Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 30
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-27, Seite 30
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wrnämlich die: vom göttlichen Wort, von der
wangeliſchen Freiheit, ja ſogar die von der Recht⸗
ſertigung aus dem Glauben werden durch jene
ſalſche Lehre mit gefälſcht und beſchädigt.
Unterläßt aber die biſchöfliche Kirche Englands
nieſe Reinigung von jenem alten geſetzlichen
Sauerteig, ſo möchte ſchwerlich die jetzige Titel⸗
Bill auch wenn ſie völlig durchgeht, nebſt allen
anderen Vorkehrungen und Maaßregeln der
Staatsgewalt, reſp. der Königin, als (ſogen.)
oberſten Biſchofs der engliſchen Kirche deren zu⸗
nebmenden Rückfall in die römiſch-papiſtiſche
kirhe weſentlich aufhalten; denn was auch die
Schwärmer und ihre Blätter, ſammt deren Echo,
rem Lutheran Observer, in ihrem fleiſchlichen
Eifer wider das Papſtthum dahergaukeln, als
ſii daſſelbe jetzt mehr als je im Verfall, ſo möch⸗
r es ſich vielleicht ſchon in Kurzem gar anders
hnausſtellen und der Antichriſt neue Kraft und
Clätke bekommen. —
Predigt
über 2 Petri 1, 19 — 21.
gehalten vor der Evang. luther. Gemeine zu
St. Louis im Monat Auguſt 1851, und auf
Verlangen dem Druck übergeben
von A. B.
(Schluß.)
Endlich wer kann ſich denken, daß die Weiſſa⸗
gungen des A. T.s erſt von den Jüngern nach
de Erſcheinung Chriſti auf Erden verfertigt
ſten, da doch die Juden lange vor Chriſto ſie
lannten! Woher harrten denn die zwölf Ge—
ſhlechter Israels emſiglich Tag und Nacht auf
dun Meſſias? worauf hatte denn Simeon ſeine
Bitte an den Herrn gegründet, Er möge ihn
den ins Fleiſch gekommenen Meſſias mit leibli⸗
ben Augen ſehen laſſen? woher hatten denn die
Veiſen im Morgenlande nach dem Stern des
Meſias ausgeſchaut? woher gaben denn die
Schriftgelehrten auf Herodes Anfrage, wo der
Meſſias ſollte geboren werden, den Beſcheid:
Zu Bethlehem im jüdiſchen Lande? woher wuß—
un ſie, daß der Meſſias David's Sohn war,
und vieles Andere? endlich woher war ſogar
unter die Heiden das Gerücht von der Ankunft
des Meſſias verbreitet, wie zwei namhafte römi⸗—
ſche Schriftſteller bezeugen *),‚ indem ſie ſagen,
t ſei die Sage gegangen, daß um ihre Zeit
Rinner aus den Juden das Erdreich einneh—
nen würden? woher alles dies, wenn erſt nach—
her von den Jüngern die Weiſſagungen erfun—
den wären!
Hiernach iſt offenbar, wer ſich an die Ver—
nunft hält, und den Regeln des gemeinen
Menſchenverſtandes folgt: die Chriſten, die da
glauben, daß die Weiſſagungen des A. T.s von
den heiligen Männern, in deren Büchern ſie ſich
jnden, und zu verſchiedenen Zeiten vor Chriſti
Geburt geſchrieben ſeien; oder die Gegner, die
da wollen, die Weiſſagungen ſeien erſt nach Ge—
ſhehung der Thatſachen der N. Teſtamentlichen
Geſchichte, nach Maßgabe derſelben, von den
) Suetonius und Tacitus.
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Apoſteln in die Bücher des A. T.s hineingetra⸗
gen worden, Wir meinen, es muß Jemand
entweder den Glauben der Chriſten in dieſem
Puncte Beifall geben, oder auf allen Gebrauch
der Vernunft und Achtung der Regeln des ge⸗
meinen Menſchenverſtandes Verzicht leiſten.
Deonnch ſinden die Gegner wohl noch einen
Ausweg. Dies führt uns auf den dritten Punct.
III.
Es ſagt vielleicht Jemand: hält's ſich auch
mit den Weiſſagungen ſo, wie die Ehriſten glau⸗
ben, ſo hält's ſich doch wol nicht ſo mit der Erfüllung
derſelben; ſie ſind vielleicht gar nicht geſchehen,
oder erſt von den Jüngern nach Anleitung der
Weiſſagungen veranſtaltet. Hier haben wir
uns wie vorhin wieder aus bewußtem Grunde
zur Gelaſſenheit zu ermuntern.
Nun ſollte man kaum glauben, daß es Men⸗
ſchen geben könnte, wenigſtens ſolche, die ſich
auf die Vernunft berufen, die behaupten, die
Begebenheiten des N. T.s hätten nicht Statt ge⸗
funden. Hätten ſie nicht Statt gefunden, wo⸗
her rührte denn die Chriſtenheit! Ich frage,
wären nie Europäer, namentlich Engländer, in
dies Land eingewandert, woher rührte denn das
amerikaniſche Volk mit ſeiner Sprache und ſei⸗
nen Eigenthümlichkeiten? Hätten jene Bege⸗
benheiten der evangeliſchen Geſchichte nicht Statt
gefunden, woher rührten denn die Feſte in der
Chriſtenheit, die uxalt ſind: Weihnachten, Char—
freitag, Oſtern, Himmelfahrt, Pfingſten, der
kleinern nicht zu gedenken! Ich frage, hätte das
amerikaniſche Volk ſich nie von der Heſrrſchaft
Englands losgemacht, woher denn die Feier des
vierten Juli? Hätten die Begebenheiten der
evangeliſchen Geſchichte nicht Statt gefunden
woher behaupten denn nicht nur alle Chriſten
dieſelben, ſondern legen auch deren Feinde: die
Heiden, die Juden, die Mahomedaner Zeugniß
dafür ab! Ich frage, wären nie Europäer be—
ſonders Engländer hierher eingewandert, hätte,
ſich das americaniſche Volk nie frei gemacht, wo⸗
her denn ihre eigenen Nachrichten, und die der
Engländer und aller anderen Völker darüber?
Wer alſo der Vernunft und den Regeln des ge⸗
meinen Menſchenverſtandes zu folgen meint,
wenn er an die Wahrheit der Thatſachen, die der
Entſtehung des amerikaniſchen Volks zu Grunde
liegen, glaubt, weil das Daſein dieſes Volkes
weil ſeine Nationalfeſte, weil die geſammte Ge—
ſchichte dafür zeugt, der muß es auch für ver—
nünftig, und den Regeln des gemeinen Men⸗
ſchenverſtandes angemeſſen halten, an die That—
ſachen, die der Entſtehung der echriſtlichen Kirche
zu Grunde liegen, d. i. den, in den Evangelien
mitgetheilten, Begebenheiten zu glauben; ja in
noch viel höherem Grade, weil hier die Umſtän⸗
de, die zum Glauben bewegen, noch viel augen—
fülliger ſind, und noch viel lauter reden.
Aber, werden Einige ſagen, daß die Begeben⸗
heiten, die in der evangeliſchen Geſchichte erzählt
werden, ſich wirklich zugetragen haben, leugnen
wir auch nicht; wir behaupten nur, daß ſie nicht
von Gott herbeigeführt ſind, um die Weiſſagun—
gen zu erfüllen; ſondern daß ſie von Menſchen
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die dabei ihre beſondern Abſichten hatten, ſo ver⸗
anſtaltet ſind, daß ſie mit den Weiſſagungen über⸗
einſtimmen.
Laßt uns ſehen, ob dieſe Behauptung vernunf⸗
tiger iſt, als irgend eine der frühern Annahmen
der Gegner.
Wer ſollten denn nun die Menſchen, die jene
Begebenheiten veranſtalteten, ſein? etwa die
Jünger? Aber zu den Begebenheiten, die die
Erfüllung der meſſianiſchen Weiſſagungen aus⸗—
machen, gehören ja auch Begebenheiten, die ſich
zutrugen, ehe die Jünger zu Jahren gekommen,
oder auch nur geboren waren. Oder etwa ir⸗
gend eine geheime, mächtige Geſellſchaft oder
Orden, in deren Dienſt auch die Jünger ſtan⸗
den? Aber von ſolcher iſt ja keine Spur.
Doch abgeſehen auch davon, daß die Jünger
nicht haben veranſtalten können, was vor ihrer
Zeit geſchehen iſt, und daß es hieße, einem Hirn⸗
geſpinnſt folgen, wollte man hier das Daſein ei⸗
ner geheimen mächtigen Verbindung vorausſe⸗
tzen —wäre es dennoch der Vernunft gemäß, und
im Einklang mit den Regeln des gemeinen Men⸗
ſchenverſtandes, anzunehmen, daß irgend welche
Menſchen dieſe Begebenheiten herbeigeführt ha—
ben? Wir geben Folgendes zu bedenken. Han⸗
delte es ſich nur um ein einzelnes Ereigniß, z.
B. beſtände die ganze Erfüllung der Weiſſagung
darin, daß der Herr auf einer Eſelin in Jeruſa⸗
lem eingezogen wäre, ſo müßten wir allerdings
zugeben, daß Menſchen dies Ereigniß aus eige—
ner Macht hätten veranſtalten können. Aber
hier iſt mehr als ein Ereigniß, hier iſt eine Kette
von Ereigniſſen, und es iſt keine Weiſſagung im
Alten Teſtament auf die Erſcheinung des Meſ⸗
ſias nachzuweiſen, die nichtin Erfüllung gegan⸗
gen wäre. Wie hätten Menſchen ſie alle ohne
Ausnahme erfüllen können? Aber noch mehr.
Es ſind Begebenheiten dabei, deren Vollbringung
in keines Menſchen Hand ſteht. Der Meſſias
ſollte erſcheinen, wenn das Scepter Juda entriſſen
wäre. Dies geſchah durch die Römer. Die
Jünger, oder jene erdachte geheime Geſellſchaft
hätten alſo die Römer beſtellen müſſen, die Ju⸗
den zu unterjochen, und die Juden, ſich unterjo⸗
chen zu laſſen. Ferner, es ſtand geſchrieben, daß
der Meſſias aus Davids Stamm zu Bethlehem
geboren werden, und viel leiden, und am Kreuze
ſterben würde. Da hätten die Jünger, oder jene
geheime Geſellſchaft veranſtalten müſſen, daß ein
Kind aus Davids Geſchlecht in Bethlehem ge—
boren würde; hätten Herodes beſtellen müſſen,
den Bethlehemitiſchen Kindermord zu begehen;
hätten die Juden beſtellen müſſen, Jeſum anzu⸗
feinden, zu verfolgen und ſeinen Tod zu beſchlie⸗
ßen; hätten Judam beſtellen müſſeu, Jeſum um
drrißig Silberlinge zu verrathen, Jeſum aber,
unſchuldig zu leiden und des Todes am Kreuze
zu ſterben, damit er ihnen ihre Pläne ausführen
hülfe; hätten Pilatum beſtellen müſſen, Jeſum
zu kreuzigen u. ſ. w.; deß noch nicht einmal zu⸗
gedenken, daß auch vom Meſſias geweiſſagt war,
er werde Wunder thun, und nachdem er geſtor⸗
ben und begraben am dritten Tage wirder aufer⸗
ſtehen, was denn jene Menſchen, um die Weiſſa⸗
gungen zu erfüllen, auch hätten bewerkſtelligen
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