Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 123

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 123

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chriſti: Die iſt an ſich ſelbſt eine rechte Creatur,
heſchafen zugleich vom Vater, Sohn und Heil—⸗
gen Geiſt; und iſt nicht zu leiden im Glauben,
43der Vater allein, oder der Sohn allein, oder
drr heilige Geiſt allein, dieſe ECreatur oder Menſch⸗
heit geſchaffen habe: ſondern iſt ein Opus indi-
visum Trinitatis, ein Werk, welches alle drei
herſonen als ein einiger Gott und Sck höͤpfer einer⸗
li Werks geſchaffen hat; wie der Engel Griel

in der Jungfrauen Maria ſaget, Lucas 1, 35.
„Der Heilige Geiſt wird üͤber dich kommen, und
Wtaft des Allerhöchſten wird dich überſchatten.
Riht allein iſt der Heilige Geiſt da über dir,
pricht er,) ſondern auch der Allerhöhe ſte; das
ſt, der Vater wird dich uüberſchatten mit ſeiner
Kraft, das iſt, durch ſeinen Sohn oder Wort:
0 ſoll, das in dir geboren wird, des Aller⸗
heſten Sohn ſein und heißen, daß alſo die ganze
ſuuglel als ein einiger Schöpfer hier iſt,
einige Werk, die Menſchheit, geſchaffen
nd gemacht hat, und doch die Perſon des Sohnes
ulein damit vereiniget, und Menſch worden,

iicht der Vater, noch Heiliger Geiſt.

Und kannſt von dieſem Menſchen nicht ſagen:
das iſt Gott der Vater: oder: Das iſt Gott der

beige Geiſt; ſondern mußt ſagen: Das iſtee
Hat der Sohn; obwohl Gott der Vater, Sohn
n uo Heiii iger Geiſt, ein einiger Gott iſt: daß du
n recht ſageſt von dem Menſchen: Das iſt
Hu, und iſt kein anderer Gott mehr; doch un⸗
ie laht ſageſt: Das iſt Gott der Vater, oder Gott
e⸗ beilige Geiſt; ſondern mußt ſagen: Das
er der Sohn; wie St. Paulus Col. 2, 9.

nt 8 Denn in Chriſto wohnet die ganze Fülle
r, EwOottt eit, und iſt doch damit der Vater und
ö nlige Geiſt derſelben Gottheit nicht beraubet,
in mit dem Sohn und Menſchen Chriſto
in Wiger Gott. Hieraus ſieheſt du, wie die
u hittlichen Perſonen unterſchiedlich, inwendig
iſt⸗ i Gotth heit, zu gläuben, und nicht in eine Per⸗

um mengen ſind, und doch das göttliche eini⸗
4.Weſen nicht zu zertrennen, oder drei Goͤtter
Anuch: nz ſondern äußerlich, gegen die Crea⸗

2, ein einiger Schöpfer ſei, ſo gar einig, daß
hdie Creatur, ſo die Perſonen unterſchiedlich
lchnchmen, aller drei Perſonen als einiges
14 einerlei Werk ſind.

*—4 —— —————

erfahre ich mit der Wahrheit, daß
die Perſon nicht anſieht; ſondern in
de anrlei Volk, wer ihn fürchtet und recht
Triſlt thut, der iſt ihm angenehm.“
uren Apoſtelg. 10, 31. 35.

do
t im
Pen
no
tere
imu
agen

in Ausſpruch des heil. Apoſtels Petrus ha⸗
Ide Unioniſten und Indifferentiſten, und in⸗
rheit die offenbaren Feinde des chriſtlichen
wens von jeher fuͤr eine eiſerne Mauer ge⸗
, hinter welcher ſie ſicher und unüberwind⸗
Mergen alle diejenigen kämpfen könnten, wel⸗
Exhaupten, daß es nur Einen Weg zur Selig⸗
ur Eine wahre Religion und Kirche gebe
Baß das einzige Mittel, ſelig zu werden, der
we ſei. Man ſpricht: hört Ahr 's nicht, was
* Apoſtel ſelbſt ſagt: „In allerlei Volk,
01 furchtet und recht thut, der iſt ihm an⸗
“ Beſtätigt es hiernach nicht die Bibel
0 es ganz gleichgültig ſei, welchen
uund welche Religion ein Menſch hat

— 123—

und zu welcher Kirche er ſich bekennt? Erklärt
es hiernach nicht das Buch ſelbſt, was ihr Alt⸗
lutherauer ſo ſteif für Gottes Wort haltet: Wenn
ein Menſch nur ſeinen Gott nach dem Grad ſei⸗
ner Erkenntniß verehrt und nach ſeinem Gewiſ⸗
ſen recht thut, ſo iſt er Gott angenehm? Sehet,
Gott wird einſt nicht darnach fragen, was,
ſondern wie ein Menſch geweſen ſei; nicht dar⸗
nach, was er geglaubt, ſondern wie er ge⸗
lebt habe; nicht darnach, ob er ein Chriſt,
oder ein Jude, oder ein Muhamedaner, oder
ein Heide, nicht darnach, ob er ein Lutheraner,
oder ein Reformirter, oder ein Catholik oder ein
Freigeiſt, ſondern — ob er ein guter Menſch
geweſen ſei. So heißt es z. B. in den ſogenann⸗
ten „Stunden der Andacht“ *): Jede Religion
iſt ehrwürdig, denn alle Religion iſt ein Pfad zu
Gott. Ehrwürdig iſt mir ſelbſt die Andacht des
Heiden, wenn er ſich anbetend vor der aufgehen⸗
den Sonne oder vor den Geſtirnen, wie vor
Gottheiten niederwirft. Dieſer Unmundige, er
verehrt Gott nur nach ſeiner Weiſe; er verwech⸗
ſelt in ſeiner Schwachheit das Geſchöpf mit dem
Schöpfer. Nicht unſere Meinung, nicht unſere
ſchwache Erkenntniß, uein unſere That wird
gerichtet werden!“

Hiernach ſollte man nun freilich meinen, die
Indifferentiſten, Freigeiſter und Religionsfeinde
müßten wohl recht tugenbhafte, liebevolle, gottes⸗
furchtige, gewiſſenhafte Leute ſein. Aber wun⸗
derbar! gerade dieſe Leute, die immer „Tugend,
Menſchenwurde, edle Werke ꝛc. im Munde fuh⸗
ren und ſagen, der Meuſch könne nur hierdurch
ſelig werden, zeigen immer nichts weniger, als
dies. Wahrlich, wäre es ſo, wie die Ungläu⸗
bigen behaupten, daß man allein durch gute
Werke ſelig werden könne, ſo ſollten ſie billig ſo
vernünftig ſein, einzuſehen, daß es gerade bei
dieſer Lehre um niemanden ubler ſtunde, als eben
um ſie! ſie mußten denn denken, ihr Freſſen und
Saufen, ihr Fluchen und Toben, ihr Tanzen
und Spielen, ihre Wucherei und Betrugerei, ihr
meiſt bis insxächerlichne gehender Stolz und Hoch⸗
muth, ihre Gehäſſigkeit und Unverſöhnlichkeit un⸗
ter ſich, ihr Lugen und Verläumden, ihr Huren
und Buben, kurz, ihr entweder offenbares Schand⸗
leben oder ihr auf den beſten Fall unter der Tun⸗
che einer feinen Weltbildung verſtecktes Leben
ohne Gottesfurcht, in Eitelkeit, Eigennutz und
Selbſtſucht, das ſeien die Tugenden, das ſei
das „Recht thun“, wovon der Apoſtel Petrus in
jener Stelle rede, wodurch der Meuſch Gott an⸗
genehm und der Himmel ihm unfehlbar aufge⸗
ſchloſſen werde! — Doch, lieber Leſer, was wol⸗
len wir uns lange bei denen aufhalten, welche,
um den chriſtlichen Glauben zu bekämpfen, die
Tugend ſo hoch heben? Daß es dieſen ar⸗
men Menſchen mit ihrem Tugendgeſchwätz kein
Eruſt iſt, daß ſie, wenn ſie ihres Herzens
Grund herausſagen ſollten, geſtehen mußten,
ſie glaubten eigentlich an gar keinen Gott, als
an ihren Bauch, und an das, womit ſie ihn
füllen und worein ſie ihn hüllen, das kann jetzt
wohl auch ein Blinder ſehen. Die Tugendſchwätzer
haben lang genug geheuchelt; ihre Larve zu tra⸗

4 —.—

*) Dieſes Buch, das muß man wenigſtens gefehen,
trägt einen recht paſſenden Titel, es lehrt nehmlich eint
Stun denandachtsreligion. Denn das wußte der geſcheute
Verſaſſer rieſes Buches wohl, dap die Wen auch in manchen
Stunden andächtig ſein will, wenn ſie nur dann leben
lann, wie ſie will.

höher geſtiegen iſt, immer unerträglicher; Tau⸗
ſende fangen daher auch jetzt an, dieſelbe wegzu⸗
werfen, und ſagen es gerade heraus, der Gott,
an den ſie eigentlich glaubten und den ſie verehr⸗
teu, das ſeien ſie ſel bſt, und der Him mel,

den ſie ſuchten, das ſei kein anderer, als welchen
die anderen Thiere auf Erden auch ſuchten,
nehmlich Eſſen und Trinken und Fröh⸗

Schmidt in einer vor einigen Tagen hier ausge⸗
gebenen Zeitſchrift, genanut „Freie Blät⸗
ter“ (auf die wir bei andrer Gelegenheit zurück⸗
zukommen gedenken), ohne Hehl ausſpricht.

Hiernach ſcheint es nun freilich nicht nothig zu
ſein, den Glaubensfeinden zu beweiſen, daß der
heil.
weniger, als das, ſagen wolle, daß nichts auf
den Glauben, ſondern allein auf die guten Werke
ankome, denn dieſe Leute glauben ja ſelbſt, gerade
das letztere am wenigſten. Es giebt jedoch man⸗
che, welche von Jugend auf falſche, rationaliſtiſche
Lehre und Schriftauslegung gehört haben, die
daher mehr aus Unwiſſenheit, als aus verſtockter
Bosheit, wirklich in der Meinung ſtehen, jener
apoſtoliſche Ausſpruch zeige offenbar, daß es
auch nach der Bibel einerlei ſei, welche Religion
man habe, wenn man nur einen aͤußerlich ehr⸗
baren Wandel vor Menſchen führe.

An Solche wenden wir uns daher und fragen
ſie: Sollte dies wirklich der Sinn jener Worte
Petri ſein? — Wäre dem ſo, ſo ware die ganze
Bibel und die darin euthaltene beſondere göttli⸗
che Offenbarung überflüſſig; ſo wäre es auch
höchſt unnöthig geweſen, daß Gott ein Menſch
geworden iſt, um für die Sunderwelt ſelbſt ge⸗
nug zu thun und ſo die Sünder, welche an die
geſtiftete Verſöhnung glauben wurden, unbeſcha⸗
det ſeiner Gerechtigkeit, wieder zu Gnaden anneh⸗
men zu können. Wollte Petrus mit jenen Wor⸗
ten ſagen, daß ein Menſch auch ohne den Glau⸗
ben ſelig werden könne, ſo widerſpräche ſich die

Bibel ſelbſt, ſo wäre alſo die ganze Bibel falſch.
Denn was ſagt ſie an anderen Stellen? Darin

heißt es ſchon auf dem zweiten Blatte derſelben,
im 3. Capitel des 1. Buchs Moſe, nachdem darin
der Abfall des menſchlichen Geſchlechts von Gott
in die Sunde beſchrieben iſt: der „Saame des
Weibes werde der Schlange den Kopf zertreten.“
Hiermit iſt es aber alsbald der Welt verkündigt
worden, daß der Menſch ſich nicht ſelbſt erlöſen
und von ſeinem Falle ſich wieder aufrichten
könne, ſondern daß Einer kommen werde, der
werde dies thun, und auf den ſolle der gefallene
Menſch hoffen, deſſen ſolle er ſich tröſten, der
werde ihm helfen. Nichts anderes als der
Glaube an den Erlöſer, iſt es alſo, was hier⸗
mit ſchon der erſten Welt als der einige Weg zur
Seligkeit vorgelegt worden iſt. Gehen wir nun
weiter, bis in die Zeit, wo alle Welt in Abgöt⸗
terei verſunken war, und die erſte Offenbarung
Gottes verworfen hatte, und Gott daher einen
Mann auserwaͤhlte, durch den und deſſen Nach⸗
kommen Gott ſeine Heilsoffenbarung der Well
fortpflanzen wollte, bis zu Abraham — ſo hören
wir wieder dasſelbe. Die Schrift ſpricht nehm⸗
lich nicht nur von Abraham: „Abram glaubte
dem HErrn, und das rechnete Er ihm zur Ge⸗
rechtigkeit“, ſondern ſchon vorher hatte Gott zu
ihm auch geſagt: „In dir (hernach in deinem

Saamen) ſollen geſ egner werden alle Ge⸗

gen, wird ihnen jetzt, da die Aufklärung immer

lichſein, wie es z. B. ein gewiſſer Herr Franz

Apoſtel Petrus mit jenem Ausſpruch nichts

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