# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 03_S197 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — — — an mit den Indianern auf freundſchaftlichem Fußt, wobei er denn auch nicht verſäumte, ſie für das Evangelium zu gewinnen. O hätte nan ſich nur ſtets ſo gegen unſere rothen miter⸗ lösten Brüder verhalten, ſo wären ihrer wohl nehr füt das Evangelium gewonnen wor⸗ den! In Folge der guten Nachrichten von dem Aufblühen der Colonie in Georgien erließ durch Verminlung des ſchon genannten Paſtor Url⸗ ſperger die in England entſtandene „Geſell⸗ ſchaft zur Pflanzung des Evangeliums im Aus⸗ lande' eine Einladung an die vertriebenen Sahburger zur Ueberſiedlung nach Georgien. Freie Ueberfahrt, Verſorgung mit den nöthigen Mitteln für den erſten Anfang, Land für ſie und ihre Kinder, Freiheit von Abgaben auf 10 Jahre und nach Verlauf derſelben Vergütung des Landpreiſes und der gemachten Vorſchüſſe durch eine jährliche mäßige Rente — das waren die edelmüthigen Anerbietungen, die ihnen gemacht und nachher auch treulich gehalten wurden. Es läßt ſich denken, daß dieſe Einladung mit Freu⸗ den von denjenigen Salzburgern vernommen wurde, welche mit ihren Brüdern nicht nach Li⸗ tbauen gezogen waren, ſondern ſich vornemlich in Schwaben und in den ſüddentſchen Reichs⸗ ſäätten niedergelaſſen hatten und ſich wohl küm⸗ nerlicher nähren mußten, als die in Lithauen. So geſchah es denn, daß ſich noch im Jahre 1733 ein Häu flein von 90 Pilgrimen dil⸗ dete. welches unter der Anführung zweier mu⸗ thiger und gottſeliger Prediger, des J. M. Boltzius und G. C. Gronau, beide Zög⸗ linge des Halle'ſchen Waiſenhauſes, nach Geor⸗ gien ſchiffen ſollte. Durch eine ihnen gehaltene Abſchiedspredigt erquickt, mit Bibeln, Catechis⸗ men, Geſangbüchern und andern Erbauungs⸗ ſchriften reichlich verſorgt, und mit drei Wagen, vovon der eine ihre wenigen Habſeligkeiten und tin jeder der andern beiden die Alten, Gebrech⸗ lichen und Kinder trug, traten ſie am Reforma⸗ tlonsfeſte 1733 ihre Pilgerfahrt an. Ihr nächſtes Reiſeziel war Frankfurt am Main, in das ſie paarweiie und mit Ge⸗ ſang einzogen. Nach kurzer Raſt unter den Glaubensgenoſſen daſelbſt ſchifften ſie ſich auf dem Main ein, um nach Rotterdam und von da aus nach England zu gelangen. Und als ſie ſo zwiſchen den herrlichen Ufern des Main und Rhein dahin ſchwammen, o wie ging ihnen da tinmal über das andere der Mund über von Lob und Dank gegen den, der ihnen, den von ihrer Heimath Ausgeſtoßenen, ſogar eine Hei⸗ natb über dem Weltmeer drüben zu bereiten pußte Auf dem Main und Rhein ſind wohl ſeldem nie mehr ſo viele Lobgeſänge erklungen, vie damals, und ſchwerlich haben dieſe Ströme ſtüdem eine ſolche ſchwimmende Kirche auf ihrem Rücken getragen. Als ſie am 27. November in Rotterdam anlangten trafen ſie ihre beiden Prediger, Bolt⸗ zius und Gronau. Da war nun die Freude und der Dank erſt recht groß. Ohne langen Verzug eilten ſie daher mit denſelben über den Land hinüber nach Dover. wo ſie am 3. De⸗ — —105 *— — zember wohlbehalten ankamen und von mehreren Mitgliedern des oben erwähnten Directoriums beſucht wurden. Unter den Zurüſtungen zur Seereiſe kam das heil. Weihnachtsfeſt herbei — das erſte und zu⸗ gleich das letzte, das ſie mit ihren neuen Predi⸗ gern in der alten Welt begingen. Dann aber, im Januar 1734, ſollten ſie ſich auf das Meer begeben. Ach nicht ohne Grauen der Natur ſahen ſie den Tag der Abreiſe herbeikommen. Zirternd vor den unbekannten Gefahren des Weltmeers und von mancherlei ſchmerzlichen Ab⸗ ſchiedsgefühlen bewegt, gingen ſie an Bord Aber bald ſiegte der durch eine begeiſterte Predigt ei⸗ nes ihrer Prediger geſtärkte Glaube. Weg war alle Furcht und Blödigkeit für die ganze See⸗ reiſe, wiewohl ſie bei der ungünſtigen winterlichen Jahreszeit eine lange, ſiürmiſche Fahrt hatten. Ja als einmal am 18. Febr. ein ſolcher Sturm wüthete, daß alle Segel eingezogen werden muß⸗ ten und die Meereswellen das Schifflein zu ver⸗ ſchlingen drohten — da erſchollen mitten im Ge⸗ heul des Sturmes und Brauſen des Meeres Lobgeſänge von ihren Lippen. Daß es auf der ganzen Seereiſe bei ihnen hieß: „Dein Wort ſei meine Speiſe bis ich gen Himmel reiſe'-brauche ich dem Leſer nicht erſt zu verſichern. Ja wäh⸗ rend Viele unſerer heutigen Emigran ten ſchon auf dem Schiffe den letzten Reſt von Ehrfurcht gegen Gott und ſein Wort und Anhänglichkeit an ihre Kirche über Bord werfen, um ſo als Gottloſe im eigentlichen Sinn des Worts in der neuen Welt zu landen, war es vielmehr der aufrichtige Wunſch der Salzburger, als rechte lautert Gottesd iener und Gottſelige die neue Heimath zu betreten. Wenn ſie daher bei ruhigerem Wetter ſich zum gemeinſchaftlichen Abendgortesdienſt verſammeln konnten, ſo unter⸗ ließen ſie nicht einander zu ermahnen, noch auf der See eine rechte Reformation des Herzens anzuſtellen und alle fremden Götter, die etwa noch darin wären hinauszuſchaffen (1 Moſe 35, 2·4) und dieſelben in die Tiefe des Meeres zu verſenken. Nachdem ſie nun ſo 104 Tage auf dem Welt⸗ meere zugebracht hatten, landeten ſie endlich im März 1734 in Charleſton, in Süd Carolina. Sowie ſie ans Land traten, fielen ſie auf ihre Kniee und damit ſie und ihre Nachkommen fort und fort nicht vergäßen, was Pſalm 107, 23-32 geſchrieben ſieht, ſo beſchloſſen ſie, alljährlich den Tag ihrer Landung feierlich zu begehen. Bei der Nachricht von ihrer Ankunft ließ ſie Ogle⸗ thorpe ſogleich willkommen deißen und zu Waſ⸗ ſer gar nach Savannah führen, was ſie nach fünf Tagen erreichten. Nur wenige Tage raſteten ſie daſelbſt und dann brachen ſie auf nach Effin gham Co un⸗ ty. Sie durch ſein Beiſpiel aufzumuntern bei der ſo mühſeligen und gefahrvollen Wande⸗ rung durch die ungebahnte Wildnis und ihnen bei der Wabl ihres Wohnplatzes mii Rath und That zu Hande zu geben, begleitete ſie der wacke⸗ re Oaletborpe ſelbſt. Indianer waren ihre Führer durch das Dickicht, umgeſtürzte Bäume⸗ die Brücken. auf welchen ſie über Sümpfe und — 22* Waſer ans jenſeitige Ufer gelangen mußten; gar manche Nacht haiten ſie, um ein Feuer ge⸗ lagert, unter freiem Himmel zuzubringen. End⸗ lich war ein paſſender Platz zur Niederlaſſung gefunden; am Savannahfluſſe, 25 Meile ꝛ von der Stadt Savannah ſchlugen ſie ihre Woh⸗ nungen auf und nannten dieſen ihren erſten Wohnort, der ſpäter zur Stadt emporblühte u. der Hauptort der Salzburger blieb, Ebenezer, d. i. Bis hieher hat uns der HErr geholfen⸗ (1 Sam. 7, 12). Wenn nun aber heutzutage noch die erſie Anſiedlung in der Wildnis für deutſche Emi⸗ granten mit großen Mühſeligkeiten und Entbeh⸗ rungen aller Art verbunden iſt, wie vielmehr war ſie es damals, wie vielmehr für unſere Salzburger, die an das heiße, erſchlaffende Kli⸗ ma der ſüdlichen Staaten ja nicht gewöhnt wa⸗ ren. „Ihr Anfang war hart. Der Boden war meiſt unfruchtbar, Pferde und Rinder hatten ſie nur wenige, ſie verſtanden weder Mahl⸗ noch Sägemühlen zu machen und hatten kein Boot. Lebensmittel auf dem Fluſſe heraufzuholen. Wenn ihnen das Fahrzeug der Regierung nichts brachte, dann mußten die Männer auf ihren Schultern das Brot von der Stadt Savannah durch Sumpf und Wald im Sonnenbrande herauſtragen. Dann kamen die Krankheiten u. legten ſie nieder; zum Glück hatte ihnen das Halle'ſche Waiſenhaus von ſeinen berühmten Arzneien mitgegeben.“ Doch im Vertrauen zu dem HErrn hielten ſie unter allen dieſen Prüfungen der Anfangszeit aus. Und der HErr ließ ſie nicht verſucht wer⸗ den über ihr Vermögen. Zu ihrer Aufhilfe wurden Sammlungen in Deutſchland und Eng⸗ land veranſtaltet, auch die engliſche Regierung ließ es nicht an bedeutenden Geldunterſtützungen fehlen und beſoldete überdies ihre Prediger bis in das Jahr 1773. Ganz beſonders aber nahm ſich der edle Oglethorpe ihrer an. Da ſie in den erſten beiden Jahren gar nicht aufkommen konnten, ſo begab ſich derſelbe zu ihnen und durch ſeinen Beiſtand mit Rath und That, trat bald ein anderer Zuſtand ein. Dantbar wird dieſes Mannes von den Predigern iu ihren nach Deutſchland geſchickten Berichten gedacht und in denſelben von ihm gerühmt, daß er nach beſtem Vermögen für die Salzburger ſorge, daß er eine große Liebe zu den Kindern Gottes hege und daß, wo er gegenwärtig ſei und Einrichtungen mache, in Einem Jahre gelänge, was andere in zehn Jahren nicht zu Stande bringen würden; Unter dem Segen Gottes und der Berathung eines ſolchen Mannes und eigenem unermüdli⸗ chen Fleiß konnten ſich denn ſchon im dritten Jahre unſere 10 edler eines ſolchen Erfolgs er⸗ freuen, daß z3. B. ihr Seidenbau, der erſte in Amerika überhaupt, ihnen ſchon 10, 000 Pfund Rohſeide abwarf; und gleiches Glück hatten ſit mit dem Indigo, deſſen Bau ſie gleichfalls zu⸗ erſt unternahmen. Gerne möchte ich nun dem Leſer ein Mehrel res von der Haupiſache, von ihrem Kirchen; weſen erzählen; allein hiezu fehlt mir gerade eine Hauptſchrift, Urlſpergers „Reiſediarium.