Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24 › Seite 199

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-08-03, Seite 199

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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dadurch können wir unſererſeits doch wohl am
beſten verhüten, daß der unſchätzbare Schatz der
ninen Lehre, den Gott nun in unſere Hände
gigeben hat, von unſern Kindern nicht wieder.

aus den Händen gegeben werde, wenn wir zu

Grabe gegangen ſind. Mögen wir aber vor al⸗
lem den Vätern in der Kraft des HErrn nachei⸗
fenn, und die Zeit der Ruhe und des Friedens
wohl auskaufen, um auf unſern allerheiligſten
Glauben uns immer mehr durch den hl. Geiſt zu
ubauen. um für uns und die Kirche um Treue
und Standhaftigkeit und Vermehrung der Ga⸗
ben des Geiſtes zu beten, um uns in der Liebe
Gottes zu behalten und in der brüderlichen Lie⸗

be immer feſter zuſammenzuſchließen und war⸗

tend auf die Barmherzigkeit Gottes und los von
dem Unrath der Erde in guten Werken nach dem
ewigen veben zu trachten. Denn gar bald dürf⸗
te Gott uns auf die Probe ſtellen und ſehen
wollen, was für Schüler des Wortes wir ſeien
und wer weiß, wie bald, in der neuen Welt Zu⸗
dände heraufgeführt werden können, in denen
wir Lutheraner mit jenen Salzburgern Gleiches,
wo nicht Schwereres von unſerm alten Erbfeind,
der römiſchen Hure, erfahren müſſen. Darum

Schwäng're vor, o güldner Regen,

Uns, dein dürres Erb' und Erd!

Daß wir dir getreu ſein mögen,

Und nicht achten Feuer und Schwert.

Als in Liebe trunken,

Und in dir verſunken!

Mach dein' Kirch' am Glauben reich,

Daß das End' dem Anfang gleich!

M. F. L.

Todesnachricht.

So reichgeſegnet und erquickend die vießjäh⸗
nge Verſammlung unſerer Synode in St. Louis
jür alle, die daran Theil nehmen kaunten. durch
Gottes Gnade war, ſo hat es d Goit netal⸗
len, die Glieder derſelben in dieſer Zeit zugleich
in tiefe Trauer zu verſetzen. Unter den Gegen⸗
rärtigen befand ſich auch Herr Paſtor Ott o
Eißfeldt aus Sheboygan im Staate Wis⸗
tonſin. Friſch und geſund war derſelbe in St.
douis angekommen u. hatte in den erſten ſechs
Sißungstagen an allen Verhandlungen den
naſten thätigen Antheil genommen. Die in
ditſer Zeit hier gerade herrſchende ungewöhnliche
ſaſt unerträgliche Hitze ſcheint aber endlich auf
dir eigenthümliche körperliche Conſtitution des Ge⸗
nannten (er war ſehr vollblütig) einen beſon⸗
dits nachtheiligen Einfluß ausgeübt zu haben.
Schon an der Nachtſitzung am Dienſtag den 27
Juni konnte er nur noch mit Mühe theilnehmen.

um Tage darauf erſchien er in der Morgen⸗

ſtzung gar nicht, ſein Nichterſcheinen mit Un⸗
wohlſein entſchuldigen laſſend. Noch bis Mit⸗
tas zwölf halte das Uebelbeſinden keinen!
bedenficen Character angenommen, daher er
's noch immer für unnöthig erachtete, dehwegen
einen Arzt zu conſuliren, wozu Schreiber dieſes
ihn aufgeferdert hatte. Wenige Minuten je⸗
doch darnam erhob ſich der Patient und verließ
lötlit mit der Erklärung, den, wenlge Schrit⸗
e vom Hauſr wohnenden. Arzi auſſuchen zu

Nähe des Colleges befindlichen Gemeindegottes⸗

teiniſcher Sprache geſchriebenen kurzen Abriß
ſeines Lebens ein.

wollen, unter Begleitung eines Freundes das
Zimmer. Der Arzt erklärte die Krankheitsäu⸗
ßerungen für Vorboten eines hitzigen Fiebers,
dem er aber noch begegnen zu kͤͤnnen hoffe, ver⸗
ordnete die Dem entſprechenden Medicamente u.
forderte den Kranken auf, zunächſt in ſeiner,
des Doktors, Wohnung zu bleiben, bis er von
einigen Krankenbeſuchen werde zurückgekommen
ſein. Ehe dies jedoch geſchehen war, hatte ſich
der fieberhafte Zuſtand über Erwarten ſchnell
geſteigert, es trat Bewußtloſigkeit ein und mit
derſelben.die Spmptome eines ſich vorbereitenden
Steck⸗ und Schlagfluſſes. Als Schreiber die⸗
ſes Nachmittags um die viertt Siunde in des
Doktors Wohnung trat, fand er mit Beſtürzung
den theuren Bruder bereits in dieſem Zuſtande.
Alle angewendeten Mittel zeigten ſich jetzt völlig
erfolglos und ſchon eine halbe Stunde darnach
mußten wir denn mit Thränen ſehen, wie der
HErr Seinen jungen Knecht aus der Arbeit zur
Ruhe rief. Der Leſer kann ſich denken, wie er⸗
ſchütternd die Kunde von dem erfolgten Abſchei⸗
den des geliebten Bruders den verſammelten
Brüdern war. Am Tage darauf gegen Abend
geleitete die Synode nebſt einer großen Anzahl
hieſiger Gemeindeglieder den ſterblichen Leib des
Entſchlafenen zu ſeiner Ruhe auf den in der

acker.

Der Heimgegangene war ein Zögling des
Concordia⸗ Collegiums. Behufs ſeiner Auf⸗
nahme in daſſelbe, reſp. in das Seminar, reich⸗
te derſelbe nach hieſigem Gebrauch einen in la⸗

Hieraus theilen wir denn
Folgendes mit ö

„Ich bin im Jahre 1825 den 6. Mai auf ei⸗
nem von meinem Vater gepachteten Lande des
Grafen Stolberg Wernigerode, Sophienhof ge⸗
nannt, geboren. Meine Eltern wandten großen

Fleiß an, mich zur Gottſeligkeit und Erkennt⸗

niß des göttlichen Wortes zu eizicheſt. Sie hat⸗
ten jedoch damals noch nicht den Grad chriſtli⸗
cher Erkenntniß erreicht, um die ſchändliche Lehr⸗
weiſe unſerer Lehrer zu durchſchauen; daher es
denn geſchah, daß wir, obgleich in der bibliſchen
Geſchichte und in der Glaubenslehre unterwie⸗
ſen, dennoch die heilſame Speiſe nicht empfin⸗
gen. Bis zum zwölften Jahre blieb ich im vä⸗
terlichen Hauſe, worauf ich auf das Lyceum zu
Hannover gethan wurde, um hier eine wiſſen⸗
ſchaftliche Ausbildung zu erhalten. Als jedoch
meine Eltern ſahen, daß die Verführungen der
Stadt einen verderblichen Einfluß auf mich äu⸗
ßerten, riefen ſie mich wieder in das elterliche
Haus zurück, wo ich nun wieder ein Jahr lang
den Unterricht vermittelſt eines Hauslehrers ge⸗
noß. Im Herbſt des Jahres 18⁴⁰ wurde ich
hierauf von meinen lieben Elttrn auf das Pi⸗
dagogium zu Ilefeld geſendet, um hier zum aca⸗
demiſchen theologiſchen Studium vorbereitet zu
werden. Hier blieb ich 4 Jahr 6 Monat, er⸗
hielt auch nun zwar das Zeugniß der Reife zum
Abgang auf die Univerſität, hatte aber mit den

in der Jugend empfangenen Eindrücken des

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Wortes Gottes zugleich die Luſt zum iheologi⸗
ſchen Studium verloren. Es war mir daher
ganz erwünſcht, jetzt eine Anſtellung als Eiſen⸗
bahn⸗Offiziant zu erhalten, in welcher Stellung
ich denn 1 Jahr 6 Monate verblieb. Mein
Vater ſtarb, und meine theure Mutter nahm da⸗
her die Stelle einer Vorſteherin an einer Kran⸗
ken⸗ und Armen⸗Anſtalt in Hannover an, dahin
nun auch ich mich wendete, um hier auf der po⸗
lytechniſchen Anſtalt Mechanik und Architectonik
zu ſtudieren. Ich kann Goit nicht genug prei⸗
ſen, daß Er mich dahin geführt hat, indem ich
hier theils durch den Umgang mit einem gläubi⸗
gen Chriſten, theils durch die Predigten des be⸗
rühmten und ausgezeichneten Paſtors Dr. Petri
aus den betretenen verderblichen Wegen der
Welt herausgeriſſen und nicht nur zur Einſicht
in mein geiſtliches Elend, ſondern auch zur le⸗
bendigen Erkenntniß meines Heilandes und des
Heils in Ihm gebracht wurde. Nachdem ich
nun ſpäter die Stelle eines Reviſors in Claus⸗
thal während Eines Jahres bekleidet hatte, er⸗
wachte in mir wieder mächtig der Trieb, in den
Beruf zu kommen, zu welchem ich urſprünglich
beſtimmt war, nehmlich ein Verkündiger des ſe⸗
ligmachenden Evangeliums zu werden. Herr
Dr. Petri beſtärkte mich bierin und verſchaffte
mir Mittel, in Begleitung meiner theuren Mut⸗
ter nach Amerika, dahin ſchon drei meiner Brü⸗
der gegangen waren, auszuwandern und mich
hier zum Dienſte der Kirche vorzubereiten. Er⸗
haltener Anweiſung gemäß, wendete ich mich
zunächſt nach Fort Wayne, wo ich im Septem⸗
ber des Jahres 1849 durch Gottes Hülfe glück⸗
lich ankam und in das dortige Seminar eintrat.
Meinen verehrten Lehrern, Herrn Dr. Sihler
und Prof. Biewend, erſchien es jedoch angemeſ⸗
ſener, daß ich meine theologiſchen Studien in
dem Concordia⸗College vollendete, daher ich
denn, die Ueberzeugung derſelben theilend, mich
nun hieher gewendet habe. —

So weit die eigenen Worte des Seligen. Am
16. April 1850 kam derſelbe, begleitet von ſei⸗
nem vertrauten Freunde, den ihm bereits in die

ſelige Ewigkeit vorangegangenenGeorg Bolck,

nachmaligem Paſtor zu New Orleans, bier an
und verblieb mit demſelben bis Oſtern 18⁵3 in
der Anſtalt; mit ſeinem Freunde ein Vorbild
eines gottſeligen Studenten. Hierauf erhielt er
einen Ruf als Pfarrer der lutheriſchen Gemein⸗
de in Scheboygan, Wiskonſin (mir zwei Filia⸗
len), in deren Mitte er am Trinitatisfeſte ben
22. Mai v. J. ordinirt wurde, an demſelben
Tage, an welchem auch ſein Freund Volek in
New Orleans zum heil. Predigtamte eingeſegnet
wurde. Er führte ſein beſchwerliches Amt mit
großer Treue und ausnehmendem Eifer. Die
vamit verbundenen herrlichen Gaben, womit
der Selige ausgerüſtet war, ließen einen großen
Segen für unſre Kirche hier von ſeiner Arbeit
hoffen. Doch der HErr, deſſen Wege nicht unſ⸗
re Wege, und deſſen Gedanken nicht unſre
Gedanken ſind, hatte es anders beſchloſſen.
Ihm ſei Preis und Ehre in Ewigkeit. Amen

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