# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 03_S198 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Ich gebe daher, was ich aus andern glaubwür⸗ digen Nachrichten habe. Ihre Gemeindever⸗ faſſung ſchien ſo ziemlich die unſere geweſen zu ſein. Aus der Gemeinde wählten ſie eine An⸗ zahl der frömmſten und erfahrendſten Männer zu Vorſtehern, mit welchen der Paſtor die Ge⸗ meinde regierte. Ueber ihren Wandel herrſcht nur Eine Stimme. So rühmt unter andern der bekannte Mitbegründer der Methodiſtenge⸗ meinſchaft, George Whitefield, der ſie beſuchte, wie arbeitſam ſie ſeien, welche innige brüderliche Liebe ſie untereinander verbände, welche heilſamen kirchlichen Einrichtungen unter ihnen beſtünden, wie ſie alle vorkommen den Mishelligkeiten durch den Prediger und ſeine Vorſteher unter ſich ſelbſt ausglichen, und wie ſich namentlich der Paſtor Boltzius mit bewun⸗ derungswürdigem Eifer der Erziehung der Jugend annähme. Ein Beweis, wie ſehr ſie durch ihren lauteren Chriſtenwandel auch bei den Gliedern anderer Confeſſionen in Achtung ſtanden, iſt der Eifer, mit welchem ihnen der ge⸗ nannte Whitefield zur Errichtung eines Waiſen⸗ hauſes in Ebenezer verhalf, mit welchem dann ſpäter eine Erziehungsanſtalt und eine Pflanz⸗ ſchule für Prediger verbunden werden ſollte. Nachdem dieſer durch eigenhändige und mit viel⸗ facher Aufopferung veranſtaltete Sammlungen in England und Amerika endlich eine namhafte Summe beiſammen hatte, kaufte er zu dieſem Zwecke 500 Acres unbebautes Land und legte 1740 ſelbſt den Grundſtein, wobei er dem Hauſe den Namen „Bethesda“ gab. Dieſe nach und nach ſo mühſam erweiterte Anſtalt hat je⸗ doch zum Theil ſehr traurige Schickſale gehabt. Schon 2 Jahre nach ſeiner Einweihung war es in Gefahr, ſammt der ganzen Provinz in die Hände der feinoſeligen Spanier zu fallen und im Amerikaniſchen Befreiungskriege wurde ſie größtentheils zerſtört. Doch es fehlte den neuen Anſiedlern auch nicht an Haß und mancherlei Verfolgung, deren gänzliches Ausbleiben uns wegen ihrer Be⸗ kenntnistreue oder ihres Wandels ja mit Be⸗ denken erfüllen müßte. Unter anderem verdien⸗ ten ſie ſich bei manchen Anſiedlern gar ſchlechten Dank damit, daß ſie, um keinerlei Verſuchung zum Trunke zu haben, von vornherein ſtandhaft jegliche Einfuhr des Branntweins an ihren Orien verweigerten, ungeachtet die guten Folgen ihrer Standhaftigkeit mit Händen zu greifen waren, ungeachtet nach dem Berichte eines Gliedes des obenerwähnten königl. Dirrctoriums, an den⸗ jenigen Gegenden in Georgien, in welchen die Einfuhr des Branntweine erlaubt war, weit wenige Geſundheit und körperliche Kraft im Allgemeinen zu finden war. Noch mehr Haß zogen ſie ſich dadurch zu, daß ſie ſich ſiandhaft und eifrig der wider den urſprünglichen Willen „Oaleiberes ſpäter und allmählig begonnenen brung der Sclaverei in Georgien wider⸗ an —. d durch die That bewieſen, daß auch ſezten u. naen Himmelsſtrichen die Europäer unter iSebanuns des Landes ohne Neger zu⸗ mit der Be Si proteſtirten am recht kommen könnten. längſten dagegen und ſelbſt ann ließen ſich noch nicht alle beruhigen, als man ihnen die Verſich · erung gab, daß die Negerſelaven als Chriſten erzogen und behandelt werden ſollten. Erſt als ihnen ein begehrtes Gutachten von Deutſchland aus erklärte: „Wenn ihr Sclaven nehmet im Glauben und in der Abſicht, ſie zu Ehriſto zu führen, ſo wird dieſe Handlung keine Sünde ſein, ſondern ſie mag euch Segen bringen“ — hörten die bisher noch mit Gewiſſensbedenken Erfüllten auf, gegen den Strom zu ſchwim⸗ men. Dieſe erſte ſalzburgiſche Anfiedlung in Geor⸗ gien erhielt jedoch in den nachfolgenden Jahren einen Zuwachs um den andern von ihren Glaubens⸗ und Leidensgenoſſen, derzenigen Lutheraner aus andern deutſchen Gegenden nicht zu gedenken, welche ſich hernach gleichfalls unter ihnen niederließen. Unter der Anführung des Freiherrn von Reck, der zu ihnen gehör⸗ te, ſich um ihre Anſiedlung große Verdienſte er⸗ warb und ihre Einrichtungen in Urlſpergers „Reiſediarium“ näher beſchrieben hat, kamen in den Jahren 1735, 1736 und 1741 noch drei andere Züge Salzburger in Georgien an. Von den Erſteren iſt einmal in Nro. 14. p. 55 des 3. Jahrgangs dieſer Zeitſchrift ein ſchöner Zug mitgetheilt worden, worüber der Leſer nachſchla⸗ gen wolle. Von den Letzteren aber ſei hier noch erwähnt, daß ihrer 50 durch Stuttgard zo⸗ gen, wo ihnen in einer ungemein volkreichen Verſammlung von dem durch ſeine Erbauungs⸗ ſchriften bekannten M. Conrad Rieger eine Abſchiedspredigt gehalten wurde. Es war ge⸗ rade der dritte Sonntag nach Trinitatis. Auf Grund des ſchönen Evangeliums vom verlornen Schaf und Groſchen ſuchte derſelbe „in einer gemeinen, vertraulichen Unterredung“ ſeinen Zuhörern allen, „doch inſonderheit auch dieſen dahingehenden Pilgrimen etwas zum ge⸗ ſegneten Andenken mitzugeben u. zu hinterlaſſen“ 1. von Jeſu u. 2. von der Zuhörer Seelen. Und nachdem er dies in ſeiner originellen, zu Herzen dringenden Weiſe gethan hatte, ſo wandte er ſich zum Schluſſe noch einmal an die anweſenden Salzburger inſonder⸗ heit und ſprach: „Nehmet mit nach Georgien, was ich euch von euerer Seele mitgegeben ha⸗ be. Der HErr Jeſus iſt euer rechter Commiſ⸗ ſarius, der empfängt euch in ſeine Aufſicht, Hut, Pflege und Rechnung. Er ſagt: alle Seelen ſind mein, Ezech. 18, 4. Ihr, ſeid ihm alle gleich lieb, Er will euch alle wohl⸗ bewahren zur Seligkeit. Ach! bewahret denn auch ihr mit ſchuldiger Treue und Sorgfalt die⸗ ſes unſchätzbare Kleinod! Was hülfe es euch, wenn euer Leib geſund nach Ebenezer kä⸗ me und euere Seelen nähmen Schaden? Was hülfe es euch, wenn ihr ein bischen Gut hineinbrächtet und verlöret eure Seelen? Nichts! Ihr macht dir halbe Zahl aus derer die im Evangelio gezählt worden. Ihr werdet auf fünfzig Köpfe gerechnet. Ach! der HErr laſſe euch doch alle gutartige Schaflein ſein: aber bewahret euch auch, daß nicht tin einziges von eurer Zahl verloren werde! O ſchönes Häuflein, wenn fünfzig wahrhaftig bekehrte allgemeinen Leute zu jener größeren Heerde ſtießen! Ach bringet doch nichts von den Sünden u. Unarten über das Meer in die neue Welt! Reiniget euch unterwegs recht aus, und waſchet euch als Lämmlein, die erſt aus der Schwemme kom⸗ Kein räudiges müſſe unter euch ſein und men. die dortigen Guten anſtecken: wohl aber müſſ e, man an euch viel Erbauliches zur Ehre Jeſu Chriſti und ſeiner Kirche wahrnehmen. Wan⸗ delt alſo würdiglich dem Evangelio unſeres HErrn Jeſu Chriſti und wiſſet, daß ihr Leutt ſeid, auf welche viel tauſend Augen gerichiet ſind. Eure Untreue, Kaltſinnigkeit, Heuchelei würde ein größeres Aergernis geben, als von andern; es würde doppelt ſchändlich ſein, wenn ihr unſere gute Hoffnung betröget und unſere jetzigen Segenswünſche in Seufzer verwandel⸗ tet. gen zwei Lehrer befohlen ſein. Sie ſind Hirten nach dem Herzen Jeſu und weiden die Heerde, die ihnen befohlen iſt, mit aller Treue und Liebe. Erkennet ſie in dem HErrn; habet Herz und gut Vertrauen zu ihnen, folget ihrer Stimme und erfreuet ſie mit eurem Gehorſam unter ihrem beſchwerlichen Amt. Endlich betei für uns, wir wollen für euch beten. Und ſo befehle ich euch Gott und dem Worte ſeiner Gnade, der da mächtig iſt, euch zu ſtärten. und zu geben das Erbe mit allen denen, die gehei⸗ liget werden durch den Namen des HErrn Je- ſu!“— Damit will ich denn auch dieſe Erzählung beſchließen. Fragſt du aber l. Leſer nach den Nachkommen dieſer wackeren Kämpfer für das Kleinod der reinen Lehre, deren Geſchichte du gewiß nicht ohne Beſchämung und Ermunterung geleſen haſt: ſo magſt du wohl ihrer Nachkom⸗ men nach dem Fleiſch in der alten und neuen Welt noch genug finden, vergeblich aber wirſt du bei Vielen derſelben noch der Väter Lehre, Geiſt, Glauben, Treue und Gottesfurcht ſu⸗ chen. Ach, die reine Lehre und deren herrliche Frucht kann wehl als ein Erbe auf die Kinder übergehen; ſie läßt ſich aber nicht wie Haus und Hof in einem Teſtament vermachen, ſondern es gehören Nachkommen dazu, die bei dem Ab ſchied ihrer gläubigen Eltern mit Eliſa bitten und flehen können, daß ihr Geiſt zwiefältig bei ihnen ſei (2 Kön. 29,). Weir nun das je länger, je mehr die Nachkommen unſerer Salzbur⸗ vergaßen- wie das leider gewöhnlichſo geht- ſo verloren ſie das Erbe der Väterund wurden drü⸗ ben ein Theil von der falſchen Union und hier ein Theil von den Secten oder einem falſchen Lutherthum verſchlungen. Wink das für uns und unſre Kinder, welche Gott aus unverdienter Gnade und Barmher⸗ zigkeit gewürdigt hat, an ſeiner rechtgläubigen Kirche in der neuen Welt fortzubauen, zu der einſt hauptſächlich jene Salzburger in Georgien ö Möge darum derf Gedanke an dieſe ihre Nachkommen, uns aber⸗3 den Grund legen durften. mals an unſre beiden Predigerfeminare erin. nern, auf daß wir uns das Beſtehen, Gedeihen und Zunehmen derſelben doch einmal zu einer Herzensſache machen; denn Laſſet euch abſonderlich auch eure dortt⸗ Ein warnender 3