Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 37

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-27, Seite 37

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des göttlichen Wortes ſelber regieren kann und
den rechten Kampf wider Teufel, Welt und
Fleiſch in und außer ihr zu führen hat.

Am 16. September ſind denn unſre Freunde
auf der Eiſenbahn nach ihrem und unſerem
Hauptziel, Neudettelsau bei Nürnberg zu un⸗
ſerm von uns allen hochgeehrten und herzlich ge⸗
liebten Herrn Paſtor Löhe abgereiſ't.

Der Gott der Gnade und des Friedens ſegne
daſelbſt ihren Dienſt der Liebe und gebe ihnen
Mund und Weisheit, daß wir die volle Einig⸗
keit des Geiſtes mit dieſem theuren Bruder und
ſeinen Freunden wieder gewinnen und darin im⸗
mer mehr erſtarken zum gemeinſamen Bekennt⸗
niß, zum gemeinſamen Kampfe, zum gemein—
ſamen Siege. Amen!

**99

(Eingeſandt.)
Vom Glauben der jungen Kinder.
Von Joh. Brenz.

„Wir haben gelehrt, daß die Leut durch den
Glauben Chriſten werden. Dieweil es ſich
aber von außen anſehen läßt, als wenn die jun⸗
gen Kinder nicht Glauben haben können, folgt
bald dieſe Frage: Wie ſich's denn mit den jun⸗

gen Kindern halte, ob auch dieſelbigen könnten

Chriſten ſein? Hier iſt zu merken, daß wir nicht
reden von den jungen Kindern der Gottloſen und
der von Gott verſtoßenen Völker, der Juden und
der Türken.
an, daß wir ſie ſollten richten? Sondern wir re⸗

den von den jungen Kindlein derer, die in der

chriſtlichen Kirchen Gottes ſind. Denn obſchon
die Kindſchaft nach der Wahl, nicht aus fleiſchli—
cher Geburt kommt, ſo können doch dieſe Kindlein
auf ſonderbare Weis Glauben haben, und wer⸗
den wahrhaftiglich zu Chriſten. Denn die jun⸗
gen Kindlein der chriſtlichen Kirchen ſind ja auch
ein Stück derſelbigen, und gehören dazu. Denn
gleichwie die Kinder des Alten Teſtaments, aus
Abraham und ſeinen Nachkommen geboren, un—
ter die Gemein oder Volk Gottes gezählet und
gerechnet wurden, nach dieſer Berheißung Gen.
17. dem Abraham gegeben: „Ich will dein
Gott ſein, und deines Saamens nach
dir, darum denn die Kindlein der Nachkommen
Abrahams, auch vor dem achten Tage, ehe denn
ſie beſchnitten waren, unter Gottes Volk gerech—
net wurden: alſo werden auch im Neuen Teſta-—
ment, die Kinder der Leut, die Chriſtum erkennen
und annehmen, in die Zahl der Gemeine Gottes
gerechnet. Denn Gott hat die Heiden mit ihren
Kindern zu ſeinem Volk aufgenommen, wie
Eſaias Cap. 49. bezeuget: „Sie werden deine
Söhne in den Armen herzu bringen und deine
Töchter auf den Achſeln hertragen.“ Und Joel
Cap. 2: „Ich will meinen Geiſt ausgießen über
alles Fleiſch (nämlich nicht allein über die Ju—
den, ſonderu auch über die Heiden) und euere
Söhne und Töchter ſollen weiſſagen“ u. ſ. w.
Gott aber rechnet keinen unter die Zahl ſeines
Volks, er glaube denn an ſeinen Sohn, denn
„es unmöglich iſt, Gott gefallen ohne
Glauben.“ Derhalben folgt, daß die jungen

Denn was gehen uns die draußen

— 34—

Kindlein Glauben haben können, den ihnen Gott. ſondern auch wir ſelbſt, die wir haben des Gei⸗

aus Gnaden giebt, und durch welchen ſie Chri⸗
ſten werden. *

Zum andern hat Chriſtus die jungen Kind—
lein in ſeine Arme genommen, hat ſie an ſeine
Bruſt gedrückt und geſegnet, wie Mareus ſchreibt.
Dies iſt nicht ein leiblicher, ſondern ein geiſtlicher
Segen, nämlich daß ihnen Gott günſtig ſei, daß
ſie gerecht für Gott geachtet werden und die ewi—
ge Seligkeit erlangen. Niemand aber kann
ohne Glauben des geiſtlichen Segens
genießen, und Gott iſt keinem ſo günſtig, daß
er ihn gerecht achte, und ihm das ewige Leben
gebe ohne Glauben. Derhalben folget, ſo die
Kindlein ſelig werden, daß ſie Glauben
müſſen haben.

Zuletzt haben die Kindlein Sünde von Natur.
Denn ſie in Sünden empfangen und geboren
ſind, und nichts deſtoweniger bekommen ſie doch
den Himmel. Solcher, ſpricht Chriſtus, iſt das
Himmelreich. Es kann aber niemand das Him⸗
melreich ohne Vergebung der Sünden erlangen,
ſo bekommt auch niemand Vergebung der Sün⸗
den, ohn allein durch den Glauben. Daraus
ja folgt, daß die Kinder gewißlich Glauben
haben.

Dagegen möcht nun einer ſagen: Wie können
die jungen Kinder Glauben haben, ſo ſie doch
noch keinen Verſtand haben, weder von göttlichen
noch von weltlichen Dingen? Antw.: Sie ver—
ſtehen auch nichtihrleibliches Leben,

und nichts deſto weniger haben ſie

doch ein wahres leibliches Leben.
Sie verſtehen auch nicht, daß ſie Erben ſind in

den Gütern, die ihnen von den Eltern verlaſſen

ſind, nichts deſtoweniger ſind ſie dennoch die rech⸗
ten natürlichen Erben derſelbigen Güter. Was
ſollt's denn hindern, daß ſie nicht könnten Glau—
ben haben, ob ſie ſchon den Glauben nicht ver—
ſtehen, ſo doch Gott ſeine Gaben ausgeußt ohne
einig Anſehen der Perſon und ohne Anſehen
menſchlicher Weisheit oder Gewalt! Denn man
ſoll nicht gedenken, daß die Kindlein, von Gott
zu Gnaden angenommen, einen ſolchen
offenbarlichen Glauben haben, wie
die, ſo nun erwachſen, und zum Ver⸗
ſtand kommen ſind. Daß ich dies noch
beſſer könne erklären, will ich hier erzahlen das
geſchrieben iſt, Hoſea Cap. 2.: „Zur ſelbigen
Zeit, ſpricht der Herr, will ich erhören, ich will
den Himmel erhören, und der Himmel ſoll die
Erden erhören, und die Erde ſoll Korn, Moſt und
Oele erhören, und dieſelbigen ſollen Jsrael er⸗
hören.“ Und Paulus ſpricht Röm. 8.: „Wir
wiſſen, daß alle Creatur ſehnet ſich mit uns, und
ängſtet ſich noch immerdar.“ Aus dieſen Sprü-
chen der h. Schricht befinden wir, daß zweierlei
Seufzen der Creaturen ſei. Das eine Seufzen

ſiſt verborgen, das ſiehet und höret

allein Gott in den Creaturen, wie da
iſt das Seufzen der Creaturen, die kein Leben
haben. Das andere Seufzen iſt offenbar⸗
lich, welches Seufzen die, ſo da ſeufzen, empfin⸗

den und verſtehen. Dies iſt das Seufzen der

Gottſeligen, davon Paulus ſagt, da er ſpricht:
„Nicht allein aber ſie (die Creaturen ſehnen ſich)

ſtes Erſtlinge, ſehnen uns auch bei uns ſelbſt
nach der Kindſchaft und warten auf unſeres Lei⸗

bes Erlöſung. Alſo iſt auch zweierlei Glauben.

Denn obſchon der Glaub an Chriſtum an ſich

ſelbſt nicht getheilt iſt, denn es iſt Ein Glaubch
ſpricht Paulus, ſo iſt er doch nicht glei⸗
cherweis in den Kindlein, wie in den.
Verſtändigen. Darum nennen wir den einen
Glauben, den verborgenen Glauben, mit
welchem Gott nach ſeiner großen Güte die jun⸗
gen Kinder ſeinerKirchen begabet, den er auch

allein kennet und ſiehet. Denn ſo die

jungen Naben, wie der 147. Pſalm ſagt, Golt

anrufen, nicht aus dem Glauben zum ewigen
Leben, ſondern nach ihrer Gelegenheit, ihnen don
Gott gegeben, zu leiblicher Erhaltung, wie viel
mehr die jungen Kindlein, die nach Gottes Bild.
und Gleichniß erſchaffen, und auch von Gott aus
Gnaden, um ſeines Sohns Jeſu Chriſti willen,
der auch ein junges Kindlein geweſen, zu Gna-
den angenommen und wiedergeboren ſind, rufen
Gott an, nicht wie die jungen Raben, ohne
Glauben und allein zu leiblichem Heil, ſondern
aus dem Glauben, als die, die von Golr
erwählet und wiedergeboren ſind, das Himmel⸗
reich und ewige Seligkeit zu überkommen. Und
ſo der Fiſch, Jonae am 2. Cap. der doch ein un⸗
vernünftiges Thier iſt, Gottes Befehl höret und
demſelbigen gehorchet, denn alſo ſagt die Schrift:
„der Herr ſprach zum Fiſch, und derſelb ſpeiete 4
Jona aus ans Land,“ warum ſollte denn nicht.
ein junges Kind, welches doch ein Menſch nach
Gottes Bild erſchaffen, und das Himmelreich zu
beſitzen erwählet iſt, das Wort des Herrn können
hören, dadurch ihm der Glaub nach
ſeiner Gelegenheit und Weiſe werde
gegeben. x

Der andere Glaub iſt der offen bare te
Glaub, den nicht allein Gott in dem Menſchen
ſiehet, ſondern auch der Menſch ſelbſt, der 6U
Glauben hat, befindets und verſtehets, daß er
glaubt. Einen ſolchen Glauben ha⸗
ben die, ſo nun zum Verſtand kommen
ſind. Und dieſer Glaub wird gege⸗
ben durch die äußerliche Predigt
göttliches Worts, wie Paulus ſagt: „der
Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt.
aber durch Gottes Wort.“

Dieſe Lehre von dem Glauben der jungen?
Kindlein ſoll man fleißig merken, auf daß wir
wiſſen, daß die Kinder der chriſtlichen Kirchen!
nicht allein das leibliche Leben haben, wie wir
vor Augen ſehen, ſondern daß ſie auch von Goti“
das geiſtliche Leben empfangen, und mit den Ga⸗
ben des heiligen Geiſtes geſchmückt werden. Da
rum die Eltern auch billig ſollen vermahnet ſein,“
daß ſie, ſobald die Kinder erwachſen, und zum⸗
Verſtand kommen, daß ſie die äußerliche Lehr
können faſſen, ſich befleißigen, daß ſie in der rech⸗
ten wahren Lehr auf's fleißigſte unterwieſen und
in Zucht und Ehrbarkeit auferzogen werden, auf
daß ſie nicht dasjenige, ſo ſie in ihrer Jugend
durch den Glauben und Taufe von Gott em⸗
pfangen haben, durch ihr gottloſes ſünd⸗
liches Leben wiederum v erlieren,“

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