# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 03 18_S135 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) urppäiſchen Arzt nöthig machen, dann, weil jezt in jenem Lande Krieg iſt und das Beiſpiel unſerer Nationen die Wilden faſt ſo böſe gemacht haͤt, als wir ſelbſt ſind. Ich beſchränke mich darauf, als ein friedlicher Wilder in der, Ihrem Vaterlande benachbarten, einſamen Gegend zu leben.“ — Wie es ſcheint, ſtimmen, was die praris betrifft, unſere hieſigen „Freien Männer“ in dieſem Punkte mit Herrn Voltaire überein, vogegen wir auch durchaus nichts einzuwenden haben, da es ſchwerlich ausführbar wäre, alle Welt zu bewegen, zu der urſprünglichen natur⸗ gemäßen Stellung ihres Leibes zurückzukehren, und es ſicher viele Mißſtände im Handel und Pandel erzeugen würde, wenn die „Freien“ on den unfreien Leuten ſich dadurch uuterſchei⸗ den wollten, daß erſtere nach der Mutter Erde und letztere nach den Sternen gekehrt, dieſes Le⸗ ben durchwandern wollten. — “““ (Eingeſandt.) Von den heiligen Sakramenten. — Herr Naſt eröffnet No. 13. des diesjährigen Ipologtten in einem Aufſatze mit der Überſchrift: „Haben die Sakramente eine an ſich ſeligma⸗ chende Kraft?“ einen Kampf wider die „Forma⸗ liten.“ Dieſe „Formaliſten“ beſchreibt er als ſolche Leute, welche die Sakramente des neuen Bundes an vie Sielle der Gnade Gottes oder ennes ſeligmachenden Glaubens an Chriſtum, ja gar an die Stelle des heil. Geiſtes ſetzen. Da⸗ nit bringen die „Formaliſten“ allerdings eine gtäuliche Verwirrung in die chriſtliche Lehre, tine Verwirrung, welche die evangeliſch-luthe⸗ riſche Kirche beſtändig auf das Entſchiedenſte rrworfen hat. Wir bekennen zwar nach der heiligen Schrift, daß Gott, daß die Gerechtig⸗ keit und das Leiden Chriſti, daß die heiligen Sakramente, daß der Glaube ſelig mache, al⸗ kiin wir ſetzen keines von dieſen Stücken an die Stelle des andern, ſondern laſſen dieſelben in der ſchriftgemäßen Ordnung. Gott iſt die vor⸗ nhmſte Urſache (oausa principalis), welche uns ſlig macht; die Gerechtigkeit und das Leiden chriſti iſt die verdienſtliche Urſache causa me⸗ itoria), um derentwillen Gott uns ſelig macht; die heiligen Sakramente ſind die Mittel-Urſachen von Seiten Gottes (causae instrumentales ex hrrte Dei), wodurch Gott uns ſelig macht; der Glaube iſt die Mittel-Urſache von Seiten des Nenſchen (eausa instrumentalis ex parte ho- ninis), wodurch der Menſch ſelig wird. Hören wir hierüber ein klares Zeugniß unſe⸗ Is theuren Chemnitz. Derſelbe ſagt im zweiten Theile ſeines Eramens der Beſchlüſſe des Tri⸗ dent. Conc. im Capitel von der Wirkſamkeit und dem Gebrauche der Sakramente, S. 19.: „Die Auseinanderſetzung iſt nicht dunkel und nicht ſchwierig, wenn man nur jene nothwendige Un⸗ tercheidung macht, in wiefern Gott Gnade er⸗ theile und inwiefern die Sakramente nicht Gnade erthrilen. Gott der Vater hat die Welt mit ſich verſöhnt, und nimmt die Gläubigen zu Gnaden * —1565— Allerdings ertheilen die Sakramente nicht Gnade in der Weiſe, wie Gott der Vater ſelbſt. Chri⸗ ſtus iſt unſer Friede, Eph. 2. Der Tod Chriſti iſt unſere Verſöhnung. In ſeinem Blute ſind wir gerechtfertigt, Röm. 5. Das Blut Chriſti rei⸗ nigt uns von aller Sünde, 1. Joh. 1. Er iſt um unſerer Gerechtigkeit willen auferwecket, Röm. 4. Auch in dieſer Weiſe reinigt die Taufe allerdings nicht von Sünden, wie Chriſtus ſelbſt. Die eigenthümliche Wirkſamkeit des heil. Geiſtes beſteht in der Darreichung und Zueig⸗ nung der Gnade. Auch dem heiligen Geiſte dürfen die Sakramente allerdings nicht gleichge⸗ ſtellt werden, daß man glaube, ſie ertheilten in gleicher und ganz derſelben Weiſe Gnade, wie der heilige Geiſt ſelbſt. Soll man aber deßhalb den Sakramenten gar nichts zuſchreiben? Aller⸗ dings iſt kurz vorher mit den Worten der heil. Schrift ſelbſt angegeben, was die Sprüche der Schrift den Sakramenten zuſchreiben. Aber man muß ſich genau und ſorgfältig hüten, daß man nicht, wenn man von der Kraft und Wirkſamkeit der Sakramente handelt, das, was der Gnade des Vaters, der Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes und dem Verdienſte Gottes des Sohnes eignet, Gott nimmt und auf die Sakramente überträgt; denn das wäre die Sünde der Abgötterei: auch darf man die Sakramente nicht dem Verdienſte Chriſti, der Gnade des Vaters und der Wirk⸗ ſamkeit des heiligen Geiſtes hinzufügen als mit⸗ helfende oder theilweiſe Urſachen: denn das wäre dieſelbe Sünde. Denn es iſt kein anderer Na⸗ me gegeben den Menſchen ꝛc. Apoſtelg. 4. ꝛc. So wie daher das Evangelium eine Kraft Gottes iſt, die da ſelig macht alle, die daran glauben: nicht weil an den Buchſtaben, den Sylben und dem Klange der Worte eine gewiſſe magiſche Kraft haftete, ſondern weil es das Mittel, Or⸗ gan oder Werkzeug iſt, durch welches der heilige Geiſt wirkſam iſt, indem er das Verdienſt Chriſti und die Gnade Gottes allen Gläuhigen zur Se⸗ ligkeit vorſtellt, anbietet, darreicht, austheilt und zueignet: ſo wird auch den Sakramenten eine Kraft oder Wirkſamkeit zugeſchrkeben: nicht weil in den Sakramenten außer oder neben dem Ver⸗ dienſte Chriſti, der Barmherzigkeit des Vaters und der Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes eine Gnade zur Seligkeit zu ſuchen wäre: ſondern die Sakramente ſind Mittel⸗Urſachen, ſo daß der Vater durch jene Mittel oder Werkzeuge ſeine Gnade darreichen, ſchenken, zueignen: der Sohn ſein Verdienſt den Gläubigen mittheilen: der heilige Geiſt ſeine Wirkſamkeit allen Gläubigen zum Heile ausüben will. Auf dieſe Weiſe bleibt Gott ſeine Ehre, daß die Gnade nicht anderswo geſucht wird als bei Gott dem Vater: daß der Schatz oder die Urſache der Vergebung der Sün⸗ den und das ewige Leben nicht anderswo ge⸗ ſucht wird als in dem Tode und der Auferſte⸗ hung Chriſti, und daß die Wirkung der Wieder⸗ geburt zur Seligkeit nicht anderswo geſucht wird als in der Thätigkeit des heiligen Geiſtes. Die Sakramente aber ſind es, welche jene Wohlthaten uns im Worte vorſtellen, zubringen, darreichen und verſiegeln: und ſo führen ſie uns zu Chriſto, * an, indem er ihnen ihre Sünden nicht zurechnet. * zur Gnade Gottes, zur Wirkſamkeit des heligen — Geiſtes. Denn weil Gott in Beziehum auf unſere Seligkeit durch gewiſſe Mittel mit uns handeln will, ſo hat er dieſen Gebrauch ſelbſt angeordnet und das Wort der Verheißung des Evangeliums eingeſetzt, welches zuweilen einfach an ſich oder bloß vorgeſtellt wird, zuweilen aber bekleidet oder ſichtbar gemacht durch gewiſſe von Gott eingeſetzte Handlungen oder Sakramente. Wort und Sakrament zeigen uns daher, wo der Glaube ſuchen müſſe und wo er finden könne Chriſtum den Mittler, den Vater und den heili⸗ gen Geiſt, ſo daß ſie mit uns handeln, uns dar⸗ reichen, aneignen und verſiegeln die Güter, wel⸗ che Chriſtus uns verdient hat und von denen das Evangelinm redet. Und im Gebrauche der Sakramente ſucht oder erblickt der Glaube nicht eine weſentliche Kraft oder Wirkſamkeit, welche an den äußern Elementen der Sakramente ſelbſt hafte: ſondern in der Verheißung, welche dem Sakramente angehängt iſt, ſucht, ergreift und empfängt er die Gnade des Vaters, das Ver⸗ dienſt des Sohnes und die Wirkſamkeit des heili⸗ gen Geiſtes.“ Bis dahin Chemnitz. Keinesweges alſo vergöttern wir die Sakra⸗ mente, keinesweges legen wir ihnen ſolche Ei⸗ genſchaften, Werke und Ehren bei, welche Gott allein gebühren, keinesweges ſetzen wir ſie an die Stelle des heiligen Geiſtes. Mit der gan⸗ zen chriſtlichen Kirche geben wir dem heiligen Geiſte ſeine Ehre, indem wir bekennen, daß er waͤhrhaftiger Gott und zwar die dritte Perſon der Goitheit ſei, welche vom Vater und dem Sohne in Ewigkeit ausgehe. Dem heiligen Geiſte ſchreiben wir dem Worte Gottes gemäß das Werk der Heiligung zu; er iſt es, welcher uns wiedergebärt, bekehrt, erleuchtet, lebendig macht, erneuert und verherrlicht, daß wir Kin— der Gottes des Vaters, Brüder des Herrn Chriſti, Tempel des heiligen Geiſtes und Erben des ewigen Lebens werden. Wer den heiligen Geiſt nicht hat, kann nicht ſelig werden, denn Gottes Wort ſagt, Röm. 8, 9.: Wer Chriſtus Geiſt nicht hat, der iſt nicht ſein. Nur durch die Wirkſamkeit des heiligen Geiſtes kann ein Menſch zum ſeligmachenden Glauben an den Herrn Jeſum Chriſtum kommen, 1 Cor. 12, 3.: Niemand kann Jeſum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geiſt. Welches alles wir dem Worte Gottes gemäß in unſerem kleinen Catechismus bekennen: Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Je⸗ ſum Chriſtum lmeinen Herrn glauben, oder zu ihm kommen kann, ſondern der heilige Geiſt hat mich durch das Evangelium berufen, mit ſeinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten, u. ſ. w. Allein die größte Verkehrtheit wäre es, wenn man vie Ehre des heiligen Geiſtes dadurch er⸗ höhen wollte, daß man den Sakramenten alles das nimmt, was Gott ſelbſt ihnen zuſchreibt und ſie als bloße, leere, äußerliche Zeichen und Ceremonien ſchändet und läſtert. Das einzig Richtige iſt vielmehr, daß wir kindlich bei dem Worte Gottes bleiben und den Sakramenten nicht mehr und nicht weniger zuſchreiben, als was Gott ſelbſt ihnen zuſchreibt. Nun ſpricht