Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 124
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 124
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ſchlechter auf Erden.“ (1 Moſ. 12, 15. 18) Und
wie ſprechen ſpäter die Propheten, welche jene
erſte Verheißung des Meſſias im Paradieſe und
die dem Abraham ge ſchehene Verheißung gleich⸗
ſam zum Texte ihrer Predigten hatten? Sie
rufen wie mit Einer Stimme: „HErr, deine Au⸗
gen ſehen nach dem Glauben.“ (Jer. 5, 3.) —
Und wo wollten wir anfangen, wo enden, wenn
wir auch nur die allerdeutlichſten Stellen des
Neuen Teſtamextes anführen wollten, in wel⸗
chen dem Glauben allein die Seligkeit und dem
Unglauben die ewige Verdammniß unwiderruf⸗
lich zuge ſchrieben wird? Folgende Stellen mögen
genügen: „Wer an den Sohn glaubt, ſpricht der
VeErr ſelbſt, der hat das ewige Leben; wer dem
Sohne nicht glaubet, der wird das Leben nicht ſe⸗
hen, ſondern der Zorn Gottes bleibet über ihm.“
(Joh. 3, 36.) „Wer an ihn glaubet, der wird
nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der i ſt
ſchon gerichtet, denn er glauret nicht an den
Namen des eingebornen Sohnes Gottes.“ (Joh.
3, 18.) „Dem aber, ſetzt St. Paulus hinzu,
der nicht mit Werken umgehet, glaubet
aber an den, der die Gottloſen gerecht macht;
dem wird ſein Glaube gerechnet zur Gerechtig⸗
keit.“ (Röm. 4, 5.]) Ohne Glauben iſt
es unmöglich Gott gefallen.“ (Ebr.
11, 6.) Und ſo heißt es allenthalben vom erſten
Buch des alten bis zum letzten des Neuen Teſta⸗
mentes. Wir können die Bibel nicht aufſchla⸗
gen, ohne einer Stelle zu begegnen, wo die Se⸗
ligkeit nicht den Werken, ſondern allein dem
Glauben zugeſchrieben wird.
Doch ſelbſt abgeſehen davon, daß die heil.
Schrift ſonſt dies allerwärts lehrt, ſo bedarf es
nür einer etwas genaueren Betrachtung jenes des
Petriniſchen Ausſpruchs ſelbſt, ſo verſchwinden
die Rebel, in welche die Glaubensfeinde denſelben
durch ihre falſche Deutung eingehullt haben, von
ſelbſt, und wir finden, daß die Worte, weit ent⸗
ſernt, der Lehre von der allein ſeligmachenden
Kraft des Glaubens zu widerſprechen, dieſelbe
vielmehr mächtig beſtätigen, und daß daher die
Religionsmenger, welche ſich damit vertheidigen
wollen, wie ein neuerer Schriftſteller ſagt, „das
Schwert bei der Schneide ergreifen.“
Man bedenke erſtlich, der Apoſtel ſagt: „In
allerlei Volk“, — er ſagt alſo nicht: in
ellerlei Religion, „wer Gott furchtet und
recht thut, der iſt ihm angenehm“. Hält ein ein⸗
fäͤltiger Chriſt nur das den Glaubensfeinden
vor, ſo iſt denſelben ſchon damit ihre vermeintliche
Waffe aus den Händen gerungen und gegen ſie
ſelbſt gerichtet.
Man bedenke aber auch ferner, der Apoſtel
ſagt: „Wer Gott fürchtet.“ Was fur
ein Gott iſt es aber, den ein Apoſtel JEſu Chri⸗
ſti meint, wenn er von Gott redet? Glaubten
die Apoſt el und Propheteu etwa an mehrere Got⸗
ter? Das ſei ferne! Sie ſchreiben: „Wer
überty itt, und bleibet nicht in der Lehre Chriſti,
der hat keinen Gott.“ (2 Joh. 9.) „Wer
den Sohn leugnet, der hat auch den Va⸗
iernicht“ (1 Joh. 2, 23.) „Iſt auch ein Gott
außer mir? Es iſt kein Hort, ich weiß ja keinen.“
(Joh. 44, 9.) Und von den Heiden ſchreiben
ſie: Sie haben „keine Hoffnuug und ſind o hue
Gott in der Welt.“ (Epheſ. 2, 12,) Ja an ei⸗
ner andern Stelle bezeugen ſie: „Soll ich ſagen,
daß der Götze etwas ſei? Oder daß das Götzen⸗
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opfer etwas ſei? Aber ich ſage, daß die Heiden,
was ſie opfern, das opfern ſie den Teufeln,
und nicht Gott“. (1 Cor. 10, 19. 20.) Hier⸗
aus ſehen wir, wollte man Petrus ſo verſtehen,
wie die Glaubensfeinde ſeine Rede auslegen, ſo
hätte er nach der eigenen Lehre der Apoſtel ſelbſt
ſo viel ſagen wollen: „In allerlei Religion, wer
etwas furchtet, was er Gott nennt, und wenn es
der Teufel ſelbſt wäre, der iſt Gott angenehm“.
Wer will es aber wagen, einem heiligen Apoſtel
eine ſo verrückte und gottesläſterliche Lehre unter⸗
zuſchieben? — Nein, wenn ein Apoſtel, wenn
Petrus von Gott redet, ſo redet er von keinem
anderen, als dem einigen wahren Gott, an
lich damit ſagen? — Davon, ſo Gott will, in
den er glaubte und den er predigte: von dem
Bibelgott; von dem Jehovah, der ſich den Patri⸗
archen und Propheten geoffenbart hat; von dem
Dreieinigen, Vater, Sohn und heiligen Geiſt;
von dem Gott, der in Chriſto ein Menſch gewor⸗
den iſt.
Man bedenke aber ferner, der Apoſtel ſagt:
„Wer (dieſen) Gott fürchtet“. Was be⸗
deutet nun aber nach der apoſtoliſchen Lehre:
Gott fürchten? Nach der Lehre der heiligen
Apoſtel fürchten diejenigen allein Gott, welche
aus ihrer vatürlichen fleiſchlichen Sicherheit er⸗
wacht ſind, welche ſich für Sünder erkennen,
welche erkennen, daß ſie mit ihren Sünden Got⸗
tes Zorn und ewige Ungnade verdient haben,
welche Gott allein alle Ehre geben
und nichts begehren, als ſeine Gnadee. Denn
alſo heißt es unter anderem: „Wer ſoll dich nicht
fürchten, Herr, und deinen Namen preiſen?
denn du biſt allein heilig“. (Offb. 15,
4.). Und in dieſer Verbindung und Bedeutung
reden ſchon die heiligen Propheten von der Furcht
Gottes: „Bei dir iſt die Vergebung, daß man
dich fuürchte“. (Pſ. 130, 4.)
Man bedenke endlich, der Apoſtel ſagt: „Wer
Gott fürchtet und recht thut“. Was
verſtehen aber die Apoſtel darunter, wenn ſie vom
Rechtthun reden? Alſo ſchreibt unſer Petrus:
Reichet dar in eurem Glauben Tugend.“
(2 Petri. 1, 5.) und ferner St. Paulus: „Was
aber nicht aus dem Glauben geht, das
iſt Sünde“! (Röm. 14, 23.) Den Un⸗
gläubigen iſt nichts rein, ſondern
unrein iſt beides ihr Sinn und Gewiſſen“. (Tit.
1, 15.). Die heiligen Apoſtel ſind in dieſer Leh⸗
re, wie in allen anderen, ihrem HErrn und Mei⸗
ſter gefolgt, welcher ſpricht: „Gleichwie der Re⸗
be kann keine Frucht bringen von ihm ſelber, er
bleibe denn am Weinſtock; alſo auch ihr nicht,
ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinſtock,
Ihr ſeid die Reben. Wer in mir bleibet, und Ich
in ihm, der bringet viele Frucht; denn ohne
mich könnet ihr nichts thun“. (Joh.
15, 4. 5) Wa findet ſich alſo in den Worten
des Apoſtels, was die Glaubensfeinde und In⸗
differentiſten daraus beweiſen wollen? Es ſteht
dies nirgends weniger, als gerade in dieſen Wor⸗
ten; es ſteht nirgends, als in den Köpfen und
Schriften dieſer Herren, und weil es ſie ſo recht
zu ſein dünkt, ſo tragen ſie es in den apoſtoliſchen
Ausſpruch hinein und leſen dann ihr Hineinge⸗
tragenes wieder heraus.
Aber, werden vielleicht manche ſagen, bleibt
es jedoch nicht allerdings ſeltſam, daß der Apo⸗
ſtel ſich gerade ſo ausdrückt, wie wir leſen?
Was hat es doch damit eigentlich Für eine Be⸗
wandniß? Was will der Apoſtel wohl eigerm
der nächſten Nummer.
(Schluß folgt.)
——....—— ———————ßiꝛiß—ßꝛ—
(Eingrſandt.)
Freie Blätter.
Ein Organ für religiöſe
Aufklärung.
Unter dieſem Titel erſcheint gegenwaͤrtig i
St. Louis ein Blatt, herausgegeben und redi—
girt von Herrn Franz Schmidt, welches den ge
meinſten atheiſtiſchen Rationalismus predigt. )
Denſelben zu widerlegen, halten wir für über
fluſſig, da derſelbe ſchon längſt mit allen Waffen
der Wiſſenſchaft überwunden iſt. Schon vo
Jahren hieß es in Dentſchland, der Rationalis
mus gleiche einem völlig todtgeſchlagenen Hun
de, und wie man ſich ſchämt, auf ein ſtinkendet
Aas noch weiter loszuprugeln, ſo ſchämten ſil
auch die Gelehrten, den gottesläſterlichen U
ſinn des Rationalismus noch weiter zu bekaͤn
pfen.
Herr Schmidt iſt ein Atheiſt oder Gotteslän
ner, wenigſtens verſucht er es, ſein Gewiſſen
ertödten und daraus die ewige Wahrheit, da
es einen Gott giebt, zu vertlgen. Er beken
ſelbſt: „daß die Schranken zwiſchen Welt u
Gott, zwiſchen naturlichem und übernatürlichg
Sein nichts ſind, als eitel Einbildungen, Erf
dungen und Irrthümer.“ Wie geſagt, es
üͤberflüſſig dieſen Gotteslängner zu beſtreiten;
der, der noch nicht ganz verthiert iſt, ſondern na
etwas von dem beſitzt, welches den Meuſch
vom Vieh unterſcheidet, nämlich Vernunft un
Gewiſſen, kann ihn mit leichter Mühe wide
legen. 1
Die freien Blätter gehören ſomit unſtreitig
ſog. Fortſchritte an. Welches das erhabene Ziel
ſes Fortſchrittes ſei, das haben die Socialil
und Communiſten am deutlichſten ausgeſproch
nämlich: Aufhebung aller Obrigkeit und
Eheſtandes, Vernichtung des Chriſtenthums!
aller Religion, Abſchlachtung aller Reichen,
richtung von Findelhaͤuſern, ein allgemei
Freſſen, Saufen und Huren; mit einem Wa
völlige Verthierung der Menſchheit iſt ihr
Leben, ſterben, wie das Vieh,
Das iſt ihre Theorie.
Das Mittel, welches zur Herbeiführungee
allgemeinen und völligen Verthierung der Met
*) Wir können nicht unterlaſſen, hierbei zu bem
daß nicht nur der hieſige „Anzeiger des Weſtens“, von
nichts Beſſeres zu erwarten war, ſondern ſelbſt die
engliſch deutſche Zeitung des Herrn Dr. Gemppd
welcher in ſeiner Jugend eine chriſlliche Erziehung l.
haben ſoll, die oben bezeichneten „Bläner/ in welchn
allmächtige Gott im Himmel abgeieugnet wird, emſ
len haben. Herr Dr. Gempp hat damit ſeinem
welches die Deutſchen den Amertianern berannt macht
die ſen vor jenen Achtung einflößen und beide Stäm 0
ander näher bringen ſoll, ſelbſt den Stab gebrochen.
Blatt wird zu nichts dienen, als dem Amerikaner die
darüber zu öffnen, in welchen Pfuhl des Atheismus,
der Gottloſigkeit, viele der hier eingewanderten Y
verſunken ſinv. Anſtatt Achtung wird Herr Gemph
dem relitziöſen oder nur morallſchen Ameri'aner —
die tiejſie Verachtung auf den deutſchen Ramen
Die Rede
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