Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-27, Seite 38

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„So weit Brenz. Ehe wir jedoch dieſe Auszüge
ſhlißen, mag noch folgende damit in Verbin⸗
dung ſtehende hiſtoriſche Nachweiſung, die uns
Seckendorf (Hiſtorie des Lutherthums pag.
1532.) aufbehalten hat, ein Plätzchen finden.
As nämlich im Jahre 1536 zwiſchen Luthero,
im Namen der luther. Kirche und Mart. Bucer
und Capito im Namen mehrerer Oberländiſchen,
ftuher reformirt geſinnt geweſenen Städte eine
Concordie (Eintrachtsbündniß) durch Gottes
Gnade zu Stande kam, wurde unter andern auch
der Artikel von der heiligen Taufe beſprochen.
Ducer erklärte ſich auf Lutheri Begehren darüber
llſo: „Sie ſtritten treulich wieder die Widertäu⸗—
ſer, halten auch die Taufe gar nicht als ein
leeres Zeichen, ſondern als das wahre Bad
ker Wiedergeburt, die da mit dem Waſſer darge—
nicht und übergeben werde, aus dem Werk Got⸗
1 und Dienſt des Dieners. Etliche haben ſich
alein daran geſtoßen, daß man nämlich nicht
ſgen könne, der Glaube komme bei den Kindern
uus dem Worte Gottes, ſolchen Glauben können
tie Kinder nicht haben; wo man aber den Glau⸗
ben für alle Ergebung an Gott wolle nehmen,
nöge man auch die Kinder Gläubige heißen;
denn ſie glauben gänzlich, daß denen Kindern
zadurch die wahre Wiedergeburt und rechte Kind⸗
ſhaft Gottes mitgetheilt werde, daß der heilige
Geiſt in ihnen wirke nach ihrer Maße, wie man
von Johanne leſe, daß er voll heiligen Geiſtes
un Mutterleibe an geweſen. Können aber de—
un nicht beipflichten, die vorgeben, die Kinder
beſtehen die Worte des Evangelii, wenn man
ſ taufet, glanben demſelbigen actu (mit Be⸗
nußtſein) und werden alſo ſelig. Lutherus ant⸗
vortete. „Dieſes (letztere) ſei ſeine Meinung
licht, ſondern wie wir, wann wir ſchlafen, den⸗
uch gläubig genannt werden und ſeien, alſo ſei
ein Anfang des Glaubens und ein
Perk Gottes in den Kindern aufihre
Raße, die wir nicht wiſſen; das nenne er den
Glauben, und wollte, daß man nicht viel Dis⸗
hutitens bewegte, oder zu erörtern ſich unterſtün⸗
de, wie das Werk Gottes in ihnen zugehe.“

(Eingeſandt.)
Natur und Bibel.

In einer Zeit wo die Feinde der chriſtlichen
Kligion mit ihrer Kenntniß der Natur, nament—
lih der Aſtronomie prahlen (und je weniger ſie
udon verſtehen, deſto lauter), und vorgeben,
die Natur ſei die einzige Quelle aller Erkenntniß
nd Weisheit, und dieſelbe lehre die Menſchen
uch, die Bibel ſei nicht Gottes Wort, ja es ſei
kin Gott — o Gräuel! — in einer ſolchen
git wird es dem lieben Leſer erfreulich ſein, ei⸗
uge Stellen aus den Werken der größten Philo⸗
ſphen, Naturforſcher und Aſtronomen, die je
glebt haben, anzuhören: aus den Werken von
Munnern, deren Namen auch bei jenen Feinden
Sottes im höchſten Anſehen ſtehen, und die ſie
ſiſ bis in den Himmel erheben, von denen ſie
bber gewiß ganz kleinlaut reden würden, hätten

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ſie in ihre Werke geblickt, und wüßten ſie, wie
jene Männer ſie aufs Maul ſchlagen.

Jene Mäuner ſind: Franz Baco, einer der
erſten und geiſtvollſten Bearbeiter der Philoſo⸗
phie und Naturwiſſenſchaften in der neuern Zeit,
gb. 1560; Johann Keppler, der wahre Be—
gründer der neuern Aſtronomie, gb. 1571; Ro⸗
bert Boyle, ein ausgezeichneter Engliſcher Na—
turforſcher, gb. 1627; und Iſaak Newton, der
größte Genius in den phyſiſchen und mathema⸗
tiſchen Wiſſenſchaften, gb. 1642; über deren
Lebensumſtände, ſchriftſtelleriſche Thätigkeit und
Verdienſte um die Wiſſenſchaften der Leſer, be⸗
liebt's ihm und hat er die Mittel, in einem Con⸗
verſations-Lericon oder anderem entſprechenden
Buche ſich weiter unterrichten kann.

Aus den hier aus den Werken jener Männer
anzuführenden Stellen wird der Leſer erſehen,
wie nach ihrem Urtheile

1. man die Natur nicht uͤberſchätzen darf als
Quelle der Erkenntniß, wenn nicht unendlicher
Schade daraus entſtehen ſoll.

2. Wie der verſtändige und erfahrene Natur—
kundige durch das Studium der Natur demüthig
und beſcheiden und ſo in die rechte Stimmung
zur Annahme der geoffenbarten Religion verſetzt
wird; und wie die Natur zur Bibel führt, in⸗
dem die geringere Offenbarung Sehnſucht nach
der hoheren erweckt.

3. Wie die Aſtronomie nicht in Widerſpruch
mit der Bibel iſt.

4. Wie der größte Naturphiloſoph ſich mit all
ſeinem Verſtand und ſeinem Wiſſen dem Herrn
Chriſto zu Füßen legen muß.

Ad 1. Baco de augmentis scientiarum
lib. I. ſagt: Wir dürfen nicht wähnen, durch
Betrachtung der Natur die göttlichen Myſterien

ergründen zu können. — Wenn jemand meint,

durch die Betrachtung ſinnlicher und materieller

Dinge hinlänglich erleuchtet zu werden, um Got—.

tes Weſen und Wirken zu erkennen, der hüte ſich.
vor dem Betruge der falſchen Philoſophie. —
Daher kommt es, daß einige gar Gelehrte in
Ketzerei verfallen ſind, weil ſie auf den wächſer⸗
nen Flügeln der ſinnlichen Naturbetrachtung ſich
zum Göttlichen emporſchwingen wollten.

Und in der Einleitung zu ſeinem Novum

Organon bittet er Gott, daß doch nicht durch
helleres Entbrennen des natürlichen Lichts, durch
Ausbildung der Naturwiſſenſchaft, Unglaube
au die göttlichen Geheimniſſe entſtehen, ſondern
vielmehr der von Eitelkeit und Hirngeſpinſten
gereinigte Verſtand der Offenbarung ſich unter—
werfen und dem Glauben geben möchte, was
des Glaubens ſei.

Ad 2. Bei Robert Boyle 7) heißt es: Was

den Erxperimental-Philoſophen geneigt macht,

das Chriſtenthum anzunehmen, beſteht darin:
Indem er immer daran iſt, von den Natur⸗Er⸗
ſcheinungen klare und genügende Erklärungen
zu geben, und er immer ſieht, wo es fehlt, wird
eine große und unverſtellte Beſcheidenheit in ſei⸗
nem Gemüth zu Wege gebracht; und in Folge

+) The Christian Virtuoso, showing that by being
addicted to Experimental Philosophy a man is rather
assisted than indisposed io be a good Christian.

dieſer Tugend wird er nicht allein ſehr geneigt,
über Dinge, die ihm dunkel und verborgen dün⸗
ken, näheren Unterricht zu wünſchen und anzu⸗
nehmen, ſondern es vergeht ihm anch der Muth,
ſeine bloße und abſtracte Vernunft für einen
ächten Maßſtab der Wahrheit zu halten. Und
obgleich ein Scheinphiloſoph ſich dünkt, daß er
Alles verſtehe und nichts wahr ſein könne, was
mit ſeiner Philoſophie nicht reimt, ſo wird doch
ein verſtändiger und erfahrener Naturkundiger,
der da weiß, was in den vermeintlich
klaren Vorſtellungen und Erklärungen ſelbſt
mancher körperlichen Dinge noch für Schwierig⸗
keiten unaufgelöſ't bleiben, ſich nicht einfallen
laſſen, ſeinej Kenntniß von übernatürlichen
Dingen für vollſtändig zu halten. Und dieſe
Stimmung des Gemüths iſt grade recht für ei⸗
nen Forſcher der geoffenbarten Religion. Ein
fleißiger Umgang mit den Werken Gottes ver⸗
ſchafft einem erfahrenen Beobachter derſelben
Gelegenheit, zu ſehen, daß ſo manche Dinge
möglich oder wahr ſind, die er, ſo lange er blos
nach Gründen der unzulänglich unterrichteten
Vernunft zu Werke ging, falſch und unmöglich
glaubte.

Und Johann Keppler ſchließt eins ſeiner as—
tronomiſchen Werke (Harmonice mundi), nach⸗
dem er zuvor geſagt: Es bleibt nur übrig, daß
ich endlich Augen und Hände von der Beweis⸗
tafel weg zum Himmel erhebe und den Vater
des Lichts andächtig und demüthig anflehe —
mit folgendem Gebet. O der du durch das Licht
der Natur in uns die Sehnſucht nach dem Lichte
der Gnade erweckſt, damit du uns durch die⸗
ſes in das Licht der Glorie verſetzeſt, ich ſage
dir Dank, Herr und Schöpfer, daß du mich er⸗
freut haſt durch deine Schöpfung, da ich entzückt
war über die Werke deiner Hände. Siehe, hier
habe ich ein Werk meines Berufs vollendet durch
ſo viel Geiſteskraft, als du mir gegeben; ich habe
den Ruhm deiner Werke den Menſchen offenba⸗
ret, welche dieſe Beweiſe leſen werden, ſo viel
als von Feiner Unendlichkeit ein beſchränkter
Geiſt faſſen konnte. Mein Gemüth ſtrebte ſo
wahr als möglich zu philoſophiren; iſt etwas
von mir in Sünden geborenem und auferwach⸗
ſenem Wurme vorgebracht worden, was deiner
unwürdig iſt, ſo lehre du mich, daß ich es ver—
beſſere; bin ich durch die bewunderungswürdige
Schönheit deiner Werke zur Verwegenheit ver—
führt worden, oder habe ich eigene Ehre bei den
Menſchen geſucht, beim Schaffen eines Werkes,
das zu deiner Ehre beſtimmt, ſo verzeihe mir's
gnädig und barmherzig; endlich ſchenke mir die
Gnade, daß dieſes Werk zu deinem Ruhm und
dem Heil der Seelen gereiche und nimmer ſchade.
Ad 3. Keppler in einem andern ſeiner aſtro⸗
nomiſchen Werke (Epitome Astronomiae Co-
pernicanae) ſagt: Die Aſtronomie eröffnet die
Urſachen der natürlichen Dinge, ſie unterſucht
die optiſchen Täuſchungen, weil ihr Geſchäft dies
mit ſich bringtz die heilige Schrift, welchechöhere
Dinge führt, bedient ſich der gewöhnlichenRRede⸗
weiſe, um verſtanden zu werden; ſpricht nur
ganz beiläufig von natürlichen Dingen nach

Maaßgabe, wie ſie erſcheinen, als wonach der

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