# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 08 03_S188 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nun haben wir eine dreifache Erwiederung zu thun: Fürs Erſte nämlich können wir nicht einräu⸗ men, daß Hr. P. Grabau „in der Ordnung Chri⸗ ſti'ꝰ' banne; denn er ſpricht es als einen ſeine Pra⸗ ris leitenden Grundſatz unverholen aus, daß die Gemeinde dem Diener der Kirche in allen Din⸗ gen Gehorſam ſchuldig ſei, die nicht wider Got⸗ tes Wort anlaufen (ſ. d. Hirtenbrief des P. Grabau ꝛc S. 14 u. 55); ferner: die Laien ſeien in den Spnoden nur als „Zuhörer“ und „Fragen thuende und ſich löſen laſſende Zeu⸗ gen“ zuzuziehen, nicht aber als ſolche, die dabei über die Lehre mit „urtheilen“ dürfen (ſ. P. Grabaus 2. Synodalbrief S. 141. 142. und Hirtenbrief S.18. 19.); endlich: die Gemeinde habe bei dem Bannenicht erſt zu „erklären,“ daß ein Sünder des Bannes würdig ſei und hierin nichts zu „richten“ oder nach Gottes Wort „zu entſcheiden“ (2. Syn. Brief S. 16 u. 28.) Dieſe antievangeliſche Satzung aber — denn ein evangeliſcher Grundſatz iſt ſie nicht zu nen⸗ nen — müſſen wir entſchieden verwerfen; denn da Chriſtus das letzte und höchſte Gericht der Gemeinde d. i. der Verſammlung von Lehrern u. Hörern gegeben hat, ſo dürfen letztere — ſei es als Verſammlung der einzelnen erwachſenen, urtheilsfähigen Gemeindeglieder, oder als ſolche Repräſentanten, denen dieſelben ihre Gewalt für die Ausübung übertragen haben, — unmöglich zu blos ſtummen Zeugen oder gar zu ſolchen Hoͤrern herabgeſetzt werden, denen das vom Pa⸗ ſtor gefällte Bann⸗Urtheil nur zu gehöriger Nachachtung mitgetheilt würde; vielmehr hat ein jedes einzelne der oberwähnten Gemeinde⸗ glieder das Recht und die Macht, ſobald ein Fall der Kirchenzucht nach Chriſti Ord- nung vor die Gemeinde gelangt, in der Verſammlung derſelben, nachdem es über den ganzen Hergang und Thatbeſtand gehörig ins Klare geſetzt iſt, nach Gottes Wort mit zu entſcheiden und zu richten, daß der vergeblich Ge⸗ ſtrafte und Ermahnte des Bannes würdig ſei, den dann allerdings der Paſtor allein zu vollzie⸗ hen hat. Wo alſo grundſätzlich der Hörerſchaft oder doch ihren Repräſentanten dieſe ihre in Gottes Wort gegründeten Gerechtſame durch ein ungebührliches Uebergreifen des Predigt⸗Am⸗ les abgeſprochen und geraubt wird, da kann man nicht ſagen, daß der Bann „in der Ordnung Chriſti“ gehandelt werde, ſondern muß vielmehr behaupten, daß er wider die Ordnung Chriſti geſchehe. Den genaueren Nachweis davon aus den ſymboliſchen Büchern zu führen, achten wir als überflüſſig, da wir uns ja meiſt gegen lutheriſche Prediger zu verantworten ha⸗ ben, die, als ſolche, jagehalten ſind, dieſelben auch in ihrem Zuſammenhange zu erkennen und als beweiskräftig anzuerknnnen; und es wäre in der That nichts weniger, als lutheriſche Praxis, mit Beiſeitſetzung der Spmbole u wider den bereits gewonnenen Zuſammenhang der evangeliſchen Lehre, wieder von vorne anzufangen aus der Schrift zu beweiſen, oder gar unter der Herr⸗ ſchaft beſonderer Lieblingsgedanken auf gut par⸗ beigängeriſch dieſe und jene exegetiſche Kreuz⸗ und Querzüge durch die Schrift zu unterneh⸗ men. Es iſt deshalb feſt und gewiß, daß es für je⸗ des Glied einer Ortsgemeinde ſein gutes evan⸗ geliſches Recht und Pflicht zugleich iſt, mitzuur⸗ theilen, ob ein andres Glied der Gemeinde noch ferner in dem Verband bleiben könne, da zu dem darin doch jeder Einzelne auf das Nächſte bethei⸗ ligt iſt; und es darf von Rechts wegen kein Zweifel und Anſtoß in dem Verſtande und Ge⸗ wiſſen irgend eines Gliedes ſein, ob der Schul⸗ dige rechtmäßig d. i. nach Gottes Wort und Ordnung ferner auch ihm nicht mehr als ein Bruder, ſondern als ein Heide und Zöllner zu achten d. i. durch gemeinſamen Spruch, darin Alle als durch einen Mund urtheilen, aus ver Gemeinde zu thun ſei. Natürlich muß der Fall ſachlich durchaus klar und offenbar, auch der Beſtrafte in ſeinem eignen Verſtande und Gewiſ⸗ ſen ſeiner Schuld überwieſen ſein, alſo daß in der Weigerung der Buße ſein böſer Wille und der Hochmuth ſeines Herzens Allen offenbar wird; denn in ſich unklare, verworrene und zweifelhaf⸗ te Fälle können ja nicht den Bann nach ſich zie⸗ hen. Sollte es ſich aber zutragen, daß in jenen Fällen, darin der Schuldige als ein offenbarer und halsſtarriger Sünder erfunden wird, dieſe und jene Glieder wider beſſere Erkenntniß aus fleiſchlicher Partheihalterei zu ihm ſtehen, um den rechtmäßigen Bann zu hindern, ſo müßte gegen dieſe mit Kirchenzucht eingeſchritten und ſo ſie nicht Buße thäten, ſie endlich aus der Gemeinde gethan werden. Jenes unordentliche Bannen des Orn. P. Grabau aber iſt um ſo gefährlicher und verderb⸗ licher, wenn man es im Zuſammenhange mit ſeineroben erwähnten Behauptung anſchaut, daß die „Kirchkinder“ ihren „geiſtlichen Vätern“ nach dem 3. und 4. Gebot auch in ſolchen Stücken Gehorſam ſchuldig ſeien, die zwar nicht Lehre des göttlichen Worts, aber doch auch nichts wi⸗ der die h. Schrift enthielten, wofür P. Grabau gewöhnlich Hebr. 13, 17. anzuziehen pflegt, im Widerſpruch mit dem rechtgläubigen Verſtand die⸗ ſer Stelle,wie ihn Apol. Art. XIV s. f. darlegt. Denn dieſe Behauptung iſt durchaus unſtatt⸗ haft und wider die evangeliſche Lehre von der chriſtlichen Freiheit in Mttteldingen, deren An⸗ ordnung weder dem Pfarrer für ſich noch der Hö⸗ rerſchaft allein zuſteht, ſondern Beiden im gemein⸗ ſamen Zuſammenwirken, wie es eben zum Frie⸗ den und Wohlſtand der Gemeinde dienen möge. Es erhellt aber überdies klärlich, welche ver⸗ derbliche Folgen die praktiſche Anwendung jener Satzung nach ſich ziehen muß; denn angenom⸗ men, daß der Paſtor mit der confeſſionellen Ent⸗ ſchiedenheit nicht genugſame Demuth und Weis⸗ heit, evangeliſche Milde und Lindigkeit, Geduld und Langmuth verbindet, —daß er vielleicht, nach ſeinem Naturell zornmüthig und eigenſin⸗ nig und harmäckig iſt, — wir wollen der halb und halb bewußten Herrſchſucht ganz ge⸗ ſchweigen — wieviel Unrath und Herzeleid muß dann nothwendig aus jener Behauptung erfol⸗ gen zur nicht geringen Beſchädigung ſeiner eige⸗ nen und Anderer Seelen! Wieviel unnͤtze Gewiſſensneth, ja welche ver⸗ derbliche Gewiſſensſtricke werden da leichtlich die⸗ ſen und jenen Gemeindegliedern um den Hals gelegt, die ſich erkühnen, in dieſen und jenen Mitteldingen, als z. B. in Cärimonien, die nicht gerade unmittelbarer Ausdruck des Bekenntmiſ⸗ ſes ſind, oder in Sachen von Kirchen -unt Schulbau und dergleichen eine andre Meinung als ihr Pfarrer zu haben, oder die ſogar im Stan⸗ de wären, den Nachweis zu führen, daß ſeint Rathſchläge z. B. in Dingen, die das äußerliche Kirchenweſen betreffen, den Verhältniſſen der Gemeinde nicht angemeſſen ſeien und die dagegen, wiewohl in aller Ehrerbietung und Beſcheiden⸗ heit, andre und beſſere Vorſchläge zu machen ver⸗ mögen! — Wie iſt es hier — bei jener falſchen Satzung von der Verbindlichkeit der Pfarrkinder zum Ge⸗ horſam gegen ihren Pfarrer, auch in Mitteldin⸗ gen, zumal bei oberwähnten temperamentlichen Unarten, die eine glückliche praktiſche Inconſequenz kaum zulaſſen-wie iſt es hier anders möglich, als daß ſchon jene beſcheidenen Einwürfe, Zweifel u. Bedenken über die Angemeſſenheit oder prakti⸗ ſche Ausführbarkeit der Rathſchläge des Pfar⸗ rers alsbald zur Sünde des Ungehorſams wider das J. Gebot gemacht werden, die denn leicht— lich den Bann nach ſich ziehen, wenn der oder die angeblich Schuldigen ſich weigern — wie ſi ja doch nicht anders können — wider ihre beſſe⸗ re Erkenntniß und Gewiſſen, ihre abweichenden Meinungen und Vorſchläge und dergleichen als Sünde des Ungehorſams zu er- und zu bekennen und Abbitte zu thun gegen den Pfarrer, der e⸗ ben in Folge ſeiner falſchen unevangeliſchen Leh⸗ re von der Gewalt des Predigtamtes und (im beſten Falle) mit irrendem Gewiſſen ſolche Bußt und Abbitte begehret! — Wäre das nun ein Bann „in“ oder nicht vielmehr wider die Ordnung Chriſti, wenn er auch die äußere legale Form hätte? Ja würde nicht vielmehr der Pfarrer, wenn er nicht aus Mangel an Erkenniniß und alſo aus irrenden Gewiſſen ſolchen Bann erecutirte, ſich ſelber recht eigentlich vor Gott in den Vanu thun, der Ge⸗ bannte aber, falls er ſonſt gläubig wäre, troß ſolches Sch.. 8, wie ihn Luther nennt, doch gewißlich in der eigentlichen Kirche Chriſti d. i in der Gemeinde der Gläubigen bleiben, obwohl er durch ſolche ſchändliche Gewaltthat von der Ortsgemeinde abgeſondert iſt? Daß aber Bannfälle der oben erwähnten An in Folge der falſchen Lehre von der Gewalt des Predigtamtes und im ausdrücklichen Widerſpruc mit Apol. Art. XIV „Item, es ſtreckt ſich auch di Jurisdictio nicht auf Sünde wider ihre neuen G⸗ ſetze, ſondern allein auf ſolche Sünde, die widn Gottes Gebot ſind; denn das Evangelium ric⸗ tet ihnen (den Biſchöfen) nicht ein Regiment u außer dem Evangelium, das iſt ja klar und ge⸗ wiß.“ im Buffaloer resp. Grabauiſchen Kit— chenregiment nicht wenige vorgekommen ſind, iE außer allen Zweifel, da wir mehrere Belege in. unſerm „Lutheraner“ haben drucken laſſen, ohne daß Hr. P. Grabau eine eingehende und nur it⸗ gend befriedigende Widerlegung geliefert hänn