Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 131
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penn Jeſus Chriſtus iſt kein anderer
Gott, oder Vater, oder Schöpfer,
dihn der Vater und heiliger Geiſt
it, ob er gleich eine andere Perſon
iſt. Ebenſo iſt der Vater und heiliger Geiſt auch.
Demnach iſt es nicht allein falſch, ſondern
auch unmöglich und nichtig, daß du die Perſon
1s Vaters, als die unterſchiedliche Perſon, woll⸗
iſt Vater nennen, und nicht den Sohn und
heiligen Geiſt zugleich mit Vater nennen; denn
das hieße das göttliche Weſen zertrennet, und
den Sohn und heiligen Geiſt ausgeſchloſſen.
Das iſt nichts. Denn nach ſolcher Weiſe der
heröͤnlichen Vaterſchaft hat der Vater nicht mehr,
denn Einen Sohn, und der Sohn nicht mehr,
unn Einen Vater. Solcher Vater iſt er dir nicht,
nd du nicht ſolcher ſein Sohn; ſondern das iſt
Ilueinige Sohn vom Vater in Ewigkeit, wie
ur 2. Pſalm v. 7. ſpricht: „Der Herr ſprach zu
un: Du biſt mein Sohn, heute habe ich dich
boren;“ aber du biſt nach deinem Alter, drei⸗
ſiz vierzig, funfzig Jahr, ſo lange du geſchaf⸗
fin und getauft biſt geweſen, ein zeitlicher Sohn
dler drei Perſonen, Eines Gottes. Quia ope-
n Trinitatis ad extra sunt indivisa, sie cul-,
tu6 Trinitatis ad extra est indivisus: was Gott
zegen die Creatur thut, das thun alle drei Per⸗
fonen ohne Unterſchelv.
Denn es iſt ein einig göttlich Weſen aller
mrier Perſonen, und was wir oder die Creatur
atgen eine jegliche Perſon thun, das thun wir
Kaegen den einigen Gott, und allen dreien Per⸗
lnen ohne Unterſchied. Denn er iſt gegen uns
iin einiger Gott, und in ſich ſelbſt drei Perſonen
Eunteſchievlich; wie der HErr Chriſtus ſelbſt
pricht Joh. 14, v. 9. 10.: „Philippe, wer mich
ſthet, der ſiehet den Vater, wie ſprichſt du denn:
Zige uns den Vater? Gläubeſt du nicht, daß
5 v. 23: „Sie ſollen den Sohn ehren, gleich
nie den Vater.“ Joh. 10, v. 30. 31: „Ich und
kr Vater ſind Eines;“ das ſprechen wir, ein
Ding, ein Weſen, ein Gott, ein Herr. Hier
luben die Jüden Steine auf, und wollten ihn
feinigen. Joh. 5, 17.: Mein Vater wirkt,
Wer ſchafft bisher, und ich wirke auch.“ Dar⸗
imttachteten die Jüden vielmehr ihn zu tödten,
nuß er nicht allein den Sabbath brach, ſonvern
ugte auch, Gott ſei ſein Vater, und machte
lſis ſelbſt Gott gleich ꝛc.: Joh. 10, 33.
davon will ich jetzt auf hören: denn ich hatte
rilens ein Buch zu ſchreiben, ſo bin ich ins
Rrdigen kommen. Lies das Evangelium Jo⸗
kunes, das lehret uns ſolches alles reichlich.
x (Schluß folgt.)
— —————
Aun erfahre ich mit der Wahrheit, daß
Hott die Perſon nicht anſieht; ſondern in
alerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht
Apoſtelg. 10, 34. 35.
In der vorigen Nummer haben wir, meine
neben Leſer, geſehen, daß der die Überſchrift ent⸗
tzhut, der iſt ihm angenehm.“
4 (Schlub.)
hltende Ausſpruch des heiligen Apoſtels Petrus
hergehenden und Nachfolgenden und mit Berück⸗
ſih im Vater bin, und der Vater in mir?“ Joh.
—31—
unmöglich ſagen wolle, was nach der Behaup⸗
tung der Religionsmenger und Ungläubigen dar⸗
in liegen ſoll; und wir waren endlich bei der
Frage angekommen, was denn nun wohl der ei⸗
gentliche Sinn dieſer ſo oft gemißde uteten und
gemißbrauchten Worte ſei.
Wie es faſt immer zu rechter Auslegung von
Bibelſtellen von hoher Wichtigkeit iſt, daß man
dieſelben in ihremZuſammenhange mit dem Vor⸗
ſichtigung der betreffenden geſchichtlichen Umſtäu⸗
de betrachte, ſo auch hier. Aus dem Vorherge⸗
henden erſehen wir aber, daß Petrus bis dahin
noch der Meinung geweſen war, wolle ein Heide
ſelig werden, ſo müſſe er ſich erſt in das Volk
Gottes durch die Beſchneidung aufnehmen laſ⸗
ſen, ſonſt ſei er nach dem Geſetz unrein und ihm
könne das Evangelium von IEſu nicht gepredigt
werden, noch überhaupt ein Gläubiger ſich mit
ihm etwas zu ſchaffen machen. Der HErr hatte
nehmlich zu den Apoſteln noch im zweiten Jahre
ſeines öffentlichen Lehramtes bei der erſten Aus⸗
ſendung derſelben zur Predigt des Evangeliums
(Matth. 10, 5. 6.) geſagt: „Gehet nicht auf
der Heiden Straße, und ziehet nicht in der
Samariter Städte; ſondern gehet hin zu
den verlorenen Schaafen aus dem Hauſe JIs⸗
rael“. Wohl war nun dies Gebot nur für eine
Zeitlang gegeben und von Chriſto felbſt nach
ſeiner Auferſtehung wieder aufgehoben worden 3.
denn Chriſtus hatte ja ausdrücklich dann den
Apoſteln den Befehl gegeben: ſeine „Zeugen zu
ſein zu Jeruſalem, und in ganz Judäa und
bis an das En de der Erde“ (Apoſt. 1, 8.),
oder wie es anderwärts heißt: „Gehet hin in
alle Welt, und prediget das Evangelium aller
Creatur“ (Marc. 16, 15.); die lieben Apoſtel
aber warteten noch immer auf eine nähere Offen⸗
barung, wenn, wo und wie die bisherige Schei⸗
dewand zwiſchen Juden und Heiden zu durch⸗
brechen ſei. Doch was geſchieht? In dem er⸗
ſten Theil des Capitels, aus welchem jener Petri⸗
niſche Ausſpruch genommen iſt, wird uns erzählt,
als Petrus zu Joppe einſt auf dem Söller des
Hauſes ſein Herz im Gebete vor Gott ausgeſchüt⸗
tet hat und eben im Begriff iſt, ſein Mittags⸗
mahl einzunehnen, wird er plötzlich entzücktz er
ſieht den Himmel über ſich geöffnet; ein Gefäß,
wie ein großes leinenes Tuch, läßt ſich herab,
darinnen ſind Thiere aller Art, deren Genuß in
dem Geſetz Moſis, als unreiner Thiere, ver⸗
boten war; und in demſelben Augenblicke er⸗
ſchallt eine Stimme vom Himmel, die ihm zu⸗
ruft: „Stehe auf, Petre, ſchlachte und iß.“
Petrus, dies für eine Verſuchung haltend, ant⸗
wortet: O, nein HErr, denn ich habe noch nie
etwas gemeines oder unreines gegeſſen.“
Aber zum andern und dritten Male tönt eine
Stimme vom Himmel, die da ſpricht: „Was
Gott gereiniget hat, das mache Du nicht gemein.“,
Hierauf wird das Gefäß' wieder gen Himmel
aufgenommen. Als nun Petrus über die Be⸗
deutung dieſes ihm zu Theil gewordenen himm⸗
liſchen Geſichts bekümmert iſt, ſiehe! da fragen
eben zwei Männer in Begleitung eines Kriegs⸗
mit dem Zunamen Petrus, zur Herberge ſei;
zu gleicher Zeit aber ſpricht der Geiſt zu Petro:
„Siehe, drei Männer ſuchen dich; aber ſtehe
auf, ſteige hinab, und ziehe mit ihnen, und
zweifle nichts; denn Ich habe ſie geſandt.“ So
geht denn Petrus eilends hinab, begrüßt die
Gäſte und vernimmt von denſelben, daß einem
frommen und gottesfürchtigen heidniſchen Haupt⸗
mann zu Cäſarien, mit Namen Cornelius, der
Engel des HErrn erſchienen ſei und demſelben
den Befehl gegeben habe, zu ihm, dem Petrus,
zu ſenden, damit er ihm „Worte ſage, da⸗
durch er ſelig werde, und ſein ganzes
Haus.“ (Apoſt. 11, 14.) Dem SErrn gehor⸗
ſam, geht daher Petrus am anderen Tage mit
den Boten nach Cäſarien und als er hier in das
Haus des Hauptmanns eintritt, findei er eine
große Menge, ſeiner harrend, verſammelt, die er
mit den Worten anredet: „Ihr wiſſet, wie es
ein ungewohntes Ding iſt einem jüviſchen
Manne, ſich zu thun oder zu kommen zu ei⸗
nem Fremdling; aber Gott hat mir gezeigt, kei⸗
nen Menſchen gemein oder un rein zu hei⸗
ßen. Darum habe ich mich nicht geweigert, zu
kommen, als ich bin hergefordert.“ Als nun
hierauf Cornelius die auch ihm geſchehene himm⸗
liſche Erſcheinung wiederholt berichtet und zuletzt
ſpricht: „Und du haſt wohlgethan, daß du ge⸗
kommen biſt. Nun ſind wir alle hier gegenwaͤr⸗
tig vor Gott, zu hören alles, was dir von Gott
befohlen iſt,“ da heißt es, „thut Petrus ſei⸗
nen Mund auf“, und ſpricht nehmlich mit gro⸗
ßer Freudigkeit: „Nunerfahre ich mitder
Wahrheit, daß Gottdie Perſonnicht
anſiehet; ſondern in allerlei Volk,
wer ihn fürchtet und recht thut, der,
iſt ihm angenehm.“
Kann es nun, dieſe Worte in dem angegebe⸗
nen Zuſa mmenhange betrachtet, zwei felhaft ſein,
was der h. Apoſtel damit habe ſagen wollen? —
Gewiß nicht. Er will damit unwiderſprechlich
nichts anderes, als dieſes, ſagen: Bisher meinte
ich, ich dürfe mich zu keinem Heiden wenden,
ihm das Evangelium vonChriſto zu verkündigen;
ich meinte, das Volk der Juden ſei das allein von
Gott geheiligte und auserwählte Volk, dem dieſe
Gnade zu Theil werden ſolle; der Heide ſei vor
Gott unrein und gemein und daher von einem
Knecht und Boten Gottes zu meiden; allein nun
erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Per⸗
ſon nicht anſieht; nun ſehe ich, daß Gott eben
ſo wenig einen Heiden, wie einen Juden, nach
einem unbedingten Rathſchluß von ſeinem Gna⸗
denreich aus geſchloſſen habe; daß Gott eben ſo
wenig einen Heiden, wie einen Juden, für ge⸗
mein und unrein, das iſt, für einen Gräuel
achte, mit dem Er keine Gemeinſchaft eingehen
und haben wolle; daß vielmehr gerade durch die
von dem Sohne Gottes am Kreuze geſtiftete
Verſöhnung der Zaun, der bis dahin zwiſchen
Juden und Heiden war, abgebrochen, und die
Feindſchaft weggenommen worden ſei, damit nun
im Evangelio der Friede denen, die ferne wa⸗
ren, wie denen, die nahe waren, verkündiget
würde und durch Chriſtum alle beide in Einem
knechtes unten an der Thür, ob hier ein Simon,
Geiſt den Zugang zum Vater hätten. (Epheſ.
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