# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 03_S193 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) tbeologiſchem Gebiete ſo manche krankhafte Ausgeburt entſtammt, das noch Unentwickel⸗ te wirklich ent⸗ und nicht verwickele. Ein ſolcher Rückſchritt wäre in der That der Fortſchritt, deß wir jetzt bedürfen; und überhaupt gilt es fur uns Lutheraner, daß wir, ob Gott will, einen ſolchen Zuſammen⸗ halt und Zuſammenſchluß um das theuer⸗ werthe Bekenntniß der Kirche wiedergewin⸗ nen, wie es in unſern Vätern war, die da⸗ rin lebten und webten, weil es eben die Stimme der Kirche, ihrer geiſtlichen Mut⸗ ter, und die Antwort auf die Stimme des himmliſchen Bräutigams in ſeinem gnaden⸗ reichen Evangelium war — es gilt, mit den ſtreitbaren und ſieghaften Helden der Reformationszeit um das Banner deſſelben Bekenntniſſes in geſchloſſener Phalanx uns zu ſchaaren und denſelben guten Kampf des Glaubens um das Kleinod der reinen Lehre 4 wider alte und neue, äußere und innere Feinde förder zu kämpfen; denn nur in ſol⸗ chem Zuſammenſtehen, Zuſammenkämpfen und Zuſammenleiden, als von Einem Gei⸗ ſte, durch die Eine Taufe und in dem Einen Glauben unter dem Einen HErrn zu Ei⸗ nem Leibe vereinigt, kann die Kirche der Zukunft gebaut werden. Wenn wir aber anfingen, kühl und frem⸗ de gegen unſre kirchlichen Symbole zu wer⸗ den und ihnen gleichſam nur von Ferne ei⸗ ne gewiſſe äußerliche Reverenz zu beweiſen (ſtatt, eben wegen des quia, mit Herz und Gewiſſen an ihnen zu haften), weil ihre nüchterne Schärfe und heilſame Zucht ſich gegen dieſes und jenes erklärt, was mit un⸗ ſeren Lieblingsgedanken freundſchaftlich zu⸗ ſammenhängt, ſo wäre es freilich ganz na⸗ türlich, wenn wir je länger je mehr die ge⸗ ſunde zuſammenfaſſende Anſchauung von dem Weſen der Kirche aus dem Auge ver⸗ lören, ja ſogar an ihrer Kreuzesgeſtalt hin und her Anſtoß nähmen und in einen ge⸗ „wiſſen äſthetiſchen Enthuſtasmus für dieſe und jene ſchöne Erſcheinung der ſichtbaren Kirche geriethen, die mit ihrem Weſen und ihrer Geſundheit keineswegs ſo innig zuſam⸗ menhangt, als man wähnt, ja, möglicher Weiſe, beides gefährdet, wenn man erſt an⸗ fängt, menſchlicher Weiſe, ſeine kirchlichen ö Lieblingsgedanken zu verwirklichen. 3. Sie, lieben Brüder, ſagen ferner: „Daher ſollten die auseinandergehenden Auffaſſun⸗ gen in Betreff dieſer Fragen, von denen, wiewohl nur eine die ſchrift- und ſymbol⸗ mäßige iſt, doch ſowohl die eine als die an⸗ dere einzelne Ausſprüche der Schrift und Symbole für ſich deuten kann, weder die ei⸗ ne, noch die andere ausdrücklich verworfen iſt, ſo lange die Kirche noch nicht geſprochen hat, beide nebeneinander in dieſer Kirche Raum finden.“ Hier müſſen wir nun auf⸗ richtig geſtehen, daß wir entweder das Ge⸗ ſagte nicht verſtehen, oder einen ſeltſamen Widerſpruch darin ſinden; denn iſt z. B. Hrn. P. Grabau's Lehre von Kirche und Amt die ſchrift -und ſymbolmäßige, wie konnen denn ſeine Beweisſtellen aus Hl. Schrift und ſeine Zeugniſſe aus den Sym⸗ bolen, zugleich fur unſre Lehre da ſprechen, wo wir gerade von der ſeinigen uns ſchei⸗ — 101— den und ihr widerſprechen müſſen und umge⸗ kehrt 2— denn ſolche Beweiskraft der Schrift und ſolches Zeugniß der Symbole kann ſich nur auf unſern Conſenſus, ſo weit er vor⸗ handen iſt, nicht aber auf unſern Diſſenſus beziehen. Daß aber z. B. dieſe und jene Stellen der Symbole entſchieden für unſre Gegner, andre für uns zu ſprechen ſcheinen, gleich als ob beide Lehren auch in ihrem Ge⸗ genſatz von der Kirche, als wohlgelitten ne⸗ ben einander beſtehen und Raum finden könnten, das iſt eben nur Schein und kommt lediglich daher, daß unſre Bekennt⸗ nißſchriften und bereits die Augsburgiſche Confeſſion trotz ihrer milden apologetiſchen Haltung einen zwiefachen Gegenſatz, naͤm⸗ lich den der Papiſten und der Schwärmer zugleich bekämpft und die reine evangeliſche Lehre wider beide erhärtet. Darum ſcheint es z. B. als ſprächen Art. 5. und 14., die vornämlich wider die Schwärmer gerichtet ſind, für P. Grabau und nicht für uns (während doch auch ſie durchaus unſre Lehre ansdrücken), indeß Art. 8. „Was die Kirche ſei“, der vorzüglich wider die Papiſten zeugt, offenbar die Grundlage unſerer Lehre iſt, was ja auch Hr. P. Grabau zugiebt, jedoch durch manche ſeiner Behauptungen dieſe Grundlage wieder aufhebt. Wenn nun endlich die l. Brüder meinen, bei⸗ de Lehren hätten ſich doch ſo lange innerhalb der Kirche ruhig zu verhalten, und abzuwarten bis „die Kirche geſprochen habe,' ſo iſt uns auch dieſes nicht klar und einleuchtend; denn iſt, wie geſagt wird, „nur eine dieſer Lehren die ſchrift⸗ und ſymbolmäßige“, ſo hat ja die Kirche ſchon geſprochen, und es iſt nur an den Symbolen der Nachweis zu fuhren, welche Lehre die bekennt⸗ nißtreue ſei, und ein anderes Sprechen der Kirche können wir uns, als Lutheraner, auch gar nicht denken; denn wenn auch Repräſentanten von allen lutheriſchen Gemeinden auf dem ganzen Erdboden an einen Ort, ſo es moͤglich wäre, zu⸗ ſammenkämen, um Rath zu halten u. zu beſehen, welche die ſer beiden Lehren, von denen „nur die eine die ſchrift⸗ und ſymbolmäßige ſei“, es wirk⸗ lich und wahrhaftig ſei, ſo könnte doch ſolches lutheriſche Concil nichts anders ſprechen und ur⸗ theilen, als daß entweder die Lehre der Synode von Buffalo reſp. Hr. P. Grabau's oder die unſre dem alten und neuen Spruch der Kirche in ihren Symbolen gemäß ſei. Zu ſolcher Entſchei⸗ dung aber zu gelangen, dazu ſcheint uns keines⸗ wegs ſolch' ein ökumeniſches lutheriſches Concil nöthig zu ſein, ſondern irgendwelcher dazu be⸗ fähigte Lutheraner, ſei er ein eigentlicher Theo⸗ loge oder nicht, könnte z. B. durch eine Schrift den objectiven Nachweis von dem Bekenntnißge⸗ mäßen der einen oder der andern Lehre liefern; und welche lutheriſche Landeskirche oder deren Geſammtheit würde darum anſtehen, ſich dazu zu bekennen? Ja klänge es nicht ruhmredig und hätte es nicht einen böſen Schein, ſo möchten wir ſagen, daß wir in jenem unſerm Zeugniß „Die Stimme unſrer Kirche in der Lehre von Kirche und Ant ꝛc.“ bereits jenen Nachweis ge⸗ liefert, daß unſre Lehre, theils in jedem einzelnen Stück, theils in dem Zuſammenhang auf dem Grunde der heil. Schrift ruht, und unſern kirch⸗ lichen Symbolen gemäß iſt; und wenngleich die Form dieſes unſers Nachweiſes dem dermaligen /. Geſchmack auch in theologiſchen Erzeugniſſen nicht zuſagen und munden möchte, ſo ſind wir doch deß göttlich gewiß, daß wir darin die alte u. ewig neue Wahrheit göttlichen Worts bezeugt haben. Gleichwohl, konnte uns von irgend ei⸗ nem lutheriſchen Chriſten, und ſei er auch nur ein ſogenannter Laie, aus der Schrift und nach unſern Symbolen ein weſentlicher Irrthum nach⸗ gewieſen werden, ſo wollten wir eben ſo gern u. willig ſtracks widerrufen, als wir unerſchütterlich feſt bleiben und bei unſrerLehre, als der der recht⸗ gläubigen Kirche beharren würden, wenngleich⸗ eine Plenar⸗Verſammlung aller lutheriſchen Con⸗ ſiſtorien und ſonſtigen Kirchenbehörden der ganzen Welt ohne den rechten Schriftgrund u. Sym⸗ bolzeugniß d. i. wider den Zuſammen⸗ hangderevangeliſchen Lehre ſie durch ihr Macht-Anſehen niederdrücken und verwerfen wollte. Ueberhaupt können wir nicht umhin, uns gegen den Ausdruck: „die Kirche hat noch nicht ge⸗ ſprochen“ auf das Schärfſte und Beſtimmteſte zu erklären und ihn als ſchrift⸗ und ſymbolwidrig, d. i. als unlutheriſch zu verwerfen; denn die Kirche Gottes, als Pfeiler und Grundfeſte der Wahrheit, iſt von Anfang nie in der Schwebe und im Ungewiſſen geweſen über irgend einen Artikel des chriſtlichen Glaubens zur Seelen Seligkeit, und hat aus Gottes Wort immerdar geſprochen; und wie dieſelbe Sonne uns jetzt erleuchtet, die über Adam und Eva im Paradieſe ſchien, ſo iſt deren Glaube und Bekenntniß von dem Weibesſaamen kraft der göttlichen Verhei⸗ ßung weſentlich kein anderer und geringerer, als was wir von Chriſto in unſerm kirchlichen Be⸗ kenntniß bezeugen. Und wie es Gott gefallen hat, ſonderlich zu Zeiten großen Abfalls von der einen und reinen Lehre, als z. B. gegenüber den grundſtürzenden Irrlehren des Arianismus und des Papſtthums die Kirche durch den Mund ein⸗ zelner aus ſeiner Gnade erweckter, durch den hl. Geiſt aus ſeinem Wort allein erleuchteter Zeugen, als eben durch Athanaſius und Luther ſprechen zu laſſen, ſo bedürfen wir ſicherlich kei⸗ nes neuen Sprechens der Kirche und keiner ſon⸗ derlichen Kirchenverſammlungen, wo, wie in dem obſchwebenden Lehrſtreite, die Kirche aus Gottes Wort durch den Mund Luthers uud ſeiner Mit⸗ und Nachzeugen bereits deutlich genug ge⸗ ſprochen hat. So ſagt denn auch Luther: „Daß ſie nun ſa⸗ gen, ſie wollen warten, bis es von der chriſtlichen Kirche beſchloſſen werde, da harre der Teufel auf; ich will ſo lange nicht harren; denn die chriſtliche Kirche hat ſchon Alles beſchloſſen.“ (Opp. Hal. Tom. VII. 2345.) Es ſei uns nun noch erlaubt, folgende Punkte gegen die Ehrw. Conferenz zu bemerken. Der eine betrifft jene 2 Stellen aus Luthers Werken, die in dem Sendſchreiben der Ehrw. Conſe renz wider uns angezogen ſind. Nach obiger geſchicht⸗ licher Orientirung aber werden die l. Brüder jetzt wohl, ohne genaueren Nachweis, ſelber ein⸗ ſehen, daß ſie auf uns keine Anwendung leiden; denn wir haben weder in ſchwärmeriſchem Un⸗ verſtande, noch aus böſem Rath und Willen in ein fremdes Amt gegriffen und auf gut amerika⸗ niſch, aber ſchlecht lutheriſch der Synode von Buffalo Abbruch gethan, ſondern wir haben uns Gewiſſens halber nur derer angenommen, die, in Folge der Grabauiſchen Lehre und der darauf