Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 29
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-27, Seite 29
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang 8
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mittelbar betrauet. —Auf der dritten und unter⸗
ſten Stufe endlich ſteht die Gemeinde, die Hörer⸗
ſchaft, die Laien, d. i. „das Volk, das nichts vom
Geſetze weiß“ (und nach folgerichtig⸗papiſtiſcher
Auslegung, ohne die ſegnende Vermittelung der
Prieſterſchaft: „verflucht“ iſt). Dieſer Theil
nämlich der Kirche Gottes hat an Chriſto und
ſeinem Verdienſt nicht anders Theil, als durch
den Prieſterſtand, durch deſſen Amtsführung die
göttlichen Gnadenmittel, das Evangelium ſammt
den heiligen Sakramenten erſt wahrhaft heils⸗
kräftig ſich erweiſen. Wer ſich alſo außer dem
Amtsbereich des Prieſterſtandes befindet, der iſt
auch nicht weſentlich in det Kirche Chriſti.
Dieſe nach levitiſch-geſetzlichem Vorbild aus
episkopaliſtiſch-papiſtiſcher Hoffart und Herrſch—
ſucht gemachte Stufenleiter und menſchliche Kir—
chen⸗Ordnung aber iſt auf der zweiten und drit⸗
ten Stufe ſchnurſtracks wider die evangeliſche
von dem HErrn Chriſto ſelber geſtellte göttliche
Kirchenordnung.
Denn nach dieſer, die in Gottes Wort klar
angezeigt iſt, hält es ſich alſo:
Auf der zweiten Stufe ſteht die Braut und
Hausehre Chriſti, die Gemeinde des lebendigen
Gottes, die Verſammlung aller wahrhaft Gläu⸗
bigen, der Pfeiler und die Grundfeſte der Wahr—
heit, das auserwählte Geſchlecht, das heilige
Volk, das Volk des Eigenthums, durch den hei⸗
ligen Geiſt und den Glauben an Chriſtum lau⸗
ter Könige und Prieſter vor Gott, es mögen nun
Fürſten im Krönungsſchmuck oder Bettler in
Lumpen, Apoſtel unter den Heiden oder ſchweig—
ſame Jungfrauen daheim, berühmte Feldherren
und Staatsmänner oder gemeine Soldaten und
Abſchreiber, weiſe Gelehrte und Künſtler oder
einfältige und niedrige Leute vor der Welt,
Säuglinge in der Wiege oder Mütterlein am
Stabe, Kinder oder Jünglinge oder Väter in
Chriſto ſein.
Durch einen d. i. den heiligen Geiſt ſind ſie
Alle durch daſſelbe Evangelium von Chriſto und
durch dieſelbe eine Taufe zu einem geiſtlichen
Leibe, von dem Chriſtus das Haupt iſt, in ei⸗
nem Glauben verbunden, von einer Liebe von
und zu Chriſto und untereinander beſeelt und
getrieben, von einer Hoffnung der zukünftigen
Herrlichkeit getragen und getröſtet. Alle ſind ſie
Kinder deſſelben Vaters, Brüder deſſelben Soh⸗
nes, Wohn- und Werkſtätten deſſelben heiligen
Geiſtes; ſie haben Alle durch den Glauben den⸗
ſelben Zugang zu ihrem einigen Hohenprieſter
und König im Himmel, der das leiſe Seufzen
wie das brünſtige Flehen aller der Tauſende und
aber Tauſende ſeines Volks in allerlei Sprachen
und Zungen in demſelben Augenblicke hoͤret und
erhöret. Sie haben Alle dieſelbe Salbung des
heiligen Geiſtes und denſelben heiligen Prieſter⸗
beruf, geiſtliche Gaben zu opfern und die Tugen⸗
den deß zu verkündigen, der ſie berufen hat von
der Finſterniß zu ſeinem wunderbaren Lichte.
Dieſer ſeiner Hausehre aber hat Chriſtus, ihr
Eheherr, bevor Er gen Himmel fuhr, um Alles
in Allen zu erfüllen, alles zu regieren und all
den Seinen grade nahe zu ſein bis an der Welt
Ende, die Schlüſſel des Himmelreichs d. i. das
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heilige Evangelium ſammt den heiligen Sakra⸗
menten zu treuer und von Ihm geordneter Ver⸗
waltung vertrauet, um den geiſtlich armen Sün⸗
dern durch gläubige Annahme dieſes Evangelii
das Himmelreich wieder aufzuſchließen, und ſie
aus Verfluchten zu Geſegneten, aus Verbannten
zu Bürgern mit den Heiligen und Gottes Haus⸗
genoſſen zu machen.
Damit aber bei ſolchem Aufſchließen Alles ei
nig und friedſam hergehe, hat der HErr Chriſtus
als ſeine, alſo als göttliche Ordnung befoh—
len, daß ſeine Hausfrau, die heilige Kirche
Haushalter über ſeine Geheimniſſe, d. i. recht—
gläubige, lehrtüchtige und im Wandel unſträfli⸗
che Diener beſtelle, die da Botſchafter ſeien an
ſeiner Statt und ſowohl in ſeinem Namen, als
im Dienſt und Auftrag dieſer ſeiner Hausehre,
das Evangelium und die heiligen Sakramente
öffentlich verwalten.
Und dieſes iſt denn die Entſtehung des heili⸗—
gen Predigtamts oder des Kirchendienſtes, der
alſo, dem Weſen nach, nicht verſchieden von dem
geiſtlichen Prieſterthum und. Opferdienſt aller
gläubigen Chriſten, ſondern nur eine beſondere
Ausrichtung deſſelben iſt im öffentlichen Dienſt
und Amte an dieſen und jenen Oertern der Chri⸗
ſtenheit. Und nur diejenigen haben einen or⸗
dentlichen Beruf und ein Recht zu ſolcher Ver—
waltung, denen dieſe und jene hin und her zer⸗
ſtreuten örtlichen Häuflein ihrer Mitchriſten und
geiſtlichen Mitprieſter dieſen Dienſt befehlen,
daß ſie denſelben, wie an Chriſti Statt, ſo auch
in ihrem Namen und Auftrage verrichten; denn
urſprünglich und weſentlich hat jeder gläubige
Chriſt dieſes oder jenes örtlich verſammelten
Häufleins eben als König und Prieſter vor Gott
daſſelbe, ich möchte ſagen, evangeliſche Grund—
recht und dieſelbe Gewalt. Damit aber in der
Kirche Gottes alles ehrlich und ordentlich her—
gehe und nicht, (da auch die Kinder Gottes noch
Fleiſch und Blut an ſich haben,) wildes und
wüſtes Weſen aufkomme, jeder Einzelne, mit
Beſchädigung deſſelben Rechtes in den Andern,
taufen und predigen und Sakrament reichen
wolle —deshalb iſt von Nöthen, daß die Einzel—
Perſonen, wie die Einzel-Gemeinden ſich dieſes
ihres urſprünglichen Rechtes begeben und die
göttliche Ordnung der öffentlichen Verwaltung
des Evangeliums und der heiligen Sakramente
ſolchen Chriſten d. i. geiſtlichen Mitprieſtern
übertragen, welche die in 1 Tim. 3. und Tit. 1.
von Gott dazu erforderten Geſinnungen und Ei⸗
genſchaften haben.
Demgemäß alſo ſtehen die Kirchendiener, zwi⸗
ſchen denen weſentlich kein Rangunterſchied iſt,
eben als Diener (nicht aber als ſichtbare Her—
ren) der Kirche nach der evangeliſchen Kirchen⸗
Ordnung des HErrn Chriſti nicht auf der 2ten,
ſondern auf der Zten Stufe; und wie das Pfarr⸗
Amt aus der Gemeinde fließet, ſo iſt es auch nur
um der Gemeinde willen da, nicht aber umge⸗
kehrt; es iſt eben nur Dienſt⸗-Mittel zur Er⸗
bauung des Leibes Chriſti, zur Erhaltang und
Ausbreitung der Kirche nicht kraft des Amtes,
ſondern kraft der göttlichen Gnadenmittel, des
Evangeliums und der heiligen Sakramente, de⸗
ren öffentliche Verwaltung den Dienern der Kir⸗
che vertrauet iſt. Auch wird die Gemeinde Got—
tes, die Braut Chriſti nicht dadurch weſentlich
und urſprünglich eine fröhliche Kindermutnrr,
daß ſie Amtsperſonen und Kirchendiener hat,
ſondern daß ſie durch den heiligen Geiſt von den
Saamen des göttlichen Wortes befruchtet wird,
für welche geiſtliche Zeugung nun allerdings
vornämlich die Diener der Kirche Mittel und!
Werkzeuge ſind und Mithelfer und Mitarbeiter
des heiligen Geiſtes genannt werden.
Endlich aber iſt dieſer Dienſt des Pfarramtte
nur irdiſch und zeitlich und dauert nur bis an
den jüngſten Tag, bis alle Kinder Gottes leib⸗
lich und geiſtlich geboren ſind und das Maaft
der Trübſale in Chriſto in der kämpfenden Kirchel
vollendet iſt. ö
Wenn aber an dem großen Auferſtehungs
und Gerichtstage auch die Vollendung der tuü⸗
umphirenden Kirche beginnt und dieſe, die du
ewiglich bleibet, in ihrer heiligen Schönheit of⸗
fenbar wird; — wenn alle Kinder Gottes Gon
heller ſchauen von Angeſicht zu Angeſicht und ſi.
ſelber völlig in Gott ſind, und Gott in ihnen 1
—dann wird es in dieſem himmliſchen und ewi,
gen Weſen, in dieſem Reiche der Herrlichkein
nicht mehr unterſchiedene Lehrer und Hörer, ſon⸗
dern nur verherrlichte Könige und Prieſter geben.
Aber obwohl dieſe in einem unterſchiedlichen
Glanze ſtrahlen und leuchten werden, und ob
wohl freilich die reinen und treuen Lehttr'
eine ſonderliche Verheißung haben, daß ſie leuch—
ten werden als die Sonne in ihres Vaters Reich,
ſo könnte es doch leicht ſein, daß ein einfältizer
lutheriſches Bäuerlein, das im rechtfertigende!
Glauben gelebt, bekannt, gearbeitet, gekämpft
und geduldet hat und in demſelben ſelig entſchlas
fen iſt, droben in herrlicherem Glanze ſtrahlent
werde, als dieſer und jener berühmte Biſchof der!
römiſchen oder engliſchen Kirche, indem, weil n
ſonſt aufrichtig geweſen, Gott durch das Feutt
der Todesſtunde das Holz, Heu und Stopprli
der unnützen, ja ſelbſt den Unrath der falſchen.
und verderblichen Lehre verzehret hat, ſo daß det
Großwürdenträger der Kirche noch durch den ar⸗
men Sünder- und Kinder-Glauben mit Mühr
der Hölle entronnen und in den Himmel entkom
men iſt.
Um nun aber am Schluſſe wieder auf dun
Aufang zurückzukommen, ſo iſt ſicherlich für die
biſchöfliche Kirche Englands wider ihren Rückfall
ins Papſtthum kein andres gründliches Heilmitz
tel vorhanden, als daß ſie in die Fußtapfen din
lutheriſchen Kirche trete und ſich gründlith
und völlig reinige auch von der papiſtiſchn
falſchen Lehre über die Kirche, das Predigtamt,
in ſeinem Berhältniſſe zur Gemeinde und umge⸗
kehrt, die Ordination u. ſ. w. Denn nicht nuſ,
daß dieſe Menſchenſündlein und dieſes geſetzlicht
Machwerk an ſich ſelber, als der evangeliſchen
Lehre zuwider, höchſt ſchädlich und verderblich iſt
und die armen Gewiſſen des Volkes unter den.
Scheine des göttlichen Wortes gefangen nimmt,
ſondern auch andre hochwichtige uhd hochtheun
Artikel der heilſamen Lehre, die in völliger Reinn
heit nur die lutheriſche Kirche bekennt, alz
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