Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 120

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 120

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Denn auch der Gnaden Gaben
Für meine Pilgrimszeit, „
Die ſoll ich ſämmtlich haben,
Sie ſind für mich bereit:
Muth, Freudigkeit und Stärke,
Demuth und Tapferkeit,

Zu jedem meiner Werke
Zu jedem rechten Streit.4

Wo Gnad' iſt, iſt auch Ehre —
Vor allen Heil'gen hierr,
Ja ſelbſt der Engel Chöre, —
Die geben Ehre mir, ö
Weil ich bin ſchön gezieret

Mit Jeſu Hochzeitskleid.

Mein Glaube triumphiret
Nach kurzem Kampf und Streit.

So bin ich wohl geborgen
In meines JEſu Hand:

Er will-mich ſtets verſorgen
In Amt, Beruf und Stand.
Nichts Gutes mangeln laſſen
Will mir mein Herr und Gott;
Drum mag die Welt mich haſſen,
Ich trotz' all' ihrem Spott!

7

So laß mich denn einſt kommen,

Du Herre Zebaoth!

Zu allen deinen Frommen,

Zum Leben durch den Tod!

Du haſt es ja verheißen,

Wer ſich auf Dich verläßt,

Mit ew'gem Wohl zu ſpeiſen

Am ſel'gen Jubelfeſt.
A. Selle.

Der Bauer und der Biſchof.

Gailer von Kaiſersberg (geſtorben
1510 als Prädikant zu Straßburg) erzählt in ei⸗
ner 1482 vor vielen Prälaten und Prieſtern ge⸗
haltenen Predigt, worin er auf eine Reformation
der verderbten Kirche dringt, folgende liebliche
Geſchichte:

Einſt kommt ein mächtiger Biſchof, geharniſcht
und von einer großen Schaar bewehrter Reiſiger
umgeben, an dem Felde eines Bauern vorüber
mit großem Tumulte daher gerauſcht. Erſchrok⸗
ken verläßt der Bauer ſeinen Pflug und bleibt mit
offenem Munde vor dem pompöſen Zuge ſtehen.
Der Biſchof bemerkt ihn, reitet auf ihn zu und
redet ihn mit freundlicher Miene folgendermaßen
an: „Guter Freund, ich hätte dich etwas zu fra⸗
gen, wollteſt du mir auf meine Frage ſchlechte
und wahre Antwort geben““? Der Bauer ant⸗
wortet: „Wer bin ich und wer ſind alle meine
Eltern, daß ich meinem Durchläuchtigſten Fürſten
und gnädigen Herrn zu antworten mich widrigen
ſollte?“ Der Biſchof fahrt fort: „So ſage mir,
was gedachteſt du, da du mit gähnenden Munde
ſtehen bliebſt und mich mit Verwundern anſahſt?“
„Ich dachte, entgegnete der Bauer, ob wohl St.
Martin, der auch Biſchof geweſen iſt, auch mit
ſolchem Waffengeklirr und ſolcher Reiterſchaar die
Straßen daher zu ziehen gepflegt?“ Der Biſchof,
ob dieſer Rede etwas verlegen geworden, erwi⸗
dert: „Ich hin nicht allein Biſchof und ein geiſt⸗
licher Herr, ich bin auch ein weltlicher Herzog,
Fürſt und Herr 3 haſt du aber Luſt, den Biſchof
zu ſehen, ſo komm den, und den (hier nannie er

120—

einen Tag) in mein Stift, ſo werde ich mich als
einen Biſchof erzeigen.“ Hierauf lächelt der
Bauer und ſpricht: Wenn der Herr Biſchof es
ihm nicht für übel nehmen und ihn einer Antwort
würdigen wollt', möcht' er ihm auch wohl eine
Frage vorlegen. „Frag', was dir gefällt, ant⸗

Der Baner hebt an: „Wie? wann unſer Her⸗
zog um ſeine Miſſethat (da Gott fur ſei) in die
Hölle führ', wo käm' unſer Biſchof hin?!“ —
Der Biſchof ſchweigt, und hochroth vor Scham
und Zorn reitet er eilends von dannen. —

Gailer ſetzt (nach Wimphelings Überſetzung
vom Jahre 1512) hinzu: „O wie vil biſchoff ſeind
verfarenn die ietzunt in der hellen zittern, dy be id
iurisdiction, weltliche vnd geiſtliche geübt haben,
hettent ſie allein die geſchefft geiſtliche ſachen ge⸗
handelt, yetzunt weren ſie ſeliger, dan die ſeligen
vnd regnierten in dem reich der hymmel.“ —
Vielleicht thät' die Zugabe einer ähnlichen Lehr'
auch manchem Prediger un ſerer Tage noth, der
es nicht laſſen kann, ſich in weltliche Händel zu
miſchen. —

Gottes Gericht.

nen Bürgers, eines Vaters ſieben wohlgewachſe⸗
ner Söhne, die aber ſämmtlich ſtumm waren.
Der Kummer über das Unglück ſeiner Kinder
nagte dem Vater beſtändig am Herzen, und er
konnte es nicht begreifen, wie ihn Gott vor an⸗
dern Vätern ſo ſchrecklich heimſuchte. Einſt führte
er ſeine ſtummen Söhne auf einen beuachbarten
Maierhof, wo man bei einem alten Schweizer
friſche Milch, Butter und Käſe aß. Der be⸗
drängte Vater warf mitleidige Blicke auf ſeine
Söhne, die geſund und roſemvangig um den Tiſch
ſaßen, aber —ſtumm waren. Thränen träufelten
von ſeinen Wangen, und er ächzte gen Himmel:
„O Gott! womit habe ich das verdient!“ —
Der alte Schweizer, der dieß alles bemerkte, nahm
den Vater auf die Seite, und ſagte mit deutſcher
Treuherzigkeit zu ihm: Ich ſehe wohl, es kränkt
euch, daß eure Söhne ſtumm ſind: Aber mich
wunderts nicht! Wißt ihr noch, ich kenne euch ja
von Jugend auf, wie ihr als Knabe den Vögeln
Schlingen legtet, und wenn ihr ſie finget, ihnen
die Zunge aus dem Halſe riſſet, und ſie mit bos⸗
hafter Freude wieder fliegen ließet? — O, die
Vögelein unter dem Himmel, die nun mit ihrem
Geſange Gott nicht mehr preiſen konnten, haben
euch verklagt, und es ſcheint, ihr ſollt aus dem
Munde eurer Kinder nie den ſüßen Vaternamen
höͤren“ 2 (Sonntagsbl.)

TTTTTTTC CT CC*

Empfangen
für den Bau des evangel. luth. Concordia⸗-
College bei St. Louis:

Von Gliedern ver Gemeinde des Herrn P. Wege. P 7. 00.
E. Roſchke, Caſſirer.

Erhalten
1. zur Unterſtützung armer Studenten:
Von Herrn Lindemann in Baltimore 8 4. 26.
2. zur Synodal⸗Miſſions-Caſſe:
Von den Knaben der hieſigen Immanuelsſchule 8 4. 00.
„ Mädchen der Schule in der Dreieinigkeits⸗

17

„ Freunden der Miſſion durch Herrn P. Schmidt
in Cleveland, Obio6. 00.

1

wortet der Biſchof, du wirſt mich nicht erzurnen./),

[Rev. Keyl, Baltimore, Md. Barnet street 22.

Merkmürdig iſt die Geſchichte eines angeſehe⸗

Von Herrn Lindemann in Baltimore 1. 00.
„ P. Johannes und deſſen erſter Gemeinde 3. 05.
„ Cordes ſen., Benton Co., Mo. 1. 00,
„ Heinrich Holtzen in Hrn. P. Wege's Gem. 1. 00.
„ der Gemeinde des Hru P. Eirich in Cheſter, Ills. 7. 15.
„ Gemeindegliedern in St. Lonis 8. 25.—

1. FZwG. W. Barthel, Caſſirer. 3

I
17
V

Bezahlt 3
den 6. Jahrg. die Herren Gottlieb Göhring (2 H.) Gerrgs
E. Niemann. ů
„ 7. Jahrg. die Herren P. Blitz, Dankmeier ſen., Dank⸗
meier jun., Aug. Fricke (2 H.). Johaunnes Gög=zn
lein jun., Hinkeimann, Wilh. Jung. Conr. Kald⸗)
fleiſch, P. A. Kleinegees, Ludwig Kimm, P. Klin/
kenverg, Aug. Lehmann, Gottfr. Lorenz, Geerg'
E. Riemann, Gottſr. Nönnig, Oswald Rothe⸗
John N. Schäfer, Conrad Theiß, John Joſeph:
Zehlhöfer.

Briefkaſten. 24—
Hunnius, Inhalt derſchriſtlichen Lehre iſt hitr
nicht vorhanden. Die beiden erſen Jahrgänge des „Luthe⸗
ranere“ ſind gänzlich vergriffen. ‚

— ——

Veränderte Adreſſeu.

Rev. Mart. Sondhaus, Tamaqua P.O. Schuylkill Co. Pa.“

Bücher und Pamphlets
zu haben in der Erpedition des Lutheraners
um die beigeſetzten Preiſe.

Dr. Martin Lnthers kl. Catechismus,

unveränderter Abdruck
Das Dutzend § 1. Hundert Stick g 7.

Die Verfaſſung der deutſchen evang.
lut h. Spnode von Miſſouri, Ohio u. a. St.
nebſt einer Einteitung und erlänternden Bemerk.

* Das Dutzend 50; 25 Stück 8 1.

Erſter Synodalbericht der dentſchen evang.
luth. Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St.
vom Jahre 1847

Zweiter Sonodalbericht derſelben Synode
vom Jahre 188

Dritter Syuodalbericht derſelben Sonode
vom Jahre 1849

Dritter Jahrgang des Lutheraners
von 1846 — 47. No. 8 — 26.

(Der 1. u. 2. Jahrgang ſind vergriffen.)

Vierter und fünfter Jahrgang des
Lutheraners

Chriſtliches Concordien buch, d. i. Som⸗
boliſche Bücher der evang. luth. Kirche, New-
Rorker Ausgabe in gepreßtem Leder gebunden

Geſpräche zwiſchen zwei Lutheranern
über den Methodismus, (in Pamphlet⸗
form) 1 Stück ö

Dr. Martin Luthers Tractat von der
wahren Kirche,‚ 2 Stück

Dr. Luthers Hauspoſtille, oder Predigten
über die Evangelien auf die Sonn -und Feſttage
des ganzen Jahrs, New⸗Yorker Auegabe, ge⸗
bunden in Kalbleder

Kirchen-Geſangbuch für evang. luth. Ge⸗
meinden, welchem die ſonn⸗ und feſttäglichen
Perikopen beigefügt ſind, verlegt von der hieſigen
evang. luth. Gemeinde U. A. C. in gepretztem
Lede dandg den ticg

100 Stutt 802. 503 gegen Baarzahlung.

ABC-⸗Buch, Rew⸗Norker Ausgabe, das Stück

(Das Dutzend §l.)

Johann Hübners Bibliſche Hiſtorien aus dem
Alten und Neuen Teſtamente. Unveränderter
Abdruck, New⸗Aorker Ausgabe, im Einzelnen

„ * im Duß end 82. 6

Dr. Martin Luthers Auslegung des 90.

Pſalms, broſchirt und beſchnitten 15.
Dutzend §1. 50,

im
Spruchbuch zum kl. Catechismus Lutheri. Im Auf⸗
trage der Synode von Miſſouri ꝛc. zuſammenge⸗
tragen von Paſtor Fr. Wynecken, das Stück
im Dutzend §t.
Der Hirtenbrief des Herrn P. Graubau zu
Buffalo v. J. 1840 nebſt dem zwiſchen ihm und
mehreren luth. Paſtoren von Miſſouri gewechſel⸗
ten Schriften

81. 55

+*

Gedruckt bei Moritz Niedner,

Nord⸗-Ecke der drinen und Cheſtuut hraße.

English translation

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