# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 10 27_S29 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * mittelbar betrauet. —Auf der dritten und unter⸗ ſten Stufe endlich ſteht die Gemeinde, die Hörer⸗ ſchaft, die Laien, d. i. „das Volk, das nichts vom Geſetze weiß“ (und nach folgerichtig⸗papiſtiſcher Auslegung, ohne die ſegnende Vermittelung der Prieſterſchaft: „verflucht“ iſt). Dieſer Theil nämlich der Kirche Gottes hat an Chriſto und ſeinem Verdienſt nicht anders Theil, als durch den Prieſterſtand, durch deſſen Amtsführung die göttlichen Gnadenmittel, das Evangelium ſammt den heiligen Sakramenten erſt wahrhaft heils⸗ kräftig ſich erweiſen. Wer ſich alſo außer dem Amtsbereich des Prieſterſtandes befindet, der iſt auch nicht weſentlich in det Kirche Chriſti. Dieſe nach levitiſch-geſetzlichem Vorbild aus episkopaliſtiſch-papiſtiſcher Hoffart und Herrſch— ſucht gemachte Stufenleiter und menſchliche Kir— chen⸗Ordnung aber iſt auf der zweiten und drit⸗ ten Stufe ſchnurſtracks wider die evangeliſche von dem HErrn Chriſto ſelber geſtellte göttliche Kirchenordnung. Denn nach dieſer, die in Gottes Wort klar angezeigt iſt, hält es ſich alſo: Auf der zweiten Stufe ſteht die Braut und Hausehre Chriſti, die Gemeinde des lebendigen Gottes, die Verſammlung aller wahrhaft Gläu⸗ bigen, der Pfeiler und die Grundfeſte der Wahr— heit, das auserwählte Geſchlecht, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums, durch den hei⸗ ligen Geiſt und den Glauben an Chriſtum lau⸗ ter Könige und Prieſter vor Gott, es mögen nun Fürſten im Krönungsſchmuck oder Bettler in Lumpen, Apoſtel unter den Heiden oder ſchweig— ſame Jungfrauen daheim, berühmte Feldherren und Staatsmänner oder gemeine Soldaten und Abſchreiber, weiſe Gelehrte und Künſtler oder einfältige und niedrige Leute vor der Welt, Säuglinge in der Wiege oder Mütterlein am Stabe, Kinder oder Jünglinge oder Väter in Chriſto ſein. Durch einen d. i. den heiligen Geiſt ſind ſie Alle durch daſſelbe Evangelium von Chriſto und durch dieſelbe eine Taufe zu einem geiſtlichen Leibe, von dem Chriſtus das Haupt iſt, in ei⸗ nem Glauben verbunden, von einer Liebe von und zu Chriſto und untereinander beſeelt und getrieben, von einer Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit getragen und getröſtet. Alle ſind ſie Kinder deſſelben Vaters, Brüder deſſelben Soh⸗ nes, Wohn- und Werkſtätten deſſelben heiligen Geiſtes; ſie haben Alle durch den Glauben den⸗ ſelben Zugang zu ihrem einigen Hohenprieſter und König im Himmel, der das leiſe Seufzen wie das brünſtige Flehen aller der Tauſende und aber Tauſende ſeines Volks in allerlei Sprachen und Zungen in demſelben Augenblicke hoͤret und erhöret. Sie haben Alle dieſelbe Salbung des heiligen Geiſtes und denſelben heiligen Prieſter⸗ beruf, geiſtliche Gaben zu opfern und die Tugen⸗ den deß zu verkündigen, der ſie berufen hat von der Finſterniß zu ſeinem wunderbaren Lichte. Dieſer ſeiner Hausehre aber hat Chriſtus, ihr Eheherr, bevor Er gen Himmel fuhr, um Alles in Allen zu erfüllen, alles zu regieren und all den Seinen grade nahe zu ſein bis an der Welt Ende, die Schlüſſel des Himmelreichs d. i. das —26— heilige Evangelium ſammt den heiligen Sakra⸗ menten zu treuer und von Ihm geordneter Ver⸗ waltung vertrauet, um den geiſtlich armen Sün⸗ dern durch gläubige Annahme dieſes Evangelii das Himmelreich wieder aufzuſchließen, und ſie aus Verfluchten zu Geſegneten, aus Verbannten zu Bürgern mit den Heiligen und Gottes Haus⸗ genoſſen zu machen. Damit aber bei ſolchem Aufſchließen Alles ei nig und friedſam hergehe, hat der HErr Chriſtus als ſeine, alſo als göttliche Ordnung befoh— len, daß ſeine Hausfrau, die heilige Kirche Haushalter über ſeine Geheimniſſe, d. i. recht— gläubige, lehrtüchtige und im Wandel unſträfli⸗ che Diener beſtelle, die da Botſchafter ſeien an ſeiner Statt und ſowohl in ſeinem Namen, als im Dienſt und Auftrag dieſer ſeiner Hausehre, das Evangelium und die heiligen Sakramente öffentlich verwalten. Und dieſes iſt denn die Entſtehung des heili⸗— gen Predigtamts oder des Kirchendienſtes, der alſo, dem Weſen nach, nicht verſchieden von dem geiſtlichen Prieſterthum und. Opferdienſt aller gläubigen Chriſten, ſondern nur eine beſondere Ausrichtung deſſelben iſt im öffentlichen Dienſt und Amte an dieſen und jenen Oertern der Chri⸗ ſtenheit. Und nur diejenigen haben einen or⸗ dentlichen Beruf und ein Recht zu ſolcher Ver— waltung, denen dieſe und jene hin und her zer⸗ ſtreuten örtlichen Häuflein ihrer Mitchriſten und geiſtlichen Mitprieſter dieſen Dienſt befehlen, daß ſie denſelben, wie an Chriſti Statt, ſo auch in ihrem Namen und Auftrage verrichten; denn urſprünglich und weſentlich hat jeder gläubige Chriſt dieſes oder jenes örtlich verſammelten Häufleins eben als König und Prieſter vor Gott daſſelbe, ich möchte ſagen, evangeliſche Grund— recht und dieſelbe Gewalt. Damit aber in der Kirche Gottes alles ehrlich und ordentlich her— gehe und nicht, (da auch die Kinder Gottes noch Fleiſch und Blut an ſich haben,) wildes und wüſtes Weſen aufkomme, jeder Einzelne, mit Beſchädigung deſſelben Rechtes in den Andern, taufen und predigen und Sakrament reichen wolle —deshalb iſt von Nöthen, daß die Einzel— Perſonen, wie die Einzel-Gemeinden ſich dieſes ihres urſprünglichen Rechtes begeben und die göttliche Ordnung der öffentlichen Verwaltung des Evangeliums und der heiligen Sakramente ſolchen Chriſten d. i. geiſtlichen Mitprieſtern übertragen, welche die in 1 Tim. 3. und Tit. 1. von Gott dazu erforderten Geſinnungen und Ei⸗ genſchaften haben. Demgemäß alſo ſtehen die Kirchendiener, zwi⸗ ſchen denen weſentlich kein Rangunterſchied iſt, eben als Diener (nicht aber als ſichtbare Her— ren) der Kirche nach der evangeliſchen Kirchen⸗ Ordnung des HErrn Chriſti nicht auf der 2ten, ſondern auf der Zten Stufe; und wie das Pfarr⸗ Amt aus der Gemeinde fließet, ſo iſt es auch nur um der Gemeinde willen da, nicht aber umge⸗ kehrt; es iſt eben nur Dienſt⸗-Mittel zur Er⸗ bauung des Leibes Chriſti, zur Erhaltang und Ausbreitung der Kirche nicht kraft des Amtes, ſondern kraft der göttlichen Gnadenmittel, des Evangeliums und der heiligen Sakramente, de⸗ ren öffentliche Verwaltung den Dienern der Kir⸗ che vertrauet iſt. Auch wird die Gemeinde Got— tes, die Braut Chriſti nicht dadurch weſentlich und urſprünglich eine fröhliche Kindermutnrr, daß ſie Amtsperſonen und Kirchendiener hat, ſondern daß ſie durch den heiligen Geiſt von den Saamen des göttlichen Wortes befruchtet wird, für welche geiſtliche Zeugung nun allerdings vornämlich die Diener der Kirche Mittel und! Werkzeuge ſind und Mithelfer und Mitarbeiter des heiligen Geiſtes genannt werden. Endlich aber iſt dieſer Dienſt des Pfarramtte nur irdiſch und zeitlich und dauert nur bis an den jüngſten Tag, bis alle Kinder Gottes leib⸗ lich und geiſtlich geboren ſind und das Maaft der Trübſale in Chriſto in der kämpfenden Kirchel vollendet iſt. ö Wenn aber an dem großen Auferſtehungs und Gerichtstage auch die Vollendung der tuü⸗ umphirenden Kirche beginnt und dieſe, die du ewiglich bleibet, in ihrer heiligen Schönheit of⸗ fenbar wird; — wenn alle Kinder Gottes Gon heller ſchauen von Angeſicht zu Angeſicht und ſi. ſelber völlig in Gott ſind, und Gott in ihnen 1 —dann wird es in dieſem himmliſchen und ewi, gen Weſen, in dieſem Reiche der Herrlichkein nicht mehr unterſchiedene Lehrer und Hörer, ſon⸗ dern nur verherrlichte Könige und Prieſter geben. Aber obwohl dieſe in einem unterſchiedlichen Glanze ſtrahlen und leuchten werden, und ob wohl freilich die reinen und treuen Lehttr' eine ſonderliche Verheißung haben, daß ſie leuch— ten werden als die Sonne in ihres Vaters Reich, ſo könnte es doch leicht ſein, daß ein einfältizer lutheriſches Bäuerlein, das im rechtfertigende! Glauben gelebt, bekannt, gearbeitet, gekämpft und geduldet hat und in demſelben ſelig entſchlas fen iſt, droben in herrlicherem Glanze ſtrahlent werde, als dieſer und jener berühmte Biſchof der! römiſchen oder engliſchen Kirche, indem, weil n ſonſt aufrichtig geweſen, Gott durch das Feutt der Todesſtunde das Holz, Heu und Stopprli der unnützen, ja ſelbſt den Unrath der falſchen. und verderblichen Lehre verzehret hat, ſo daß det Großwürdenträger der Kirche noch durch den ar⸗ men Sünder- und Kinder-Glauben mit Mühr der Hölle entronnen und in den Himmel entkom men iſt. Um nun aber am Schluſſe wieder auf dun Aufang zurückzukommen, ſo iſt ſicherlich für die biſchöfliche Kirche Englands wider ihren Rückfall ins Papſtthum kein andres gründliches Heilmitz tel vorhanden, als daß ſie in die Fußtapfen din lutheriſchen Kirche trete und ſich gründlith und völlig reinige auch von der papiſtiſchn falſchen Lehre über die Kirche, das Predigtamt, in ſeinem Berhältniſſe zur Gemeinde und umge⸗ kehrt, die Ordination u. ſ. w. Denn nicht nuſ, daß dieſe Menſchenſündlein und dieſes geſetzlicht Machwerk an ſich ſelber, als der evangeliſchen Lehre zuwider, höchſt ſchädlich und verderblich iſt und die armen Gewiſſen des Volkes unter den. Scheine des göttlichen Wortes gefangen nimmt, ſondern auch andre hochwichtige uhd hochtheun Artikel der heilſamen Lehre, die in völliger Reinn heit nur die lutheriſche Kirche bekennt, alz