Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 32
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-27, Seite 32
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Wie treulich Chriſt ſein Kirche mein“;
Sein Lieb hat er da abgebild't,
Verflucht ſei, wer den Eheſtand ſchilt.
Hoch iſt der Hausvater geehrt,
Dem Gott ein' Hausmutter beſchert,
Mit Glaub' und Tugend wohl geſchmückt,
Die ſich vor ihm ſcheut, fürcht't und tückt,
Verſorgt daheim all's fein im Haus,
Und läuft nicht alle Winkel aus,
Ruch die nicht iſt ein ſauer Topf,
dat kein'n ſtörrigen wilden Kopf,
Rͤcht höfelt ſtets, und 'neue Tracht
Will haben, und nicht ſein groß geacht't.
Die nicht ſtets fuͤr dem Spiegel ſteht,
Und täglich für die Wochen geht;
die dem Mann nicht giebt geſchmierte Wort',
Und hat ihr Herz am andern Ort.
Die's Fenſter nicht hat ſtets am Hals,
Richt zänkiſch iſt und b'ſchnattert all's.
Die nicht viel ſteht unter der Thür,
Nummt B'ſcheid von allen, die gehn für
Wehl dem, der kriegt ein ſolche Braut;
Ein bös Weib iſt ein herbes Kraut,
Ein bitter Gall und Enzian,
dafuͤr hüt ſich beid Roß und Mann.
Wer ein züchtig's fröhlich's Weib,
Erfreut dem Manu das Herz im Leib;
Gleichwie ein edler Rebenſaft,
Giebt dem Mann Luſt, Ehr, Freud und Kraft.
Das größte Gut und Morgengab'
I daß ſie Zucht und Tugend hab',
Und halt' im Haus all's fein zu Rath.
Kein feſters Schloß ein Hauswirth hat.
Der Mann ſei fromm gleichwie Tobias,
Und das Weib ſtumm gleichwie Zacharias,
So kann man Fried' haben im Haus.
Rächts Gut's ein boͤſes Weib richt't aus,
Die ſtets in Ohren liegt ein'm Mann,
Und zümd't viel böſer Feuer an.
Fſabel und Herodias,
Die gießen, da es vor iſt naß;
Cie ſind rechte Calfacterinn,
Und des Teufels Zuſchürerinn;
hetzen und bellen ſtets mauf, mauf,
Bis daß ſie den Mann bringen auf,
Daß er thut, welch's ihn darnach reut,
Das ſind Bälge und böſe Häut'.
Die aber wie Abigail,
Canftmüthig ſind, die können viel
Unmuth und Zorn der Männer ſtill'n,
Nel Bös verbleibt um ihretwill'n.
Der reich Fundgräbner Pithius,
Sein'm beſcheiden Weib gehorchen muß,
Daß ſie konnt' brauchen mit Gelümpf
Und gar höflichen Scherz und Schimpf:
Schau⸗Eſſen richt ſie zu von Gold,
Brachts dem Mann, daß er's eſſen ſollt,
Weil er den Ackerbau veracht,
Und nur nach Erz im Bergwerk tracht.
Ein gut Wort find't ein gute Statt,
Wie ſichs da ausgeweiſet hat.
Wo Herz und Muth zuſammen ſtimmt,
Den Schatz ein Mann von Gott ſelbſt nimmt.
Wo Kinder ſind fröhlich und friſch,
lachen und ſitzen um den Tifch,
Sonderlich da Kind's-Kinder ſe in;
Die ſprechen: mein Großväterlein,
Ich will euch ein fein's Herzle drücken,
Den Bart kämmen, flecht'n und ſchmucken;
Und theilen darnach Schwätzle aus,
Wonn' nud Freud' iſt im ſelben Haus.
— 29—
Denn was kann doch freundlichers ſein,
Als fromm' und gehorſam' Kinderlein;
Im Leib der Großmutter Herz brinnt,
Wenn man nur nennt ihr Kindes⸗-Kind;
Freundlichers Namens find't man nicht,
Denn wo man Vater und Mutter ſpricht.
Hierwiederum geſchieht dem weh,
Die kein Frucht zeugen in der Eh',
Unfruchtbar und ohn' Erben ſein,
Iſt gleich als leucht' kein Sonnenſchein.
Was kann dir ein Ehloſer ſagen,
Von Freud', Luſt und fröhlichen Tagen;
Wer mit ſein'm Weib in Einigkeit,
Lebet, der hat die größte Freud.
Im Ehebett iſt die größte Zucht,
Der Geiſtloſen *) Stand ſei verflucht;
Denn darin alle Büberei,
Und Unzucht herſcht ohn' Schand und Scheu.
Paphuntius **), der fromme Mann,
Solch's treulich hat gezeiget an.
(Schluß folgi.)
Methodismus.
Schluß. +)
Wenn es wahr wäre, was die Methodiſten
ſagen, daß ein Menſch durch die Heiligungs—
Gnade ſchon in dieſem Leben zu vollkommener
Sündloſigkeit gelangen könne, ſo müßte ſich doch
ein Beiſpiel davon in der heiligen Schrift finden.
Allein wir ſuchen vergebens danach. Zwar leſen
wir in der heiligen Schrift von einem Menſchen,
der ſich rühmte, er hätte keine Sünde, indem er
ſprach: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin,
wie andere Leute, Luc. 18, 11. aber dieſer Menſch
war ein Phariſäer, welchen Chriſtus als ein
warnendes Beiſpiel blinden und vermeſſenen
Hochmuths aufſtellt und von dem er ſagt, daß
er wegen ſeines Hochmuths nicht gerechtfertiget,
ſondern erniedrigt, d. h. verdammt ſei. Dagegen
zeigt Chriſtus an dem Beiſpiele des Zöllner's,
welche Menſchen ſelig werden, nicht die großen
Heiligen, welche ſich für beſſer halten, als die
Anderen, ſondern die armen Sünder, welche de—
müthig ihre Sünden bekennen, mit göttlicher
Traurigkeit ſie bereuen und Gottes Gnade in
Chriſto gläubig ergreifen.
Daß nun die methodiſtiſche Lehre von der Hei—
ligungsgnade, wodurch ein Menſch ſchon hienie—
den völlig ſündlos werden könne eine offenbare,
grobe, unverſchämte Lüge ſei, beweiſen wir mit
den deutlichſten Sprüchen der heiligen Schrift.
1. Wenn es möglich wäre, in dieſer Welt
ſchon alle Sünde abzulegen, ſo müßte dies vor
allen bei den heiligen Propheten und Apoſteln
der Fall ſein, welche beſier waren, als wir und
„) Die in gezwungener Eheloſigkeit lebenden Geiſtlichen
miter dem Papſtiihum.
) Dieſer Paphnutius war ein frommer Biſchof in Afri⸗
ka, der von der Verfolgung des Maximinus noch die Maa.
zeichen an ſeinem Leibe trug. Dieſer, ob er gleich ſelbſt im
eheloͤſen Stande lebte, widerſetzte ſich dennoch auf dem Con⸗
cil zu Nicäa 325 dem ſchon damals gemachten Vorſchlag,
das Cötibat oder die Eheloſigkeit der Geiſtlichen als Kirchen⸗
ge ſetz einzuſünren, mit ſolchem glücklichen Erſolge, daß dieſe
unheilvolle Verordnung damals noch un terblied.
+1) S. No. 26, Jahrg. 7.
ein reicheres Maaß des heiligen Geiſtes hatten.
Allein ſie bekennen ſich ohne Unterſchied für arme
Sünder. Der heilige Jeſaias ſagt 64, 6.: Wir
ſind alleſammt wie die Unreinen und alle unſere
Gerechtigkeit iſt wie ein unfläthiges Kleid. Der
heilige Jakobus ſagt 3, 2.: Wir fehlen alle man⸗
nigfaltig. Der heilige Jeremias ſagt: Klagl. 3,
42.: Wir, wir haben geſündigt und ſind unge⸗
hoͤrſam geweſen.
2. Auch die Heiligen bedürfen täglich der
Vergebung der Sünden; darum hat Chriſtus
uns zum täglichen, fleißigen Gebrauche das hei—
lige Baterunſer gegeben, worin wir täglich bit—
ten: Vergieb uns unſere Schuld. Pſ. 32, 5. 6.
Da vergabeſt du mir die Miſſethat meiner Sün—
de. Dafür werden dich alle Heiligen bitten zur
rechten Zeit. Wenn nun alle Heiligen dafür,
nämlich um die Vergebung der Sünden, Gott
zur rechten Zeit, d. h. täglich, ſo lange es noch
heute iſt und die Gnadenzeit währet, bitten milſ⸗
ſen, ſo iſt das ein Beweis, daß ſie in dieſem Le—
ben noch nicht ſündlos werden können. Pſ. 19,
13. Wer kann merken, wie oft er fehle? Ver⸗
zeihe mir die verborgenen Fehler.
3. Wer ohne Sünde iſt, der kann das Ge—
richt Gottes beſtehen. Weil nun alle Gläubi—
gen immer beten, daß Gott ſie nicht vor ſein Ge—
richt ſtellen möge, ſo bekennen ſie damit, daß noch
Sünde in ihnen ſei. Pſ. 143, 2.: Gehe nicht
ins Gericht mit deinem Knecht, denn vor dir iſt
kein Lebendiger gerecht. Pſ. 130, 2. So du
willſt, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird
beſtehen? 1 Cor. 4 4, Ich bin mir wohl nichts
bewußt, allein darinnen bin ich nicht gerechtfer—
tigt. Der Apoſtel bekennt damit, wiewohl er ſich
keiner wiſſentlichen Sünde erinnern könne, ſo
könne er doch mit ſeinen Werken nicht vor Gott
beſtehen, da ſeine Schwachheits-Sünden ihn vor
Gott bereits verdammlich machten.
4. Wenn die Methodiſten mit ihrer Lehre
von der Hriligungs-Gnade Recht hätten, ſo
müßte in den Geheiligten ſchon hienieden ein
völliger Sieg des Geiſtes und eine gänzliche Er—
törtung des Fleiſches Statt finden. Nun be—
ſchreibt aber die heilige Schrift das innere Leben
der Chriſten als einen unabläſſigen Kampf zwi⸗
ſchen Geiſt und Fleiſch, zwiſchen dem neuen
Menſchen und dem alten Adam. Gal. 5, 16.
17. Ich ſage aber: Wandelt im Geiſt, ſo wer—
det ihr die Lüſte des Fleiſches nicht vollbringen.
Denn das Fleiſch gelüſtet wieder den Griſt, und
den Geiſt wider das Fleiſch. Dieſelbigen ſind
wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt.
Nach dem Geiſte ſind die Chriſten herzlich willig,
Gottes Gebote zu erfüllen; allein weil in ihnen
auch noch das Fleiſch ſich regt mit ſeinen böſen
Lüſten und Begierden, ſo thun ſie nicht das Gu⸗
te, was ſie doch eigentlich wollen; öfters unter—
laſſen ſie es orer ſie vollbringen es doch nicht
vollkommen. — Dieſen Kampf zwiſchen Fleiſch
und Geiſt beſchreibt der Apoſtel ausführlich Röm.
7, 14—25. Man bat dieſe Stelle fälſchtich auf
den Zuſtand eines unbekehrten Menſchen bezo⸗
gen. Allein es heißt da V. 18. Woben habe
ich wobl, aber vollbringen das Gute finde ich
nicht. So kann aber ein unbekehrter Menſch
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