Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 128
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 128
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
A
„Ich ſuche einen Menſchen.“
—
Laertius erzählt von dem heidniſchen Philo⸗
ſophen Diogenes, daß derſelbe einſt am hellen
lichten Tage eine Laterne in der Hand, auf dem
Markte zu Corinih umhergegangen und denjeni⸗
gen, welche ihn deswegen zu Rede geſetzt, zur
Antwort gegeben haͤbe: „Ich ſuche einen Men⸗
ſchen.“ Zu anderer Zeit habe er überlaut ge⸗
rufen; „Herbei, ihr Menſchen!“ und als ſich
hierauf eine große Menge Bürger verſammelt.
und man ihn gefragt habe, was er denn be⸗
gehre, habe er die Zuſammengelaufenen mil
einem Stecken von ſich getrieben und geſagt:
„Hinweg! ich habe Menſchen kommen heißen
und nicht Düngerhaufen?? „
Jetzt, wo ſo viele nicht mehr an Gott, Unſierb⸗
lichkeit und eine ewige Vergeltung glauben, ja,
die Atheiſterei und Religionsſpötterei alle Stän⸗
de angeſteckt hat, möchte man wohl wieder des
Diogenes Laterne anzünden, denn ſind vie noch
für Menſchen zu halten, die das allen Men⸗
ſchen von Natur in das Herz geſchriebene Be⸗
wußtſein: „Es iſt ein Gott, ein gerechter Rich⸗
ter im Himmel,“ verleugnen? Nein, ſelbſt un⸗
ter das Vieh ſind ſie herabgeſunken, denn
„ein Ochſe kennt ſeinen Herrn, und ein Eſel die
Krippe ſeines Herrn“ (Jeſ. 1, 3. vergl. Jer.
8, 7.) — ſie ſind — Düngerhaufen.
„Kann doch ein Bruder niemand erloͤſen,
noch Gott· jemand verſöhnen.“
Pfalm 49, 8. —
—
In der römiſchen Kirche verweiſt man be⸗
kanntlich denjenigen, welcher ſelig werden will,
nicht allein auf das vollgültige Verdienſt des
einigen Mittlers, ſondern eben ſo wohl auf die
angeblichen Verdienſte der ſogenannten Heiligen,
deren man durch ven päpſtlichen Ablaß theilhaf⸗
nig werden ſoll, und auf die Opfer, welche die
Prieſter für alle Gott in den Meſſen darbringen
ſollen. Wie troſtlos dieſe, Chriſti Verdienſt ſo
arg ſchändende Lehre ſei, das bedarf keines Be⸗
weiſes, es iſt jedoch gewiß nicht ohne Nutzen,
immer wieder die Fälle in das Gedächtniß zu
rufen, wo ſich die Troſtloſigkeit derſelben zur
Warnung der Betrogenen recht deutlich vor aller
Welt geoffenbart hat. Ein Beiſpiel hiervon iſt
der berühmte Ausleger des päpſtlichen Rechts
Johannes Teutonicus, geweſener
Domprobſt zu Halberſtadt. Schon bei ſeinen
Lebzeiten (er lebte im 13. Jahrhundert) merkte
derſelbe, daß es mit dem päpſtlichen Ablaß wohl
nicht eben eine gar ſo ſichere Sache ſei, und wi⸗
dexſetzte ſich daher, als der Papſt einen ſolchen
AÄblaß ausſchrieb; als es aber mit ihm zum
Sterben kam, that er noch folgendes Bekenntniß:
„Wir haben gehabt in unſerem Leben, die für
uns ſind zu Chore gangen, die für uns haben
den Acker gebauet, die für uns haben Meſſe ge⸗
ſungen und Horas canonicas gebetet: wo wol⸗
lou wir nun einen nehmen, der für uns in die
Höͤlle fahre und wir erlöſt werden?“
ter.
Flaſche gehylt werden mußte, und weil der Rek⸗ñ
tor an den Fortſchritten ſeines alten Schülers
Iummer größere Freude empfand, ließ er eine
beſſere Sorte kommen. Als der Studioſus die⸗
ſen gekoſtet, ſagte er: bonum vinum!
deutſch: Guter Wein!) Der Rektor frug ihn
—128—
Wie der Wein, ſo das Latein.
Ein Student der Philologie (der Sprachwiſ⸗
ſenſchaft) beſuchte einſt in den Ferien ſeinen ehe⸗
maligen Gymnaſial⸗-Rektor, der eben Geſell⸗
ſchaft hatte.
teiniſch zu reden an, und als er ſah, daß ſein
ehemaliger Schüler gute Fortſchritte gemacht
hatte, lirß eine Flaſche Wein auftragen. Der
Studioſus trank (es war echter (d. h. ſaurer)
Naumburger) und ſagte: bonus vinum! (auf
deutſch etwa: Gutes Wein!) Der alte Rektor
lächelte, er meinte, der Student habe aus Ver⸗
ſehen dieſen Schnitzer gemacht, und ſprach wei⸗
Sie vertieften ſich ſo, daß bald eine zweite
u
nun, warum er voryer anders geſagt habe?
Varauf antwortete der Student: quale vinum,
tale latinum (d. h. wie der Wein, ſo das La⸗
tein). — Mögen ſich dies alle diejenigen mer⸗
ken, welchen es oft, wie wir hören, gar nicht
gefallen will daß der „Lutheraner“ mitunter von
gewiſſen Leuten nach ihrer Meinung etwas gar
zu deutſch redet: Wie der Wein, ſo das Latein;
wie die That, ſo der Titel.
Das in No. 13 dieſes Blattes
ſals Veitgabe für die confirmirte Jugend
empfohlene Schriftchen:
„„Timotheus“
hat — auf 155 Seiten vorzüglich gutes
Papier in Duodez gedruckt — ſo eben die
Preſſe verlaſſen und werden gebundene
Exemplare in den nächſten Tagen in der
Expedition des „Lutheraners“ zu haben
ſein. Der Preis eines ſolchen iſt vor⸗
läufig auf — 30 Cents geſtellt; in Gold⸗
ſchnitt 50 Cents.
Erhalten
zur Synodal⸗Miſſiens-Caſſe:
Von den Gemeinden des Herrn P. Hattſtädt
in und um Monrore, Mich. :5. 79.
„ deſſen Schul kindeeen 1. 21.
Durch Herrn P. Beſt in Pahmyra, Mo. und zwar:
— *
Von einem Ungenannten 1. 00.
4 * · 35.
„ einer Ungenannten 45.
„J. H. LiboribbuuLE!1 25.
„ M. Hei 10.
„Adam Weiß ‚ 25.
„ H. Strakikkkk 10.
„H. Hart wig 10.
„Frau Weiß und Frau Muder 25.
„Johann Schammeelll. 25.
„G. Dreſcher qT 2⁵.
„ Pf. Frankenbhahh 15.
„F. J. Meyver 10.
„Fr. Martha Muder 20.
„Johann Schwarz
Der Rektor fing mit erſterem la⸗
Von verſchiedenen Gliedern der Gemeinde des Hr.
P. Brohm in New Norkk 7. ·
„ Herrn Michael Kreuteol. 50•
„ der Gemeinde Frankenluſt, Mehh... 3. 00.
dr. Sh.
Berichtigung.
Die im vorigen Jahre von Herrn P. Hattſtädt zur Syno⸗
dal-Caſſe eingeſendeten reſp. § 4. 70. und 1. 9. ſind in
No. 26. Ja, rg. 6. irrthümlich als Miſſionsgelder quittint
worden. ‚
F. W. Barthel, Caſſirer.
Bezahlt 21
den 7. Jabrg. die Herren Clriſtian Auch, Gotifried Beck,
P. Buhre, P. Brohm (26 Er.), Daniel Dobler,
P. Grabau, Carl Heckmann, Körner, Michar!
Rreutei (30 Ets.), P. Quaſi (50 Centé).
Veraͤnderte Adreſſe.
Prof. A. Biewend, Concordia Collegiun
St. Louis, Mo.
ö Bücher und Pamphlets
zu haben in der Expedition des Lutherauers
um die beigeſetzten Preiſe.
—
Dr. Martin Luthers kl. Catechismus,
unveränderter Abdruck ‚
Das Dußend 8 1. Huindert Stück § 7.
Die Verfaſſung der deutſchen evang.
lutb. Synode von Mi ourt, Orio u. a. St.
nebſt einer Einleitung und er äutrruden Bemerk. 5.
Das Dutzend 50; 25 Stück 8 1.
Erſter Synodalbericht der deutſchen evang.
luth. Synode von Miſſouri, Orio u. a. St.
vom Jacre 1817
Zweiter, Dritter nnd Vierter Synodal⸗
bericht derſelben Syon ode, heder
Dritter Jahrgang des Luthtranere
von 1816 — 47. No. 8 — 26.
(Der 1. u. 2. Jarryang ſind vergriffen.)
Vierter und fünfter Jahrgang des
Lutheraners 891
Gpeiſchr Bich Concordien buch, d. . Sym⸗
boliſche Bücher der evang. luty. Kirche, New⸗
Norter Auegabe in geprehtem veder gebunden
Geſpräche zwiſchen zwei Lutherauern
über den Methodismus, (in Pamphlet⸗
ſorm) 1 Stück 5.
Dr. Martin Luthers Tractat vor ber
wahren Kirche, 2 Stück
Dr. Enthers Hauspoſtiille, oder Predigten
über die Evangelien auſ die Soun- und Feſtage
des ganzen Ablede New⸗-Horter Ausgabe, gi⸗
bunden in Kalbleder
Kirchen ⸗ eſangbuch ſür evang. luth. Ge⸗
meinden, welchem ſonn⸗ und die ſeſttägl.en
Perizopen beigefügt ſind, verlegt von der Lleſgen
evang. luty. Gemeinde U. A. C. in gepreyten
Lederbande, das Stück 75⁵.
700 Suut 802. 503 Legen Baarzahlung.
A BC⸗Buch, Rew⸗Yorfer Ausgabe, das Stück
(Das Dußend 1
Johann Hübners Bibliſche Hiſtorien aus dem
Alten und Neuen Teſtamente. Unveränderter
Abdruck, New⸗Horker Ausgabe, im Einzelnen
im Dutz end 32.
Dr. Martin Luthers Auslegung des 90.
Pſalms, broſchirt und beſchnitten
im Dutzend 61.
Spruchb uch zum kl. Catechiamus Luthert. Im NAuf⸗
trage der Synode von Mivuri ꝛc. zuſammenge⸗
tragen von Paſtor Fr. Wyn ecken, das Stück
im Dutzend 51.
Der Hirtenbrief des Herrn P. Graubau zu
Buffalo v. J. 1810 nebſt dem zwiſchen ibm und
mehreren luth. Paſtoren von Miſſouri gewechſel⸗
ten Schriſten
81. 20.
.
Gedruckt bei Moritz Niedner,
Noerd-Ecke der dritten und Cheſtuuthraß⸗
English translation
Not yet translated.