸗
mäßige iſt, doch ſowohl die eine als die an⸗
dere einzelne Ausſprüche der Schrift und
Symbole für ſich deuten kann, weder die ei⸗
ne, noch die andere ausdrücklich verworfen
iſt, ſo lange die Kirche noch nicht geſprochen
hat, beide nebeneinander in dieſer Kirche
Raum finden.“ Hier müſſen wir nun auf⸗
richtig geſtehen, daß wir entweder das Ge⸗
ſagte nicht verſtehen, oder einen ſeltſamen
Widerſpruch darin ſinden; denn iſt z. B.
Hrn. P. Grabau's Lehre von Kirche und
Amt die ſchrift -und ſymbolmäßige, wie
konnen denn ſeine Beweisſtellen aus Hl.
Schrift und ſeine Zeugniſſe aus den Sym⸗
bolen, zugleich fur unſre Lehre da ſprechen,
wo wir gerade von der ſeinigen uns ſchei⸗
— 101—
den und ihr widerſprechen müſſen und umge⸗
kehrt 2— denn ſolche Beweiskraft der Schrift
und ſolches Zeugniß der Symbole kann ſich
nur auf unſern Conſenſus, ſo weit er vor⸗
handen iſt, nicht aber auf unſern Diſſenſus
beziehen. Daß aber z. B. dieſe und jene
Stellen der Symbole entſchieden für unſre
Gegner, andre für uns zu ſprechen ſcheinen,
gleich als ob beide Lehren auch in ihrem Ge⸗
genſatz von der Kirche, als wohlgelitten ne⸗
ben einander beſtehen und Raum finden
könnten, das iſt eben nur Schein und
kommt lediglich daher, daß unſre Bekennt⸗
nißſchriften und bereits die Augsburgiſche
Confeſſion trotz ihrer milden apologetiſchen
Haltung einen zwiefachen Gegenſatz, naͤm⸗
lich den der Papiſten und der Schwärmer
zugleich bekämpft und die reine evangeliſche
Lehre wider beide erhärtet. Darum ſcheint
es z. B. als ſprächen Art. 5. und 14., die
vornämlich wider die Schwärmer gerichtet
ſind, für P. Grabau und nicht für uns
(während doch auch ſie durchaus unſre Lehre
ansdrücken), indeß Art. 8. „Was die Kirche
ſei“, der vorzüglich wider die Papiſten zeugt,
offenbar die Grundlage unſerer Lehre
iſt, was ja auch Hr. P. Grabau zugiebt,
jedoch durch manche ſeiner Behauptungen
dieſe Grundlage wieder aufhebt.
Wenn nun endlich die l. Brüder meinen, bei⸗
de Lehren hätten ſich doch ſo lange innerhalb der
Kirche ruhig zu verhalten, und abzuwarten bis
„die Kirche geſprochen habe,' ſo iſt uns auch
dieſes nicht klar und einleuchtend; denn iſt, wie
geſagt wird, „nur eine dieſer Lehren die ſchrift⸗
und ſymbolmäßige“, ſo hat ja die Kirche ſchon
geſprochen, und es iſt nur an den Symbolen der
Nachweis zu fuhren, welche Lehre die bekennt⸗
nißtreue ſei, und ein anderes Sprechen der Kirche
können wir uns, als Lutheraner, auch gar nicht
denken; denn wenn auch Repräſentanten von
allen lutheriſchen Gemeinden auf dem ganzen
Erdboden an einen Ort, ſo es moͤglich wäre, zu⸗
ſammenkämen, um Rath zu halten u. zu beſehen,
welche die ſer beiden Lehren, von denen „nur die
eine die ſchrift⸗ und ſymbolmäßige ſei“, es wirk⸗
lich und wahrhaftig ſei, ſo könnte doch ſolches
lutheriſche Concil nichts anders ſprechen und ur⸗
theilen, als daß entweder die Lehre der Synode
von Buffalo reſp. Hr. P. Grabau's oder die
unſre dem alten und neuen Spruch der Kirche in
ihren Symbolen gemäß ſei. Zu ſolcher Entſchei⸗
dung aber zu gelangen, dazu ſcheint uns keines⸗
wegs ſolch' ein ökumeniſches lutheriſches Concil
nöthig zu ſein, ſondern irgendwelcher dazu be⸗
fähigte Lutheraner, ſei er ein eigentlicher Theo⸗
loge oder nicht, könnte z. B. durch eine Schrift
den objectiven Nachweis von dem Bekenntnißge⸗
mäßen der einen oder der andern Lehre liefern;
und welche lutheriſche Landeskirche oder deren
Geſammtheit würde darum anſtehen, ſich dazu
zu bekennen? Ja klänge es nicht ruhmredig
und hätte es nicht einen böſen Schein, ſo möchten
wir ſagen, daß wir in jenem unſerm Zeugniß
„Die Stimme unſrer Kirche in der Lehre von
Kirche und Ant ꝛc.“ bereits jenen Nachweis ge⸗
liefert, daß unſre Lehre, theils in jedem einzelnen
Stück, theils in dem Zuſammenhang auf dem
Grunde der heil. Schrift ruht, und unſern kirch⸗
lichen Symbolen gemäß iſt; und wenngleich die
Form dieſes unſers Nachweiſes dem dermaligen
/.
Geſchmack auch in theologiſchen Erzeugniſſen
nicht zuſagen und munden möchte, ſo ſind wir
doch deß göttlich gewiß, daß wir darin die alte u.
ewig neue Wahrheit göttlichen Worts bezeugt
haben. Gleichwohl, konnte uns von irgend ei⸗
nem lutheriſchen Chriſten, und ſei er auch nur
ein ſogenannter Laie, aus der Schrift und nach
unſern Symbolen ein weſentlicher Irrthum nach⸗
gewieſen werden, ſo wollten wir eben ſo gern u.
willig ſtracks widerrufen, als wir unerſchütterlich
feſt bleiben und bei unſrerLehre, als der der recht⸗
gläubigen Kirche beharren würden, wenngleich⸗
eine Plenar⸗Verſammlung aller lutheriſchen Con⸗
ſiſtorien und ſonſtigen Kirchenbehörden der ganzen
Welt ohne den rechten Schriftgrund u. Sym⸗
bolzeugniß d. i. wider den Zuſammen⸗
hangderevangeliſchen Lehre ſie durch
ihr Macht-Anſehen niederdrücken und verwerfen
wollte.
Ueberhaupt können wir nicht umhin, uns gegen
den Ausdruck: „die Kirche hat noch nicht ge⸗
ſprochen“ auf das Schärfſte und Beſtimmteſte
zu erklären und ihn als ſchrift⸗ und ſymbolwidrig,
d. i. als unlutheriſch zu verwerfen; denn die
Kirche Gottes, als Pfeiler und Grundfeſte der
Wahrheit, iſt von Anfang nie in der Schwebe
und im Ungewiſſen geweſen über irgend einen
Artikel des chriſtlichen Glaubens zur Seelen
Seligkeit, und hat aus Gottes Wort immerdar
geſprochen; und wie dieſelbe Sonne uns jetzt
erleuchtet, die über Adam und Eva im Paradieſe
ſchien, ſo iſt deren Glaube und Bekenntniß von
dem Weibesſaamen kraft der göttlichen Verhei⸗
ßung weſentlich kein anderer und geringerer, als
was wir von Chriſto in unſerm kirchlichen Be⸗
kenntniß bezeugen. Und wie es Gott gefallen
hat, ſonderlich zu Zeiten großen Abfalls von der
einen und reinen Lehre, als z. B. gegenüber den
grundſtürzenden Irrlehren des Arianismus und
des Papſtthums die Kirche durch den Mund ein⸗
zelner aus ſeiner Gnade erweckter, durch den hl.
Geiſt aus ſeinem Wort allein erleuchteter
Zeugen, als eben durch Athanaſius und Luther
ſprechen zu laſſen, ſo bedürfen wir ſicherlich kei⸗
nes neuen Sprechens der Kirche und keiner ſon⸗
derlichen Kirchenverſammlungen, wo, wie in
dem obſchwebenden Lehrſtreite, die Kirche aus
Gottes Wort durch den Mund Luthers uud ſeiner
Mit⸗ und Nachzeugen bereits deutlich genug ge⸗
ſprochen hat.
So ſagt denn auch Luther: „Daß ſie nun ſa⸗
gen, ſie wollen warten, bis es von der chriſtlichen
Kirche beſchloſſen werde, da harre der Teufel
auf; ich will ſo lange nicht harren; denn die
chriſtliche Kirche hat ſchon Alles beſchloſſen.“
(Opp. Hal. Tom. VII. 2345.)
Es ſei uns nun noch erlaubt, folgende Punkte
gegen die Ehrw. Conferenz zu bemerken. Der
eine betrifft jene 2 Stellen aus Luthers Werken,
die in dem Sendſchreiben der Ehrw. Conſe renz
wider uns angezogen ſind. Nach obiger geſchicht⸗
licher Orientirung aber werden die l. Brüder
jetzt wohl, ohne genaueren Nachweis, ſelber ein⸗
ſehen, daß ſie auf uns keine Anwendung leiden;
denn wir haben weder in ſchwärmeriſchem Un⸗
verſtande, noch aus böſem Rath und Willen in
ein fremdes Amt gegriffen und auf gut amerika⸗
niſch, aber ſchlecht lutheriſch der Synode von
Buffalo Abbruch gethan, ſondern wir haben uns
Gewiſſens halber nur derer angenommen, die,
in Folge der Grabauiſchen Lehre und der darauf
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