Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 135
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 135
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urppäiſchen Arzt nöthig machen, dann, weil
jezt in jenem Lande Krieg iſt und das Beiſpiel
unſerer Nationen die Wilden faſt ſo böſe gemacht
haͤt, als wir ſelbſt ſind. Ich beſchränke mich
darauf, als ein friedlicher Wilder in der, Ihrem
Vaterlande benachbarten, einſamen Gegend zu
leben.“ — Wie es ſcheint, ſtimmen, was die
praris betrifft, unſere hieſigen „Freien Männer“
in dieſem Punkte mit Herrn Voltaire überein,
vogegen wir auch durchaus nichts einzuwenden
haben, da es ſchwerlich ausführbar wäre, alle
Welt zu bewegen, zu der urſprünglichen natur⸗
gemäßen Stellung ihres Leibes zurückzukehren,
und es ſicher viele Mißſtände im Handel und
Pandel erzeugen würde, wenn die „Freien“
on den unfreien Leuten ſich dadurch uuterſchei⸗
den wollten, daß erſtere nach der Mutter Erde
und letztere nach den Sternen gekehrt, dieſes Le⸗
ben durchwandern wollten.
— “““
(Eingeſandt.)
Von den heiligen Sakramenten.
—
Herr Naſt eröffnet No. 13. des diesjährigen
Ipologtten in einem Aufſatze mit der Überſchrift:
„Haben die Sakramente eine an ſich ſeligma⸗
chende Kraft?“ einen Kampf wider die „Forma⸗
liten.“ Dieſe „Formaliſten“ beſchreibt er als
ſolche Leute, welche die Sakramente des neuen
Bundes an vie Sielle der Gnade Gottes oder
ennes ſeligmachenden Glaubens an Chriſtum, ja
gar an die Stelle des heil. Geiſtes ſetzen. Da⸗
nit bringen die „Formaliſten“ allerdings eine
gtäuliche Verwirrung in die chriſtliche Lehre,
tine Verwirrung, welche die evangeliſch-luthe⸗
riſche Kirche beſtändig auf das Entſchiedenſte
rrworfen hat. Wir bekennen zwar nach der
heiligen Schrift, daß Gott, daß die Gerechtig⸗
keit und das Leiden Chriſti, daß die heiligen
Sakramente, daß der Glaube ſelig mache, al⸗
kiin wir ſetzen keines von dieſen Stücken an die
Stelle des andern, ſondern laſſen dieſelben in
der ſchriftgemäßen Ordnung. Gott iſt die vor⸗
nhmſte Urſache (oausa principalis), welche uns
ſlig macht; die Gerechtigkeit und das Leiden
chriſti iſt die verdienſtliche Urſache causa me⸗
itoria), um derentwillen Gott uns ſelig macht;
die heiligen Sakramente ſind die Mittel-Urſachen
von Seiten Gottes (causae instrumentales ex
hrrte Dei), wodurch Gott uns ſelig macht; der
Glaube iſt die Mittel-Urſache von Seiten des
Nenſchen (eausa instrumentalis ex parte ho-
ninis), wodurch der Menſch ſelig wird.
Hören wir hierüber ein klares Zeugniß unſe⸗
Is theuren Chemnitz. Derſelbe ſagt im zweiten
Theile ſeines Eramens der Beſchlüſſe des Tri⸗
dent. Conc. im Capitel von der Wirkſamkeit und
dem Gebrauche der Sakramente, S. 19.: „Die
Auseinanderſetzung iſt nicht dunkel und nicht
ſchwierig, wenn man nur jene nothwendige Un⸗
tercheidung macht, in wiefern Gott Gnade er⸗
theile und inwiefern die Sakramente nicht Gnade
erthrilen. Gott der Vater hat die Welt mit ſich
verſöhnt, und nimmt die Gläubigen zu Gnaden
*
—1565—
Allerdings ertheilen die Sakramente nicht Gnade
in der Weiſe, wie Gott der Vater ſelbſt. Chri⸗
ſtus iſt unſer Friede, Eph. 2. Der Tod Chriſti iſt
unſere Verſöhnung. In ſeinem Blute ſind wir
gerechtfertigt, Röm. 5. Das Blut Chriſti rei⸗
nigt uns von aller Sünde, 1. Joh. 1. Er iſt
um unſerer Gerechtigkeit willen auferwecket,
Röm. 4. Auch in dieſer Weiſe reinigt die Taufe
allerdings nicht von Sünden, wie Chriſtus
ſelbſt. Die eigenthümliche Wirkſamkeit des heil.
Geiſtes beſteht in der Darreichung und Zueig⸗
nung der Gnade. Auch dem heiligen Geiſte
dürfen die Sakramente allerdings nicht gleichge⸗
ſtellt werden, daß man glaube, ſie ertheilten in
gleicher und ganz derſelben Weiſe Gnade, wie der
heilige Geiſt ſelbſt. Soll man aber deßhalb den
Sakramenten gar nichts zuſchreiben? Aller⸗
dings iſt kurz vorher mit den Worten der heil.
Schrift ſelbſt angegeben, was die Sprüche der
Schrift den Sakramenten zuſchreiben. Aber man
muß ſich genau und ſorgfältig hüten, daß man
nicht, wenn man von der Kraft und Wirkſamkeit
der Sakramente handelt, das, was der Gnade
des Vaters, der Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes
und dem Verdienſte Gottes des Sohnes eignet,
Gott nimmt und auf die Sakramente überträgt;
denn das wäre die Sünde der Abgötterei: auch
darf man die Sakramente nicht dem Verdienſte
Chriſti, der Gnade des Vaters und der Wirk⸗
ſamkeit des heiligen Geiſtes hinzufügen als mit⸗
helfende oder theilweiſe Urſachen: denn das wäre
dieſelbe Sünde. Denn es iſt kein anderer Na⸗
me gegeben den Menſchen ꝛc. Apoſtelg. 4. ꝛc. So
wie daher das Evangelium eine Kraft Gottes
iſt, die da ſelig macht alle, die daran glauben:
nicht weil an den Buchſtaben, den Sylben und
dem Klange der Worte eine gewiſſe magiſche
Kraft haftete, ſondern weil es das Mittel, Or⸗
gan oder Werkzeug iſt, durch welches der heilige
Geiſt wirkſam iſt, indem er das Verdienſt Chriſti
und die Gnade Gottes allen Gläuhigen zur Se⸗
ligkeit vorſtellt, anbietet, darreicht, austheilt und
zueignet: ſo wird auch den Sakramenten eine
Kraft oder Wirkſamkeit zugeſchrkeben: nicht weil
in den Sakramenten außer oder neben dem Ver⸗
dienſte Chriſti, der Barmherzigkeit des Vaters
und der Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes eine
Gnade zur Seligkeit zu ſuchen wäre: ſondern
die Sakramente ſind Mittel⸗Urſachen, ſo daß der
Vater durch jene Mittel oder Werkzeuge ſeine
Gnade darreichen, ſchenken, zueignen: der Sohn
ſein Verdienſt den Gläubigen mittheilen: der
heilige Geiſt ſeine Wirkſamkeit allen Gläubigen
zum Heile ausüben will. Auf dieſe Weiſe bleibt
Gott ſeine Ehre, daß die Gnade nicht anderswo
geſucht wird als bei Gott dem Vater: daß der
Schatz oder die Urſache der Vergebung der Sün⸗
den und das ewige Leben nicht anderswo ge⸗
ſucht wird als in dem Tode und der Auferſte⸗
hung Chriſti, und daß die Wirkung der Wieder⸗
geburt zur Seligkeit nicht anderswo geſucht wird
als in der Thätigkeit des heiligen Geiſtes. Die
Sakramente aber ſind es, welche jene Wohlthaten
uns im Worte vorſtellen, zubringen, darreichen
und verſiegeln: und ſo führen ſie uns zu Chriſto,
*
an, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnet.
*
zur Gnade Gottes, zur Wirkſamkeit des heligen
—
Geiſtes. Denn weil Gott in Beziehum auf
unſere Seligkeit durch gewiſſe Mittel mit uns
handeln will, ſo hat er dieſen Gebrauch ſelbſt
angeordnet und das Wort der Verheißung des
Evangeliums eingeſetzt, welches zuweilen einfach
an ſich oder bloß vorgeſtellt wird, zuweilen aber
bekleidet oder ſichtbar gemacht durch gewiſſe von
Gott eingeſetzte Handlungen oder Sakramente.
Wort und Sakrament zeigen uns daher, wo
der Glaube ſuchen müſſe und wo er finden könne
Chriſtum den Mittler, den Vater und den heili⸗
gen Geiſt, ſo daß ſie mit uns handeln, uns dar⸗
reichen, aneignen und verſiegeln die Güter, wel⸗
che Chriſtus uns verdient hat und von denen
das Evangelinm redet. Und im Gebrauche der
Sakramente ſucht oder erblickt der Glaube nicht
eine weſentliche Kraft oder Wirkſamkeit, welche
an den äußern Elementen der Sakramente ſelbſt
hafte: ſondern in der Verheißung, welche dem
Sakramente angehängt iſt, ſucht, ergreift und
empfängt er die Gnade des Vaters, das Ver⸗
dienſt des Sohnes und die Wirkſamkeit des heili⸗
gen Geiſtes.“ Bis dahin Chemnitz.
Keinesweges alſo vergöttern wir die Sakra⸗
mente, keinesweges legen wir ihnen ſolche Ei⸗
genſchaften, Werke und Ehren bei, welche Gott
allein gebühren, keinesweges ſetzen wir ſie an
die Stelle des heiligen Geiſtes. Mit der gan⸗
zen chriſtlichen Kirche geben wir dem heiligen
Geiſte ſeine Ehre, indem wir bekennen, daß er
waͤhrhaftiger Gott und zwar die dritte Perſon
der Goitheit ſei, welche vom Vater und dem
Sohne in Ewigkeit ausgehe. Dem heiligen
Geiſte ſchreiben wir dem Worte Gottes gemäß
das Werk der Heiligung zu; er iſt es, welcher
uns wiedergebärt, bekehrt, erleuchtet, lebendig
macht, erneuert und verherrlicht, daß wir Kin—
der Gottes des Vaters, Brüder des Herrn
Chriſti, Tempel des heiligen Geiſtes und Erben
des ewigen Lebens werden. Wer den heiligen
Geiſt nicht hat, kann nicht ſelig werden, denn
Gottes Wort ſagt, Röm. 8, 9.: Wer Chriſtus
Geiſt nicht hat, der iſt nicht ſein. Nur durch
die Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes kann ein
Menſch zum ſeligmachenden Glauben an den
Herrn Jeſum Chriſtum kommen, 1 Cor. 12, 3.:
Niemand kann Jeſum einen Herrn heißen, ohne
durch den heiligen Geiſt. Welches alles wir
dem Worte Gottes gemäß in unſerem kleinen
Catechismus bekennen: Ich glaube, daß ich
nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Je⸗
ſum Chriſtum lmeinen Herrn glauben, oder zu
ihm kommen kann, ſondern der heilige Geiſt hat
mich durch das Evangelium berufen, mit ſeinen
Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt
und erhalten, u. ſ. w.
Allein die größte Verkehrtheit wäre es, wenn
man vie Ehre des heiligen Geiſtes dadurch er⸗
höhen wollte, daß man den Sakramenten alles
das nimmt, was Gott ſelbſt ihnen zuſchreibt
und ſie als bloße, leere, äußerliche Zeichen und
Ceremonien ſchändet und läſtert. Das einzig
Richtige iſt vielmehr, daß wir kindlich bei dem
Worte Gottes bleiben und den Sakramenten
nicht mehr und nicht weniger zuſchreiben, als
was Gott ſelbſt ihnen zuſchreibt. Nun ſpricht
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