Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 5 › Seite 39
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-10-27, Seite 39
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menſchliche Sprachgebrauch gebildet iſt; die
Schrift würde ſich ebenſo ausdrücken, wenn
auch alle Menſchen Einſicht in die optiſchen
Täuſchungen hätten. Denn auch wir Aſtrono⸗
men bilden ja nicht in der Abſicht die Aſtronomie
aus, um den gewöhnlichen Sprachgebrauch zu
verändern, ſondern wir wollen die Pforten der
Wahrheit eröffnen, ohne jenen anzutaſten. Wir
ſagen wie das Volk: die Planeten ſtehen ſtill,
gehen zurück; die Sonne geht auf und unter, ſie
gehe an einem Ende des Himmels heraus wir
ein Bräutigam aus ſeiner Kammer und ver⸗
berge ſich am andern Ende, ſie ſteige zur Mitte
des Himmels empor ..., dies ſagen wir mit
dem Volke, d. h. ſo wie es unſeren Augen er⸗
ſcheint, obgleich es nicht eigentlich ſo iſt; worü⸗
ber alle Aſtronomen einſtimmig ſind. Um wie
viel weniger dürfen wir von der von Gott ein⸗
gegebenen Schrift fordern, daß ſie mit Hintan⸗
ſetzung des gewöhnlichen Sprachgebrauchs ihre
Worte nach dem Leiſten der Naturwiſſenſchaft
abmeſſe, und mit dunkeln und ungehörigen Re⸗
densarten über Dinge, welche die Faſſungskraft
der zu Unterrichtenden überſteigen, das einfäl⸗
tige Volk Gottes verwirre, und ſich dadurch ſelbſt
den Weg zu ihrem eigentlichen weit erhabenern
Ziele verſperre.
Ad 4. J. Newton, der ſich in ſeinen freien
Stunden auch mit Theologie beſchäftigte, und
„Beobachtungen zu den Weiſſagungen der heil.
Schrift, beſonders den Weiſſagungen Daniels
und der Apokalypſe St. Johannis“ aufgezeich⸗
net hat, ſagt in dieſem Werke: Wir haben nun
Moſes, die Propheten, die Apoſtel, ja Jeſu
Worte ſelbſt. Wollen wir ihnen ebenfalls nicht
Beiſall geben, ſo ſind wir eben ſo wenig zu ent⸗—
ſchuldigen, als die Juden. Denn den Prophe⸗
ten zu glauben, iſt ein ſicheres Kennzeichen der
wahren Kirche. Denn alſo hat es Gott vorher⸗
verkündigen laſſen: daß in den letzten Zeiten
der Verſtändige es achten, die Gottloſen aber,
die gottlos Weſen führen, es nicht verſtehen
werden. Die Macht der Kaiſer, der Könige
und Fürſten iſt eine menſchliche Macht: das An⸗
ſehen der Kirchen-Verſammlungen, der Syno⸗
den, der Biſchöffe und Prieſter iſt nur ein menſch⸗
lich Anſehen. Göttlich aber iſt das Anſehen
der Propheten, welchen Namen auch Moſes und
die Apoſtel verdienen, und die Hauptſum⸗
mie der Religion iſt dieſe: „Und wenn ein
Engel vom Himmel euch würde E⸗
vangelium predigen anders denn
das wir euch gepredigt haben, der
ſei verflucht. Gal. 1, 8.
Schluß⸗Anmerkung. Was wird nun der geneigte
Leſer ſagen, wenn wir ihm aus No. 17. der „Freien
Blätter“, herausgegeben von Herrn F. Schmidt, ſol⸗
gende Stelle mitiheilen?:
»„Wir dürfen heut nicht abbrechen, ohne noch eines Na⸗
mens gedacht zu haben, der am Himmel des 17- Jahrhun⸗
derts im hellſien Glanze ſtrahlt: Iſaac Newton. — Gegen⸗
uber von Copernikus, Keppler und Galilei erſcheint Ihr
als heuchleriſcht und unzurechnungsfähige Menſchen, wenn
Ihr noch fort und fort Senne und Plancten um die Erde
kreiſend denkt; gegenüber von Newton erſcheint Ihr als
Heuchler oder Thoren, wenn Ihr noch länger von eines per⸗
ſönlichen Gottes allwiſſender, allgütiger, allwriſer u. dol.
Vaterhand träumt. — Kopernikus, Keppler, Galilei ha⸗
ben die Decke des Himmels durchbrochen; Newton hat den
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dahinter gedachten Thron des Höchſten umgeſtoßen. Koper⸗
nikus, Keppler, Galilei zeigten euch den Weltbau, wie er
wirklich iſt; Newton ließ Euch den Baumeiſter ſelbſt von An⸗
geſicht zu Angeſicht erſchauen. — Kopernikus, Keppler,
Galilei haben Euch den Himmel genommen und die Welt
— die herrliche — dafür gegeben; Newton hat Euch vom
Herrgott befreit und der Natur — der allliebenden — an
den Buſen gelegt“. Lauten dieſe Worte nicht, als wenn
Copernikus, Keppler, Galilti und namen tlich Newton die
gräulichſten Atheiſten geweſen, ja die Stijter der Atheiſtere
wären, während ſie doch, wie der geneigte Leſer aus den
oben vorgelegten Beweisſtellen wenigſtens von Reppler und
Newton erſehen hat, fromme, gläubige Männer waren,
die alle Atheiſterei von Herzen verabſcheuten? Hat Herr
Schmidt ſo wenig Reſpect vor ſeinen Leſern, daß er vor
ihnen der Geſchichte ins Geſicht lügt, daß er ſie für zu un⸗
wiſſend hält, als daß ſie's merken würden; und für gut ge⸗
nug, um mit Lügen ihr Gedächtniz zu füllen, und dan ach
ihre Vorſtellungen einzurichten? Und ſcheut er ſich nicht vor
jenen Männern, die ſich im Grabe umwenden möchten,
darum daß man ſie lange nach ihrem Tode noch ſo ſchändlich
verläumdet, die gewiß aber am jüngſten Tage Hꝛ. Schmidt
deshalb vor Gott verklagen werden! Oder meint Herr Sᷓ ·
etwa, ſich eine Hinterthür offen gelaſſen zu haben, damit
daß er auf jene Worte die ſe ſolgen läßt: „Denn was iſt das
Gravitationsgeſetz, das Newion e kannte nnd ent⸗
hüllte, was iſt das Anderes, als die lebensrolle, ſich ſelbſt
erſchaffende und erhaltende Natur an der Stelle des
Gözenbildes, das Ihr Euch das All erſchaffend und erhal⸗
tend dachtet?““ Aber verträgt ſich denn nicht: die Geſetzt
der Natur erforſchen und erkeunen und — Chriſtum von
Herzen lieben und bekennen? Bei jenen Männern vertrug
ſich's doch, ja ſland in iunigem Bunde mit einander. Oder
meint Herr Schmidt, jene Männer hätten nur keinen ſo
hellen Verſland gehabt, oder ſo gründlich über das Berhät⸗
niß von Natur zur Offenbarung nachgedacht, wie er, ſonſt
wären ſie auch wol anderer Anſicht geweſen? Wenn er's
meint, ſo ſteht er ſicherlich allein in der Welt mit ſeiner Mei⸗
nung da. Und hat er ſoſchen Wahnſinn, wie in den zulett
angeführten Worten liegt, nur bei nicht nüchternen Sinnen,
oder wirklich bei nüchternen Sinnen geſchrieben? Er glaubt
an ein Geſetz — das Gravitations-Geſetz — und doch
nicht an einen Geſetzgeber, als wenn ein Geſetz ol ne einen
Geſetzgeber ſein könnte, und als wenn der, der von einem
Geſetz redet, damic nicht auch zugleich zugäbe, daß ein Ge⸗
ſetzgeber fei? Herr Schmidt wider ſpricht ſich alſo ſel⸗
ber, und nach ihm iſt es hinfort „Heuchelti, Unzurech⸗
nungs ähigkeit“, wenn noch jtmand glaubt, man gekrauche
Geſetzgeber, um Geſetze zu machen, denn die machen ſich
ja ſelber. Und dann, was iſt denn das Gravitatiens-Ge⸗
ſetz, ohne Faſelei zu reden? Es iſt die Beſtimmung des
Schöpfers und Erhalters der Dinge, wonach Er alle Körper
ſo regieren will, daß ſie einander anziehen, ein jeder nach
nach Verhältniß ſeiner Maſſt. Ans dieſem Geſetz laſſen ſich
die Bewegungen der Körper auf der Erde und der Himmels⸗
körper mit Einſchluß der Erde zum Theil erkt ären.
Nach Herrn Schmidt ließen ſich aber auch alle andern Er⸗
ſchein ungen in der Welt, al ſo auch die chemiſchen Veränder⸗
ungen und das Wachetkum der organiſchen Körper, ſelbſt
die Thätigkeiten der Seele, daraus erklären, ja — faſſe,
wer's faſſen kann! — jenes Geſetz hätte Himmel und
Erde und Alles, was darinnen iſt, ohne Schöpfer, Cr⸗
halter und Regierer hervorgebracht. Atſo ein Ge⸗
ſetz iſt ein lebendiges Ding, das denkt und handelt. Nun
nächſtens wird Herr Schmidt ſeinen Leſern berichten, es
habe ſich ohne Geſetzgeber ein Geſetz gegeben, daß von hier
eine Eiſenbahn nach dem Stillen Ocean angelegt werden
ſolle, und dies Geſetz habe ſich auch ohne Verzug ſelber an
die Arbeit gemackt, und werde gewiß bald fertig damit ſein.
Dieſer Herr Schmidt iſt derſelbe, von dem auch die früher
im Lurheraner beſprochenen bibelfeindlichen Artikel herrüb⸗
ren.
Man ſiebt hieraus, Herr F. Schmidt arbeitet nicht nur
an der religiböſen Aufkläͤrung, ſondern auch an der des ge⸗
meinen Menſchen-Verſtandes, nämlich wie der Maulwurf
(nach der alten Vorſtellung) an den Wurzeln der Pflanze.
Bekenntniſſe eines Gottesleugners und
Fleiſchvergötterers gegen das Ende
ſeines Lebens.
Wenn ſich der Menſch macht ſelbſt zu Gott,
und Gott ven Menſchen“) hält für Spont,
Mus er zuleyt ganz kahl beſteh'n
Und auch mit Schanden un tergehn.
Gegen Ende des vorigen und im Anfang dit⸗
ſes Jahrhunderts hat es in Deutſchland zwti
ſtarke Geiſter nach dem Fleiſch gegeben, der eine
ein großer Dichter, Göthe, und der andere, ein
großer Denker, Hegel; die haben beide von dit
Bibel, des Gottes Wort und ſonderlich von de
SErrn Chriſto, des Gottes und Mariens Sohn,
als dem einigen Gottmenſchen, durch den allein
ihnen, wie allen verlorenen und verdammten
Adamskindern, Vergebung der Sünden, Leben
und Seligkeit komme, nichts wiſſen wollen.
Und darum hat ſie denn der Teufel betrogen
daß ſie, nach Gottes gerechtem Gericht, kraft ih⸗
res Unglaubens, ihre großen Gaben im Dienſtt
des Teufels, der Welt und des Fleiſches verwen
det haben. Da hat denn der eine, mit allen
Zauber anmuthiger Poeſie, die bunte, mann
faltige Sinnenwelt und der andere mit großt
Aufwande von trüglicher Scheinweisheit der
Menſchengeiſt verherrlicht und vergöttert; um
aus ihrer Schule ſind denn natürlich Dichterlein
und Denkerlein herausgewachſen, die in ſchaan⸗
loſer Abſtreifung aller frommen Scheu vor Got⸗
tes Wort, in ſog. wiſſenſchaftlicher Untergrabung
vieſer Grundfeſte des chriſtlichen Glaubens, in
offenbarer Leugnung des perſönlichen Gotttoͤ i
frecher Verhöhnung des HErrn Chriſti, in ſpöt⸗
tiſchem Wegſcherzen und Wegdichten des meuſch
lichen Sündenelends und der Bedürftigkeit d
gött ichen Gnade, in Verherrlichung der Wel
und des Fleiſches und beider Lüſte und Genüſſt
und vornämlich in aberwitziger Vergötterung d
Menſchengeiſtes und ſeiner Erfindungen, Kün
und Wiſſenſchaften, in der That ihren Meiſten
übertroffen haben. —
Einer dieſer geiſtigen Söhne Göthe's und 94
gels war nun auch der bekannte Dichter H.
Heine, von Abſtammung ein Jude, der in Paris,
dieſer Sodoma der neuen Welt lebend, von da
aus durch mehr als 20 Jahre die heranwachſen⸗
den Jünglinge Deutſchlands mit Liedern und
Dichtungen bezauberte und vergiftete, die er zu⸗
vor ſelber aus dem Taumelkelche Satans hinun⸗
tergeſchlürft hatte; denn von einer dämoniſchel⸗
Begeiſterung, durch Wolluſt und Champagn
zugleich mit erhitzt, zeugen ſeine und ſeiner Ge⸗
ſellen Poeſien; und da ſie zugleich in verführent⸗
ſcher Anmuth und bezauberndem Wohllaute dr
Sprache einherfließen und gleich der fleiſchlich
Muſik voll ſeeliſcher Wolluſt ſind, wie ſie denn
auch vorzüglich neben dem Unglauben unded
politiſchen Zucht⸗ und Zügelloſigkeit die Augen⸗
und Fleiſchesluſt verherrlichen und zergöttem,
iſt es denn freilich kein Wunder, daß tauſend
und aber tauſend heranblühende Jünglinge!
Deutſchlands, zudem wenn ſie in keiner chriſt
—
2
ö *) Chriſtum.
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